BuchWelt: Die Gräfin Báthory

Andreas Varesi


Dieser Roman ist das Ergebnis langer Recherchearbeit: 10 Jahre soll Andreas Varesi alle Fakten zusammengetragen haben, die er für „Die Gräfin Báthory“ gebraucht hat. Der Aufwand hat sich meines Erachtens gelohnt: Der Autor hat ein spannendes Buch geschrieben und eine gute Mischung aus Historie und Mythologie geschaffen. Auch wenn nicht alles perfekt ist, hat das Werk durchaus seine Momente und kann bedenkenlos weiterempfohlen werden.

Gesamteindruck: 5/7


Unterhaltsam aber nicht ganz befriedigend.

Andreas Varesi hat mit „Die Gräfin Báthory“ einen unterhaltsamen, leicht konsumierbaren historischen Roman geschaffen, der auch – zumindest andeutungsweise – Fantasy-Elemente enthält. Die Sprache ist dabei zwar sehr schön und verständlich, aber auch sehr einfach ausgefallen. Damit ist das Buch ebenso für jüngere Leser geeignet, deren Eltern sich über zu viel Blut und Gewalt keine großen Sorgen machen müssen. Der Autor kommt praktisch immer mit Andeutungen von furchtbaren Gräueltaten der „Blutgräfin“ (und ihrer Gegner, die vor Folter ebenso wenig zurückschrecken) aus. Das führt für den erwachsenen Leser beinahe zwangsläufig zu einem Problem: mehrmals im Roman wird auf sehr gute Art und Weise Spannung aufgebaut und die Freude auf eine Auflösung geschürt – allein, diese kommt nicht bzw. verliert sich in nebulösen Andeutungen. Natürlich ist es nicht notwendig, dass jede Grausamkeit bis ins kleinste Detail beschrieben wird, aber ein wenig mehr „Härte“ wäre dem Thema, dem Hintergrund und der Zeit der Handlung durchaus angemessen gewesen.

Bis auf diesen Makel kann man dem Werk allerdings nicht allzu viel vorwerfen. Die Recherchearbeit scheint gut zu sein (soweit ich als interessierter Laie das beurteilen kann) und das mittelalterliche Ungarn wurde entsprechend düster in Szene gesetzt. Auch die Sprache der Akteure liest sich in meinen Augen durchaus authentisch. Die Handlung selbst erweckt allerdings ein wenig den Schein von Oberflächlichkeit, was zum einen sicher am einfachen Erzählstil, zum anderen vielleicht an den lückenhaften, verfügbaren Fakten über die historische Gräfin Báthory liegt. Dadurch entsteht relativ früh im Buch der Eindruck, dass der (relativ dünne) rote Faden der „Kriminalgeschichte“ (wenn man den Massenmord, der hier stattfand so nennen will/darf) ohnehin nur Mittel zum Zweck ist. Viel ausführlicher werden religiöse, politische und philosophisch-wissenschaftliche Fragen des späten 16./frühen 17. Jahrhunderts erörtert. Ungefähr in der Mitte des Buches geht das sogar soweit, dass man das eigentliche Thema des Romans beinahe vergisst. Inwiefern man sich durch solche „Abschweifungen“ gestört fühlt, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Mir haben die Exkurse recht gut gefallen.

Was allerdings nicht verhehlt werden soll: Die Auflösung der ganzen Geschichte ist nicht so befriedigend, wie ich mir das gewünscht hätte. Grund dafür sind die bereits angesprochenen, dunklen Andeutungen, bei denen Varesi es bis zum Schluss belässt. Dadurch bleiben die Handlungsstränge zum Teil in der Luft hängen und wirken unfertig, was schade ist. Da der Geschichte einige Fantasy-Elemente hinzugefügt wurden, die kaum auf historischen Tatsachen beruhen dürften, hätte meiner Meinung nach auch ein etwas fantasievollerer Schluss die Geschichte nicht beeinträchtigt. So reicht es leider nur zu 5 Punkten und zur Erkenntnis, dass mein persönliches Lieblingswerk über die Blutgräfin weiterhin das Album „Cruelty And The Beast“ der englischen Band Cradle Of Filth ist (aber das nur als Anmerkung am Rande, es ist mir durchaus bewusst, dass hier nur wenig Vergleichbarkeit gegeben ist).

Gesamteindruck: 5/7


Autorin: Andreas Varesi
Originaltitel: Das Geheimnis der Báthory
Erstveröffentlichung: 2005
Umfang: ca. 380 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch (dzt. vergriffen)


Thematisch verwandte Beiträge auf Weltending:

Ein Gedanke zu “BuchWelt: Die Gräfin Báthory

  1. Pingback: Autoren A – Z | Weltending.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.