KonzertWelt: Black Sabbath (Wien, 28.06.2016)

Datum: Dienstag, 28. Juni 2016
Location: Stadthalle (Wien)
Tour: „The End“
Headliner: Black Sabbath
Support: Rival Sons
Ticketpreis: 91,70 Euro (VVK)


Willkommen zum letzten Sabbath.

Die aktuelle Welttournee von BLACK SABBATH ist mit „The End“ betitelt. Denn schon im Vorfeld war klar, dass es keine weitere Konzertreise der seit 1969 unter diesem Namen firmierenden Band aus Birmingham mehr geben würde. Verständlich – einerseits sind die Herren tatsächlich schon mächtig in die Jahre gekommen, andererseits laboriert Gitarrist Tony Iommi bereits seit 2012 an einer Krebserkrankung, während es selbst den Ärzten ein Rätsel ist, wieso Sänger Ozzy Osbourne überhaupt noch lebt. Jedenfalls führt „The End“ die Band, die den Heavy Metal quasi erfunden hat, noch einmal um die Welt und machte am 28. Juni 2016 auch in der Wiener Stadthalle Station (zu Ende wird die Tour Anfang 2017 in Birmingham gehen, womit sich der Kreis für Osbourne, Iommi und Bassist Geezer Butler schließt).

Die Location war gut gewählt: Rund 15.000 Besucher füllten die Stadthalle angenehm aus, ohne, dass man Platzangst haben musste. Genau richtig für einen Dienstagabend auch die Spielzeit: Einlass 18:30 Uhr, BLACK SABBATH ab 19:40 Uhr und vor 22:30 Uhr war schon wieder Schluss. Passt so, auch wenn SABBATH natürlich auch 1.000 Stunden hätten spielen dürfen.

Als Vorgruppe fungierten die Kalifornier RIVAL SONS. Ob sie gut waren, kann ich nicht beurteilen – das ist der Nachteil, wenn das Konzert so früh beginnt. Man will vorher ja auch was essen und trinken, das war nicht zu schaffen. In der Halle angekommen ging es nach kurzer Wartezeit auch schon mit dem Konzert des Headliners los. Der „Vorhang“, der als Projektionsfläche für einen kurzen Intro-Film diente, fiel und die Band stieg sofort mit dem Eröffnungs- und Titeltrack ihres allerersten Albums „Black Sabbath“ (1970) ein. Eine Songauswahl wie ein Statement. Wie auch die gesamte Setlist: Der neueste Song war „Snowblind“ von „Vol 4“ (1972). Irgendwie merkwürdig für die Abschiedstour – erwartet hätte man da eher ein gemischteres Programm, vielleicht mit einem Stück von jedem Album als abschließende Retrospektive. Dass dem nicht so war, war zwar kein Fehler, weil gerade die ganz alten Nummern wunderbar zeigen, wieso BLACK SABBATH bis heute derart angesehen sind. Es war aber eben auch unerwartet, weil man insgeheim ja doch irgendwie gehofft hatte, dass z. B. auch ein vom verstorbenen Ronnie James Dio eingesungenes Stück zu Ehren kommen würde. Ist aber offenbar leider wirklich nicht möglich.

Die Setlist in Wien sah – ohne Gewähr – so aus:

  1. Black Sabbath
  2. Fairies Wear Boots
  3. After Forever
  4. Into the Void
  5. Snowblind
  6. War Pigs
  7. Behind the Wall of Sleep
  8. N.I.B.
  9. Hand of Doom
  10. Rat Salad
  11. Iron Man
  12. Dirty Women
  13. Children of the Grave
  14. Paranoid (Zugabe)
  15. Zeitgeist (Outro, nicht live)

Allen Zweiflern (ich war selbst ein wenig skeptisch) fielen jedenfalls schon bei der Eröffnungsnummer, noch mehr aber bei den darauf folgenden Klassikern, die Schuppen von den Augen. Erstens: Der Sound war grandios. Nicht zu laut, dennoch druckvoll und extrem differenziert. Wer auch immer der Tonmann war, hat sich einen Orden verdient – mir fällt auf Anhieb kein Konzert ein, bei dem mich der Sound, der Mix und die Lautstärke dermaßen überzeugt hätten.

Die zweite Erkenntnis: Ja, Ozzy, Tony und Geezer sind alt geworden. Sieht man ihnen an – aber speziell Ozzy scheint sich im Vorfeld der Tour zusammengerissen zu haben und wirkte nicht wie der senile, verwirrte, herumschlurfende Tattergreis, den man aus der unsäglichen MTV-Serie kennt. Ja, er schwankte ein wenig; ja, er brauchte offensichtlich den Mikroständer, um sich daran festzuhalten; und ja, er bewegte sich eher gemächlich und verzichtete auf größere Ausflüge auf der Bühne. Aber: Er war ausgezeichnet bei Stimme, seine Ansagen waren klar und deutlich, es gab keine Texthänger und er wirkte insgesamt hellwach und wie ein Mann, der tatsächlich weiß, was er da tut.  Das eine oder andere „God bless you!“ hätte er sich zwar sparen können, aber sei’s drum. Das hätte ich so tatsächlich nicht erwartet.

Das musikalische Genie von BLACK SABBATH, Tony Iommi, wirkte ebenfalls einigermaßen fit, besser, als man es einem Mann mit seiner Krankengeschichte zutraut. Bewegt hat er sich nicht viel – aber seine Bühnenpräsenz war dennoch jederzeit spürbar. Und man kann es nicht genug betonen: Iommi ist der Gott der Riffs. Unglaublich, was der aus seinem Instrument herausholt – zu Recht wird er als derjenige gepriesen, der mit der ganzen Scheiße überhaupt erst angefangen hat. Zwischen diesen beiden Charakteren wirkte Bassist Geezer Butler wie ein sicherer Rückhalt. Unauffällig auf der Bühne, gleichzeitig fast außerirdisch versiert am Bass. In den Großaufnahmen, die immer wieder über die große Leinwand über der Bühne gezeigt wurden, wurde erst so richtig deutlich, wie wichtig das Bassfundament für den SABBATH’schen Klang eigentlich ist. Unterstützt wurde dieses legendäre Trio übrigens von Drummer Tommy Clufetos, der wie ein Berserker hinter der Schießbude wütete und damit eindeutig der Aktivposten auf der Bühne war. Sein Pendant aus der Originalbesetzung, Bill Ward, hatte sich ja mit Ozzy Osbourne überworfen, was zwar schade war, aber sein jüngerer Ersatzmann hatte die Sympathien dennoch auf seiner Seite. In der Vorstellung der Band, die Ozzy übrigens ungefähr zur Halbzeit des Gigs durchführte, wurde auch Keyboarder Adam Wakeman erwähnt, der hinter der Bühne saß und nur kurz seinen Kopf durch den Vorhang steckte und damit für ein paar Lacher im Publikum sorgte.

Fazit: Ein ausgesprochen gelungener Konzertabend. BLACK SABBATH zeigten praktisch im Vorbeigehen allen jungen Retro-Rockern, wo der Hammer hängt und dass sie in ihrem Genre auch nach dem Rücktritt die Nummer 1 bleiben werden. Unangefochten. Eine tolle Show – man kann jedem, der noch kein Konzert der Abschiedstour gesehen hat, nur raten, hinzugehen. So klingen Legenden! Einziger kleiner Wermutstropfen: Die Setlist hätte meinetwegen ausgewogener sein können, auch wenn ich keinen der gespielten Songs hätte streichen wollen. Immerhin hat sich mit dem vom Band eingespielten „Zeitgeist“ der Kreis zum letzten Album zumindest ein wenig geschlossen.


 

FilmWelt: Indien

Alfred Dorfer und Josef Hader, zwei Urgesteine des österreichischen Kabaretts tanzen in der niederösterreichischen Einöde zu indischen Klängen. Hört sich erst einmal verrückt an – ist es auch. Letztlich dreht sich der Film aber um eine sich langsam entwickelnde Männerfreundschaft mit tragischem Ende. Dazwischen ist man viel unterwegs – so muss ein Roadmovie made in Austria wohl aussehen.

Gesamteindruck: 5/7


Typisch österreichische Tragikomödie.

In diesem Film, in dem mit Alfred Dorfer und Josef Hader zwei der stärksten heimischen Kabarettisten der 1990er Jahre mitwirken, wird – irgendwie typisch für den österreichischen Film – das Komisch-skurrile mit dem Tragischen verbunden. Zwei völlig unterschiedliche Charaktere begeben sich in „Indien“ auf eine Art Roadtrip. Für die niederösterreichische Landesregierung überprüfen die beiden Herren die hiesige Gastronomie.  Die Entwicklung der Figuren (Hader als ältlicher, wortkarger Griesgram „Bösel“ und Dorfer als naiver, redseliger Sonderling „Fellner“) ist ebenfalls recht typisch. Zuerst gehen sich die zwei natürlich unglaublich auf die Nerven gehen, kommen sich langsam näher und sind am Ende die besten Freunde. Man sieht daran also schon, dass die Handlung an sich nichts Besonderes ist.

Was den Film dennoch sehr gut macht, ist die schauspielerische Leistung der beiden Protagonisten. Die detaillierte und gewitzte Darstellung der zwei Landesangestellten sucht ihresgleichen. Der Film lebt somit fast ausschließlich vom Wortwitz und der Sprache seiner Hauptdarsteller – und natürlich auch von der abwechselnd tristen und romantischen Kulisse des tiefsten Niederösterreichs. Zum Ende hin nimmt der Film eine dramatische Wendung, was ebenfalls sehr gut umgesetzt wurde, allerdings bei zartbesaiteten Gemütern eventuell nicht ganz so gut ankommen dürfte.

Typisch österreichisch ist an „Indien“ auch, dass es einerseits neben klassischer Situationskomik und ein wenig Klamauk auch viel bitterbösen, schwarzen Humor gibt. Andererseits fehlt auch die übliche, relativ große Prise Tragik und Melancholie nicht. In Verbindung mit der Milieustudie von österreichischem Gastgewerbe und Beamten in Diensten der Landesregierung (die allerdings nicht allzu tief geht), ergibt das einen Film, der gute Unterhaltung auf einigermaßen hohem Niveau bietet.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Indien
Regie: Paul Harather
Jahr: 1993
Land: Österreich
Laufzeit: 90 Minuten
Besetzung (Auswahl): Josef Hader, Alfred Dorfer



 

SpielWelt: Mass Effect

Ich bin in Bezug auf die „Mass Effect“-Serie ein Spätstarter. 2008 ist die PC-Fassung des ersten Teils erschienen, ich habe 2016 die Trilogie gekauft und zum ersten Mal installiert. Eine lange Zeit, in der mir der Name „Mass Effect“ immer wieder untergekommen ist, es aber genug Anderes zu spielen gab. Immer wieder habe ich vergessen, dass es die Serie überhaupt gibt, bis ich die euphorischen Wertungen zu einem neuen Teil gelesen habe und mir wieder eingefallen ist, dass ich das Spiel unbedingt mal ausprobieren wollte. Und nun habe ich es endlich geschafft, Teil 1 zu spielen und zu beenden.

Gesamteindruck: 6/7


Klassiker mit kleinen Längen und Makeln.

„Mass Effect“ stammt aus dem Hause BioWare. Was das bedeutet, kann sich jeder einigermaßen erfahrene (Rollen-)Spieler einigermaßen vorstellen: Eine tolle, tiefgründige Story, gute Dialoge, in denen wirklich etwas gesagt wird, eine liebevoll und detailliert ausgestaltete Welt. Und genau das haben die Kanadier in „Mass Effect“ einmal mehr perfekt hinbekommen. Dabei ist es geradezu unglaublich, mit welcher Leichtigkeit man der Story folgen kann, wie einfach es ist, in dieses Universum einzutauchen. Wäre „Mass Effect“ ein Buch, könnte man die Story nur als „Pageturner“ beschreiben. Und das obwohl die Galaxie in diesem Spiel keineswegs ein kleiner, eindimensionaler Ort ist. Hier kämpfen nicht nur Menschen gegen einen außerirdischen Aggressor – im Gegenteil, es gibt ein komplexes Gefüge in dem verschiedene Rassen mit- und gegeneinander agieren. Und das versteckt und offensichtlich. Dass man diesem Ränkespiel mit der Zeit immer besser folgen kann, sogar ohne ständig in den allgegenwärtigen „Codex“ zu sehen, in dem alles festgehalten wird, was der Spieler über andere Rassen, über Technologie, über Planeten und worüber auch immer herausfindet, ist der wahre Verdienst von BioWare. Man muss sich den Zugang zum „Mass Effect“-Universum nicht auf anstrengende Art und Weise erarbeiten, sondern wird herangeführt. Sanft und ohne Probleme – und wer sich tiefer einlesen möchte, kann das jederzeit tun. Unglaublich, was man hier hinbekommen hat und das ist wohl auch ein Grund, warum die Serie so beliebt ist.

Die Story bleibt übrigens bis zum Schluss, der offen ist (weil die „Mass Effect“ von Beginn an als Trilogie konzipiert war), sehr spannend. Durchhänger gibt es im Laufe der Haupthandlung nicht. Auch der Wiederspielwert kommt nicht zu kurz: Verschiedene Klassen und Hintergründe der eigenen Figur, Romanzen sowie folgenschwere Entscheidungen (deren Auswirkungen z. T. erst in den späteren Spielen merkbar werden) machen es möglich. Und ein weiteres Lob muss man an dieser Stelle anbringen: Die NPCs sind großartig. Das betrifft vor allem das eigene Team, das man sich im Laufe des Spiels zusammenstellt. BioWare-typisch wachsen einem die Charaktere, die fast laufend mit dem Spieler interagieren, sehr stark ans Herz. An manchen Punkten macht das die Entscheidungen noch einmal wesentlich schwerer, vor allem, wenn man eine liebgewonnene Figur vielleicht in den Tod schicken muss. Diese Bindung an die Figuren ist ebenfalls bekannt von BioWare, in „Mass Effect“ treiben sie es meines Erachtens auf die Spitze. Übrigens sind auch die Nebencharaktere, die nicht zur eigenen Mannschaft gehören, sehr ansprechend programmiert.

Deutet also alles auf die Höchstwertung hin? Leider nicht ganz, denn es gibt doch ein paar Punkte, die ungeduldigen Spielern den Spaß verleiden könnten. Und dabei spreche ich nicht von Grafik und Bedienung, die aus heutiger Sicht sehr antiquiert wirken (vor allem die Steuerung macht am PC zu schaffen, die Grafik ist eigentlich in Ordnung; der Sound ist hingegen grandios!). Kurz gesagt: Die Programmierer scheinen so viel Arbeit und Herzblut in die Hauptmission gesteckt zu haben, dass für die Nebenaufträge keine Kapazitäten mehr übrig waren. Im Questlog hört sich vieles auch abseits der Hauptstory spannend und interessant an – in Wirklichkeit ist jede Nebenmission eintönige Standardkost. Das beginnt bei den immer gleich aussehenden Planeten, auf denen man immer das Gleiche tun soll und endet bei langen Fahrten mit dem „Mako“, einer Art bewaffnetem und gepanzertem Mondfahrzeug. All das nervt spätestens nach drei oder vier Spielstunden. Leider kommt man nicht drum herum, wenn man seinen Charakter ordentlich verbessern möchte.

Das war es aber auch schon mit der Kritik. Mehr als die Eintönigkeit bei Nebenquests kann man „Mass Effect“ kaum vorwerfen. Tatsächlich nervt diese Sache aber bereits nach kurzer Zeit so sehr, dass mir ein zweiter Durchgang vergällt wurde, zumindest bisher. Und gerade in Verbindung mit der suboptimalen Bedienung wirkt sich das Ganze noch einmal fataler aus.

Aber abgesehen davon ist bei „Mass Effect“ alles im grünen Bereich und ich kann das Spiel jedem, der auch nur etwas für Rollenspiele übrig hat (und natürlich auch dem Weltraum-Szenario nicht abgeneigt ist), nur empfehlen. Es lohnt sich wirklich, vor allem, wenn man nach „Mass Effect“ nicht aufhört und die Geschicke von Commander Shepard in Teil 2 und 3 wieder übernimmt.

Übrigens: 32 Spielstunden habe ich gebraucht, um „Mass Effect“ abzuschließen. Das weiß ich dank Zeitnehmung meines Origin-Accounts. „Account“? Ja, richtig, jedes Spiel der Trilogie ist auch heute noch online zu aktivieren. Sorgt natürlich für Kritik, mich persönlich stört daran eigentlich nur, dass es verschiedene Plattformen für verschiedene Spiele gibt und ich schon gar nicht mehr weiß, wo ich schon überall registriert bin. Aber das soll hier nicht das Thema sein – wenn, dann überhaupt nur, weil ich zunächst mit der Aktivierung Probleme hatte, bei denen mir nur das Internet weiterhelfen konnte. Wenn schon Kopierschutz und Aktivierungszwang, dann bitte auch so, dass es funktioniert – was es letztlich zwar tat, aber das geht definitiv besser.

Gesamteindruck: 6/7


Genre: Rollenspiel
Entwickler: BioWare
Jahr: 2008
Gespielt auf: PC
Gekauft bei: Gamestop als „Mass Effect-Trilogy“


 

MusikWelt: Restless And Wild

Accept


Auch wenn unterm Strich 6 Punkte stehen bleiben, kann ich mich den Begeisterungsstürmen nicht völlig kritiklos anschließen, die „Restless And Wild“ (1982) bei vielen Hörern auslöst. Die Platte ist zwar alles andere als schlecht oder auch nur durchschnittlich, kann meiner Ansicht nach aber nicht ganz mit dem für mich mit Abstand besten Accept-Werk „Balls To The Wall“ (1983) mithalten. Das ist klarerweise Kritik auf hohem Niveau, die dementsprechend näher ausgeführt sein will.  

Gesamteindruck: 5/7


Deutlich verbessertes Songwriting.

Auf der Habenseite von „Restless And Wild“ kann jedenfalls die im Vergleich zu „Breaker“ (1981) stark verbesserte Produktion verbucht werden. Zusätzlich ist der Reifungsprozess im Songwriting deutlich zu spüren, auch wenn dafür meiner Ansicht nach ein wenig die Lockerheit der ersten Scheiben verloren geht, was aber nicht allzu sehr ins Gewicht fällt.

Bei den Stücken auf dieser LP muss man ganz besonders das finale „Princess Of The Dawn“ hervorheben. Hierbei handelt es sich wohl um den atmosphärischsten Track der gesamten Accept-Diskographie. Ein im schleppenden Midtempo gehaltenes Stück, bei dem einfach alles stimmt (außer vielleicht das allzu abrupte Ende). Vor allem die hervorragende Arbeit von Wolf Hoffmann, der sowohl an der elektrischen als auch an der akustischen Gitarre eine exzellente Figur abgibt, kann man gar nicht hoch genug loben. Ebenfalls sehr gelungen: die Eröffnungsnummer „Fast As A Shark“, ein harter und schneller Track mit humoristischem Einschlag – polternde Double-Bass trifft auf schneidende Gitarren, garniert mit einem starken Refrain. Auch der stampfende Titeltrack geht sehr gut ins Ohr, ebenso das flotte „Ahead Of The Pack“. Und auch das harte „Flash Rockin‘ Man“ (erinnert etwas an Judas Priest) kann gut punkten.

„Restless And Wild“ wäre aber nicht von Accept, wenn sich neben diesen hochklassigen Nummern nicht auch ein paar Filler eingeschlichen hätten. Wobei das vielleicht ein zu hartes Wort für die deutlich an AC/DC angelehnten Midtempo-Rocker „Shake Your Head“, „Get Ready“ und „Don’t Go Stealin‘ My Soul Away“ ist. Diese drei Nummern verbreiten zwar gute Laune beim Hören, sind aber absolut nichts Herausragendes. Ähnliches gilt auch für „Demon’s Night“, das mir sogar noch eine Spur weniger gefällt.

Einziges Lied, mit dem ich persönlich praktisch nichts anfangen kann, ist das nicht nur vom Titel her an Black Sabbath erinnernde „Neon Nights“. Hier versucht sich die Truppe an schleppendem Doom Metal, was in meinen Ohren überhaupt nicht funktioniert. Instrumental und auch vom Gesang her ist zwar alles in Ordnung, trotzdem will der Funke auch bei wiederholtem Hören einfach nicht überspringen. Erst wenn am Ende das Tempo erhöht wird, stellt sich bei mir eine gewisse Zufriedenheit ein.

Insgesamt halte ich „Restless And Wild“ aufgrund einzelner Songs für eine recht starke Platte, die aber nur bedingt wie aus einem Guss klingt. An den Nachfolger reicht sie meines Erachtens nicht heran. Trotzdem gute 5 Punkte – „Fast As A Shark“ und „Princess Of The Dawn“ sei Dank!


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Fast As A Shark – 3:49 – 7/7
  2. Restless And Wild – 4:12 – 6/7
  3. Ahead Of The Pack – 3:24 – 6/7
  4. Shake Your Heads – 4:17 – 4/7
  5. Neon Nights – 6:02 – 2/7
  6. Get Ready – 3:41 – 4/7
  7. Demon’s Night – 4:28 – 3/7
  8. Flash Rockin‘ Man – 4:28 – 5/7
  9. Don’t Go Stealin‘ My Soul Away – 3:16 – 4/7
  10. Princess Of The Dawn – 6:16 – 7/7

Gesamteindruck: 5/7 


Accept auf “Restless And Wild” (1982):

  • Udo Dirkschneider − Vocals
  • Wolf Hoffmann − Guitar
  • Herman Frank − Guitar
  • Peter Baltes – Bass, Backing Vocals, Vocals
  • Stefan Kaufmann − Drums, Backing Vocals

Anspieltipp: Princess Of The Dawn

MusikWelt: Sword & Sorcery

Majesty


Majesty veröffentlichten bereits im Jahr 2000 ein (selbst produziertes) Studioalbum namens „Keep It True“. Dennoch wird „Sword And Sorcery“ (2002) gemeinhin als offizielles Debüt der Baden-Württemberger gesehen, wohl weil es sich dabei um das erste Album für ein Label (Massacre Records) handelt. Wie dem auch sei – mit dem 2002er Longplayer konnten die Krieger um Tarek „MS“ Maghary zumindest kurzzeitig richtig für Furore sorgen. Zu recht, wie ich finde.

Gesamteindruck: 6/7


„Metal to the Metalheads!“

Mein erster Kontakt zu „Sword & Sorcery“ war ein Song, der damals auf einer der „Maximum Metal“-Sampler des Metal Hammer veröffentlicht wurde: „Fields Of War“. Das ist für mein Dafürhalten die beste Nummer, die Majesty jemals geschrieben haben. Hier kommt der Helden-Pathos, den sonst nur Manowar, mit Abstrichen vielleicht noch alte HammerFall, hinbekommen, und den das Albumcover verspricht, so richtig zur Geltung. Allein die Bridge mit der Textzeile „The enemy is strong and high in number…“ muss man fast als Göttergabe bezeichnen. Dazu ein großartiger Refrain, galoppierende Drums und – vor allem – die exzellente Gitarrenarbeit (die dieses Album übrigens im Ganzen auszeichnet). Und, nicht zu vergessen: Hier singt Tarek „Metal Son“ Maghary wohl genau so, wie es für Majesty immer geplant war und auf neueren Scheiben leider nicht mehr gelingt. Manowar-Fronter Eric Adams lässt grüßen – zwar nicht ganz dessen Qualität am Mikro, wohl aber die Phrasierung und Aggressivität. Eine unglaubliche Leistung! Man sieht schon: Ein tolles Stück Musik, das einfach Spaß macht und von dem ich auch heute noch begeistert bin.

Doch „Fields Of War“ ist nicht alles, was Majesty auf „Sword & Sorcery“ zu bieten haben. Das Album geht mit einem tollen Titeltrack los, der abwechslungsreich und hymnisch aus den Boxen kommt – textlich erinnert das Ganze ein wenig an die Epen von Rhapsody (Of Fire). Gefällt jedenfalls sehr gut! Ebenso die (wenn man so will) „Szenehymne“ des Albums: In „Heavy Metal“ salutieren Majesty dem, was sie als Underground bezeichnen. Also sich selbst, aber auch den kleinen Clubs und Fanzine-Schreiberlingen. Und das macht sehr viel Spaß – veredelt wird die Nummer außerdem durch einen Gastauftritt des ehemaligen Manowar-Gitarristen Ross „The Boss“ Friedman. In die Riege der starken und unterhaltsamen Songs reiht sich auch das thematisch verwandte „Metal To The Metalheads“ (was für ein Titel…) ein. Hier greift man textlich sogar noch weiter in die Manowar-Kiste: Neben einem gepflegten „Let all the posers die!“ muss man die Bridge („Sons of Metal / Join the battle“) und den Refrain („Metal to the Metalheads! / Just for Metal Brothers / Metal to the Metalheads! / Don’t care about the others“) gehört haben. Ja, das mag peinlich wirken, wurde aber – ganz im Gegensatz zu späteren Majesty-Alben – so umgesetzt, dass es trotz aller Klischees nicht in den „jenseitigen“ Bereich kippt und auch für Fans lächerlich wird. Tatsächlich klingen der „Metal Son“ und seine Jungs hier sehr überzeugt von dem, was sie vortragen. Kein Wunder – ist das Stück ja auch musikalisch sehr stark.

Ein Fall für sich ist die „Aria Of Bravery“. Ein episch angelegtes, insgesamt eher balladeskes Stück Musik, das wie der Titeltrack Teil des „Sword & Sorcery“-Konzepts von Tarek Maghary ist. Diese Nummer schrammt schon sehr, sehr dicht am klebrigen Kitsch-Faktor vorbei. Für mein Dafürhalten geht es gerade noch gut, zeigt aber auch, dass Majesty die geradlinigen und schnellen Songs besser beherrschen. „Aria Of Bravery“ ist – man muss vor allem den Text ein bisschen ausblenden – insgesamt aber dennoch ein ganz gut geschriebenes Stück Musik.

Die restlichen drei Nummern auf „Sword & Sorcery“ sind eher solide als hochklassig. „Ride Silent“ ist hymnisch angelegt und geht gut ins Ohr. Ähnliches gilt für „Epic War“, das für meinen Geschmack aber etwas zu lang geraten ist. „Fist Of Steel“ ist schließlich die Nummer, die bei mir am wenigsten Eindruck hinterlässt. Ja, auch nicht übel gemacht, aber dann doch eher „Filler“ und kein „Killer“.

Größter Kritikpunkt an diesem Album ist meiner Ansicht nach die Länge der Songs. Natürlich nicht die Länge als solche – aber teilweise werden die Minuten dann doch mit Endloswiederholungen der jeweiligen Refrains gefüllt. Das ist übrigens ein Problem, das sich auch auf späteren Majesty-Veröffentlichungen durchzieht. Auf „Sword & Sorcery“ ist es allerdings nicht ganz so kritisch zu sehen, weil die Refrains allesamt gut bis sehr gut sind.

Letztlich darf der potentielle Hörer bei aller Begeisterung aber kein 7-Punkte-Meisterwerk erwarten, wenn er sich „Sword & Sorcery“ holt. Wie beschrieben macht das alles sehr viel Spaß, vor allem dem geneigten Manowar-Fan dürfte gefallen, was er hier zu hören bekommt. Vielleicht zerdrückt er sogar das eine oder andere Tränchen, weil Joey DeMaio & Co das in der Endphase ihrer Karriere nicht mehr derart gekonnt hingebracht haben. Andererseits ist aber klar, dass das alles sehr einfach gestrickt und mit den üblichen True Metal-Texten versehen ist. Wer genau das möchte, garniert mit exzellenter Gitarrenarbeit und dem eigenwilligen, stellenweise aber tatsächlich sehr guten Gesang von Tarek „MS“ Maghary, ist mit „Sword & Sorcery“ bestens bedient.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Sword And Sorcery – 5:31 – 7/7
  2. Fields Of War – 6:09 – 7/7
  3. Heavy Metal – 6:55 – 6/7
  4. Epic War – 7:16 – 5/7
  5. Ride Silent – 5:18 – 5/7
  6. Fist Of Steel – 5:42 – 4/7
  7. Aria Of Bravery – 9:02 – 6/7
  8. Metal To The Metalheads – 7:11 – 5/7

Gesamteindruck: 6/7 


Majesty auf “Sword & Sorcery” (2002):

  • Tarek „MS“ Maghary – Vocals, Guitar, Keyboard
  • Udo Keppner – Guitar, Backing Vocals
  • Martin Hehn – Bass, Backing Vocals
  • Michael Gräter – Drums, Backing Vocals
  • Andy Moll – Keyboard, Backing Vocals

Anspieltipp: Fields Of War

FilmWelt: V wie Vendetta

Man kann „V wie Vendetta“ einen gewissen Charme keinesfalls absprechen. Das gesamte Setting eines quasi-faschistischen London, das teilweise futuristisch, teilweise altmodisch wirkt ist äußerst gelungen. Ebenso verhält es sich mit den durchgestylten Kampfsszenen, bei denen mal mehr, mal weniger Blut fließt. Auch die einer Comicvorlage entsprungene Idee eines Einzelkämpfers, der nach und nach zur Legende wird und dadurch zahlreiche Anhänger gewinnt, die sich auf seiner Seite gegen das repressive Regime stellen, weiß zu gefallen. Leider hapert es meiner Ansicht nach ein wenig an der Umsetzung des Ganzen.

Gesamteindruck: 4/7


Überbewertet.

Vor allem zwei Punkte stören das Vergnügen, das ich beim Ansehen von „V wie Vendetta“ empfand, beträchtlich: Zum einen bleibt der Hauptprotagonist „V“ (gespielt vom von mir eigentlich sehr geschätzten Hugo „Herr Elrond“ Weaving) völlig konturlos. Das liegt natürlich auch an der Maske, die in einem Comic sicherlich gut ankommt, den Film aber eher anstrengend macht – das sage ich allerdings mit Vorbehalt, da ich die Vorlage überhaupt nicht kenne. Aber auch ohne die Maske wäre es schwierig, etwas mit „V“ anzufangen. Er hat absolut nichts Sympathisches oder auch nur irgendwie Einnehmendes (die Ansätze, ihn mit dem „Graf von Monte Christo“ etwas interessanter zu machen wirken eher aufgesetzt) an sich. Man erfährt nichts Genaues und Konkretes über seine Vergangenheit; es ist kaum möglich zu entscheiden, ob ihm der Sinn nach Gerechtigkeit oder nach Rache, die „nebenbei“ die Freiheit für das geknechtete Land bringen soll, steht. Seine Methoden bleiben zumindest fragwürdig. Nun ist es ja beileibe kein Fehler, einen egoistischen Anti-Helden zu schaffen, der nur an sich denkt, aber in diesem Film scheint mir das ein wenig den Grundgedanken zu konterkarieren. Freiheit durch Terror – eine Gleichung, die in einem Film interessante Ergebnisse bringen kann, es in diesem Fall aber nur bedingt schafft.

Die Probleme, die ich hier mit dem Protagonisten habe, entspringen zum Teil auch meinem zweiten großen Kritikpunkt: Die Story und das Drehbuch wirken lieblos zusammengestellt. Ein tieferer Sinn zwischen den Szenen (wie man das durch den Aufkleber „Intelligentes Actionkino“ erwarten könnte) erschließt sich mir nicht – sie wirken aneinandergereiht und konstruiert. Die Hintergrundgeschichte ist einigermaßen verwirrend bzw. vermittelt das Gefühl, das wichtige Teile weggelassen wurden, um dem Medium Film gerecht zu werden. Es gibt praktisch keine Informationen über die Welt in der der Film spielt, über die Mechanismen durch die sie funktioniert. Auch der Gegner des Helden bleibt ein ebenso flaches Abziehbild wie „V“ selbst.

Damit wäre die niedrige Wertung auch schon erklärt. Was den Film einigermaßen rettet sind dagegen die sehr guten Action-Szenen, die angenehme akustische Untermalung und die schönen Effekte. Vor allem aber die exzellente weibliche Hauptdarstellerin Natalie Portman, durch deren emotionales und in jeder Szene glaubwürdiges Spiel die Unzulänglichkeiten des Helden zwar noch stärker ins Gewicht fallen, die aber auch zeigt, was hier möglich gewesen wäre.

Im Endeffekt haben wir es bei „V wie Vendetta“ mit einem Film zu tun, der zumindest äußerlichen Stil besitzt und vor allem „anders“ ist. Das alleine scheint mir aber kein Grund zu sein, ihn zu einem Meisterwerk zu machen. Dafür fehlt einiges, vor allem ein besseres Drehbuch und feiner ausgearbeitete Charaktere. Damit bleibt eine mittelprächtige Wertung stehen, die der Streifen aus meiner Sicht alleine Natalie Portman verdankt.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: V for Vendetta
Regie: James McTeigue
Jahr: 2005
Land: USA
Laufzeit: 132 Minuten
Besetzung (Auswahl): Natalie Portman, Hugo Weaving, Stephen Rea, John Hurt, Stephen Fry, Rupert Graves



 

FilmWelt: Sucker Punch

Es mag einigen Fans wie ein Sakrileg vorkommen – anderen nicht, wie die allgemein eher schwachen Bewertungen von „Sucker Punch“ belegen: Dieser Film gibt bei weitem nicht das her, was der Trailer verspricht und was man sich nach dem ersten Blick auf die Optik erhofft. Leider müssen drei Punkte für die gewaltige und gewaltig eingesetzte Technik reichen – ehrlich gesagt wurde das Ansehen durch das schwache Drehbuch regelrecht zur Qual, nachdem ich mich an den superben Bildern satt gesehen hatte.

Gesamteindruck: 3/7


Schöner Stil, gewaltige Bilder – aber schwache Story.

Es gibt daran nichts zur rütteln: „Sucker Punch“ weiß optisch und stilistisch zu überzeugen. Allein die Anfangssequenz zu den Klängen von „Sweet Dreams (Are Made Of This)“ ist unglaublich intensiv umgesetzt. In dieser Tonart geht es auch danach weiter – Regisseur Zack Snyder hat hier tatsächlich etwas ganz Großes geschaffen. Er spielt geradezu meisterhaft mit den Farben, die je nach Handlungsebene unterschiedliche Nuancen und Intensität haben. Dieses Zusammenspiel ist in praktisch jeder Szene überzeugend.

Auch die Effekte sind toll – wobei ich hier anmerken möchte, dass die CGI allein durch ihre Masse eine gewisse Übersättigung erzeugen; das ist aber kein isoliertes Problem dieses Films sondern zieht sich seit einigen Jahren durch die Bank, weil die Regisseure einfach zu verschwenderisch mit der Technik umgehen. Ebenfalls eine gute und für diesen Film passende Idee ist es übrigens, einigen Schauspielern verschiedene Rollen auf unterschiedlichen Handlungsebenen zu geben. Dadurch wird der Zuseher regelrecht in die Welt von „Sucker Punch“ hinein gezogen.

Das alles klingt sehr positiv? Ist es auch. Dennoch hat der Film ein großes Problem – weder Story noch Drehbuch können überzeugen. Die Hintergrundgeschichte an sich bietet wenig Neues (was aber nicht stört), wurde aber immerhin in eine gute Idee verpackt. Leider mangelt es dem Film aber ganz klar an erzählerischem Talent. Das Ganze ist nicht mehr als eine Aneinanderreihung einzelner Episoden oder Quests – teilweise erinnert das an ein Computer-Rollenspiel, was wohl auch beabsichtigt war. Problematisch ist, dass die Verbindung zwischen den Episoden viel zu dünn ist, um wirkliche Spannung aufkommen zu lassen. Es fehlt völlig an Tiefe, der Regisseur verlässt sich einzig und allein auf seine atemberaubenden Bilder. Das führt letztlich so weit, dass der Film durcheinander, inkonsistent und verwirrend wirkt – was ob der einfach gestrickten Charaktere fast schon ein Paradoxon ist.

Nach dem grandiosen Trailer hätte ich nicht erwartet, dass ich diesem Film so wenig Punkte geben würde. Aber letztlich ist „Sucker Punch“ tatsächlich einer der Fälle, in denen die Grenz überschritten wird. Nämlich die, in der man sich zurücklehnen und von der Action berieseln lassen kann, ohne zu viel auf die Story zu geben. In diesem Fall ist die Diskrepanz zwischen Optik und Inhalt sowie das Durcheinander, das durch das chaotische Drehbuch geschaffen wird, so groß, dass es nur für eine durchschnittliche Wertung reicht. Da wird das gute Aussehen wirklich zum Problem: Der Grundsatz „so mies, dass es schon wieder gut ist“ gilt hier einfach nicht.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: Sucker Punch
Regie: Zack Snyder
Jahr: 2011
Land: USA
Laufzeit: 127 Minuten
Besetzung (Auswahl): Emily Browning, Abbie Cornish, Jena Malone, Vanessa Hudgens, Jamie Chung, Carla Gugino, Oscar Isaac



 

BuchWelt: Die Gräfin Báthory

Andreas Varesi


Dieser Roman ist das Ergebnis langer Recherchearbeit: 10 Jahre soll Andreas Varesi alle Fakten zusammengetragen haben, die er für „Die Gräfin Báthory“ gebraucht hat. Der Aufwand hat sich meines Erachtens gelohnt: Der Autor hat ein spannendes Buch geschrieben und eine gute Mischung aus Historie und Mythologie geschaffen. Auch wenn nicht alles perfekt ist, hat das Werk durchaus seine Momente und kann bedenkenlos weiterempfohlen werden.

Gesamteindruck: 5/7


Unterhaltsam aber nicht ganz befriedigend.

Andreas Varesi hat mit „Die Gräfin Báthory“ einen unterhaltsamen, leicht konsumierbaren historischen Roman geschaffen, der auch – zumindest andeutungsweise – Fantasy-Elemente enthält. Die Sprache ist dabei zwar sehr schön und verständlich, aber auch sehr einfach ausgefallen. Damit ist das Buch ebenso für jüngere Leser geeignet, deren Eltern sich über zu viel Blut und Gewalt keine großen Sorgen machen müssen. Der Autor kommt praktisch immer mit Andeutungen von furchtbaren Gräueltaten der „Blutgräfin“ (und ihrer Gegner, die vor Folter ebenso wenig zurückschrecken) aus. Das führt für den erwachsenen Leser beinahe zwangsläufig zu einem Problem: mehrmals im Roman wird auf sehr gute Art und Weise Spannung aufgebaut und die Freude auf eine Auflösung geschürt – allein, diese kommt nicht bzw. verliert sich in nebulösen Andeutungen. Natürlich ist es nicht notwendig, dass jede Grausamkeit bis ins kleinste Detail beschrieben wird, aber ein wenig mehr „Härte“ wäre dem Thema, dem Hintergrund und der Zeit der Handlung durchaus angemessen gewesen.

Bis auf diesen Makel kann man dem Werk allerdings nicht allzu viel vorwerfen. Die Recherchearbeit scheint gut zu sein (soweit ich als interessierter Laie das beurteilen kann) und das mittelalterliche Ungarn wurde entsprechend düster in Szene gesetzt. Auch die Sprache der Akteure liest sich in meinen Augen durchaus authentisch. Die Handlung selbst erweckt allerdings ein wenig den Schein von Oberflächlichkeit, was zum einen sicher am einfachen Erzählstil, zum anderen vielleicht an den lückenhaften, verfügbaren Fakten über die historische Gräfin Báthory liegt. Dadurch entsteht relativ früh im Buch der Eindruck, dass der (relativ dünne) rote Faden der „Kriminalgeschichte“ (wenn man den Massenmord, der hier stattfand so nennen will/darf) ohnehin nur Mittel zum Zweck ist. Viel ausführlicher werden religiöse, politische und philosophisch-wissenschaftliche Fragen des späten 16./frühen 17. Jahrhunderts erörtert. Ungefähr in der Mitte des Buches geht das sogar soweit, dass man das eigentliche Thema des Romans beinahe vergisst. Inwiefern man sich durch solche „Abschweifungen“ gestört fühlt, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Mir haben die Exkurse recht gut gefallen.

Was allerdings nicht verhehlt werden soll: Die Auflösung der ganzen Geschichte ist nicht so befriedigend, wie ich mir das gewünscht hätte. Grund dafür sind die bereits angesprochenen, dunklen Andeutungen, bei denen Varesi es bis zum Schluss belässt. Dadurch bleiben die Handlungsstränge zum Teil in der Luft hängen und wirken unfertig, was schade ist. Da der Geschichte einige Fantasy-Elemente hinzugefügt wurden, die kaum auf historischen Tatsachen beruhen dürften, hätte meiner Meinung nach auch ein etwas fantasievollerer Schluss die Geschichte nicht beeinträchtigt. So reicht es leider nur zu 5 Punkten und zur Erkenntnis, dass mein persönliches Lieblingswerk über die Blutgräfin weiterhin das Album „Cruelty And The Beast“ der englischen Band Cradle Of Filth ist (aber das nur als Anmerkung am Rande, es ist mir durchaus bewusst, dass hier nur wenig Vergleichbarkeit gegeben ist).

Gesamteindruck: 5/7


Autorin: Andreas Varesi
Originaltitel: Das Geheimnis der Báthory
Erstveröffentlichung: 2005
Umfang: ca. 380 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch (dzt. vergriffen)


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MusikWelt: Whoracle

In Flames


Auf „Whoracle“ (1997) schaffen In Flames – wie auch auf dem Nachfolger „Colony“ (1999) – den perfekten Spagat aus düsterer, unheilvoller Atmosphäre (die auch auf den neueren Alben gelegentlich noch zu finden ist) und hartem Geknüppel (das praktisch nur auf den alten Platten zelebriert wird). Garniert ist das Ganze mit Gitarrenharmonien, die direkt von Iron Maiden und Judas Priest stammen könnten.

Gesamteindruck: 7/7


So muss Melodic Death Metal klingen.

Wer beim 1997 erschienen Album „Whoracle“ der schwedischen Melodic Deather In Flames nach einem Schwachpunkt sucht, wird nicht leicht fündig werden. Aus meiner Sicht sind alle Songs bis auf das überflüssige (wie bei In Flames leider üblich) Depeche Mode-Cover „Everything Counts“ gut bis sehr gut ausgefallen. Auch die Produktion ist meiner Meinung nach in Ordnung, lediglich der Gesang könnte bei einigen Stücken lauter sein.

Bereits der furiose Opener „Jotun“ zeigt extrem filigrane Instrumentalarbeit, messerscharfe Harmonien und Riffs, tolle Melodien und rauen Gesang – damit ist gleich klar, was man von dem Album erwarten kann. Das folgende, auch heute noch ab und an live dargebotene „Food For The Gods“ lässt sogar ein wenig die spätere, klanglich „futuristischere“ Ausrichtung der Band durchschimmern, ist aber wesentlich härter als alles, was in der Neuzeit von der Truppe kam.

Die restlichen Songs auf der Platte können ebenso restlos überzeugen, besonders hervorzuheben sind der düstere, atmosphärische Midtempo-Stampfer „Gyroscope“ mit seiner interessanten Gesangslinie und der exzellenten Gitarrenarbeit sowie der erste wirkliche Hit der Band, „Episode 666“, zu dem wohl nicht mehr viel gesagt werden muss. Erwähnt werden sollten auch noch „The Hive“ und „Morphing Into Primal“, die den brachialen Death Metal der Anfangstage bieten, der der Truppe heute leider fast komplett fehlt. Aber auch die hier nicht aufgezählten Lieder sind durchwegs gelungen, sodass das Album tatsächlich komplett ohne Ausfälle auskommt (wenn man von „Everything Counts“ absieht, das zwar nicht schlecht gespielt ist, mir aber einfach nicht gefällt).

Insgesamt ist „Whoracle“ eine äußerst stimmige und gelungene Mischung, die die Schweden im Endeffekt nur mehr auf dem Nachfolgealbum „Colony“ und in dieser geballten Form erreichen sollten. Was danach kam finde ich zwar nicht durchgängig schlecht, aber dieses Niveau und diese Intensität wurden nicht mehr geboten. 7 Punkte für ein erstklassiges Album einer jungen, hungrigen Band.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Jotun – 3:53 – 7/7
  2. Food For The Gods – 4:21 – 6/7
  3. Gyroscope – 3:26 – 7/7
  4. Dialogue With The Stars – 3:00 – 6/7
  5. The Hive – 4:03 – 7/7
  6. Jester Script Transfigured – 5:46 – 6/7
  7. Morphing Into Primal – 3:05 – 6/7
  8. Worlds Within The Margin – 5:06 – 6/7
  9. Episode 666 – 3:45 – 7/7
  10. Everything Counts (Depeche Mode-Cover) – 3:17 – 4/7
  11. Whoracle – 2:44 – 5/7

Gesamteindruck: 7/7 


In Flames auf “Whoracle” (1997):

  • Anders Fridén – Vocals
  • Jesper Strömblad – Guitars
  • Glenn Ljungström – Guitars
  • Johan Larsson – Bass
  • Björn Gelotte – Drums

Anspieltipp: Episode 666

BuchWelt: Der Kult

Thomas Tryon


Wer sich einmal abseits von Stephen King und H.P. Lovecraft in Neuengland gruseln möchte, sollte es mit diesem (leider vergriffenen) Buch probieren. Beispielsweise auf eBay sollte sicher das eine oder andere Exemplar zu finden sein. Wer es schafft, bekommt mit „Der Kult“ ein spannendes, unheimliches Buch, in dem der Horror sich eher auf leisen Sohlen anschleicht. Zwar nicht ganz so diffizil und elegant, wie man es von anderen Autoren kennt, aber dennoch wohltuend anders als alles, was auf den schnellen Schock ausgerichtet ist. 

Gesamteindruck: 5/7


Unheimliche Ereignisse in Neuengland.

Das im äußersten Nordosten der Vereinigten Staaten gelegene Neuengland war schon immer ein guter Boden für unheimliche Geschichten. Dort scheint es – wenn man namhaften Schauer-Autoren wie H.P. Lovecraft und Stephen King glauben darf – tatsächlich nicht ganz mit rechten Dingen zuzugehen. Auch Thomas Tryon verlegt die Handlung seines Romanes „Der Kult“ in diese Gegend, was für Leser, die bereits andere Werke, die dort angesiedelt sind kennen, eine schnelle Identifikation möglich macht.

Das Buch enthält einige Elemente, die man vor allem von Lovecraft kennt und schätzt (wenngleich Tryon die geniale Qualität seines Vorbildes natürlich nicht erreicht). Eine behutsam aufgebaute Geschichte eines Ich-Erzählers, die harmlos beginnt, sich über kleinere Schockmomente steigert und schließlich in einem atemberaubenden Finale endet. Größter Unterschied zu Lovecraft sind die wesentlich plakativeren Ausführungen einiger Szenen. Zwar hat man auch hier – zumindest ab der zweiten Hälfte – das Gefühl, einer unheimlichen, unbegreiflichen Welt, die sich zwischen den Zeilen verbirgt; das Grauen selbst tritt aber wesentlich detaillierter und greifbarer zutage als beim Altmeister. Nichtsdestotrotz gibt es keinen durchgehenden Grusel, der Großteil des Horrors entsteht eher im Kopf als auf dem Papier.

Tryon nimmt sich sehr viel Zeit, seine Personen und vor allem den Ort der Handlung, ein verschlafenes, altertümliches Nest, in dem der Gen-Pool ein wenig seicht ist (um es vorsichtig auszudrücken), einzuführen. Die bäuerlichen Bewohner des Ortes werden dabei recht anschaulich in ihren Eigenarten beschrieben, allzu Tiefgehendes darf man auch aber nicht erwarten. Die Geschichte selbst, die die Aufnahme einer Stadtfamilie in die enge Dorfgemeinschaft bis hin zu einem bitteren Ende zeigt, wurde spannend umgesetzt. Trotz des behutsamen Aufbaus und eines Umfangs von über 450 Seiten kamen mir bei der Lektüre kaum Längen unter. Einziger Kritikpunkt ist aus meiner Sicht der manchmal sehr merkwürdig anmutende Stil des Autors – teilweise wird man doch sehr stark an einen Groschenroman erinnert. Wer darüber hinwegsehen kann, wird mit einem interessanten und angenehm zu lesenden Buch belohnt, das hierzulande zu Unrecht kaum bekannt ist.

Gesamteindruck: 5/7


Autorin: Thomas Tryon
Originaltitel: Harvest Home
Erstveröffentlichung: 1973
Umfang: ca. 450 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch (vergriffen)


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