FilmWelt: Sweeney Todd

Von Tim Burton hat man ja schon die unterschiedlichsten Themen serviert bekommen – 2007 gesellte sich ein Musical aus dem Jahr 1979 dazu, dessen Wurzeln sogar bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück reichen. Allein schon diese Konstellation macht zumindest neugierig auf den Film.

Gesamteindruck: 5/7


Eine Geschichte über Rache.

Wer von „Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street“ leicht verständliches Popcorn-Kino erwartet, wird sich wohl bereits in den ersten Minuten abwenden. Das liegt nicht an der komplexen Handlung, sondern vielmehr daran, dass hier tatsächlich ein Broadway-Musical adaptiert wurde, das heißt, es wird sehr viel mit Gesang gearbeitet und wenig gesprochen. Das kann vor allem durch die nicht sehr eingängige Musik (die allerdings ein wichtiges Markenzeichen des Stückes an sich ist) schon mal anstrengend werden. Andererseits ist es relativ einfach, der Geschichte zu folgen, mit einigermaßen guten Englischkenntnissen kann man sich voll auf das eigentliche Geschehen konzentrieren und braucht die Untertitel nur in Ausnahmefällen. Die schauspielerische (und meiner Meinung nach auch die gesangliche) Leistung von Burtons Haus-und-Hof-Mimen-Duo Johnny Depp und Helena Bonham Carter geht vollkommen in Ordnung und ist dem Thema mehr als angemessen.

Die Geschichte selbst wäre an sich schnell erzählt und wird durch die Songs auf Spielfilmlänge ausgedehnt – ein durchaus legitimes Mittel, wenn man bedenkt, dass das in jedem Actionfilm ähnlich ist. Statt Lieder werden dort eben mehrminütige Verfolgungsjagden oder Kampfsequenzen geboten, um die nötige Filmdauer zu erreichen. Was als größere Kunst empfunden wird, kann eigentlich nur Geschmackssache sein, ihre Daseinsberechtigung haben beide Formen. Dass die Gesangsdarbietung dabei durchaus ihre Längen hat, soll allerdings nicht verhehlt werden. Auch, dass eigentlich nicht sehr viel wirkliche Spannung aufkommt (wie man sie auch von einer Musical-Adaption irgendwie erwartet, wenn sie für den Mainstream angeboten wird), ist kaum abzustreiten. Daran können auch die stimmungsvoll eingefangenen Kulissen und das insgesamt sehr düstere Setting nicht viel ändern.

Als sehr einfach und damit durchaus nicht schlecht in Szene gesetzt empfinde ich die Moral, die hinter dem Ganzen steckt – das Streben nach Rache, das im Endeffekt nur zum eigenen Untergang führt. Durch dieses wahrlich Unhappy End werden auch die exzessiven Gewaltdarstellungen relativiert – wobei man natürlich sagen muss, dass deren absolute Überzeichnung sowieso kaum eine fragwürdige Interpretation zulässt.

Punkteabzüge gibt es für einige Längen, die in den Gesangs-Sequenzen entstehen (manchmal ertappt man sich sogar dabei, wie man mit der „Fastforward“-Taste liebäugelt) und für die zum Teil fehlende Spannung. Größter Minuspunkt ist allerdings das unfertig wirkende Ende, das das Publikum doch einigermaßen ratlos zurücklässt. Man erfährt nicht, wie es mit den recht gut aufgebauten Nebenrollen weitergeht, was sehr schade ist (wobei ich allerdings nicht weiß, wie es damit im Original-Musical aussieht) – solide 5 Punkte.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street.
Regie: Tim Burton
Jahr: 2007
Land: USA
Laufzeit: 116 Minuten
Besetzung (Auswahl): Johnny Depp, Helena Bonham Carter, Alan Rickman, Timothy Spall



 

Ein Gedanke zu “FilmWelt: Sweeney Todd

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