BuchWelt: Schwester der Finsternis

Terry Goodkind


„Schwester der Finsternis“ ist Buch 6 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus Das Schwert der Wahrheit“, geschrieben vom US-amerikanischen Autor Terry Goodkind. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlich, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck: 5/7


Starke Verbesserung gegenüber den beiden Vorgängern.

Nachdem Leser mit gutem Durchhaltevermögen in Band 2 von Terry Goodkinds umfangreicher Saga um „Das Schwert der Wahrheit“ bereits die Schwestern des Lichts“ kennenlernen durften, widmet sich Teil 6 deren Gegenpart. Diesmal spielt – neben den bereits bekannten Figuren – also eine der Schwestern der Finsternis eine Hauptrolle. Auf diesem Perspektivenwechsel beruht ein Großteil des Reizes des vorliegenden Bandes. Anstelle der strahlenden Helden können endlich die Widersacher beobachtet werden, was dem Gesamtkomplex deutlich mehr Tiefe verleiht, als bisher vorhanden war. So entstehen diesmal auch zu Beginn des Buches deutlich weniger Längen, als noch im unsagbar zähen Vorgänger. Einen genauen Grund dafür kann ich nicht benennen, prinzipiell hat sich nämlich nicht viel geändert. Die Protagonisten fassen nach wie vor stur die bisherigen Ereignisse zusammen, was mittlerweile längst zu einem Markenzeichen des Zyklus geworden ist. Dennoch ist ein guter Lesefluss möglich, was schließlich die Hauptsache ist.

Zwei weitere Punkte sprechen für eine bessere Bewertung, als dies noch bei den Bänden 4 und 5 der Fall war: Einerseits befasst sich der zweite Teil des Bandes, „Der Palast des Kaisers“, eingehend mit den politischen Hintergründen und Motiven der Imperialen Ordnung, sodass auch der böse Gegenpart als Ganzes an Tiefe gewinnt. Positiv ist daran vor allem zu bemerken, dass dieser Teil im Gegensatz zur politischen Geschichte Anderiths (in „Die Seele des Feuers“) sehr gut gelungen ist, wobei hier die Ansätze einer Kritik an planwirtschaftlichen, diktatorischen Systemen noch deutlicher hervortreten. Zum anderen besinnt sich der Autor wieder auf seine größte Stärke und lässt die Charaktere einige Schlachten schlagen, die sehr gut beschrieben wurden und sich flüssig und angenehm lesen.

Die einzigen wirklichen Längen entstehen, wenn Terry Goodkind sich ausufernden Landschaftsbeschreibungen widmet. Hier hätten – aus meiner Sicht – gut und gern 200 Seiten eingespart werden können. Ein leidiges Thema, dass sich eigentlich bereits durch die gesamte Saga schleppt. Die Quantität scheint mir doch ein bisschen zu oft über die Qualität zu triumphieren. Sehr gelungen ist jedenfalls das Finale, das, durch einige Cliffhanger verstärkt, im Vergleich zum restlichen Material noch eine Schippe an Spannung und Lesefluss nachlegt. Schade, dass es dem Autor auch mit zunehmender Länge seines Zyklus nicht gelingen will, ein durchgängig spannendes Werk zu schreiben. Dennoch fünf gute Punkte für ein Buch, das vor allem im Vergleich mit seinen direkten Vorgängern ausgezeichnet gelungen ist. An die wirklichen Kapazunder im Fantasy-Genre reicht aber auch „Schwester der Finsternis“ nicht heran.

Gesamteindruck: 5/7


Autor: Terry Goodkind
Originaltitel: Faith of the Fallen.
Erstveröffentlichung: 2000
Umfang: 1.072 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

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BuchWelt: Die Seele des Feuers

Terry Goodkind


„Die Seele des Feuers“ ist Buch 5 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Das Schwert der Wahrheit“, geschrieben vom US-amerikanischen Autor Terry Goodkind. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlich, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck: 2/7


Bestätigung des in Teil 4 bemerkbaren Abwärtstrends der Serie.

Vielen leidgeprüften Lesern von Terry Goodkinds Saga um „Das Schwert der Wahrheit“ dürfte es bereits beim vorangegangenen „Tempel der Vier Winde“ aufgefallen sein: der Autor tut sich offenbar zunehmend schwer, seine Zielvorgabe, die bei rund 1.000 Seiten pro Buch zu liegen scheint, mit einer spannenden Geschichte zu füllen. Diesmal ist der Umfang wieder ein wenig geringer ausgefallen (ca. 980 Seiten), einen Aufschwung gegenüber dem schwachen 4. Band gibt es meiner Ansicht nach jedoch nicht, das Gegenteil ist der Fall.

Bereits der Einstieg (also die ersten 100-200 Seiten) fällt sehr holprig und zäh aus. Nicht nur dass die Protagonisten (wie immer) in Erinnerungen und Zusammenfassungen von Taten schwelgen, die mal mehr, mal weniger weit zurückliegen, sondern sie machen das zusätzlich in einer umständlichen und weitschweifigen Sprache. Immer wieder gibt es lästige Unterbrechungen im Erzählfluss, im Endeffekt muss man sogar erstmals konstatieren, dass überhaupt keine Spannung aufkommt. Auch die Verhaltensweisen, der Charaktere, die in die Dialoge mit einfließen, wirken alles andere als schlüssig und durchdacht. So wurde mir, zum ersten Mal in diesem Zyklus, bereits nach 60 Seiten das Lesen zur wirkliche Qual und ich stand mehr als einmal kurz vor dem Aufgeben.

Im Vorgänger war es noch so, dass zumindest die Nebenschauplätze der Handlung überzeugen konnten. Auch damit ist es in Band 5 leider vorbei, der Teil der Geschichte, der in Anderith spielt und uns in die Kultur und Politik dieses Landes einführen soll, ist sogar noch zäher ausgefallen als die unspannende Haupthandlung. Hier gab es für mich eine weitere Premiere: Während der umständlichen und langwierigen Beschreibungen erlag ich erstmals der Versuchung des Querlesens. Schuld daran ist nicht meine mangelnde Begeisterung für komplexe politische Zusammenhänge und Ränkespiele (was aber verständlicherweise für manche Leser dennoch zum Problem werden dürfte), sondern schlicht die unsagbare Langeweile, die hier aufkommt. Goodkind scheint zu den Beschreibungen, an denen er sich hier versucht, einfach nicht fähig zu sein, sein Talent liegt eindeutig im Action-orientierten Bereich.

Spannung kommt erst gegen Ende des Werkes auf – hier überschlagen sich die Ereignisse wiederum so sehr, dass die Auflösung überhastet und unfertig wirkt. Fast scheint es, als ob dem Autor klar geworden wäre, wie zäh sich „Die Seele des Feuers“ (merkwürdiger, irgendwie völlig zusammenhangloser Titel übrigens) liest. So bleibt insgesamt leider der bittere Nachgeschmack eines ausgesprochen unausgegorenen, zähen und unglaubwürdigen Buches, dem man aus meiner Sicht lediglich zwei Punkte geben kann. Alles andere wäre im Angesicht der vorangegangenen Teile zu hoch gegriffen.

Gesamteindruck: 2/7


Autor: Terry Goodkind
Originaltitel: Soul of the Fire.
Erstveröffentlichung: 1999
Umfang: 976 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Der Tempel der Vier Winde

Terry Goodkind


“Der Tempel der Vier Winde” ist Buch 4 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus “Das Schwert der Wahrheit”, geschrieben vom US-amerikanischen Autor Terry Goodkind. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlich, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck: 3/7


Langatmig und umständlich mit spannendem Finale.

Waren die ersten drei Bände von Terry Goodkinds großer „Das Schwert der Wahrheit“-Saga großteils spannend und nur hin und wieder von langwierigen Wiederholungen und zähen Passagen durchzogen, ist es beim „Tempel der Vier Winde“ genau umgekehrt. Von über 1.000 Seiten bieten die ersten 800 (!) zwar hin und wieder interessante Ansätze (vor allem die Nebenhandlungen wissen vorbehaltlos zu überzeugen), im Prinzip kann man es aber niemandem verdenken, der hier entnervt aufgibt.

Grund dafür sind die beinahe schon penetranten Wiederholungen und Rückblicke auf Ereignisse, die zum Teil erst ein paar Seiten, zum Teil mehrere Bände zurückliegen. In einigen Fällen mag das durchaus sinnvoll sein, insgesamt nimmt das Ganze hier aber Ausmaße an, die jeglichen Lesefluss im Keim ersticken. Hier dürften sogar geduldige Leser, die sich bereits durch andere zähe Brocken (beispielsweise die „Wüstenplanet“-Saga von Frank Herbert) gekämpft haben, auf eine harte Probe gestellt werden – zumal die Tiefe der Geschichte im Vergleich zu anderen Zyklen keineswegs allzu groß ist. Damit sind wir auch schon beim zweiten großen Kritikpunkt: Die Helden entwickeln sich im Großen und Ganzen nicht weiter. Vermutlich versucht der Autor, durch die vielen langatmigen Teile, den Leser davon abzulenken, aber die Handlungsweisen entbehren im 4. Band noch öfter als in den Vorgängern jeder Logik, aus Fehlern wird so gut wie nie etwas gelernt und weite Strecken der Dialoge sind an Umständlichkeit nicht zu überbieten. Hinzu kommen Liebesszenen, die direkt aus einem Groschenroman stammen könnten. Auch das Hervorzaubern plötzlich auftauchender Antworten für zuvor schier unlösbare Probleme trägt nicht gerade zur Glaubwürdigkeit bei.

Besser wird das Buch eigentlich nur an den Stellen, an denen Terry Goodkind die Geschwindigkeit und damit den Erzählfluss erhöht. Aber auch hier gibt es im vorliegenden Band einige Mängel: an manchen Stellen wird die Hintergrundgeschichte, die für den großen Umfang des Werkes ohnehin ziemlich dünn ist, dermaßen verworren und kompliziert, dass man zeitweise überhaupt nicht versteht, wie die Figuren es schaffen, den Überblick zu behalten. Wenn Richard und Khalan wie von Zauberhand den Hintergrund komplexer Zusammenhänge erkennen ist das natürlich gut für sie, leider lässt der Autor den Leser oft im Regen stehen und liefert keinerlei schlüssige Erklärungen ab (Anmerkung für Fantasy-Veteranen: ein ähnliches Problem taucht des Öfteren im „Enwor“-Zyklus von Wolfgang Hohlbein auf).

Vor einer noch schwächeren Wertung bewahren den „Tempel der Vier Winde“ eigentlich nur die letzten gut 200 Seiten. Hier kommt endlich die Art von Spannung auf, die man von den Vorgängern gewohnt ist. Erst im Finale wird das Durchhaltevermögen der wenigen, die es bis hierhin schaffen dürften, belohnt und die Vorfreude auf den nächsten Teil geschürt. Dass dieser es sogar noch schlechter macht, ist eine andere Geschichte, die in der entsprechenden Rezension erzählt werden soll.

Gesamteindruck: 3/7


Autor: Terry Goodkind
Originaltitel: Temple of the Winds.
Erstveröffentlichung: 1997
Umfang: 1.040 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Die Günstlinge der Unterwelt

Terry Goodkind


“Die Günstlinge der Unterwelt” ist Buch 3 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus “Das Schwert der Wahrheit”, geschrieben vom US-amerikanischen Autor Terry Goodkind. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlich, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck: 6/7


Verleiht dem Zyklus einiges an zusätzlicher Tiefe – sehr gelungen!

Die Einleitung des 3. Bandes von Terry Goodkinds „Das Schwert der Wahrheit“-Saga bietet noch „business as usual“: Die Charaktere sprechen zwischendurch über die bisherigen Ereignisse und lassen einige ihrer Taten und Gefühle Revue passieren. Eine Art Kurzzusammenfassung der wichtigsten Geschehnisse also, die wohl den Einstieg erleichtern soll, wenn man die Bücher in größerem Abstand liest. Für Schnellleser, die sich die Bände kurz nacheinander vornehmen ist das zwar zum Teil lästig, aber längst nicht so langwierig wie in Band 2. Der Autor schafft es hier sogar, einige Dinge, die im Vorgänger ein wenig wirr wirkten, so gut darzustellen, dass man die Vertiefung bereits bekannten Stoffes zu schätzen weiß. Danach folgt, was man sich eigentlich schon für einen der vorherigen Teile gewünscht hätte: die Welt, in der die Handlung spielt, erhält endlich mehr Profil. Es gibt Beschreibungen über politische und diplomatische Verwicklungen und Intrigen, die dem Goodkind-Universum die Tiefe verleihen, die es verdient. Schade, dass der Autor nicht schon früher auf diesen Gedanken gekommen ist. Daran merkt man aber, dass das Werk wohl von Anfang auf einen großen Umfang ausgelegt war. Wie die Hauptfigur Richard selbst, erfährt auch der Leser erst nach und nach, welchen Regeln und Gesetzen die einzelnen Länder folgen. Durch diesen „politischen“ Handlungsteil, der zum Glück immer wieder durch spannende Zwischensequenzen aufgelockert wird, wird „Die Günstlinge der Unterwelt“ trotz seines völlig unpassenden deutschen Titels zum Highlight der gesamten Serie. Die fehlenden Hintergrundinformationen der beiden Vorgänger werden somit mehr als wettgemacht.

Leider ist aber auch hier wieder nicht alles Gold, was glänzt. Die Hauptfigur Richard werden diejenigen, die dem Zyklus bisher gefolgt sind und weiter folgen wollen wohl so nehmen wie sie ist – alles andere als optimal, aber zumindest mit einer ganz eigenen Note. Schwerer wiegt jedoch die völlig inkonsequente Charakterisierung von Khalan. War ihre Darstellung in Band 1 als unnahbarer und mächtiger Konfessor noch gelungen, ist die Figur seit Band 2 stark ambivalent. Diese Art von Zerrissenheit macht eine Identifikation nahezu unmöglich und führt – schlimmer noch – dazu, dass weite Teile einzelner Kapitel, in denen sie vorkommt, kein besonders angenehmes Lesegefühl erzeugen. Grundsätzlich ist ein solcher Charakter natürlich in Ordnung, nur schafft es Goodkind meiner Ansicht nach nicht, die richtige Mischung aus harter Kriegerin, Anführerin und einfacher Hausfrau (!) zu finden; mal ist sie unangenehm weinerlich, mal wieder unglaubwürdig eiskalt. Eine klare Definition einer Rolle ist zwar nicht immer zwingend notwendig, aber wenn man es wie Terry Goodkind nicht schafft, eine in sich ambivalente Figur überzeugend darzustellen, wäre eine einfacheres Schema angemessener. Dieses Problem lässt die leider schon gewohnheitsmäßig erscheinenden logischen Unzulänglichkeiten und manche weit hergeholte Verhaltensweise leicht in Vergessenheit geraten. Scheinbar latent vorhanden sind sie jedoch trotzdem wieder, wenngleich nicht in allzu großem Ausmaß.

Dennoch komme ich nicht umhin, dem Buch (im Kontext des Gesamtzyklus!) die höchste Wertung aller von mir gelesenen Bände zu geben – so viel sei bereits auf die Gesamtwertung vorweg genommen. Die Zeichnung der restlichen Charaktere ist gelungen und die durch verschiedene unerwartete Wendungen gekennzeichnete, spannende Geschichte lässt den Leser kaum los. Vor allem aber gelingt es dem Autor endlich, wie bereits erwähnt, seinem Universum Tiefe zu verleihen und die Saga damit auf ein deutlich höheres Niveau zu heben.

Gesamteindruck: 6/7


Autor: Terry Goodkind
Originaltitel: Blood of the Fold.
Erstveröffentlichung: 1996
Umfang: 848 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Die Schwestern des Lichts

Terry Goodkind


„Die Schwestern des Lichts“ ist Band 2 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Das Schwert der Wahrheit“, geschrieben vom US-amerikanischen Autor Terry Goodkind. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlich, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band 2): 4/7


Qualitatives Auf und Ab.

Bereits „Das Erste Gesetz der Magie“, Band 1 von Terry Goodkinds großem Zyklus um „Das Schwert der Wahrheit“, war mit über 1.000 Seiten ein gewichtiges Werk. Band 2, „Die Schwestern des Lichts“, ist noch einmal um rund 300 Seiten länger. Leider geht die Anhebung der Quantität nicht immer mit gesteigerter Qualität einher. Es gilt diesmal – ganz im Gegensatz zum praktisch durchgängig spannenden Teil 1 – einige Längen zu bewältigen. Vor allem stören zahlreiche Wiederholungen von Ereignissen aus „Das Erste Gesetz der Magie“ den Lesefluss oftmals empfindlich (was sich in späteren Bänden leider zu einem regelrechten Markenzeichen des Zyklus entwickelt). Gerade, wenn man sich die Bücher kurz nacheinander vornimmt, fällt das negativ auf und erzeugt das Gefühl, dass der Autor seinem Publikum kein gutes Gedächtnis zutraut. Verwunderlich, da auch innerhalb der Handlung selbst nur wenige Tage zwischen den Ereignissen aus Band 1 und 2 vergangen sind. Diese Unterbrechungen im Lesefluss betreffen vor allem die ersten 300 Seiten und auch dort eigentlich nur die beiden Helden Richard und Khalan. Deren Geschichte kommt überhaupt nicht in Fahrt und zieht sich zu Beginn stark in die Länge. Anders die zusätzlichen Erzählstränge. Die sind von Beginn an spannend umgesetzt und machen dadurch die Unzulänglichkeiten der Handlung um die beiden Hauptpersonen, die sich in vielen Nebensächlichkeiten verliert, umso auffälliger.

Später (nach 500 – 600 Seiten) ändert sich das glücklicherweise und es gibt bis auf einzelne, langwierige Dialoge kaum noch zähe Passagen zu überwinden. Im Gegenteil, das Buch wird plötzlich extrem spannend und zu einem echten Page-Turner, den man kaum noch aus der Hand legen will. In diesem Bereich ist ein deutlicher Bruch im Erzähltempo wahrnehmbar: Ziehen sich Dialoge und Szenen zu Beginn teilweise gehörig in die Länge, kommt plötzlich das andere Extrem zum Vorschein; eine starke Raffung der Ereignisse, die aber zum Glück nur zeitweise etwas überhastet wirkt und somit in Ordnung geht. Daran ändern auch die manchmal recht weit hergeholten Verhaltensweisen der Figuren und einige Logiklöcher nichts. Womit man als Leser des Zyklus sowieso leben muss: manche Eigenschaften (vor allem die der Hauptperson Richard) nerven mit der Zeit unglaublich. Insbesondere ist die Art und Weise, wie er Probleme löst, zwar grundsätzlich interessant, allerdings fallen ihm seine Strategien und Ansätze für meinen Geschmack viel zu leicht ein. Ähnliches gilt diesmal auch für Khalan, der man das jedoch aufgrund ihrer Konfessoren-Kräfte eher nachsieht, die aber andererseits für eine Person mit so viel Macht ein bisschen zu weinerlich gezeichnet wurde.

Im Endeffekt wird eine höhere Wertung dadurch verhindert, dass Terry Goodkind hier das alte Klischee „Weniger ist mehr!“ hätte beachten sollen. Selten ist mir bei einem Buch derart deutlich vor Augen geführt worden, dass ein Umfang von unter 1.000 Seiten und dafür eine Straffung der Handlung wahre Wunder bewirken können. Dennoch ist – vor allem aufgrund des letzten Drittels der Geschichte – eine Bewertung mit vier Punkten angemessen. Die Frage ist allerdings, ob es überhaupt viele Leser so weit schaffen.

Gesamteindruck (Band 2): 4/7


Autor: Terry Goodkind
Originaltitel: Stone of Tears.
Erstveröffentlichung: 1995
Umfang: 1.328 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Das Erste Gesetz der Magie

Terry Goodkind


„Das Erste Gesetz der Magie“ ist Band 1 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Das Schwert der Wahrheit“, geschrieben vom US-amerikanischen Autor Terry Goodkind. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlich, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band 1): 5/7


Guter Auftakt eines umfangreichen Zyklus.

Terry Goodkind gleich auf der Außenseite des Buchdeckels (!), noch dazu im obersten Drittel, als „wahren Erben J.R.R. Tolkiens“ anzupreisen, ist meiner Ansicht nach eine höchst unglückliche Entscheidung. Sicherlich können durch eine solche Ansage Leser gewonnen werden, aber demgegenüber dürfte es auch sehr viele geben, bei denen aufgrund derart plakativer Vergleiche alle Alarmglocken schrillen. Nach der Lektüre des ersten Bandes von Goodkinds großer Saga um „Das Schwert der Wahrheit“ kann man jedenfalls konstatieren: die Genialität eines Tolkien erreicht sein angeblicher Erbe bei weitem nicht, durchgängig schlecht ist sein Zyklus deshalb aber auch nicht geworden.

Trotz des Umfanges von knapp über 1.000 Seiten, den die von mir gelesene Blanvalet-Ausgabe von Band 1 bietet, liest sich „Das erste Gesetz der Magie“ erstaunlich schnell. Das liegt vorwiegend an der einfachen, lockeren und immer leicht verständlichen Schreibweise des Autors, die ein wenig zu zeitgemäß anmutet – rein stilistisch steht er dem großen Vorbild tatsächlich um Einiges nach, was aber per se nicht verdammenswert ist. Die Geschichte selbst und die Figuren, die darin vorkommen sind zum Teil innovativ, zum Teil ein Konglomerat aus üblichen Fantasy-Klischees. Das wirkt sich meiner Ansicht nach aber nicht störend aus, im Gegenteil, die Vorstellung der Figuren wird dadurch erleichtert, abgesehen davon, dass wirkliche Neuheiten im Genre so oder so Mangelware sind. Die Handlung ist eine konventionelle, nichtsdestotrotz sehr spannende Abenteuergeschichte von der Rettung der Welt, angereichert mit einigen neuartigen Elementen; in diesem Bereich ist tatsächlich alles bestens und Fans klassischer Fantasy werden sich – nach Gewöhnung an die angelsächsischen Namen – sofort heimisch fühlen. Das Ganze ist sehr kurzweilig und durch geschickte Wendungen und Kapitelteilungen ist es zeitweise unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen.

Abzüge muss es aber dennoch geben. Vor allem zwei Dinge haben mich beim Lesen gestört und immer wieder Anlass zum Kopfschütteln (ob des beinahe fahrlässigen Tolkien-Vergleichs) gegeben: Zum einen handelt es sich bei der Welt, in der die Geschichte spielt, um ein Land unter dem man sich kaum etwas vorstellen kann. „Der Herr der Ringe“ liest sich, als ob es in einer tatsächlich existierenden Welt spielen würde. Ständig hat man das Gefühl großer Tiefe und liest zwischen den Zeilen die reichhaltige Geschichte von Mittelerde heraus. Im „Schwert der Wahrheit“ ist das lediglich in Ansätzen zu finden. Schade, die Idee des dreigeteilten Landes gefällt wirklich gut, hier wäre etwas Feintuning höchst angebracht gewesen. Auch eine detailliertere Karte hätte zu mehr Profil beitragen können.

Wesentlich schlimmer ist allerdings der zweite Störfaktor: die Charaktere, allen voran der große Held, sind – zumindest bis über die Hälfte des Werkes hinaus – alles andere als ausgefeilt und können einem das Lesevergnügen bereits auf den ersten 300 Seiten verleiden. Um es deutlich zu sagen: Bis auf Kahlan und den herrlich wahnsinnigen, verschlagenen und bösen Darken Rahl (über den man allerdings viel zu wenig erfährt) gibt es aus meiner Sicht keine überzeugende Figur. Ausgerechnet der Held Richard gefällt mir dabei am wenigsten. Er ist so ehrlich und rechtschaffen, dass es bisweilen wehtut, zeigt aber dennoch Züge von Arroganz und Jähzorn, ohne dabei auch nur ansatzweise kauzig-sympathisch zu wirken – was noch in mehreren Bänden des Gesamtwerkes für Irritationen sorgen soll, soviel sei vorab verraten. Problematisch auch, dass er sich innerhalb kürzester Zeit vom naiven Waldläufer, der Touristen durch die Gegend führt, in einen abgebrühten Haudegen verwandelt, der sich über nichts wundert und die Lösung aller Probleme mühelos aus dem Hut zaubert. Natürlich ist eine solche Entwicklung für diese Art von Geschichte typisch, es gelingt dem Autor nur nicht ganz, sie glaubwürdig umzusetzen. Wenn man allerdings die Hälfte des Buches geschafft hat, bessert sich diese Situation zum Glück und die Lektüre wird zu einem echten Vergnügen. Leider ist der Schluss ab den letzten 100 Seiten sehr vorhersehbar, spannend ist es aber trotzdem.

Für eine weitere Sache, die erwähnt werden sollte kann Terry Goodkind nichts: Einerseits ist die Idee, den Zyklus im Original-Zustand herauszugeben natürlich zu begrüßen (die früher erschienenen, gesplitteten deutschen Ausgaben waren ziemlich fragwürdig – so etwas hat ja immer den Geruch von Geldschneiderei). Andererseits stellt sich die Frage, wieso die neue Auflage nicht auch neu korrigiert und an die aktuelle Rechtschreibung angepasst wurde. Und zuguterletzt hätte man mit dem Übersetzungs-Wirrwarr aufräumen können, das vor allem am Beginn von Band 1 herrscht – mal wird der Wald „Forest“ dann wieder „Wald“ genannt, ähnlich ist es bei „Lake“ und „See“ und bei den Ortsbezeichnungen („Kernland“ vs. „Southaven“ usw.).

Im Endeffekt überwiegt aber trotz dieser Kritikpunkte das Positive. Anders ist auch nicht zu erklären, dass mir die 1.000 Seiten zu keinem Zeitpunkt Mühe gemacht haben und ich nie versucht war, die Lektüre abzubrechen (lediglich zur Mitte hin gibt es kleinere Längen, die aber schnell überwunden sind). Im Gegenteil, mit zunehmender Länge des Werkes wurde der „Zwang“, es zu bewältigen immer größer – immer ein gutes Zeichen. Eine Bewertung von fünf Punkten halte ich daher für gerechtfertigt.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band 1): 5/7


Autor: Terry Goodkind
Originaltitel: Wizard’s First Rule.
Erstveröffentlichung: 1994
Umfang: 1.024 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

MusikWelt: …And Justice For All

 Metallica


Insgesamt setzt „…And Justice For All“ den von Metallica seit dem Debüt eingeschlagenen Kurs der stetigen Weiterentwicklung fort. Da das Album jedoch produktionstechnisch ein Rückschritt und die Songauswahl zwar überzeugend, jedoch einen Tick schwächer als auf beiden Vorgängern ist, gibt es 6 Punkte. Nicht schlecht für eine Platte einer Band auf personellem und musikalischem Scheideweg.

Gesamteindruck: 6/7


Musikalische Weiterentwicklung, produktionstechnischer Rückschritt.

Wenn man das 1988er-Album von Metallica zum ersten Mal hört, fallen sofort einige Veränderungen gegenüber den früheren Werken auf. Zum einen hat sich die Produktion, die zuvor bei „Master Of Puppets“ (1986) erstmals wirklich gut war, verschlechtert. Es gibt praktisch keinen Bass mehr zu hören, was wohl an der schwierigen Zeit nach dem Tod des ursprünglichen Bassisten Cliff Burton († 1986) lag. Dessen Nachfolger Jason Newsted musste ein extrem schweres Erbe antreten, was – in der Rückschau – eigentlich nie so richtig funktioniert hat. Was weniger an Newsted selbst gelegen haben dürfte, aber das ist eine andere Geschichte.

Doch damit nicht genug, auch die restliche Produktion klingt irgendwie saft- und kraftlos. Damals war das noch nicht zu erkennen, aber mittlerweile wissen wir ja, dass sich an diesem Thema bis zum immer noch aktuellen Album „Death Magnetic“ nach wie vor die Geister scheiden. Schade eigentlich, denn gerade auf „…And Justice For All“ stehen komplexe Kompositionen, die sich eine viel besser Klangqualität verdient, diese sogar gebraucht hätten, um sich vollständig zu entfalten.

Auffällig ist auch, dass diesmal nur wenige der Songs wirklich beim ersten Anhören sofort zu gefallen wissen und sich im Gehörgang festsetzen. Das liegt an der bereits angesprochenen Komplexität, die noch dazu durch die Überlänge einzelner Stücke verstärkt wird. So fallen beim ersten Hören lediglich drei Stücke sofort auf, die allerdings hervorragend sind und trotz guter Eingängigkeit nichts an Langzeitwirkung einbüßen: der Opener „Blackened“, das stoisch riffende „Eye Of The Beholder“ und einer der besten Metal-Tracks überhaupt: die Antikriegshymne „One“. Ebenfalls gut gelungen ist der Titeltrack, eine auf über 9 Minuten ausgedehnte Thrash-Hymne, die ihresgleichen sucht. Auch das Instrumental („To Live Is To Die“) weiß zu gefallen, wenngleich es für meinen Geschmack nicht an „The Call Of Ktulu“ (auf „Ride The Lightning“, 1984) und auch nicht ganz an „Orion“ (auf „Master Of Puppets“) heranreicht. „The Frayed Ends Of Sanity“ geht ebenfalls in Ordnung, während der Rausschmeißer „Dyers Eve“ für mich arg durchschnittlich klingt.

Am unteren Ende des Spektrums finden sich das eher langweilige „The Shortest Straw“ und – auch wenn das viele nicht hören mögen – der schwere Groover „Harvester Of Sorrow“. Ja, live kommt die Nummer ganz gut, auf Album langweilt mich das Stück dennoch relativ schnell.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Blackened – 6:40 – 7/7
  2. …And Justice For All – 9:44 – 6/7
  3. Eye Of The Beholder – 6:25 – 6/7
  4. One – 7:24 – 7/7
  5. The Shortest Straw – 6:35 – 3/7
  6. Harvester Of Sorrow – 5:42 – 4/7
  7. The Frayed Ends Of Sanity – 7:40 – 5/7
  8. To Live Is To Die (Instrumental) – 9:48 – 5/7
  9. Dyers Eve – 5:12 – 4/7

 Gesamteindruck: 6/7 


Metallica auf “…And Justice For All” (1988):

  • James Hetfield − Vocals, Rhythm Guitar
  • Kirk Hammett − Lead Guitar
  • Jason Newsted – Bass
  • Lars Ulrich − Drums

Anspieltipp: One