FilmWelt: 2012

Natürlich darf man an einen Emmerich-Blockbuster nicht mit der Erwartung herangehen, eine wissenschaftlich korrekte Dokumentation zu sehen. Aber auch die Mindestvoraussetzungen für einen inhaltlich halbwegs brauchbaren Film erfüllt dieser Streifen bei weitem nicht. Zu dümmlich die Dialoge, zu vorhersehbar die Handlung, zu flach die Charaktere – all das ist meiner Ansicht nach auch für ausgewiesenes Popcorn-Kino zu wenig.

Gesamteindruck: 3/7


Effekt-Overkill ohne jegliche Substanz.

Wenn man Filme mag, in denen der Regisseur sozusagen mit der groben Kelle austeilt und in denen möglichst viel kaputt geht, ist man mit „2012“ prinzipiell gut bedient. Selten, vermutlich überhaupt nie, gab es bisher in einem Film dermaßen umfassende Verwüstungen zu bewundern. Egal, ob der Ausbruch des Yellowstone-Supervulkans, das regelrechte Versinken von Metropolen im Boden bzw. im Meer oder die Zerstörungen, die von gigantischen Tsunamis angerichtet werden – all das ist tricktechnisch sehr gut umgesetzt und lässt kaum Wünsche offen. Wobei der Overkill an computergenerierten Special Effects zur Folge hat, dass wesentlich mehr „unecht“ wirkt, als in anderen Filmen; die Grenzen der Technik sind in einigen Szenen doch recht deutlich zu erkennen. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Dennoch: An dieser Front wurde prinzipiell alles richtig gemacht.

Mehr hat „2012“ im Wesentlichen jedoch nicht zu bieten. Zunächst merkt man von Anfang an sehr deutlich, dass die Special Effects der eigentliche Star des Films sind. Die Schauspieler (allen voran der durchaus sympathische John Cusack) sind zwar bemüht, stellen aber völlig gesichtlose, maximal als Verkörperung von amerikanischen Heldenklischees durchgehende Charaktere dar. Gleiches gilt für die Story – die Apokalypse erhält zwar einen pseudo-wissenschaftlichen Anstrich, der nicht ganz verkehrt ist, die restliche Handlung kann man jedoch getrost vergessen. Alles ist dermaßen vorhersehbar, dass einfach keine richtige Spannung aufkommen will und man – statt mit den Hauptpersonen mitzufiebern – nur auf die nächste Effektorgie wartet. Grundsätzlich wurde sowohl bei Charakteren als auch in Bezug auf die Story ohne Not wirklich jedes Klischee in den Film gepackt, dass man aus den letzten Jahrzehnten des Popcorn-Kinos kennt.

Am meisten stört, wie oft Hauptdarsteller Cusack praktisch in letzter Sekunde dem Tod von der Schippe springt. Es wäre vollkommen in Ordnung gewesen, die einzelnen Katastrophen zumindest gelegentlich für sich stehen zu lassen – leider hat man sich dazu entschieden, die Darsteller in mörderischem Tempo durch die nicht vorhandenen Kulissen zu jagen. Die Folge ist Kopfschütteln und stellenweise sogar Gelächter, wenn die Protagonisten in einer Limousine durch ein gerade einstürzendes Hochhaus brettern oder mit einer schweren Transportmaschine Flugmanöver wie mit einer Cessna durchführen. Atemlose Spannung kommt so jedenfalls nicht auf. Dass Roland Emmerich zusätzlich auch noch ganz tief in den Pathetik-Topf greift, seinen Darstellern dümmliche Dialoge in den Mund legt und den Spagat zwischen Familien- und globaler Tragödie nicht hinbekommt, spielt im Endeffekt so gut wie keine Rolle mehr. Genauso ist es mit dem jämmerlichen Versuch, dem Ganzen durch einen schwarzen US-Präsidenten, einer „Frau Bundeskanzlerin“ und ähnlichen Personen einen aktuellen, realistischen Anstrich zu verleihen.

Gute Momente gibt es vor allem dann, wenn der Film echte Ironie statt unfreiwilliger Komik zeigt. Beispielsweise wenn das Weiße Haus durch einen US-Flugzeugträger zermalmt wird oder der Petersdom Gläubige während dem Gebet unter sich begräbt.

Im Endeffekt reicht das alles für drei Punkte – das aber auch nur deshalb, weil es einige – auch inhaltlich – schlechtere Filme gibt. Zumindest hat man bei „2012“ im Vergleich zu anderen Filmen (wie zum Beispiel der unsäglichen Geschichtsverfälschung „Pearl Harbor“, den nicht mal die hervorragenden Effekte rausreißen können) nicht das Gefühl, dass sich der Streifen selbst allzu ernst nimmt. Der Film tut niemandem weh, ist in seiner Art zumindest konsequent und setzt optische Maßstäbe. Zu mehr reicht es aber nicht, soll es wohl auch nicht. Mir persönlich ist das aber auch bei einem solchen Blockbuster einfach zu wenig.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: 2012
Regie: Roland Emmerich
Jahr: 2009
Land: USA, Kanada
Laufzeit: 158 Minuten
Besetzung (Auswahl): John Cusack, Chiwetel Ejiofor, Amanda Peet, Woody Harrelson, Dany Glover



 

Ein Gedanke zu “FilmWelt: 2012

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