BuchWelt: Illuminati

Dan Brown


Nach der erstaunlich schnellen Lektüre der 700 Seiten, die „Illuminati“ umfasst, bleibt man einigermaßen konsterniert zurück. Das Buch, von dem man aufgrund des Klappentextes und des generellen Themas einigen Tiefgang erwartet, fühlt sich beim Lesen beinahe an wie ein Standard-Actionfilm aus Hollywood.

Gesamteindruck: 2/7


Seichte Massenware.

Es ist ja beileibe nicht so, dass alles, was für den Massenmarkt geschrieben wird, grundsätzlich schlecht ist. Es gibt viele Bücher, die zu Bestsellern werden und trotzdem hervorragende Qualität bieten. Auf „Illuminati“ von Dan Brown trifft das meines Erachtens – trotz günstiger Voraussetzungen – nicht zu. Denn: Die durchaus vorhandenen, interessanten Ansätze werden durch oberflächliche (und noch dazu völlig überzogene) Action-Szenen und haarsträubende Logik-Fehler völlig zunichte gemacht.

Doch damit nicht genug: Die Story wirkt abseits vom exzellenten Grundgerüst (Kirche gegen Wissenschaft, angereichert mit pseudo-theologischen und -wissenschaftlichen Thesen) dermaßen konstruiert, dass man zeitweise nur den Kopf schütteln kann. Sämtliche Klischees sind vertreten und werden bedient: Der alternde Held, zu dem sich seine jüngere Begleiterin mehr und mehr hingezogen fühlt; das traumatische Kindheitserlebnis, das nur eingesetzt wird, um einigen Szenen zusätzliche Dramatik zu verleihen; der Bösewicht, der sich bis zum Schluss intelligent verhält und körperlich überlegen ist, danach aber einfach zu viel redet; die offiziellen Stellen, die nicht an eine Bedrohung glauben wollen usw. usf.

Das größte Problem ist meiner Meinung nach jedoch der mörderische Zeitdruck, unter dem Brown seine Figuren agieren lässt. Die 24-Stunden-Frist ist derart unglaubwürdig und knapp bemessen, dass man sich bereits nach den ersten Seiten fragt, wie das alles überhaupt möglich sein soll. Darin enthalten sind ein Flug von den USA in die Schweiz, nach einem Aufenthalt die Weiterreise in ein offenbar mehr oder weniger menschenleeres Rom, wo es eine Schnitzeljagd quer durch die ganze Stadt gibt – ein Ding der Unmöglichkeit, vor allem, wenn man betrachtet, welche zeitraubenden Kleinigkeiten zwischendurch passieren.

Nun kommen solche Zutaten in mehr oder weniger abgewandelter Form natürlich auch in anderen Romanen vor, selten wirken sie jedoch derart konstruiert und gewollt wie in „Illuminati“. Schade, denn abseits von diesen Unzulänglichkeiten ist es Dan Brown gelungen, eine spannende Geschichte zu schreiben. Mehrere dramatische Wendungen zwingen den Leser geradezu, trotz aller Schwierigkeiten am Ball zu bleiben. Leider ist auch der Abschluss der Handlung nicht das Gelbe vom Ei. Hier geht die Fantasie endgültig mit Brown durch und er lässt seinen Helden Robert Langdon zu einem wahren Supermann mutieren, was sich in Verbindung mit dem früh vorhersehbaren Ende desaströs auswirkt.

Insgesamt reicht es damit lediglich für zwei Punkte. Vor dem völligen Absturz retten die sehr gute Idee und das zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch relativ unverbrauchte Genre. Viel besser macht es Dan Brown im Übrigen im Nachfolgeroman „Sakrileg“, der stellenweise wie eine ausgereifte, weiterentwickelte und verbesserte Version von „Illuminati“ wirkt.

Gesamteindruck: 2/7


Autor: Dan Brown
Originaltitel: Angels & Demons.
Erstveröffentlichung: 2000
Umfang: 700 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch