BuchWelt: Congo

Michael Crichton


Sowohl der Klappentext als auch die z. B. bei Amazon zu findende Inhaltsangabe von Michael Crichtons 1980er Werk „Congo“ führen ein wenig in die Irre. Dort wird suggeriert, dass graue, hochintelligente Gorillas eine wichtige Rolle im Buch spielen, was nur indirekt stimmt. Crichton berichtet vielmehr über die Organisation einer Expedition nach Afrika und spart dabei – typischerweise – nicht mit Kritik an der Wissenschaft. Ein (fast) durch und durch lesenswertes Buch.

Gesamteindruck: 5/7


Starker Doku-Roman.

Die geheimnisvollen Gorillas, die vor auch aus dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1995 bekannt sind, sind lediglich der Grund, wieso eine Expedition losgeschickt wird, innerhalb der Handlung tauchen sie mehr oder weniger nur als Randfiguren auf. Für viele Leser, die sich wünschen, mehr über diese Kreaturen zu erfahren, ist das Buch somit sicherlich eine Enttäuschung.

Alle anderen bekommen eine spannende, im Stile einer Dokumentation verfasste Geschichte zu lesen, die sich als echter Page-Turner erweist. Das liegt vor allem am typischen Crichton-Stil, der (pseudo-) wissenschaftliche Theorien und Erkenntnisse derart gekonnt mit Fiktion mischt, dass man sich stellenweise in einem Tatsachenbericht wähnt. Aus diesem Grund finde ich den ursprünglichen deutschen Titel des Buches, „Expedition Kongo“, wesentlich aussagekräftiger und besser – das Hauptanliegen von Michael Crichton scheint zu sein, eine Expedition nach Schwarzafrika in allen Details und Unwägbarkeiten zu beschreiben. Die Schwierigkeiten, die allein das Ausrüsten und Absetzen einer Expedition in den Dschungel hervorruft werden ebenso behandelt wie die Probleme, denen die Teilnehmer an Ort und Stelle angekommen, gegenüberstehen. Wem eine solche Schilderung gefällt (ähnliches kann man u. a. auch in Crichtons „Andromeda“ und „DinoPark“ lesen), der kann bedenkenlos zugreifen.

Zwei ab und zu geäußerte Kritikpunkte können dennoch angesprochen werden. Zum einen wurde das Buch 1980 geschrieben und spielt 1979. Zwangsläufig wurden mittlerweile diverse biologische, politische und vor allem technische Beschreibungen von der Wirklichkeit eingeholt bzw. überholt. Daran gemessen, was in dieser Zeit wirklich passiert ist, erweist sich Crichton in „Congo“ stellenweise als schlechter Prophet – ganz im Gegensatz zu einigen seiner anderen Werke. Dennoch ist es sehr interessant, die Gedanken einer früheren Epoche über die Zukunft (also unsere Gegenwart) zu erfahren, sodass ich diesen Punkt keineswegs als störend empfinde.

Etwas anders verhält es sich mit den Personen der Handlung, die in diesem Roman nahezu immer flach und stereotyp wirken. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Tiefgang gewünscht; der Autor dürfte sich aber voll und ganz auf die Beschreibung der äußeren Umstände konzentriert haben. Ein wirkliches Ärgernis ist das zwar nicht, jedoch bietet vor allem die merkwürdige Beziehung zwischen den Figuren „Elliot“ und „Amy“, die in krassem Gegensatz zu den ansonsten weitgehend fehlenden Charakterinteraktionen steht, Grund genug für Punkteabzüge. Ansonsten ist dieses Werk aus dem Vermächtnis eines exzellenten Unterhaltungsschriftstellers praktisch uneingeschränkt zu empfehlen.

Gesamteindruck: 5/7


Autor: Michael Crichton († 2008)
Originaltitel: Congo.
Erstveröffentlichung: 1980
Umfang: 351 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


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BuchWelt: Das Muschelessen

Birgit Vanderbeke


„Das Muschelessen“ wird gemeinhin als Parabel auf die Zeit der DDR interpretiert. Dazu kann ich persönlich mangels eigener Erfahrung mit diesem Regime nichts sagen. Unabhängig davon haben wir es hier mit einer intensiven und düsteren Erzählung zu tun, die nur ganz knapp an der Höchstwertung vorbei schrammt.

Gesamteindruck: 6/7


Intensives Leseerlebnis.

„Das Muschelessen“, eine 1990 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnete Erzählung von Birgit Vanderbeke, führt den Leser direkt in die Abgründe einer kleinbürgerlichen Familie. Ungewöhnlich ist, dass es dabei so gut wie keine Handlung im eigentlichen Sinn gibt. Das Buch ist eher als eine Art innerer Monolog in unendlich lang scheinenden Gedankenketten verfasst. Die Sätze ziehen sich oft länger als eine Seite und erinnern mehr als einmal an assoziatives Schreiben. Die wenigen Dialoge sind lediglich angedeutet und auch kaum als solche zu erkennen, da auf Anführungszeichen trotz direkter Rede komplett verzichtet wurde (eine Eigenart der Autorin, die auch bei „Sweet Sixteen“, 2005, zur Anwendung kommt).

Aber auch wenn sich diese Beschreibung im ersten Moment nicht gerade ermutigend anhört, sollte der potentielle sich davon nicht abschrecken lassen. Trotz des außergewöhnlichen Stils geht die Lektüre nämlich erstaunlich flüssig und schnell von der Hand. Eine kurze Einlesephase ist dafür allerdings notwendig. Was den Inhalt betrifft, fehlt es nicht an Identifikationspunkten. Bestimmte Eigenarten der einzelnen Familienmitglieder kann man in ähnlicher, wenn auch meist abgeschwächter Form sicher in vielen Haushalten finden. Was allerdings ein wenig unglaubwürdig erscheint: Birgit Vanderbeke schreibt dem Vater (praktisch die abwesende Hauptperson der Geschichte) so gut wie alle schlechten Eigenschaften zu, die ein Mensch überhaupt haben kann. Das erscheint im Nachhinein doch einigermaßen übertrieben, zumal es in der Familie, die beschrieben wird, scheinbar viele Jahre lang kaum einen Versuch der Auflehnung gegen den Tyrannen gibt. Während des Lesens fällt diese Problematik aber nicht sonderlich auf, zu intensiv und zum Teil auch bedrückend ist das Leseerlebnis.

Gesamteindruck: 6/7


Autorin: Birgit Vanderbeke
Originaltitel: Das Muschelessen.
Erstveröffentlichung: 1990
Umfang: 112 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

MusikWelt: Colony

In Flames


Mit „Colony“ (1999) ist In Flames nach dem Vorgänger „Whoracle“ (1997) das zweite, praktisch perfekte Album in Folge gelungen. Wie schon beim Vorgänger werden auch hier messerscharfe, eingängige Gitarrenharmonien, harsches Riffing und rauer Gesang in einer Kombination geboten, die bis heute ihresgleichen sucht.

Gesamteindruck: 7/7


Wie aus einem Guss!

Der Eröffnungstrack „Embody The Invisible“ setzt noch nahtlos den Kurs von „Whoracle“ fort, doch bereits der zweite Song überragt alles bisher von den Schweden gehörte und damit auch alle Stücke dieses Albums: „Ordinary Story“ ist ein Meisterwerk, das das gesamte Spektrum der Truppe bietet. Ruhige, atmosphärische Passagen wechseln sich mit brettharten Teilen ab, typische In Flames-Leads duellieren sich mit tollem Gesang, der innerhalb der Nummer mal düster, mal brutal klingt. Ein sehr abwechslungsreiches Lied also, das wirklich keine Wünsche offen lässt. Auch an den harten Death Metal-Krachern „Scorn“ (das auch heute noch ab und zu live dargeboten wird) und „Coerced Coexistence“ (tolle Breaks, coole Harmonien, nimmt sogar ein wenig von „Reroute To Remain“ vorweg, allerdings mit wesentlich mehr Härte als auf dem 2002er Output) gibt es nichts auszusetzen.

Weitere Songs zu beschreiben ist eigentlich überflüssig – jeder könnte als Anspieltipp herhalten: vom Titeltrack, der gemeinsam mit seinem 2000er-Pendant „Clay Man“ das beste der Band aus dieser Kategorie darstellt über das extrem eingängige, mit Chören unterlegte „Insipid 2000“ bis hin zum thrashigen Rausschmeißer „The New World“ ist kein Moment der Schwäche auszumachen, es sei denn man verspürt den Zwang, ein Haar in der Suppe zu finden. Neben dem kurzen, folkigen Instrumental „Pallar Anders Visa“ wird man wohl am ehesten bei der Neueinspielung „Behind Space ’99“ fündig, an der sich tatsächlich die Geister scheiden. Ich persönlich finde die Neuaufnahme (ursprünglich auf dem Debüt „Lunar Strain“, 1994 erschienen) sehr gelungen – vor allem die düstere Atmosphäre kommt sehr gut zur Geltung.

Wenn man all das zusammenzählt, die guten Texte und das beste Album-Cover, das jemals eine Platte von In Flames zierte, dazu nimmt, kann man nicht anders als die Höchstnote für eine Platte wie aus einem Guss vergeben.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Embody The Invisible – 3:37 – 6/7
  2. Ordinary Story – 4:16 – 7/7
  3. Scorn – 3:37 – 6/7
  4. Colony – 4:39 – 7/7
  5. Zombie Inc. – 5:05 – 7/7
  6. Pallar Anders Visa – 1:41 – 5/7
  7. Coerced Coexistence – 4:14 – 7/7
  8. Resin – 3:21 – 6/7
  9. Behind Space ’99 – 3:58 – 6/7
  10. Insipid 2000 – 3:45 – 7/7
  11. The New World – 3:18 – 6/7

Gesamteindruck: 7/7 


In Flames auf “Colony” (1999):

  • Anders Fridén – Vocals
  • Jesper Strömbald – Guitar
  • Björn Gelotte – Guitar
  • Peter Iwers – Bass
  • Daniel Svensson – Drums

Anspieltipp: Ordinary Story

SpielWelt: Gothic 3 – Götterdämmerung (OV)

Ich habe noch nie erlebt, wie eine wirklich gelungene und auch kommerziell erfolgreiche Reihe nach nur drei Teilen dermaßen an die Wand gefahren wurde, wie das bei „Gothic“ passiert ist. Langsamen Verfall ist man bei Serien ja gewohnt, dass es aber so schnell, mit einem solch eklatanten Niveau-Unterschied zwischen zwei Spielen (Gothic II“ vs. „Gothic 3“) und noch dazu sehenden Auges passieren kann, war mir völlig neu. Im Gegensatz zu vielen anderen hatte ich sowieso nie viel Hoffnung für das Add-On zum völlig indiskutablen dritten Teil des einstigen Flaggschiffs der deutschsprachigen, action-orientierten Rollenspiele. Meine Befürchtungen, dass der Murks weitergehen und sogar die härtesten Anhänger verärgern würde, waren leider berechtigt – allerdings in einem Ausmaß, das ich so nicht erwartet hätte.

Gesamteindruck: 2/7


Der tiefe Fall eines Klassikers.

Die erste Warnung an den unbedarften User fand man seinerzeit (2008) bereits vor der Installation (das „deutsche“ Handbuch lasse ich mal außen vor). Dafür genügte ein kurzer Blick ins Internet, wo bereits am Erscheinungstag ein erster Patch angeboten wurde. Kurz darauf gab es auch den ersten offiziellen Patch – wobei es den Entwicklern nicht gerade zur Ehre gereichte, dass die Community bereits vor dessen Veröffentlichung zugeschlagen und eigene Verbesserungen bereitgestellt hat. Wie auch immer, die Suche im Netz vor der ersten Installation einer damals gekauften Version lohnt nach wie vor, da man so um eine eventuelle Neuinstallation herumkommt, die auch alle alten Savegames vernichten kann. Was das Spiel selbst (inzwischen durch diverse Patches spielbar, ganz im Gegensatz zu 2008) betrifft, gibt es ebenfalls recht schnell die ersten Ernüchterungen.

Wer das verstehen will, bräuchte vermutlich die Original-Version – hier ein Versuch der Beschreibung: „Götterdämmerung“ ging eigentlich gut, nämlich mit wunderschöner Grafik, los. Noch bevor man allerdings dazu kommt, die Landschaft zu bewundern, gab es schon das erste Rätsel: Warum, in Beliars Namen, hatte sich niemand von der deutschsprachigen (!) Firma JoWood die Mühe gemacht, auch nur einmal in das Spiel hineinzusehen? Bereits im ersten Hilfe-Dialog (also noch vor Spielstart) wurde aus dem „Schmied“ ein „Schmid“, bereits in der ersten Truhe fand man neben „200 Goldmünzens“ auch noch „17 Klingenbolzens“ und „2 Trank der Stärkes“. Dass viele Dialogzeilen und Beschreibungen zu lang für ihre Fenster und darum nicht vollständig lesbar waren, erschien in diesem Licht schon fast als besondere Gnade. Ich kann einfach nicht verstehen, wie der Publisher diese Peinlichkeiten übersehen und auf sich sitzen lassen konnte. Man sah bald darauf zwar durch die Patches einige Verbesserungen (der legendäre „verruckt Birdman“ wurde „leider“ zum nicht ganz so legendären „verrückter Vogelmann“), aber die „Münzens“ und „Bolzens“ waren lange Zeit weiterhin vorhanden, ebenso das Sprachen-Kuddelmuddel in einigen Dialogfenstern (Deutsch, Englisch, Französisch werden munter gemischt). Rätselhaft auch, warum die Gegenstände aus dem Hauptspiel (Beispiel Silden: Fischfässer, Kisten mit Fellen usw.) überall in der Gegend herumlagen, jedoch nicht aufgenommen werden können. Dass am Questlog nicht gearbeitet wurde und dieses die gleiche Zumutung wie in „Gothic 3“ war (wieder werden nur Dialoge wiedergegeben; Hauptquest diesmal: „Vereine Myrtyna“, ohne weiteren Kommentar), passte da perfekt ins Bild. Diese Dinge störten zwar ganz massiv die Glaubwürdigkeit, hätten aber vielleicht noch übergangen werden können, wenn der Rest gestimmt hätte. Nur ging es leider in der gleichen Tonart weiter.

Ein Beispiel: Offensichtlich hatten Trine Games aus einem Fehler von „Gothic 3“ gelernt und dem Ausdauerbalken einen neuen „Sinn“ gegeben. Sobald dieser durch Zuschlagen mit der Waffe auf Null sinkt, kann nicht mehr gekämpft werden. Stattdessen musste man davonrennen (!), d. h. den Gegner umkreisen (!!) bis sich der Balken während des Laufens (!!!) wieder erholt. Eine sehr realistische Sache, die den schon aus dem Hauptspiel bekannten Klickorgien eine zusätzliche, taktische Variante gab. Man musste nämlich höllisch aufpassen, dass man im Eifer des Gefechtes diesen ominösen Balken im Auge behielt und schnell genug das wilde Geklicke beendete – andernfalls rannte man in den Gegner hinein ohne zu schlagen und war selbst ein leichtes Opfer. Wenn das ernsthaft jemand als Verbesserung gesehen hat, dann gute Nacht. A pro pos Kämpfe: In manchen Situationen war „Friendly Fire“ an, d. h. man sollte lieber nicht an belebten Plätzen kämpfen, weil sich sonst mitunter das ganze Dorf auf den Helden stürzte.

Ja, ich weiß, all das konnte durch Nachbesserung behoben werden… Wobei ich persönlich diese Politik eine absolute Frechheit finde – aber viele „Fans“ schienen und scheinen den Verantwortlichen alles zu verzeihen, solange „Gothic“ auf der Schachtel steht. Einige Dinge können jedoch durch keinen Patch verbessert werden: Atmosphäre, Spielgefühl und Story. Zunächst ist „Götterdämmerung“ im Endeffekt nur ein abgespecktes „Gothic 3“ (kann also auch mit einem Killer-Addon wie „Die Nacht des Raben“, das perfekt ins Hauptprogramm integriert wurde, bei weitem nicht mithalten), das selbst bereits nur mehr rudimentären „Gothic“-Charme hatte. Was die Hintergrundgeschichte betrifft, ist das Ganze ähnlich gut – oder schlecht – gelungen wie im Hauptspiel. Vor allem wurde es wieder verabsäumt, einen roten Faden zu schaffen, der den Spieler bei der Stange hält. Die großteils faden Quests tun ihr übriges dazu, dass man auch diesen Punkt als uneingeschränkt misslungen bezeichnen kann – sie nerven bereits nach einer Stunde mit ihrer Eintönigkeit. Hole dies, bringe das, töte jenen – ohne jegliche Innovation und Motivation. Übrigens kann man zum Thema „Atmosphäre“ auch noch anmerken, dass der namenlose Held mittlerweile gar nichts Sympathisches mehr an sich hat, sondern zu einem arroganten Dreckskerl verkommen ist (aber nicht auf eine angenehme, kauzige Art…).

Aber es gibt selbst an einem Spiel wie diesem Positives zu berichten. Zum einen ist neben der Grafik (für deren Genuss auf vollen Details seinerzeit allerdings nicht mal ein High-End-Rechner ausreichend war) der Sound sehr gelungen – Kunststück, ist ja der gleiche, wie im Vorgänger. Dazu gehören auch die bereits bekannten Synchronsprecher, die einen tollen Job machen. Hin und wieder gibt es im Spiel sogar Stellen, an denen das legendäre „Gothic-Gefühl“ aufkommt – zum Beispiel wenn man in Silden mit Cornelius redet. Ein weiterer Pluspunkt ist die Möglichkeit, Truheninhalte, Menschen, Tiere usw. mit einem einzigen Klick der rechten Maustaste zu plündern – das geht um einiges schneller und war zum Release lediglich leicht verbuggt (als Feedback erhält man beispielsweise ein etwas holpriges „30 Goldmünzens received“). Ansonsten gibt es nicht viel Gutes zu vermelden, außer man findet Gefallen an der Gel-Frisur des Helden. Ach ja, einige Quests sind recht gut gelungen, im Großen und Ganzen haben wir es aber mit Standardware zu tun.

Wer zum Release noch davon träumte, dass mit Patches nachgebessert werden kann und damit auch nur ein Quäntchen altes „Gothic“ zurückkehrt wird, dem war wirklich nicht mehr zu helfen. Auf „Gothic 4 – Arcania“ empfand ich schon damals keinerlei Vorfreude – zu Recht, wie sich später herausgestellt hat, aber das ist eine andere Geschichte. Es gibt im Falle von „Götterdämmerung“ leider nichts zu beschönigen: ein Totalausfall!.

Gesamteindruck: 2/7


Genre: Rollenspiel
Entwickler: Trine Games
Jahr: 2008
Gespielt auf: PC


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MusikWelt: The Konsortium

The Konsortium


Eine ausgesprochen merkwürdige Platte, die es auch geduldigen, offenen Black Metal-Fans mit einem Hang zu progressiven Strukturen nicht einfach macht. Wer es dennoch wagt, wird merken, dass „The Konsortium“ dem Hörer letztlich ein paar Anhaltspunkte zu wenig bietet und trotz vieler Durchläufe zu anstrengend bleibt. Ob und wie sich das Konsortium weiterentwickelt bleibt offen – aber auch das wirtschaftliche Konsortium kann ja per Definition sowohl befristet als auch unbefristet sein. Ich persönlich würde gern mehr von dieser schwierigen, aber durchaus interessanten Vereinigung hören.  

Gesamteindruck: 5/7


Herausfordernd und auch für Geduldige nicht völlig befriedigend.

Ein Konsortium ist eine zweckgebundene Vereinigung von rechtlich und wirtschaftlich selbständig bleibenden Unternehmen zur Durchführung eines Geschäfts – so lautet sinngemäß die Definition. Das scheint das Prinzip der Band The Konsortium eigentlich recht treffend zu beschreiben. 2003 taten sich einige Mitglieder der (Black) Metal-Szene zusammen, lieferten Jahre später ein Demo ab und legten anno 2011 endlich das erste, schlicht „The Konsortium“ betitelte Album vor. Wer genau hinter dem Projekt steckt, ist offiziell nicht bekannt, verschiedenste Spekulationen kursieren im Netz. Auf Promofotos gibt man sich geheimnisvoll, zu erkennen sind lediglich ein paar Personen mit weißen Masken, die wahlweise Anzüge oder Umhänge tragen. Auch Namen abseits der Buchstaben-Synonyme sucht man vergebens. Man könnte zwar annehmen, dass die Künstler damit ihre Musik frei von Erwartungshaltungen des Publikums für sich sprechen lassen wollen, ganz ohne Namedropping kommen sie dann aber doch nicht aus. So wurde „nebenbei“ fallen gelassen, dass eines der Mitglieder aus dem Umfeld der legendären Mayhem stammen soll… Welche Überlegungen dahinter stecken, sei dahin gestellt, meine Neugier wurde damit jedenfalls geweckt.

Nach den Beschreibungen in einschlägigen Magazinen erwartet man einen schwer verdaulichen, avantgardistischen Brocken, á lá Blut Aus Nord oder vielleicht auch so was wie Mayhem auf „Ordo Ad Chao“ (2007) zelebrieren. Ganz so „schwierig“ ist die Musik von The Konsortium im Endeffekt nicht – von eingängigen, locker-flockigen Hymnen kann aber dennoch keine Rede sein. Die acht Stücke, von denen das längste knapp sechs Minuten dauert, können grob im Black Metal verortet werden. Als Anhaltspunkte könnte man – ebenfalls recht grob – Satyricon, Mayhem und eine Prise Kvelertak angeben, in seltenen Momenten schimmern auch Immortal ein wenig durch; zumindest sind das die Referenzen, die ich nach einigen Durchgängen herausgehört habe.

Was zunächst auffällt, ist die ordentliche, zeitgemäße Produktion. Der Mix ist stimmig, die Songs kommen mit ordentlich Druck aus den Boxen, ohne überproduziert zu wirken. Gelegentlich gibt es das für den ursprünglichen Black Metal typische Rauschen und Flirren zu hören, diese Klänge scheinen aber mit lässiger Absicht in das Gesamtwerk eingefügt worden zu sein. Klingt irgendwie nach Reißbrett, stört aber nicht weiter, sondern passt gut zum Kontext des Albums. Interessant ist der Gesang: abwechselnd wird gekreischt, gegrowlt, mit elektronischer Verzerrung gearbeitet und entrückter Klargesang (!) eingeschoben. Gerade letzteres bietet in den ersten Durchgängen die besten Anhaltspunkte und sorgt zumindest in Songteilen für eine gewisse Eingängigkeit („Under The Black Flag“, „Decomposers“).

Mehrere Durchläufe sind bei dieser Platte so oder so Pflicht – zunächst wirkt „The Konsortium“ ausgesprochen zerfahren und anstrengend. Das ändert sich mit einiger Geduld; nur wer genug Zeit und Nerven mitbringt, wird sich an Songs wie „Gasmask Prince“, „Lik Ulven“, „Slagens Barn“ oder „Tesla“ herantasten können. Für entspanntes Hören eignen sich diese Tracks aber auch nach einer längeren Einarbeitungszeit kaum. Die schon erwähnten Stücke „Under The Black Flag“ und das schwer und stoisch groovende „Decomposers“ überzeugen hingegen realtiv schnell, wenn man sich mit dem etwas befremdlich wirkenden Gesang anfreunden kann. „Knokkeklang“ und „Onwards! Onwards!“ hingegen auch nach zig Durchläufen nicht wirklich etwas hängen bleiben. Irgendwann verliert man dann das Interesse daran, was sicher nicht im Sinne der Erfinder ist – den recht guten Gesamteindruck letztlich aber nicht entscheidend schmälern kann.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Gasmask Prince – 3:36 – 5/7
  2. Lik Ulven – 5:53 – 5/7
  3. Under The Black Flag – 4:27 – 6/7
  4. Decomposers – 5:39 – 6/7
  5. Knokkeklang – 5:01 – 3/7
  6. Slagens Barn − 3:39 − 5/7
  7. Onwards! Onwards! − 3:16 − 4/7
  8. Tesla − 5:15 − 5/7

Gesamteindruck: 5/7 


The Konsortium auf “The Konsortium” (2011):

  • Member 001 − Vocals
  • Member 002 − Guitar, Vocals
  • Member 003 − Guitar
  • Member 004 − Bass
  • Member T − Drums

Anspieltipp: Under The Black Flag