BuchWelt: Das Erste Gesetz der Magie

Terry Goodkind


„Das Erste Gesetz der Magie“ ist Band 1 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Das Schwert der Wahrheit“, geschrieben vom US-amerikanischen Autor Terry Goodkind. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlich, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band 1): 5/7


Guter Auftakt eines umfangreichen Zyklus.

Terry Goodkind gleich auf der Außenseite des Buchdeckels (!), noch dazu im obersten Drittel, als „wahren Erben J.R.R. Tolkiens“ anzupreisen, ist meiner Ansicht nach eine höchst unglückliche Entscheidung. Sicherlich können durch eine solche Ansage Leser gewonnen werden, aber demgegenüber dürfte es auch sehr viele geben, bei denen aufgrund derart plakativer Vergleiche alle Alarmglocken schrillen. Nach der Lektüre des ersten Bandes von Goodkinds großer Saga um „Das Schwert der Wahrheit“ kann man jedenfalls konstatieren: die Genialität eines Tolkien erreicht sein angeblicher Erbe bei weitem nicht, durchgängig schlecht ist sein Zyklus deshalb aber auch nicht geworden.

Trotz des Umfanges von knapp über 1.000 Seiten, den die von mir gelesene Blanvalet-Ausgabe von Band 1 bietet, liest sich „Das erste Gesetz der Magie“ erstaunlich schnell. Das liegt vorwiegend an der einfachen, lockeren und immer leicht verständlichen Schreibweise des Autors, die ein wenig zu zeitgemäß anmutet – rein stilistisch steht er dem großen Vorbild tatsächlich um Einiges nach, was aber per se nicht verdammenswert ist. Die Geschichte selbst und die Figuren, die darin vorkommen sind zum Teil innovativ, zum Teil ein Konglomerat aus üblichen Fantasy-Klischees. Das wirkt sich meiner Ansicht nach aber nicht störend aus, im Gegenteil, die Vorstellung der Figuren wird dadurch erleichtert, abgesehen davon, dass wirkliche Neuheiten im Genre so oder so Mangelware sind. Die Handlung ist eine konventionelle, nichtsdestotrotz sehr spannende Abenteuergeschichte von der Rettung der Welt, angereichert mit einigen neuartigen Elementen; in diesem Bereich ist tatsächlich alles bestens und Fans klassischer Fantasy werden sich – nach Gewöhnung an die angelsächsischen Namen – sofort heimisch fühlen. Das Ganze ist sehr kurzweilig und durch geschickte Wendungen und Kapitelteilungen ist es zeitweise unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen.

Abzüge muss es aber dennoch geben. Vor allem zwei Dinge haben mich beim Lesen gestört und immer wieder Anlass zum Kopfschütteln (ob des beinahe fahrlässigen Tolkien-Vergleichs) gegeben: Zum einen handelt es sich bei der Welt, in der die Geschichte spielt, um ein Land unter dem man sich kaum etwas vorstellen kann. „Der Herr der Ringe“ liest sich, als ob es in einer tatsächlich existierenden Welt spielen würde. Ständig hat man das Gefühl großer Tiefe und liest zwischen den Zeilen die reichhaltige Geschichte von Mittelerde heraus. Im „Schwert der Wahrheit“ ist das lediglich in Ansätzen zu finden. Schade, die Idee des dreigeteilten Landes gefällt wirklich gut, hier wäre etwas Feintuning höchst angebracht gewesen. Auch eine detailliertere Karte hätte zu mehr Profil beitragen können.

Wesentlich schlimmer ist allerdings der zweite Störfaktor: die Charaktere, allen voran der große Held, sind – zumindest bis über die Hälfte des Werkes hinaus – alles andere als ausgefeilt und können einem das Lesevergnügen bereits auf den ersten 300 Seiten verleiden. Um es deutlich zu sagen: Bis auf Kahlan und den herrlich wahnsinnigen, verschlagenen und bösen Darken Rahl (über den man allerdings viel zu wenig erfährt) gibt es aus meiner Sicht keine überzeugende Figur. Ausgerechnet der Held Richard gefällt mir dabei am wenigsten. Er ist so ehrlich und rechtschaffen, dass es bisweilen wehtut, zeigt aber dennoch Züge von Arroganz und Jähzorn, ohne dabei auch nur ansatzweise kauzig-sympathisch zu wirken – was noch in mehreren Bänden des Gesamtwerkes für Irritationen sorgen soll, soviel sei vorab verraten. Problematisch auch, dass er sich innerhalb kürzester Zeit vom naiven Waldläufer, der Touristen durch die Gegend führt, in einen abgebrühten Haudegen verwandelt, der sich über nichts wundert und die Lösung aller Probleme mühelos aus dem Hut zaubert. Natürlich ist eine solche Entwicklung für diese Art von Geschichte typisch, es gelingt dem Autor nur nicht ganz, sie glaubwürdig umzusetzen. Wenn man allerdings die Hälfte des Buches geschafft hat, bessert sich diese Situation zum Glück und die Lektüre wird zu einem echten Vergnügen. Leider ist der Schluss ab den letzten 100 Seiten sehr vorhersehbar, spannend ist es aber trotzdem.

Für eine weitere Sache, die erwähnt werden sollte kann Terry Goodkind nichts: Einerseits ist die Idee, den Zyklus im Original-Zustand herauszugeben natürlich zu begrüßen (die früher erschienenen, gesplitteten deutschen Ausgaben waren ziemlich fragwürdig – so etwas hat ja immer den Geruch von Geldschneiderei). Andererseits stellt sich die Frage, wieso die neue Auflage nicht auch neu korrigiert und an die aktuelle Rechtschreibung angepasst wurde. Und zuguterletzt hätte man mit dem Übersetzungs-Wirrwarr aufräumen können, das vor allem am Beginn von Band 1 herrscht – mal wird der Wald „Forest“ dann wieder „Wald“ genannt, ähnlich ist es bei „Lake“ und „See“ und bei den Ortsbezeichnungen („Kernland“ vs. „Southaven“ usw.).

Im Endeffekt überwiegt aber trotz dieser Kritikpunkte das Positive. Anders ist auch nicht zu erklären, dass mir die 1.000 Seiten zu keinem Zeitpunkt Mühe gemacht haben und ich nie versucht war, die Lektüre abzubrechen (lediglich zur Mitte hin gibt es kleinere Längen, die aber schnell überwunden sind). Im Gegenteil, mit zunehmender Länge des Werkes wurde der „Zwang“, es zu bewältigen immer größer – immer ein gutes Zeichen. Eine Bewertung von fünf Punkten halte ich daher für gerechtfertigt.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band 1): 5/7


Autor: Terry Goodkind
Originaltitel: Wizard’s First Rule.
Erstveröffentlichung: 1994
Umfang: 1.024 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

4 Gedanken zu “BuchWelt: Das Erste Gesetz der Magie

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