Live (Kreator)

KonzertWelt: Abbath (Wien, 15.02.2016)

Datum: Montag, 15. Februar 2016
Location: SimmCity (Wien)
Tour: 
Headliner: Abbath
Support: Inquisition – Selbstentleibung – Tulsadoom
Ticketpreis: 33 Euro (VVK)


Der Panda kann nicht brüllen.

Das Ende der großen IMMORTAL war traurig, unrühmlich und ärgerlich. Ob sich die Brüder im Geiste, Abbath und Demonaz, mal wieder zusammenraufen? Man wird sehen, die Hoffnung ist zwar da, aber man muss das Schlimmste fürchten. Aber zumindest gibt es mit ABBATH, der nach dem einstigen IMMORTAL-Frontmann benannten Band, aktuell adäquaten Ersatz. Diese Truppe machte auf ihrer aktuellen Tour auch in Wien Station. An einem Montag. Eine Frechheit, aber was soll man machen – das letzte IMMORTAL-Konzert ist lange her, daher musste man einfach hin, trotz ungünstigem Termin und einer weit vom Schuss liegenden Halle.

Ein Zugeständnis an den Konzert-Montag hat es dann aber doch gegeben: Zwei der Vorgruppen, TULSADOOM und SELBSTENTLEIBUNG, mussten ohne uns als Zuschauer auskommen. Erstere Band sagte mir überhaupt nichts, zweiter habe ich zumindest schon einmal live gesehen (Kaltenbach Open Air). Als wir den Saal (ja, es war ein Saal, irgendwie kam Dorffestsaal-Stimmung auf) betraten, reichte die Zeit genau, um ein Blick auf den sehr bescheidenen Merchandise-Stand (es gab kaum Shirts, kein Vinyl, keine CDs) zu werfen und ein Getränk zu ordern. Während das Wechselgeld zurückkam, gab es bereits die ersten Töne von INQUISITION auf die Ohren. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die zwei Kalkfressen aus Kolumbien sind wirklich ein 2-Mann-Inferno. Bei unglaublicher Lautstärke ging es gleich mit ihrem größten Hit, „Force of the Floating Tomb“, in die Vollen. „Raise the chalice!“ kann man da nur sagen/brüllen. Großartig. Und unglaublich, wie effektiv eine Truppe, die nur aus einem Sänger/Gitarristen (Dagon) und einem Drummer (Incubus) besteht, lärmen kann. War jetzt meine dritte Show dieser Band und ich war noch nie enttäuscht. Lediglich etwas kurz kam mir das Set vor – aber ist ja immer ein gutes Zeichen, wenn die Zeit schnell vergeht.

Danach kam aber das, wieso alle da waren. ABBATH. Also die Band. Und der Mann. Wie auch immer… Wobei, so schnell ging es ohnehin nicht. Anfangszeit laut Timetable: 22:35 Uhr. Um ca. 22:45 Uhr sah man den Chef und Namensgeber der Band hinter der Leinwand, die als notdürftiger Vorhang diente, mit einem Roadie sprechen und dabei immer wieder auf seinen Hals zeigen. Da wurde mir schon ein bisschen mulmig. Ein paar Minuten später trat ein sichtlich konsternierter Abbath ans Mikro und sagte das, was man befürchtet hatte: „Hello, I am Abbath. As you hear, my voice is fucked up. We’ll try a couple of songs and see how it works.“ Nun, immerhin würde man es probieren, was man dem Norweger schon hoch anrechnen muss, immerhin war das ja nicht die letzte Show der Tour. Es vergingen weitere qualvolle Minuten, in denen ein Roadie zu beobachten war, der mehrere Becher mit einem Getränk, das verdächtig nach Tee aussah, vor die Bassdrum stellte.

Dann, es war schon nach 23:00 Uhr, ging es endlich los. Mit „To War!“, dem Opener des selbstbetitelten Debüt-Albums. Abbath krächzte wie üblich vor sich hin und man konzentrierte sich mehr auf den Frontmann, in der Hoffnung er würde durchhalten und weniger auf den Song, der zwar gefällig, aber nicht überragend war. Und tatsächlich: Gleich nach der Nummer hieß es „I’ve tried it. My voice is really fucked up. Good-Bye.“ Und „We’ll be back“ und noch ein paar Entschuldigungen. Zum Glück sind wir dann dennoch geblieben, die Musik aus der PA ging nämlich nicht an, auch das Saallicht nicht. Und tatsächlich, nach gut 5 Minuten kam die Band wieder raus, Abbath hustete und räusperte sich ein paar Mal ins Mikro, hatte offenbar ein Halsbonbon im Mund und machte tatsächlich weiter. Man konnte es nicht glauben – und nun ging das Konzert erst richtig los.

Und zwar mit einer weiteren neuen Nummer: „Winter Bane“, gefiel mir deutlich besser als „To War!“. Abbath begann dann auch mit seinen üblichen Mätzchen, was meiner Ansicht nach zeigte, dass er sich langsam besser fühlte. Immer wieder ein Schlückchen Tee, ein bisschen was ins Mikro gekrächzt, das war schon für sich ganz unterhaltsam und zeigte einmal mehr, dass einer der letzten „Panda-Bären“ ein wirklicher Entertainer ist, auch wenn das im Zusammenhang mit solcher Musik merkwürdig wirken mag. Mir gefällt’s jedenfalls. An neuen Songs sollte es an diesem Abend leider nur noch zwei geben: Das unauffällige „Ashes Of The Damned“ und das grandiose „Fenrir Hunts“. Der Rest des Sets bestand aus einem I-Cover („Warriors“) und drei IMMORTAL-Songs. Die meiste Stimmung kam – erwartungsgemäß – bei „Tyrants“ auf, einer der Metal-Hymnen schlechthin. Zusätzlich gab es noch „One By One“ und das gern und selten gehörte „Nebular Ravens Winter“.

Und mehr ist leider nicht zu berichten. Nach „One By One“ und somit nur acht Nummern war es mit der Stimme offenbar endgültig vorbei. Oder wollte Abbath sich nur für die restliche Tour ein wenig schonen? Wie auch immer, sowas kann passieren, da kann man niemandem einen Vorwurf machen (was auch die Idioten beherzigen sollten, die die Roadies, die mit dem Abbau begannen, mit Bechern bewarfen). Schade ist es allemal, ich konnte von meinem Platz in der ersten Reihe auch einen Blick auf die restliche Setlist erhaschen. Darauf stand u. a. „Solarfall“ zu lesen. ’nuff said. Andererseits: Es war Montag, es wartete ein Arbeitstag, vielleicht also gar nicht schlecht, mal früher ins Bett zu kommen.

Fazit: ABBATH sind gut, keine Frage. Auch wenn die Zusammensetzung der Band nicht ganz rund wirkt – der maskierte Drummer, King ov Hell als Bassist, der sicher nicht jedermann’s Sache ist, ein zweiter Gitarrist, der wirkt, als ob er normalerweise wesentlich ruhigere Musik macht und der trotz widriger Voraussetzungen sehr aktive Abbath. Die müssen sich wohl erst zusammenfinden, zumal es ja schon ein paar Runden im Besetzungskarussell gab. Insgesamt dennoch eine solide Sache, die nur einen Wermutstropfen hat: Die eigenen Songs sind nicht schlecht, aber wenn man ehrlich ist, wird der Großteil des Publikums immer auf „Tyrants“ und andere IMMORTAL-Nummern warten. Das hat man deutlich gemerkt. Ich hoffe, dass das Abbath nicht den Spaß an der Sache nimmt.