BuchWelt: „Das Schwert der Wahrheit“ – Zusammenfassende Bewertung

Terry Goodkind


Terry Goodkind gleich auf der Außenseite des Buchdeckels (!), noch dazu im obersten Drittel, als „wahren Erben J.R.R. Tolkiensanzupreisen ist meiner Ansicht nach eine höchst unglückliche Entscheidung. Sicherlich können durch eine solche Ansage Leser gewonnen werden, aber demgegenüber dürfte es auch sehr viele geben, bei denen aufgrund derart plakativer Vergleiche alle Alarmglocken schrillen. Nach der Lektüre des ersten Bandes von Goodkinds großer Saga um „Das Schwert der Wahrheit“ kann man jedenfalls konstatieren: die Genialität eines Tolkien erreicht sein angeblicher Erbe bei weitem nicht, durchgängig schlecht ist sein Zyklus deshalb aber auch nicht geworden.

Gesamteindruck: 4/7


Teils zu umständlich: 7.000 Seiten hätten genügt.

Der Umfang des ursprünglichen Zyklus um „Das Schwert der Wahrheit“ liegt bei knapp 10.000 Seiten in elf Bänden. Das ist das, was ich gelesen habe – mittlerweile sind weitere, damit zusammenhängende Geschichten und Romane erschienen, über die ich mir kein Urteil erlauben will und kann. Es sei allerdings gesagt, dass ich nach dem Abschluss der elf Bände kein überbordendes Verlangen verspürt habe, mich noch einmal in Terry Goodkinds Welt zu begeben.

Doch warum ist das so? Insgesamt schafft es Goodkind meiner Ansicht nach nicht, die gigantische Seitenzahl mit ausreichend Inhalt zu füllen. Im Gegenteil – leider beschleicht den Leser in nahezu jedem Band das Gefühl, dass der Autor nach Wortanzahl bezahlt wurde. Dieser Eindruck entsteht durch langatmige und umständliche Dialoge, die oft völlig unverständlich sind bzw. kaum etwas zur eigentlichen Handlung beitragen. Hinzu kommen Passagen, die zum einen in jedem (!) Band bereits Gesagtes und Geschehenes ausführlichst wiederholen und zum anderen uninteressante, langweilige Landschaftsbeschreibungen bieten. Diese Dinge stellen – aus der Retrospektive betrachtet – höchst merkwürdige Unterbrechungen im Lesefluss dar und wollen einfach nicht zu den schnellen und flüssig lesbaren Abschnitten passen, die „Das Schwert der Wahrheit“ bei aller Kritik auch zuhauf zu bieten hat.

Inhaltlich kann man drei Dinge Hauptfaktoren hervorheben, die das Lesevergnügen sehr deutlich schmälern:

  • Erstens hat die im Endeffekt recht brauchbare Hintergrundgeschichte den Haken, dass man ihr bisweilen kaum folgen kann. Die Schlussfolgerungen, die die Figuren ziehen, mögen ihnen klar sein, allein schafft der Autor es selten, auch beim Leser den Aha-Effekt zu erzielen, den er seinen Charakteren in den Mund legt.
  • Zweitens zeigt sich vor allem ab der Mitte des Zyklus eine verstärkte Neigung des Autors, (zumindest) fragwürdige Thesen und Moralvorstellungen anzuführen. Wobei „anzuführen“ wohl das falsche Wort ist, „predigen“ ist zutreffender. Manche Fans mag das nicht stören, bei mir hinterließen einige Aussagen allerdings einen schalen Beigeschmack, vor allem, da aus sie nicht aus dem Mund der Charaktere, sondern aus dem des Autors selbst zu kommen scheinen.
  • Der dritte Negativ-Faktor ist gleichzeitig der Bedeutendste: An vielen Stellen schafft es Goodkind nicht, seine zeitweise unüberschaubaren Handlungsstränge zu einem gelungenen Abschluss zu bringen. Es wirkt bisweilen, als ob ihm einfach die Ideen ausgegangen wären. Gelöst wird dieses Problem mit einer gewissen „Deus-Ex-Machina“-Haltung: die Charaktere zaubern dabei die unwahrscheinlichsten Lösungen aus dem Hut und unvorstellbare Geistesblitze lassen Sie vorher Unverständliches plötzlich kombinieren. Vor allem die Ausweichmöglichkeit der Prophezeiungen hat es dem Autor angetan, wirkt aber oft völlig an den Haaren herbeigezogen und scheint nur dem Zweck zu dienen, einige der zahlreichen Logiklöcher und merkwürdigen Verhaltensweisen zu tarnen. Daraus ergibt sich auch, dass die Handlung in der Rückschau für eine so große Seitenanzahl recht dünn wirkt.

Auf der Habenseite stehen einige für das Fantasy-Genre durchaus neuartige Ideen und eine – abseits aller Zerfahrenheit – reizvolle Geschichte. Wichtiger ist aber, dass Terry Goodkind durchaus in der Lage ist, Spannung zu erzeugen und Probleme auf angemessene Art zu lösen – schade, dass er das nicht dauerhaft schafft.

Alles in allem muss man konstatieren, dass diese umfangreiche Saga für mich nicht über eine Durchschnittswertung hinauskommen kann. Die genannten Mängel könnten bei Lesern, die sich nach atmosphärischer Dichte und/oder flüssigem Erzählstil á lá „Der Herr der Ringe“ (J.R.R. Tolkien) sehnen oder die aufgrund des Umfanges eine gewisse Komplexität erwarten, wie sie beispielsweise „Das Lied von Eis und Feuer“ (George R. R. Martin) oder „Das Spiel der Götter“ (Steven Erikson) bieten, dazu führen, dass nach Abschluss von Band 11 ein großes Fragezeichen stehenbleibt. Das Wort „Zeitverschwendung“ möchte ich eigentlich nicht in den Mund nehmen, aber es ist tatsächlich so, das weit über ein Drittel des gesamten Zyklus einfach nichts Lesenswertes bietet – mir ist das einfach zu wenig. Dessen sollte man sich gewahr sein, bevor man der Serie einige Monate seiner Zeit und um die 100 Euro seines Geldes opfert. Wer viel Tiefe erwartet, wird ohnehin schwer enttäuscht sein.

Einzelwertungen:

  1. Das Schwert der Wahrheit 1: Das erste Gesetz der Magie: 5/7
  2. Das Schwert der Wahrheit 2: Die Schwestern des Lichts: 4/7
  3. Das Schwert der Wahrheit 3: Die Günstlinge der Unterwelt: 6/7
  4. Das Schwert der Wahrheit 4: Der Tempel der vier Winde: 3/7
  5. Das Schwert der Wahrheit 5: Die Seele des Feuers: 2/7
  6. Das Schwert der Wahrheit 6: Schwester der Finsternis: 5/7
  7. Das Schwert der Wahrheit 7: Die Säulen der Schöpfung: 6/7
  8. Das Schwert der Wahrheit 8: Das Reich des dunklen Herrschers: 3/7
  9. Das Schwert der Wahrheit 9: Die Magie der Erinnerung: 4/7
  10. Das Schwert der Wahrheit 10: Am Ende der Welten: 4/7
  11. Das Schwert der Wahrheit 11: Konfessor: 4/7

Gesamteindruck: 4/7


Autor: Terry Goodkind
Umfang: 11 Bände, ca. 9.700 Seiten
Originaltitel:
 The Sword of Truth.
Gelesene Sprache: Deutsch