FilmWelt: Abraham Lincoln Vampirjäger

Unterm Strich ein zwar absurder, aber keineswegs dummer Actionfilm. Die Vampirelemente wurden überraschend elegant verarbeitet, die Darsteller sind großteils glaubwürdig. Leider lässt das schwache Drehbuch keine bessere Bewertung zu, es kommt einfach zu selten wirkliche Spannung auf. Damit reicht es aus meiner Sicht nur für vier Punkte, fünf wären mit ein bisschen (!) mehr Tiefgang möglich gewesen.

Gesamteindruck: 4/7


Kann man sich ansehen – zu einem Meisterwerk fehlt aber einiges.

Auf die Idee, den 16. US-Präsidenten Abraham Lincoln zu einem Vampirjäger zu machen, muss man erst einmal kommen. Klingt bizarr, ist es auch – wobei man zugeben muss, dass der Vampirmythos einigermaßen „plausibel“ in die amerikanische Geschichte rund um den Sezessionskrieg eingebunden wurde. Neben Lincoln tauchen im Film weitere historische Figuren auf, auch Anspielungen auf reale Ereignisse fehlen nicht. Wobei man die Darstellungsweise bzw. Umdeutung des großen Konflikts um das Ende der Sklaverei, der hunderttausende Opfer auf beiden Seiten gefordert hat, durchaus für fragwürdig halten könnte. Andererseits kann man den Film auch als Satire betrachten – und eine Satire darf bekanntlich (fast) alles.

Von diesen Überlegungen abgesehen ist der überraschend humorlose Film durchaus unterhaltsam. Die Story ist dermaßen absurd, dass es fast schon wieder genial ist. Nur „fast“, weil die Geschichte eben zwar vom Ansatz her gut ist, ansonsten bleibt jedoch eher dünn bleibt. Auch das Drehbuch schafft es nicht, viel Spannung aufzubauen – viel mehr als eine Aneinanderreihung von Action-Sequenzen und eine kleine Liebesgeschichte darf man sich nicht erwarten. A pro pos „Action“: Diesen Part darf man fast durchwegs als gelungen betrachten. Die Kampfszenen sind sehr gut choreografiert, die vollkommen übertrieben dargestellten Fights sehen sogar richtig gut aus. Auch andere rasante Szenen wie eine Pferde-Stampede wurden sehr spektakulär eingefangen. Gerade diese Szene zeigt trotz der rasanten Sprungeinlagen aber auch, wo die Grenzen der Special Effects liegen. Dermaßen nach „Computer“ aussehende Pferde hat man selten gesehen.

Größter Bonuspunkt des Films sind die zwar auch nachbearbeiteten, aber ausgesprochen schönen Außenaufnahmen. Das Spiel mit den Farben wird in „Abraham Lincoln Vampirjäger“ exzessiv betrieben – immer mit außergewöhnlich gutem Ergebnis. Wunderschönes Sepia dominiert, wird in passenden Momenten aber immer von intensiven Farben und Kontrasten abgelöst. Viel besser kann man das meiner Ansicht nach nicht hinbekommen, dafür gibt es sogar einen Bonuspunkt. Der Soundtrack ist im Vergleich dazu eher zweckmäßig, aber immer noch bombastisch genug.

Die Leistung der Schauspieler ist soweit in Ordnung. Charakterlichen Tiefgang sollte und darf man natürlich nicht erwarten, im Rahmen seiner Möglichkeiten agiert das Ensemble aber recht gut. Schade, dass das Drehbuch nicht ein paar mehr Ecken und Kanten an den Figuren zugelassen hat.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Abraham Lincoln: Vampire Hunter
Regie: Timur Bekmambetov
Jahr: 2012
Land: USA
Laufzeit: 105 Minuten
Besetzung (Auswahl): Benjamin Walker, Dominic Cooper, Anthony Mackie, Mary Elizabeth Winstead, Rufus Sewell



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Fremdwelt: Montagsfrage (18)

Beim Surfen auf diversen Blogs findet man immer wieder interessante Dinge. Mich interessiert es beispielsweise, Fragen zu beantworten – und auch die Antworten Anderer zu lesen. Ein Blog, auf dem eine „Montagsfrage“ gestellt wird, habe ich unlängst entdeckt: „Buchfresserchen“ nennt sich das Ding, dessen Startseite hier zu finden ist. Ich werde versuchen, die Montagsfrage regelmäßig zu beantworten.


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Wie wichtig sind dir Klappentexte/Inhaltsangaben auf der Rückseite?

Nach so mancher schlechten Erfahrung mit Klappentexten bin ich vorsichtig geworden. Ja, wenn der Klappentext gut und treffend ist, kann das schon ein Kaufgrund sein. Aber so wirklich drauf verlassen mag ich mich nicht mehr. Besser finde ich meist die Inhaltsangabe auf der Innenseite des Schutzumschlages – solange es so etwas noch regelmäßig gegeben hat. Kommt natürlich auch heute noch vor, mir scheint aber, dass das immer mehr in Vergessenheit gerät. Diese Texte fand ich jedenfalls immer viel besser und treffender und nahm sie – schon bevor ich Klappentexten gegenüber kritischer wurde – lieber zur Kaufentscheidung her.

Heutzutage bekommt diese Frage im Übrigen noch einmal eine neue Dimension. Bücher werden von mir sehr häufig online und auch noch als eBook gekauft. Dementsprechend hat der Klappentext für mich persönlich noch mehr an Bedeutung verloren. Und auch wenn ich – was ich oft tue – z. B. bei Thalia ein Buch sehe, das ich mir dann irgendwann bestelle, hat das selten was mit dem Klappentext zu tun. Am wichtigsten ist für mich der Titel, alles andere ist sekundär und wird, unabhängig von dem, was auf der Rückseite des Buches steht, vor dem Kauf im Internet recherchiert. Die kurze Antwort also:

Klappentexte mögen gelegentlich gut zur ersten Orientierung geeignet sein. Oft genug treffen sie aber nicht zu und sollten mit Vorsicht genossen werden. Dementsprechend sind sie mir wenig wichtig.

WeltenBlog: So long, Lemmy!

R.I.P. Ian Fraser „Lemmy“ Kilmister, 1945 – 2015


Lemmy Kilmister ist nicht mehr. Was das bedeutet, verstehen nur die, die was mit härterer Gitarrenmusik anfangen können. Wobei auch viele von „uns“, denn ich zähle mich auch dazu, nach wie vor nicht das wahre Ausmaß des Ablebens des Motörhead-Frontmannes ermessen können. Glaube ich. Ein Nachruf ist untenstehender Text nicht. Er ist eine Geschichte. Die Geschichte von Motörhead und mir.


Born to lose, lived to win.

Von Motörhead-Seite kam auf Facebook im Zuge der Nachricht zum Tod von Lemmy, die wohl so ziemlich jeden Fan am falschen Fuß erwischt hat, quasi ein „Auftrag“: Jeder, der kann und will, soll Geschichten teilen und erzählen. Dem wurde zigtausendfach nachgekommen, unter anderem von vielen, vielen Musikern und anderen Weggefährten. Könnte es auch einen besseren Weg geben, das Leben des letzten echten Rockers zu feiern? Nein. Und auch ich möchte meine Motörhead-Geschichte, die irgendwann Mitte der 1990er begann, niederschreiben…

„Ace Of Spades“ und die Folgen.

Ich, damals in den 1990ern zunächst Guns n‘ Roses-, dann Grunge-Fan, hatte bei einem Freund auf irgendeinem Sampler („Rock Set“ oder so) erstmalig „Ace Of Spades“ (also den Song) gehört. Das war etwas komplett Neues für mich und vor allem dieser hmm… sehr „spezielle“ Gesang hat sich sehr stark in mein Gedächtnis eingeprägt. Motörhead hieß die Band, von der ich unbedingt mehr hören musste. Ein paar Wochen später war genügend Taschengeld gespart, ich bin zu irgendeinem Elektro-Discounter gestürmt und wollte unbedingt ein Motörhead-Album. „Ace Of Spades“ (1980) sollte es sein, gab es aber nicht, wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht. Beim damals (vermutlich) aktuellen „Sacrifice“ (1995) hatte ich Angst, was meine Eltern zum Cover sagen würden (ja, wirklich!) und „No Sleep ‚til Hammersmith“ (1981) wollte ich nicht, weil ich damals irgendwie nicht glaubte, dass Live-Alben überhaupt was können. Daher musste es „Iron Fist“ (1982) sein, ich glaube, weitere Alben gab es dort nicht. Im Nachhinein betrachtet hätte es schlimmer kommen können, z. B. mit „Rock ’n‘ Roll“ (1987). Aber so richtig gepackt haben mich Motörhead im Allgemeinen und „Iron Fist“ im Speziellen dann auch nicht. Klar, der Titeltrack war über jeden Zweifel erhaben und auch „Heart of Stone“, „Speedfreak“ und „(Don’t Need) Religion“ waren super – der Rest ist mir allerdings nicht in Erinnerung geblieben und ich könnte heute, wenn ich nur die Titel der Songs lese, nicht sagen, wie sie klingen.

Im Laufe der Zeit – es juckte immer noch irgendwo ein bisschen – besorgte ich mir dann zwei Klassiker: „Overkill“ (1979) und „Ace Of Spades“ (1980). Das waren schon ganz andere Nummern, aber auch hier war ich (gefühlt) noch mehrere Jahre skeptisch und konnte mich nicht dazu durchringen, mich so richtig reinzuhören – die ganz große Begeisterung wollte sich einfach nie einstellen. Ich kann nicht mal sagen, warum das so war, vor allem aus heutiger Sicht kommt mir das ausgesprochen merkwürdig vor. Meine Vermutung ist, dass ich damals gerade den Übergang vom Grunge (Nirvana) und Sleaze (Gn’R) hin zum Metal (Metallica, Manowar) vollzog. Motörhead waren irgendwo dazwischen und das ging einfach nicht gut – ich wollte anscheinend entweder das eine oder das andere Extrem, aber nicht den „Bastard“ (höhö… „Bastard“… ein Schenkelklopfer).

Erst die Jahrtausendwende brachte passenderweise auch meine persönliche Motörhead-Wende. Im Jahr 2000 erschien „We Are Motörhead“. Grundsätzlich kein besonders tolles Album, auch in der Retrospektive und aus Fan-Sicht nicht. Aber: Ich hörte den Titeltrack damals eher zufällig in meinem Stammlokal. Vorher hatte ich jahrelang nicht bewusst Motörhead gehört, ja, zwischendurch immer mal wieder, aber nie so richtig. Und dann kam diese Nummer aus den Boxen, ich war angetrunken und horchte – ich weiß nicht wieso – auf. Und da war es, das Gefühl, das jeder kennt, dem sich eine Band, ein Song, ein Album, kurz: Musik, plötzlich erschließt.

„We are Motörhead and we don’t have no class“ – Wen(n) Sätze prägen.

Es ist schon unglaublich. Es ist jetzt 15 Jahre her, ich hatte getrunken und ich erinnere mich – um ein Klischee zu bedienen – „als ob es gestern gewesen wäre“ daran, dass es genau diese Textzeile war, die mit „we don’t have no class“ alles sagt, was notwendig ist. Nur 2:22 Minuten dauert „We Are Motörhead“ – und genau diese Worte weckten mich sozusagen auf. Aber warum? Passten sie zu meinem damaligen Lebensgefühl? Passten sie in die Zeit? Ich kann es nicht mehr nachvollziehen, weiß nur noch, dass es so war. Als ich daheim war, musste ich sofort „Overkill“ auflegen. Und siehe da, es hatte nicht nur mit „We Are Motörhead“ gefunkt, auch diese Stücke auf diesem Album klangen plötzlich ganz anders und ich musste zuerst den Titeltrack, dann „Capricorn“ immer und immer wieder „repeaten“.

Nach und nach kaufte ich dann weitere Alben, manche fand ich besser (z. B. „Inferno“ (2004), „Orgasmatron“ (1986)), manche schlechter (z. B. „Overnight Sensation“ (1996), „Aftershock“ (2013)). Oft war vieles „business as usual“, also genau das, was Unwissende Motörhead sowieso immer vorwarfen. Mir kam es aber eigentlich nie so vor, vor allem, nachdem ich begonnen hatte, mich näher mit den Texten zu befassen, die auch dann, wenn das Songwriting nicht so toll war, zeigten, was Lemmy auf dem Kasten hatte. Nicht immer, aber sehr oft. Manches war aber auch sehr überraschend, vor allem, die Entdeckung unsterblicher Lemmy-Balladen war mir ein Fest: Zuerst „I Ain’t No Nice Guy“, jenes Stück, in dem Lemmy gemeinsame Sache mit Ozzy Osbourne und Slash macht, danach „1916“, die noch vor „One“ von Metallica beste Anti-Kriegs-Nummer überhaupt und gleichzeitig wohl untypischstes Motörhead-Stück ever.

Froh bin ich, dass nicht „Aftershock“ sondern „Bad Magic“ (2015) das finale Album dieser großartigen Band darstellt. Ja, es ist auch keine Großtat, wie man es früher von Motörhead kannte, aber es ist definitiv das bessere Vermächtnis.

Interviews mit Lemmy hatte ich immer gerne gelesen (ich war seit Ende der 1990er Metal Hammer-Abonnent), im YouTube-Zeitalter wurde es dann sogar noch besser – da merkte ich erst, was durch die Übersetzung immer verloren ging. Lemmy sprechen zu hören war ebenfalls eine Offenbarung – der Mann hatte einfach immer was zu sagen. Er wirkte wie ein ungehobelter Rocker – Whiskey in der einen Hand, Zigarette in der anderen, die Stimme, all das. Zuerst. Doch was er dann sagte, praktisch jedes einzelne Wort, hatte Hand und Fuß. Und das ist bis zum Schluss so geblieben, zumindest soweit ich das beurteilen kann.

No sleep ‚til … – Motörhead live.

Ich bin glücklich, was meine Konzerterfahrungen betrifft. Denn: Ich durfte Motörhead live sehen, etwas das vielen Menschen vergönnt war, vielen Unglücklichen aber auch nicht. Einziger Wermutstropfen: Meine Motörhead-Gigs waren auf Festivals beschränkt – auf Headliner-Tour in einer kleinen Halle habe ich die Band nicht gesehen. Leider.

Dreimal war ich am Start. Erstmals 2004, damals beim Aerodrome-Festival bei Wiener Neustadt (gleichzeitig mein zweites Festival überhaupt). Es wäre gelogen, wenn ich jetzt von einem magischen Moment sprechen würde – ich weiß noch, dass es gut war, ich erinnere mich, dass die Bühne für die drei Mann, die darauf standen viel zu groß war (das fiel insbesondere auf, weil danach Slipknot zu neunt ein ganz anderes Bild abgaben). Die Show hat mir gefallen, das weiß ich. Aber: Es ist verdammt lang her und ich hatte damals dieses Mädchen kennengelernt, genau dieses Mädchen, mit dem ich jetzt, mehr als elf Jahre später immer noch zusammen bin. Darauf war ich fokussiert. Und, so ehrlich muss ich auch sein, ich glaube, dass vieles von dem, was damals auf der Bühne geschah (das betrifft nicht nur Motörhead), in einen alkoholbedingten Nebel der Vergessenheit geraten ist.

Die zweite Show war ein paar Jahre später (2007) beim Metalcamp-Festival in Tolmin/Slowenien (mittlerweile: MetalDays). Hier kann ich nur Positives berichten – die Band war super drauf, die Setlist war geil, der Sound war toll – rundum gelungen und tatsächlich eine Art magischer Moment, weil schon damals die Erinnerung an das erste Motörhead-Erlebnis verblasst war, ich die Band in den Jahren dazwischen aber noch mehr zu lieben gelernt hatte. Und so vernahm ich 2007 erstmals bewusst die großen und großartigen Worte: „We are Motörhead and we play Rock n‘ Roll!“, gefolgt von meinem Lieblings-Opener, „Dr. Rock“.

Das letzte live-Erlebnis mit Motörhead führt mich (von Österreich aus gesehen) weit in den Norden, nach Wacken, ins Jahr 2014. Ein Jahr zuvor war ich nicht am Wacken Open Air, allerdings hätte ich Motörhead 2013 beim See Rock-Festival (Steiermark/Österreich) sehen sollen. Einen Tag vor diesem Auftritt wurde die Show abgesagt (Ersatz: Alkbottle). Und damit begann das lange Leiden von Lemmy – und seiner Fans (man kann sich im Übrigen nicht sicher sein, wer mehr litt). Wacken 2013 stand die Band ja auf der Bühne, aber nur für eine halbe Stunde, zu schlecht ging es dem Frontmann. Das Versprechen, 2014 zum W:O:A zurückzukehren, konnten Motörhead jedoch einlösen. Und ich war vor Ort und sah eine Show, die gekennzeichnet war von einem – leider – sehr kranken Lemmy Kilmister. Allzu nahe möchte ich das jetzt nicht ausführen, es reicht zu sagen, dass dieser Gig nichts mit der energiegeladenen, tollen Show von 2007 zu tun hatte. Es war gut, Motörhead damals auf der Bühne zu sehen, aber es war maximal ein mittelprächtiges Konzert. Im Nachhinein könnte ich im Übrigen heulen, wenn ich an das Schild denke, das im Publikum hochgehalten wurde: „Lemmy please don’t die!“ stand darauf.

Motörhead for life – bis zum Schluss.

Der Wille von Lemmy, weiterzumachen, war offenbar trotz allem unbändig. Ich weiß, dass danach immer wieder Konzerte abgebrochen oder abgesagt werden mussten, dazu gibt es auch herzzereißende Videos auf YouTube, die ich mir besser nie angesehen hätte. Das rate ich auch keinem, daher werde ich hier nichts verlinken. Tatsächlich war man in den vergangenen Jahren und Monaten ständig irgendwie in Sorge, dass es bald zu Ende sein würde. Vorstellen konnte ich mir nicht, dass Lemmy seine legendären weißen Stiefel einfach so an den Nagel hängen würde. Das war ein Gedanke, der einfach nicht existent war.

Das ist wohl auch ein Grund, warum man so betroffen ist – bis vor wenigen Jahren herrschte das Gefühl vor, Lemmy wäre unkaputtbar, unsterblich. Ein Mann, der weit jenseits der 60 noch einem Lebensstil frönte, der andere bereits mit 30 ins Grab gebracht hätte und hat. Danach wurde er krank und der Mythos verlor einen Teil seiner Unverletzlichkeit. Dass er tatsächlich und wahrhaftig irgendwann gehen müsste, musste man nun akzeptieren. Ich weiß nicht, ob ich es sagen soll und ob es dem entspricht, was er sich gewünscht hätte… aber ich hätte ihm den Tod auf der Bühne gegönnt. Ich weiß nicht, was das bei den Fans und seinen Bandmitgliedern bewirkt hätte, aber ich denke, das wäre der einzig mögliche und passende Abgang gewesen. Oder, besser gesagt: Ein Abgang, der leichter zu verstehen gewesen wäre als dieser plötzliche, trotz allem unerwartete Tod wenige Tage nach seinem 70. Geburtstag.

Und mehr gibt es zu meiner Motörhead-„Karriere“ nicht zu sagen. Außer, dass ich Lemmy nicht kannte, ihn nie getroffen habe, das aber nur ein bisschen bedaure – ich hätte eh nicht gewusst, was ich zu ihm hätte sagen sollen und auf ein einfaches „Danke für alles“, den einzigen Satz, der vermutlich Sinn gemacht hätte, wäre ich wohl nicht gekommen. Von daher vielleicht besser so.

„He was Lemmy and he played Rock n‘ Roll!“


PS: Wenn von Todesfällen im Motörhead-Lager gesprochen wird, sollte man auch die ehemaligen Lemmy-Weggefährten Michael „Würzel“ Burston (g, † 2011) und Phil „Philthy Animal“ Taylor (d, † 2015) nicht vergessen. Vor allem der Tod von Taylor, fast 10 Jahre jünger als Lemmy selbst, schien dem Motörhead-Fronter sehr nahe zu gehen, soweit man das in den Social Media mitbekommen hat.



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SpielWelt: Dead Space

Zugegeben, der Titel zu dieser Rezension ist ein wenig klischeehaft. Dennoch trifft er – zumindest was mich betrifft – voll und ganz zu. „Dead Space“ aus dem Hause Electronic Arts ist nämlich echtes Schock-Erlebnis, das damals beim ersten Spielen in meiner bisherigen „Karriere“ als Spieler seinesgleichen gesucht hat. Und das alles in grafisch, akustisch und dramaturgisch stimmiger Atmosphäre. Für eine noch höhere Wertung reicht es zwar aufgrund einzelner Schwachpunkte nicht, ein tolles Spiel ist „Dead Space“ aber dennoch.

Gesamteindruck: 6/7


Im Weltraum hört dich keiner schreien.

Auf den ersten Blick weisen die Fakten zu „Dead Space“ kaum Besonderheiten auf. Die Hintergrundgeschichte gewinnt beispielsweise keinen Innovationspreis – die Mär vom Raumschiff, das auf eine außerirdische Lebensform trifft, woraufhin jeglicher Kontakt abbricht und die darauf folgende Rettungsmission unter Beteiligung des Spielers hat man so oder so ähnlich bereits mehr als einmal gehört. Folgerichtig kommen einem beim Spiel gleich mehrere Punkte bekannt vor.

Dem Programmierteam gelingt es aus meiner Sicht nichtsdestotrotz sehr gut, Elemente aus so unterschiedlichen Franchises wie „Alien“, „Half-Life“ und „BioShock“ stimmig miteinander zu verbinden; trotz aller Ähnlichkeiten kommt zu keiner Sekunde Langeweile auf. Hauptgrund dafür ist die Atmosphäre als Ganzes, die am ehesten mit „BioShock“ vergleichbar ist. Zu diesem Punkt zählen absolute Schock-Momente (plötzliches Seitenangriffe von Gegnern u. ä.), eine passende akustische Untermalung (neben der Musik ständiges, unheilvolles Geflüster, Geräusche aus Lüftungsschächten, Dämpfung der Geräusche im Vakuum usw.) und der optische Eindruck (triste Farben, heruntergekommenes Raumschiffdesign, ekelerregende Monster). Dazu kommt noch ein extremes Klaustrophobie-Gefühl in den engen Gängen, dass durch die gemächliche Gangart der Spielfigur noch verstärkt wird. Zum Glück sind die Laufwege nie allzu lang und da hinter jeder Ecke der Tod lauern kann, stört auch das Problem der eingeschränkten Bewegungsfreiheit kaum – technisch gesehen. Diese hat ja, ebenso wie die relativ beschränkten Munitionsvorräte, durchaus Sinn. Immerhin spielt man einen Techniker und keinen Soldaten. Die immer wieder zu findenden akustischen und schriftlichen Tagebücher sowie die Bekanntgabe des nächsten Missionsziels per Funk sind allerdings schon beinahe dreist aus „BioShock“ bzw. – noch älter – „System Shock“, das generell Pate gestanden haben dürfte, übernommen, tragen aber eine Menge zum gelungenen Gesamteindruck bei; besser gut geklaut als schlecht erfunden möchte man hier sagen. Was auch sehr gut gefällt: es gibt keinerlei klassische Anzeigen. Lebensenergie, Munitionsvorrat usw. können direkt an der Spielfigur abgelesen werden. Interessant und durchwegs positiv.

Ein paar verbesserungswürdige Punkte möchte ich aber dennoch erwähnen. Zunächst geht die Steuerung recht ungewohnt von der Hand. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase hat man die Tasten zwar gut im Griff, mit der Schwammigkeit hat man aber länger zu kämpfen, wodurch es vor allem auf höheren Schwierigkeitsstufen zu einigen unnötigen Todesfällen kommt. Ähnlich ist es um die Übersicht bestellt – „Dead Space“ ist auf die „Third-Person-Perspektive“ beschränkt, also muss man sich damit abfinden, dass die Spielfigur ab und zu die Sicht stark einschränkt. Ungewöhnlich ist die Kameraperspektive, die sich sozusagen über der rechten Schulter des Charakters befindet – der linke Bildausschnitt ist damit immer ein wenig verdeckt, was in manchen Situationen störend ist. Elegant hat man durch diese Position aber das Gefühl der Klaustrophobie jedoch nochmals verstärkt und die Gewöhnung an die neue Perspektive geht eigentlich recht schnell, wenn man nicht grundsätzlich abgeneigt ist.

Größter Störfaktor ist für mich die fehlende Möglichkeit, frei zu speichern. Es gibt zwar recht häufig Speicherpunkte, dennoch würde ich lieber frei wählen können, da es immer mal wieder passieren kann, dass man im Spiel unterbrochen wird. Dann hektisch nach dem nächsten Speicherpunkt zu suchen halte ich für unnötig. Ebenfalls problematisch: das Spiel ist streng linear aufgebaut. Damit ergibt sich so gut wie kein Wiederspielwert, alternative Lösungen sind eigentlich ausgeschlossen. Bleibt nur die Herausforderung eines höheren Schwierigkeitsgrades.

Mehr negative Punkte sind mir eigentlich nicht aufgefallen. „Dead Space“ ist angenehm bugfrei, bei mir gab es keinen einzigen Absturz. Die Qualität der Grafik ist zweckmäßig, mir persönlich gefällt sie sehr gut, wer allerdings immer das Neueste vom Neuen haben muss, könnte hier eine Enttäuschung erleben (was bei rasanten technischen Entwicklung im Sektor in der Natur der Sache liegt). Die technischen Voraussetzungen sollten heute grundsätzlich kein Problem mehr darstellen.

Ein Wort noch zum Thema „Brutalität“: es ist richtig, dass das Spiel so viel Gewalt bietet, wie nur wenige andere. „Schuld“ daran ist unter anderem auch das Waffensystem, das das Abtrennen von Körperteilen zu einem wesentlichen Bestandteil des Spiels macht. Daneben gibt es jede Menge Blut, Körperflüssigkeiten und Verstümmelungen zu sehen, auch die eigenen Todesszenen sind nicht gerade zimperlich. Jedoch sollte bereits durch den roten Aufkleber auf der Verpackung klar sein, worauf man sich hier einlässt – Zartbesaitete greifen hier besser nicht zu. Für alle anderen macht die gesteigerte Brutalität in Verbindung mit der beklemmenden und erschreckenden Atmosphäre „Dead Space“ zu einem Nervenkitzel der besonderen Art. Abzüge in der Gesamtwertung gibt es für die angesprochenen Mängel und aufgrund des geringen Wiederspielwertes (der sich allerdings ein wenig relativiert, wenn das Spiel länger im Regal gestanden hat).

Gesamteindruck: 6/7


Genre: Survival Horror/Third-Person-Shooter
Entwickler: EA Redwood Shores
Jahr: 2008
Gespielt auf: PC


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BuchWelt: Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang

Arkadi & Boris Strugatzki


Wem dieses Buch letztendlich gefallen könnte, ist schwer zu sagen. Hauptsächlich werden sich wohl Leser von philosophischer Science Fiction, wie man sie beispielsweise auch von Frank Herbert, Philip K. Dick, Isaac Asimov oder auch Stanisław Lem kennt, angesprochen fühlen. Ganz vergleichbar mit deren Werken ist „Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang“ aber nicht – zu stark steht hier der gesellschaftskritische Aspekt im Vordergrund. Einen Blick riskieren können die Fans der genannten Autoren aber auf jeden Fall. Jeder, der eine Art Space Opera oder ähnliches erwartet, sollte einen großen Bogen um dieses Werk machen. Im Endeffekt reicht es bei mir für vier Punkte – ich habe trotz des wichtigen Themas definitiv schon Besseres von Arkadi und Boris Strugatzki gelesen.

Gesamteindruck: 4/7


Harter Tobak in gewöhnungsbedürftigem Stil.

Die Brüder Arkadi und Boris Strugatzki sind ja für ihren ausgesprochen interessanten, mitunter aber auch recht trockenen Zugang zur Science Fiction bekannt. „Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang“ (auch als „Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang“ erschienen) ist ein Beispiel für die nicht gerade angenehm zu konsumierende Variante eines Strugatzki-Buches. In der dünnen Handlung wird der Frage nachgegangen, warum und unter welchen Umständen der Sprung von einer normalen zu einer „Superzivilisation“ scheitern könnte.

Das liest sich in einer Rezension wie ein höchst spannendes Thema. Allerdings seien potentielle Leser gewarnt: Die Andeutungen, die die Autoren in die einzelnen Kapitel verpacken, bleiben meist sehr nebulös. Es gibt zwar Erklärungsansätze für die Ereignisse, die dem Protagonisten und seinen Kollegen widerfahren – wirklich verständlich und schlüssig ist allerdings kaum etwas. Zumindest nicht aus Science Fiction-Sicht. Aus den Anmerkungen geht hervor, dass das Buch als Allegorie auf die Zustände in der ehemaligen Sowjetunion zu lesen ist, ferner dass „Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang“ das einzige Strugatzki-Werk ist, in dem alle Figuren einem realen Vorbild entsprechen. Das Buch ist also eine geschickt verpackte Kritik am Regime des Heimatlandes der Autoren und aus dieser Sicht dementsprechend wichtig.

Stilistisch wirkt „Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang“ teilweise sehr befremdlich, wenn man normale Lesegewohnheiten als Maßstab nimmt. Die Präsentation der Thematik ist – wie man es aus der osteuropäischen Science Fiction kennt – eher trocken, lässt an einigen Stellen aber auch den bei den Strugatzkis durchaus vorhandenen Humor durchschimmern. Die elf (sehr kurzen) Episoden und ihre Unterkapitel beginnen mit Auslassungspunkten bzw. unvollständigen Sätzen. Warum das so ist, hat sich mir persönlich während der Lektüre nicht erschlossen. Gegen Ende des Buches gibt es auch noch einen Perspektivenwechsel von der dritten in die erste Person, ein stilistisches Mittel, das von den Autoren gelegentlich angewandt wird.

Gesamteindruck: 4/7


Autor: Arkadi & Boris Strugatzki
Originaltitel: За миллиард лет до конца света. (Za milliard let do kontsa sveta.)
Erstveröffentlichung: 1976
Umfang: 224 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: eBook, in „Strugatzki Gesammelte Werke 2.“


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BuchWelt: Lords of Chaos

Michael Moynihan/Didrik Søderlind


Die Lobeshymnen, die von der Fachpresse und auch von vielen privaten Rezensenten auf dieses Buch gesungen werden, sind einigermaßen übertrieben. Man kann ihm dennoch nicht jegliche Qualität absprechen, aber: Einerseits fehlt es beim maßgeblichen Thema zum Teil ein wenig an Tiefgang, andererseits schweifen weite Teile des Buches – speziell der Part, der sich mit der deutschen Szene, maßgeblich mit Hendrik Möbus, beschäftigt – stark vom Grundthema ab. In eine Richtung, die nicht so ganz zum Rest passt und noch dazu mit einem Darsteller aufwartet, den man eigentlich gar nicht so richtig mit Black Metal im ursprünglichen Sinn in Verbindung bringen kann bzw. gebracht haben möchte. 

Gesamteindruck: 4/7


Regt zum Nachdenken an, kratzt in weiten Teilen aber nur an der Oberfläche.

Wirklich sehr gut gelungen ist der erste Abschnitt von „Lords Of Chaos“. Dort wird ein detaillierter, in diesem Maße meines Wissens bis dahin noch nicht vorhandener Abriss der Geschichte einer in jeder Hinsicht extremen Sub-Kultur geboten. Der Ansatz geht dabei sowohl von den musikalischen als auch von den philosophischen Wurzeln der Protagonisten aus, was bei einer so emotionalen und vielschichtigen Szene natürlich angebracht ist. Daumen hoch dafür, das sollte jeder, der sich nur ein bisschen für die ganze Thematik interessiert, gelesen haben – unabhängig davon, ob er mit der Musik etwas anfangen kann.

Trotz dieses guten Auftaktes wird aber schnell klar: das Buch kratzt nur an der Oberfläche. Aus meiner Sicht kommt dabei zwar der musikalische Hintergrund sehr gut heraus, aber bei der Beschreibung des Black Metal selbst, der ja maßgeblich für das ganze Buch ist, hapert es ein wenig. Der Klang der Musik, die Frage nach der Instrumentierung, sogar die Besetzung der besprochenen Bands bleiben völlig diffus. Hier hätte man durch zwei Sachen Abhilfe schaffen können: zum einen wäre eine beigelegte CD sinnvoll gewesen (was, soweit ich weiß, aus rechtlichen Gründen nicht möglich war), damit sich Außenstehende, die noch nie etwas von dieser Musik gehört haben, überhaupt ein Bild davon machen können; andererseits hätte ich als Autor versucht, einen Art „Stammbaum“ der wichtigsten Bands anzulegen, was das Lesen sehr erleichtert hätte. Die Namen und Verflechtungen der Personen empfand ich zum Teil als verwirrend, und das obwohl ich als Hörer dieser Musikrichtung prinzipiell weiß, von wem hier gesprochen wird. Wünschenswert wäre auch gewesen, sowohl die „Väter“ als auch die „Söhne“ dieser maßgeblichen Black-Metal-Generation zu befragen. Da vor allem Letzteres ausbleibt, entsteht das Gefühl, das Black Metal mittlerweile ausgestorben ist, was eindeutig nicht der Fall ist. So kommen beispielsweise Mitglieder von Immortal zu Wort, ohne zu erwähnen, dass die Band (trotz zwischenzeitiger Auflösung) damals aktiv und sehr erfolgreich war – ähnliches gilt für Emperor und einige andere. Sogar unverzeihlich erscheint mir die Tatsache, dass nicht erwähnt wird, dass Mayhem, laut Buch die ursprünglichste und wichtigste Band von allen, immer noch Musik machen und auf Tour gehen, auch wenn sich die Besetzung verändert hat. Nichtsdestotrotz ist dieser erste Part sehr gut geschrieben und mutet zum Teil sogar (populär-)wissenschaftlich an (wenngleich er es beileibe nicht ist).

Größere Probleme habe ich mit dem zweiten Teil des Werkes. Hier kommt hauptsächlich Varg Vikernes, die wohl berüchtigtste Persönlichkeit aus den Anfangstagen der Sub-Kultur zu Wort. Es ist sehr interessant, dessen Ansichten zu den kriminellen Vorgängen, die von einfacher Auflehnung über Kirchenbrandstiftung bis hin zu Mord führten, zu erfahren, vor allem, wie sehr sich der Mann in Widersprüche verstrickt. Weniger gut ist hingegen, dass sich die Autoren mit zunehmender Dauer des Buches mehr und mehr auf Vikernes persönliche Philosophie konzentrieren und sich dabei vom Thema des Buches immer weiter entfernen. Die menschenverachtenden, weit rechts angesiedelten und völlig wirren Gedankengänge des bekennenden Nationalsozialisten sind auf Dauer sehr ermüdend und haben mit der Philosophie des Black Metal nichts mehr zu tun – was im Übrigen weder er, noch das Buch abstreiten. Trotzdem enden diese Betrachtungsweisen nicht, obwohl der Protagonist mittlerweile behauptet, niemals etwas mit Black Metal oder der Szene zu tun gehabt zu haben. Wie das alles noch zum Titel des Buches passt? Das wissen wohl nur die Autoren selbst. Spätestens zur Mitte des Werkes hin, als es plötzlich um Vikernes krude Ansichten zu fliegenden Untertassen geht, war ich versucht, aufzugeben, oder zumindest ein paar Seiten zu überblättern. Fraglich, ob das an der stellenweise erbärmlichen Übersetzung liegt, oder daran, dass der Interviewte einfach wirres Zeug redet.

Wesentlich gehaltvoller sind da schon die Sichtweisen auf die Szene „von außen“, die sehr gute Aufklärungsarbeit in Hinblick auf Satanismus und satanistische Traditionen in Norwegen bieten. Damit diese Betrachtungen nicht einseitig bleiben, kommen auch etablierte Mitglieder der alten Szene (namentlich Isahn von Emperor) zu Wort, die sich mittlerweile weiterentwickelt haben und wesentlich intelligenter wirken, als das nach außen hin oft den Anschein hat. Ein krasser Gegensatz zu Vikernes also, der in eine völlig andere Richtung abgedriftet ist. Auch das Interview mit dem offenbar kurz darauf verstorbenen „Vater“ der Church of Satan, Anton LaVey, auf den sich diverse Protagonisten der Szene berufen, ist sehr erhellend und dürfte manchen Mitgliedern von satanistischen Bands einiges zu denken geben.

Der dritte Teil des Buches widmet sich schließlich der deutschen Szene und erliegt gleich zu Beginn ebenfalls dem „Vikernes-Syndrom“. Hendrik Möbus, seines Zeichens Mitglied der aus musikalischer Sicht völlig bedeutungslosen Band Absurd und verurteilter Mörder (mittlerweile wieder in Freiheit) spricht sehr ausführlich über seine Motive und seine Philosophie. Das ist zwar – wie beim norwegischen Vorbild – prinzipiell nicht uninteressant, hat aber mit Black Metal als Musik wenig zu tun. Gebraucht hätte es das Interview mit Möbus so oder so nicht, vor allem auch, weil dieser Teil des Buches fast wie ein Fremdkörper wirkt und nicht vernünftig in den Rest eingebettet wurde.

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Buch gut geeignet ist, einen tieferen Einblick in die Szene zu geben. Leider ist es – neben eklatanten strukturellen Schwächen und einem katastrophalen Lektorat – zu oberflächlich, was Black Metal als Musik betrifft. Somit wird eigentlich nicht ganz eingehalten, was der Titel verspricht, zumindest aus meiner Sicht. Empfehlenswert für interessierte Außenstehende und kritische Mitglieder der Szene ist es jedoch allemal. Aufgrund der genannten Mängel bleibt allerdings nur eine durchschnittliche Wertung.

Gesagt sei auch noch, dass einer der Autoren, der US-Amerikaner Michael Moynihan (als Musiker bei der Band Blood Axis tätig) selbst als weit rechts außen gilt. Das sollte man jedenfalls bedenken, vor allem, wenn man die Interviews liest, in denen stellenweise tatsächlich so etwas wie Bewunderung für Typen durchscheint, die verurteilte Verbrecher sind. Und das wegen nicht gerade kleiner Delikte. Entsprechend kritisch sollte jeder potentielle Leser dieses Werk angehen.

Gesamteindruck: 4/7


Autoren: Michael Moynihan/Didrik Søderlind
Originaltitel: Lords of Chaos: The Bloody Rise of the Satanic Metal Underground.
Erstveröffentlichung: 1998 (deutsch: 2005)
Umfang: 423 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


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