BuchWelt: Sakrileg

Dan Brown


105 Kapitel auf über 600 Seiten? Das lässt für halbwegs anspruchsvollere Leser nichts Gutes erwarten; leider bestätigt sich dieser Eindruck während der Lektüre von „Sakrileg“. Ähnlich wie im kommerziell sehr erfolgreichen Vorgänger „Illuminati“ scheitert eine gute Idee an einer Umsetzung, die so sehr auf die Bedürfnisse eines Massenmarktes ausgerichtet ist, dass man sich wundern muss, wie viele Leser diese offensichtliche Konstruktion zu einem Meisterwerk hochjubeln, das sie beileibe nicht ist.

Gesamteindruck: 3/7


Verbesserung gegenüber „Illuminati“, dennoch völlig überbewertet.

Dabei sind die Grundvoraussetzungen in „Sakrileg“  im Vergleich zu „Illuminati“ sogar noch besser. Äußerst positiv wirkt sich auf die Handlung aus, dass es diesmal kein dermaßen eng bemessenes Zeitlimit gibt. Dieser Umstand war für ja für viele, darunter auch für mich, eines der größten roten Tücher beim Vorgänger-Roman. Nachdem der Zeitdruck mehr oder weniger eliminiert wurde, lesen sich zumindest die ersten zwei Drittel des Romans weitaus realistischer, wenngleich die Glaubwürdigkeit des Ganzen nach wie vor nicht gerade überragend ist. Interessant ist aber der kirchenkritische Aspekt der Handlung, der – frei erfunden oder nicht – zumindest einige Denkanstöße zu liefern vermag. Als positiv kann – nebenbei bemerkt –  auch angesehen werden, dass „Sakrileg“ locker innerhalb von zwei Tagen gelesen werden kann. Der Stil von Dan Brown ist einfach und leicht lesbar, was zum Teil sehr gut über inhaltliche Mängel hinwegtäuscht. Eine Leistung, die durchaus Anerkennung verdient.

Dennoch bleibt ein schaler Nachgeschmack. Allein, dass der Held sich gleich zu Beginn der Geschichte von einer ihm völlig unbekannten Person dazu überreden lässt, trotz seiner Unschuld vom Tatort eines Verbrechens zu fliehen, ist ein – gelinde gesagt – fragwürdiger Einstieg. Größtes Manko sind aber – und hier hat sich der Autor überhaupt nicht weiterentwickelt – die bereits eingangs erwähnten, extrem kurzen Kapitel, die oft nicht einmal eine Seite lang sind. Scheinbar traut Dan Brown seinen Lesern nur eine sehr knapp bemessene Aufmerksamkeitsspanne zu. Ideal ist das maximal für langsame Leser oder solche, die nicht viel Zeit dafür haben und das Buch ab und an länger liegen lassen. Alle anderen werden sich über den stetig gleichen, sehr konstruiert wirkenden, Spannungsaufbau ärgern.

Zu all dem kommt noch, dass zeitweise recht schlampig recherchiert worden sein dürfte. Und: Leider schafft es der Autor genau wie im Vorgänger auch diesmal nicht, dem Ganzen ein ansprechendes Finale zu verpassen. Wenn das Ende etwas weniger weit hergeholt wäre, könnte man dem Buch durchaus vier Punkte für die guten Ansätze und den Popcorn-Kino-Touch geben. Durch das ärgerliche Finale können es leider nur drei sein.

Gesamteindruck: 3/7


Autor: Dan Brown
Originaltitel: The Da Vinci Code.
Erstveröffentlichung: 2000
Umfang: 600 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch