SpielWelt: The Elder Scrolls IV: Oblivion

Alles in allem halte ich „Morrowind“ für ein extrem gutes Spiel, das seinen Nachfolger locker in die Tasche steckt. Diese Atmosphäre schafft „Oblivion“ einfach nicht – zu viele Kleinigkeiten drücken auf die Stimmung. Das heißt aber nicht, dass „Oblivion“ ein schwaches Spiel ist, sondern ist Kritik auf sehr hohem Niveau. Denn trotz aller Probleme ist auch hier die typische „The Elder Scrolls“-Stimmung allgegenwärtig und lässt mich auch heute das Spiel ab und an immer noch installieren. Im Vergleich zu seinem Vorgänger und auch zu seinem Nachfolger muss es allerdings dennoch einen Unterschied in der Wertung geben.

Gesamteindruck: 6/7


Gutes Spiel, aber keine Offenbarung wie „Morrowind“.

Die größte Verbesserung des vierten Teils der Reihe „The Elder Scrolls“ ist die Grafik – was aber nicht extra betont zu werden braucht, da technischer Fortschritt in der Natur der Sache liegt. Die Optik von „Oblivion“ ist für sich betrachtet wahrlich eine Pracht; Seen und Flüsse, Wälder und Berge sind hervorragend gelungen und erwecken (die entsprechende Hardware vorausgesetzt) manchmal sogar den Eindruck von Fotorealismus. Ebenso gut gelungen sind die vielen, vielen NPCs, die (bis auf einige Ausnahmen) alle unterschiedlich aussehen. Hier ist wirklich alles dabei, was man sich von einem Rollenspiel wünschen kann. Alle NPCs haben einen eigenen Tagesablauf, was der Glaubwürdigkeit des Ganzen gut zu Gesicht steht. Auch die Dörfer und Städte wurden ansprechend in Szene gesetzt, wobei Fans des Vorgängers hier den ersten Dämpfer erhalten.

Beim Design bietet „Oblivion“ nämlich nur mehr typisch-mittelalterliche Siedlungen, hier war „Morrowind“ mit seinen Dwemer– und Daedra-Festungen, mit seinen Lehmhütten und Krebsschalen-Häusern usw. deutlich überlegen. Die Kultur der Zwerge (=Dwemer) ist in „Oblivion“ sowieso völlig verschwunden, ebenso gibt es keine Andeutungen der großen Fürstenhäuser mehr, die den Vorgänger u. a. so atmosphärisch machten. Schade. Mehr als nur gewöhnungsbedürftig, sondern mithin das größte Ärgernis am Spiel, ist das Balancing-System. Das „mit-leveln“ der gesamten Welt verhindert die typische Langzeitmotivation, seinen Charakter zu verbessern, um gegen starke Gegner antreten zu können. So ist zwar die ganze Welt von Beginn an frei begehbar, der Preis dafür ist aber meiner Meinung nach viel zu hoch.

Nichtsdestotrotz ist „Oblivion“ ein sehr gutes Spiel. Vor allem die unendlich vielen kleinen Quests und Nebenaufträge sind unglaublich einfallsreich (nicht nur daran konnte sich „Gothic 3“ damals eine Scheibe abschneiden). Aber auch hier gibt es wiederum ein Problem: vor allem Quests in Höhlen und alten Festungen (und der Großteil der Aufträge führt eben dorthin) können trotz aller Abwechslung der Aufgabe an sich langweilig werden – zu sehr merkt man vielen Dungeons ihre Herkunft aus dem Editor an. Daher kommt es auch, dass die „Oblivion“-Landkarte mit eigentlich interessanten Locations vollgestopft ist, man aber kaum eine davon betreten will, wenn es sich nicht um eine explizite Quest handelt – zu sehr ähnelt sich alles.

Insgesamt muss man sagen, dass „Oblivion“ trotz der tollen Grafik aus den erwähnten Gründen einfach nicht die gleiche exzellente Stimmung und das einzigartige Spielgefühl von „Morrowind“ (und auch nicht von „Skyrim“) erreicht. Zum einen liegt das wahrscheinlich an der Spielwelt selbst, die ein wenig zu märchenhaft und ungefährlich wirkt. Daran ändert auch das parallele Reich von „Oblivion“ nichts, das durch die anfangs so mysteriösen Tore betreten werden kann. Dort fehlt nämlich schlicht und einfach die Abwechslung. So ist man zu Beginn noch motiviert, „Oblivion-Tore“ zu schließen, spätestens nach dem dritten ist man davon jedoch nur mehr genervt. Vermutlich ist genau das der Grund, warum die Hauptaufgabe nicht allzu sehr zu fesseln vermag und man geradezu froh ist, wenn man den Teil davon, der dem Spiel seinen Namen gibt, durch hat. Die Größe der Karte wurde im Vergleich zum Vorgänger ein wenig reduziert, zum Ausgleich aber eine überwältigende Vielzahl an Höhlen, Festungen und kleinen Dörfern eingebaut.

Fluch und Segen zugleich ist das Schnellreisesystem, das zwar längere Märsche unnötig macht, aber andererseits beinahe „zu“ bequem ist. Man muss sich regelrecht zwingen, ab und zu doch mal zu Fuß (oder zu Pferd) auf Erkundung zu gehen, um wenigstens einen kleinen Teil der Welt zu sehen.

Und so könnte man noch länger die Für und Wider einzelner Komponenten des Rollenspiels aufzählen. Im Großen und Ganzen kann man sich aber auch mit „Oblivion“ extrem lange beschäftigen, wenn man sich wirklich darauf einlässt. Hier steht es seinem Vorgänger nicht nach, erfordert aber zum Teil wesentlich mehr Anstrengung, die natürlich nicht jeder aufbringen kann oder will. „Morrowind“ und auch „Skyrim“ waren und sind für mich ein absoluter Selbstläufer und damit locker die volle Punktezahl wert, „Oblivion“ muss sich hingegen mit leichten Abzügen in der Gesamtwertung zufrieden geben. Übrigens habe ich nur die englische Version wirklich gespielt, da die deutsche Synchronisation meiner Ansicht nach deutlich abfällt – genau umgekehrt wie bei „Morrowind“.

Gesamteindruck: 6/7


Genre: Rollenspiel
Entwickler: Bethesda Game Studios
Jahr: 2006
Gespielt auf: PC


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