FilmWelt: Hostel

Eli Roth scheint nicht ganz sicher gewesen zu sein, wen er mit seinem Film eigentlich erreichen wollte. Für anspruchsvolle Kinobesucher ist „Hostel“ nichts, kann und will er wohl auch nicht sein. Für Splatter-Fans sind die brutalen Szenen zu selten bzw. kommen zu spät, für Freunde des gepflegteren Horrors ist die Handlung trotz der guten Grund-Idee zu seicht. Hier wäre eindeutig mehr drin gewesen, so bleiben 4 Punkte, vor allem für die gute Idee und die Bilder (inklusive Kulissen) bzw. den passenden Ton.

Gesamteindruck: 4/7


Eli Roth zwischen den Stühlen.

Dass sich an einem Film wie diesem die Geister scheiden würden, war bereits im Vorhinein klar. Dieser Umstand dürfte auch einem allgemeinen Wertewandel geschuldet sein: Was früher maximal in Videotheken oder nur über Import zu haben war, läuft heute im Kino. Allein schon das hinterlässt – unabhängig vom Inhalt des betreffenden Films – ein zwiespältiges Gefühl. Die Underground-Splatter-Freaks sehen sich auf einmal der Situation gegenüber, dass ein größeres Publikum über ihr Lieblingsgenre diskutiert, die „Normalverbraucher“ finden es nicht in Ordnung, dass plötzlich auch solche „Machwerke“ (aus ihrer Sicht) in den großen Kinos zu sehen sind. Dass hier die Emotionen hochkochen liegt in der Natur der Sache.

Mit „Hostel“ setzte sich Regisseur Eli Roth 2005 direkt zwischen die Stühle. Die Folterszenen sind abartig, blutig, abstoßend und somit für die Zielgruppe wohl als gut gelungen zu bezeichnen (nebenbei: dass im Film solche Szenen vorkommen sollten man natürlich vorher wissen und ihn sich dementsprechend ansehen oder eben nicht). Auch die grundsätzliche Idee eines völlig enttabuisierten Ortes, an dem einfach alles ohne Konsequenzen getan werden kann, war damals noch neu und unverbraucht. Außerdem ist dem Regisseur ein gewisser Hang zu schwarzem Humor, der recht gut gelungen ist, nicht abzusprechen. Gut in Szene gesetzt sind auch die Kulissen, die man so oder so ähnlich mittlerweile zwar aus mehreren Streifen kennt, die jedoch nichts an ihrer Intensität eingebüßt haben.

Woran es jedoch mangelt, ist die Umsetzung dieser Zutaten in einen sehenswerten Film. Die blutigen Szenen mögen in Ordnung sein, kommen jedoch erst so spät und auch selten im Film, dass reine Splatter- und/oder Horror-Fans kaum zufrieden sein dürften. Im Gegenzug ist die Story, die direkt in die Folterkammer führt, auch nicht dazu angetan, „gewöhnliche“ Horrorfans bei der Stange zu halten. Wieder einmal werden ein paar junge, hübsche Amerikaner auf ihrer Urlaubsreise gefangen genommen und grausam ermordet. Dass sich dahinter die Motive des Menschenhandels und des offenbar latent im Menschen vorhandenen Sadismus verbergen, klingt durch den schwachen Aufbau und die flachen Charaktere eher nach einer Ausrede, um überhaupt eine Rechtfertigung für das Ganze zu haben. Gerade durch die mangelhafte Umsetzung dürfte diese tiefere Botschaft (so es sie überhaupt gibt), an den meisten Zusehern einfach vorbeilaufen. Auch die Nacktszenen, die sich in der ersten Hälfte des Filmes aneinanderreihen, sind nicht dazu geeignet, den sehr dünnen Handlungsfaden zu kräftigen. Die durchwachsene schauspielerische Leistung hingegen mit dem knappen Budget zu rechtfertigen (wie es mancherorts in Rezensionen getan wird), ist nicht mehr als eine Ausrede – schließlich zeigt „Saw“, was man im Bereich einer preisgünstigen Produktion wirklich erreichen kann.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Hostel
Regie: Eli Roth
Jahr: 2005
Land: USA
Laufzeit: 90 Minuten
Besetzung (Auswahl): Jay Hernández, Derek Richardson, Barbara Nedeljáková, Rick Hoffman, Takashi Miike