BuchWelt: Kill Your Friends

John Niven


Der in Schottland geborene Autor John Niven weiß, wovon er in „Kill Your Friends“ spricht: Ab Anfang der 1990er Jahre war er selbst für über zehn Jahre im Musik-Business tätig, unter anderem auch im A & R-Bereich, in dem er seine Figuren in diesem Roman agieren lässt. Insofern kann man dem Autor keine mangelnde Sachkenntnis unterstellen und das Buch auch nicht als reine Fantasie abtun..

Gesamteindruck: 6/7


Schnell, hart und gnadenlos.

Wer „Kill Your Friends“ lesen will, sollte sich von Beginn an auf eine völlig aus dem Ruder laufende Geschichte einstellen, die vor allem vor psychischer Gewalt nur so strotzt. Die ebenfalls nicht allzu kurz kommende körperliche Brutalität wird da schon fast zur Nebensache. Worauf man ebenfalls gefasst sein muss: Eine extrem aggressive Sprache, die praktisch in jedem Absatz vulgäre Kraftausdrücke, Hasstiraden und beinharten Zynismus beinhaltet. Dazu kommt zuguterletzt eine Verherrlichung von legalen und illegalen Drogen, die ihresgleichen sucht.

So abschreckend diese Punkte auf den ersten Blick auch wirken mögen, es gibt dennoch gute Gründe, das Buch zu lesen. Der vielzitierte Vergleich zu „American Psycho“ von Bret Easton Ellis ist zumindest teilweise zutreffend, wobei dessen Schockeffekt nicht ganz erreicht wird; wie das Werk seines amerikanischen Kollegen hält aber auch Nivens Roman der Gesellschaft einen gnadenlos kritischen Spiegel vors Gesicht. Was darin zu sehen ist mag nicht schön sein, ist aber doch ein Ausschnitt unserer Realität. Natürlich wurde dieser Ausschnitt künstlerisch verändert: Die Charaktere sind völlig überzeichnet, die Handlung ist geradezu absurd. Dennoch schafft es der Autor, absolut glaubwürdig zu sein – man hat während der Lektüre beinahe immer das Gefühl, dass es in der seelenlosen Welt der Popmusik-Industrie tatsächlich so oder so ähnlich zugehen könnte. Insofern sollte man dieses Buch allen zu lesen geben, die von der großen Karriere als Popstar träumen und hoffen, dass sie verstehen, dass in dieser überspitzten Darstellung mehr als ein Körnchen Wahrheit steckt.

Insgesamt ist „Kill Your Friends“ ein schnell zu lesendes Buch, das zwar keine allzu tiefsinnigen Einblicke in das Seelenleben seiner Hauptperson bietet, aber doch recht deutlich aufzeigt, wie Kultur „gemacht“ wird. Die Spannung bezieht der Roman aus zwei Ebenen: Auf der einen Seite gibt es eine eher absurde Kriminalgeschichte, die sich langsam entspinnt und die einige interessante Wendungen bereit hält, andererseits schafft Niven mit seinem „Steven Stelfox“ einen extrem unsympathischen und dennoch glaubwürdigen Hauptcharakter. Dessen langsamen Absturz und verzweifelte Versuche, sich doch noch zu retten zu verfolgen, macht einfach Freude – auch wenn es aufgrund der Antipathie hauptsächlich Schadenfreude sein sollte.

6 Punkte für ein durchaus empfehlenswertes Buch, für das man allerdings ein recht dickes Fell mitbringen sollte.

Gesamteindruck: 6/7


Autor: John Niven
Originaltitel: Kill your Friends.
Erstveröffentlichung: 2005
Umfang: 384 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch