BuchWelt: Die Günstlinge der Unterwelt

Terry Goodkind


“Die Günstlinge der Unterwelt” ist Buch 3 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus “Das Schwert der Wahrheit”, geschrieben vom US-amerikanischen Autor Terry Goodkind. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlich, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck: 6/7


Verleiht dem Zyklus einiges an zusätzlicher Tiefe – sehr gelungen!

Die Einleitung des 3. Bandes von Terry Goodkinds „Das Schwert der Wahrheit“-Saga bietet noch „business as usual“: Die Charaktere sprechen zwischendurch über die bisherigen Ereignisse und lassen einige ihrer Taten und Gefühle Revue passieren. Eine Art Kurzzusammenfassung der wichtigsten Geschehnisse also, die wohl den Einstieg erleichtern soll, wenn man die Bücher in größerem Abstand liest. Für Schnellleser, die sich die Bände kurz nacheinander vornehmen ist das zwar zum Teil lästig, aber längst nicht so langwierig wie in Band 2. Der Autor schafft es hier sogar, einige Dinge, die im Vorgänger ein wenig wirr wirkten, so gut darzustellen, dass man die Vertiefung bereits bekannten Stoffes zu schätzen weiß. Danach folgt, was man sich eigentlich schon für einen der vorherigen Teile gewünscht hätte: die Welt, in der die Handlung spielt, erhält endlich mehr Profil. Es gibt Beschreibungen über politische und diplomatische Verwicklungen und Intrigen, die dem Goodkind-Universum die Tiefe verleihen, die es verdient. Schade, dass der Autor nicht schon früher auf diesen Gedanken gekommen ist. Daran merkt man aber, dass das Werk wohl von Anfang auf einen großen Umfang ausgelegt war. Wie die Hauptfigur Richard selbst, erfährt auch der Leser erst nach und nach, welchen Regeln und Gesetzen die einzelnen Länder folgen. Durch diesen „politischen“ Handlungsteil, der zum Glück immer wieder durch spannende Zwischensequenzen aufgelockert wird, wird „Die Günstlinge der Unterwelt“ trotz seines völlig unpassenden deutschen Titels zum Highlight der gesamten Serie. Die fehlenden Hintergrundinformationen der beiden Vorgänger werden somit mehr als wettgemacht.

Leider ist aber auch hier wieder nicht alles Gold, was glänzt. Die Hauptfigur Richard werden diejenigen, die dem Zyklus bisher gefolgt sind und weiter folgen wollen wohl so nehmen wie sie ist – alles andere als optimal, aber zumindest mit einer ganz eigenen Note. Schwerer wiegt jedoch die völlig inkonsequente Charakterisierung von Khalan. War ihre Darstellung in Band 1 als unnahbarer und mächtiger Konfessor noch gelungen, ist die Figur seit Band 2 stark ambivalent. Diese Art von Zerrissenheit macht eine Identifikation nahezu unmöglich und führt – schlimmer noch – dazu, dass weite Teile einzelner Kapitel, in denen sie vorkommt, kein besonders angenehmes Lesegefühl erzeugen. Grundsätzlich ist ein solcher Charakter natürlich in Ordnung, nur schafft es Goodkind meiner Ansicht nach nicht, die richtige Mischung aus harter Kriegerin, Anführerin und einfacher Hausfrau (!) zu finden; mal ist sie unangenehm weinerlich, mal wieder unglaubwürdig eiskalt. Eine klare Definition einer Rolle ist zwar nicht immer zwingend notwendig, aber wenn man es wie Terry Goodkind nicht schafft, eine in sich ambivalente Figur überzeugend darzustellen, wäre eine einfacheres Schema angemessener. Dieses Problem lässt die leider schon gewohnheitsmäßig erscheinenden logischen Unzulänglichkeiten und manche weit hergeholte Verhaltensweise leicht in Vergessenheit geraten. Scheinbar latent vorhanden sind sie jedoch trotzdem wieder, wenngleich nicht in allzu großem Ausmaß.

Dennoch komme ich nicht umhin, dem Buch (im Kontext des Gesamtzyklus!) die höchste Wertung aller von mir gelesenen Bände zu geben – so viel sei bereits auf die Gesamtwertung vorweg genommen. Die Zeichnung der restlichen Charaktere ist gelungen und die durch verschiedene unerwartete Wendungen gekennzeichnete, spannende Geschichte lässt den Leser kaum los. Vor allem aber gelingt es dem Autor endlich, wie bereits erwähnt, seinem Universum Tiefe zu verleihen und die Saga damit auf ein deutlich höheres Niveau zu heben.

Gesamteindruck: 6/7


Autor: Terry Goodkind
Originaltitel: Blood of the Fold.
Erstveröffentlichung: 1996
Umfang: 848 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch