MusikWelt: The Konsortium

The Konsortium


Eine ausgesprochen merkwürdige Platte, die es auch geduldigen, offenen Black Metal-Fans mit einem Hang zu progressiven Strukturen nicht einfach macht. Wer es dennoch wagt, wird merken, dass „The Konsortium“ dem Hörer letztlich ein paar Anhaltspunkte zu wenig bietet und trotz vieler Durchläufe zu anstrengend bleibt. Ob und wie sich das Konsortium weiterentwickelt bleibt offen – aber auch das wirtschaftliche Konsortium kann ja per Definition sowohl befristet als auch unbefristet sein. Ich persönlich würde gern mehr von dieser schwierigen, aber durchaus interessanten Vereinigung hören.  

Gesamteindruck: 5/7


Herausfordernd und auch für Geduldige nicht völlig befriedigend.

Ein Konsortium ist eine zweckgebundene Vereinigung von rechtlich und wirtschaftlich selbständig bleibenden Unternehmen zur Durchführung eines Geschäfts – so lautet sinngemäß die Definition. Das scheint das Prinzip der Band The Konsortium eigentlich recht treffend zu beschreiben. 2003 taten sich einige Mitglieder der (Black) Metal-Szene zusammen, lieferten Jahre später ein Demo ab und legten anno 2011 endlich das erste, schlicht „The Konsortium“ betitelte Album vor. Wer genau hinter dem Projekt steckt, ist offiziell nicht bekannt, verschiedenste Spekulationen kursieren im Netz. Auf Promofotos gibt man sich geheimnisvoll, zu erkennen sind lediglich ein paar Personen mit weißen Masken, die wahlweise Anzüge oder Umhänge tragen. Auch Namen abseits der Buchstaben-Synonyme sucht man vergebens. Man könnte zwar annehmen, dass die Künstler damit ihre Musik frei von Erwartungshaltungen des Publikums für sich sprechen lassen wollen, ganz ohne Namedropping kommen sie dann aber doch nicht aus. So wurde „nebenbei“ fallen gelassen, dass eines der Mitglieder aus dem Umfeld der legendären Mayhem stammen soll… Welche Überlegungen dahinter stecken, sei dahin gestellt, meine Neugier wurde damit jedenfalls geweckt.

Nach den Beschreibungen in einschlägigen Magazinen erwartet man einen schwer verdaulichen, avantgardistischen Brocken, á lá Blut Aus Nord oder vielleicht auch so was wie Mayhem auf „Ordo Ad Chao“ (2007) zelebrieren. Ganz so „schwierig“ ist die Musik von The Konsortium im Endeffekt nicht – von eingängigen, locker-flockigen Hymnen kann aber dennoch keine Rede sein. Die acht Stücke, von denen das längste knapp sechs Minuten dauert, können grob im Black Metal verortet werden. Als Anhaltspunkte könnte man – ebenfalls recht grob – Satyricon, Mayhem und eine Prise Kvelertak angeben, in seltenen Momenten schimmern auch Immortal ein wenig durch; zumindest sind das die Referenzen, die ich nach einigen Durchgängen herausgehört habe.

Was zunächst auffällt, ist die ordentliche, zeitgemäße Produktion. Der Mix ist stimmig, die Songs kommen mit ordentlich Druck aus den Boxen, ohne überproduziert zu wirken. Gelegentlich gibt es das für den ursprünglichen Black Metal typische Rauschen und Flirren zu hören, diese Klänge scheinen aber mit lässiger Absicht in das Gesamtwerk eingefügt worden zu sein. Klingt irgendwie nach Reißbrett, stört aber nicht weiter, sondern passt gut zum Kontext des Albums. Interessant ist der Gesang: abwechselnd wird gekreischt, gegrowlt, mit elektronischer Verzerrung gearbeitet und entrückter Klargesang (!) eingeschoben. Gerade letzteres bietet in den ersten Durchgängen die besten Anhaltspunkte und sorgt zumindest in Songteilen für eine gewisse Eingängigkeit („Under The Black Flag“, „Decomposers“).

Mehrere Durchläufe sind bei dieser Platte so oder so Pflicht – zunächst wirkt „The Konsortium“ ausgesprochen zerfahren und anstrengend. Das ändert sich mit einiger Geduld; nur wer genug Zeit und Nerven mitbringt, wird sich an Songs wie „Gasmask Prince“, „Lik Ulven“, „Slagens Barn“ oder „Tesla“ herantasten können. Für entspanntes Hören eignen sich diese Tracks aber auch nach einer längeren Einarbeitungszeit kaum. Die schon erwähnten Stücke „Under The Black Flag“ und das schwer und stoisch groovende „Decomposers“ überzeugen hingegen realtiv schnell, wenn man sich mit dem etwas befremdlich wirkenden Gesang anfreunden kann. „Knokkeklang“ und „Onwards! Onwards!“ hingegen auch nach zig Durchläufen nicht wirklich etwas hängen bleiben. Irgendwann verliert man dann das Interesse daran, was sicher nicht im Sinne der Erfinder ist – den recht guten Gesamteindruck letztlich aber nicht entscheidend schmälern kann.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Gasmask Prince – 3:36 – 5/7
  2. Lik Ulven – 5:53 – 5/7
  3. Under The Black Flag – 4:27 – 6/7
  4. Decomposers – 5:39 – 6/7
  5. Knokkeklang – 5:01 – 3/7
  6. Slagens Barn − 3:39 − 5/7
  7. Onwards! Onwards! − 3:16 − 4/7
  8. Tesla − 5:15 − 5/7

Gesamteindruck: 5/7 


The Konsortium auf “The Konsortium” (2011):

  • Member 001 − Vocals
  • Member 002 − Guitar, Vocals
  • Member 003 − Guitar
  • Member 004 − Bass
  • Member T − Drums

Anspieltipp: Under The Black Flag