BuchWelt: Das Reich des dunklen Herrschers

Terry Goodkind


„Das Reich des Dunklen Herrschers“ ist Buch 8 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Das Schwert der Wahrheit“, geschrieben vom US-amerikanischen Autor Terry Goodkind. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlich, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck: 3/7


Gute Ansätze reichen nur für durchschnittliches Lesevergnügen.

Die Vorfreude, die man nach dem – aus meiner Sicht – überraschend starken Vorgängerband „Die Säulen der Schöpfung“ von Terry Goodkinds „Das Schwert der Wahrheit“-Zyklus auf den vorliegenden Teil empfindet, wird zu Beginn recht schnell von einer gewissen Ernüchterung abgelöst. Grund dafür ist der offenkundige Rückfall des Autors in alte Verhaltensmuster. Teilweise noch ausführlicher als je zuvor werden vergangene Ereignisse rekapituliert, obwohl jeder, der es bis hierhin geschafft hat, bestens darüber im Bilde sein sollte. Sogar der bisher lediglich in Band 1 vorgekommene Grenzposten Chase findet erstmals wieder Erwähnung. Beinahe scheint es, als ob Goodkind versucht, die „Versäumnisse“ des vorhergehenden Bandes wiedergutzumachen, in dem er auf solche Streckungen der Seitenanzahl verzichtete. Schade, mir gefiel der wesentlich straffere Einstieg von Band 7 deutlich besser.

Leider wendet sich auch nach dem zähen Einstieg nicht alles zum Guten. Grund dafür ist auch diesmal nicht die eigentliche Hintergrundgeschichte, die wiederum einigermaßen interessant ausgefallen ist, sondern die Umständlichkeit, mit der uns der Autor seine Thesen näher bringen will. Goodkind versucht, seine Figuren Wissenschaftsgebiete wie Philosophie oder Erkenntnistheorie („Wie wirklich ist die Wirklichkeit?„) streifen zu lassen – diese Ausflüge gestalten sich teilweise allerdings als nahezu unlesbar (was eventuell an der deutschen Übersetzung liegen könnte, was ich allerdings nicht glaube). Generell fällt auf, dass in diesem Band, wie schon zuvor des Öfteren beobachtet, Passagen vorkommen, die sich bei mir jeglichem Verständnis entziehen, wobei ich nicht verhehlen will, dass aufgrund der zeitweisen Langatmigkeit meine Konzentration ab und zu nachließ. Noch viel unangenehmer fällt eine verstärkt auftauchende Tendenz des Autors zum Predigen auf. Stellenweise lässt er seine Charaktere ihre Ansichten, die man zumindest als fragwürdig, zum Teil eher als bedenklich einstufen könnte, mit einer Vehemenz vertreten, die äußerst penetrant wirkt. Hier scheint mir zum Teil die doch sehr radikale Haltung des Amerikaners Terry Goodkind viel zu deutlich durchzuschimmern – ob man sich durch Grundsätze wie eine zumindest angedeutete Befürwortung der Todesstrafe durch die strahlenden Helden gestört fühlt, ist natürlich Geschmacksache, mir persönlich war das im vorliegenden Buch zu viel des Guten.

Natürlich ist aber auch hier nicht alles misslungen. Vor allem die Passagen zwischen den langatmigen Ansprachen haben es in sich und erinnern daran, wieso man die bisherigen knapp 8.000 (!) Seiten des Zyklus überhaupt durchgehalten hat und weiter durchstehen möchte. Terry Goodkind schafft es wirklich sehr gut, seine Schlachten in Szene zu setzen – schade, dass diesen Cliffhangern und interessanten Nebenhandlungen so viel sinnloses Geplapper gegenüber steht.

Im Endeffekt muss man festhalten, dass „Das Reich des dunklen Herrschers“ erschreckend wenig Substanz für eine so große Seitenzahl bietet. Ein Grundproblem der Gesamtserie, das auch hier trotz „nur“ 700 Seiten Umfang keine Lösung findet. Ein Wort noch zur Titelgebung: mehrmals ist mir schon unangenehm aufgefallen, dass sowohl Gesamt- als auch Zwischentitel (wo solche vorkommen) kaum Bezug zum Inhalt haben. Im vorliegenden Fall sei mir die Vermutung gestattet, dass durch den deutschen Titel eine gewisse Tolkien-Nähe hergestellt werden sollte, die das Buch allerdings bei weitem nicht bieten kann. Zwar sehe ich auch beim Original-Titel „Naked Empire“ keinen allzu großen Zusammenhang zum Inhalt, aber zumindest kokettiert dieser nicht ganz so offensichtlich mit dem auf dem Cover angepriesenen und doch weit verfehlten Vorbild. Drei Punkte für ein durchschnittliches Werk, das leider nicht über interessante Ansätze hinauskommt und in das einige irritierende Privatansichten des Autors viel zu offensichtlich eingeflossen sind..

Gesamteindruck: 3/7


Autor: Terry Goodkind
Originaltitel: Naked Empire.
Erstveröffentlichung: 2005
Umfang: 704 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch