MusikWelt: Sword & Sorcery

Majesty


Majesty veröffentlichten bereits im Jahr 2000 ein (selbst produziertes) Studioalbum namens „Keep It True“. Dennoch wird „Sword And Sorcery“ (2002) gemeinhin als offizielles Debüt der Baden-Württemberger gesehen, wohl weil es sich dabei um das erste Album für ein Label (Massacre Records) handelt. Wie dem auch sei – mit dem 2002er Longplayer konnten die Krieger um Tarek „MS“ Maghary zumindest kurzzeitig richtig für Furore sorgen. Zu recht, wie ich finde.

Gesamteindruck: 6/7


„Metal to the Metalheads!“

Mein erster Kontakt zu „Sword & Sorcery“ war ein Song, der damals auf einer der „Maximum Metal“-Sampler des Metal Hammer veröffentlicht wurde: „Fields Of War“. Das ist für mein Dafürhalten die beste Nummer, die Majesty jemals geschrieben haben. Hier kommt der Helden-Pathos, den sonst nur Manowar, mit Abstrichen vielleicht noch alte HammerFall, hinbekommen, und den das Albumcover verspricht, so richtig zur Geltung. Allein die Bridge mit der Textzeile „The enemy is strong and high in number…“ muss man fast als Göttergabe bezeichnen. Dazu ein großartiger Refrain, galoppierende Drums und – vor allem – die exzellente Gitarrenarbeit (die dieses Album übrigens im Ganzen auszeichnet). Und, nicht zu vergessen: Hier singt Tarek „Metal Son“ Maghary wohl genau so, wie es für Majesty immer geplant war und auf neueren Scheiben leider nicht mehr gelingt. Manowar-Fronter Eric Adams lässt grüßen – zwar nicht ganz dessen Qualität am Mikro, wohl aber die Phrasierung und Aggressivität. Eine unglaubliche Leistung! Man sieht schon: Ein tolles Stück Musik, das einfach Spaß macht und von dem ich auch heute noch begeistert bin.

Doch „Fields Of War“ ist nicht alles, was Majesty auf „Sword & Sorcery“ zu bieten haben. Das Album geht mit einem tollen Titeltrack los, der abwechslungsreich und hymnisch aus den Boxen kommt – textlich erinnert das Ganze ein wenig an die Epen von Rhapsody (Of Fire). Gefällt jedenfalls sehr gut! Ebenso die (wenn man so will) „Szenehymne“ des Albums: In „Heavy Metal“ salutieren Majesty dem, was sie als Underground bezeichnen. Also sich selbst, aber auch den kleinen Clubs und Fanzine-Schreiberlingen. Und das macht sehr viel Spaß – veredelt wird die Nummer außerdem durch einen Gastauftritt des ehemaligen Manowar-Gitarristen Ross „The Boss“ Friedman. In die Riege der starken und unterhaltsamen Songs reiht sich auch das thematisch verwandte „Metal To The Metalheads“ (was für ein Titel…) ein. Hier greift man textlich sogar noch weiter in die Manowar-Kiste: Neben einem gepflegten „Let all the posers die!“ muss man die Bridge („Sons of Metal / Join the battle“) und den Refrain („Metal to the Metalheads! / Just for Metal Brothers / Metal to the Metalheads! / Don’t care about the others“) gehört haben. Ja, das mag peinlich wirken, wurde aber – ganz im Gegensatz zu späteren Majesty-Alben – so umgesetzt, dass es trotz aller Klischees nicht in den „jenseitigen“ Bereich kippt und auch für Fans lächerlich wird. Tatsächlich klingen der „Metal Son“ und seine Jungs hier sehr überzeugt von dem, was sie vortragen. Kein Wunder – ist das Stück ja auch musikalisch sehr stark.

Ein Fall für sich ist die „Aria Of Bravery“. Ein episch angelegtes, insgesamt eher balladeskes Stück Musik, das wie der Titeltrack Teil des „Sword & Sorcery“-Konzepts von Tarek Maghary ist. Diese Nummer schrammt schon sehr, sehr dicht am klebrigen Kitsch-Faktor vorbei. Für mein Dafürhalten geht es gerade noch gut, zeigt aber auch, dass Majesty die geradlinigen und schnellen Songs besser beherrschen. „Aria Of Bravery“ ist – man muss vor allem den Text ein bisschen ausblenden – insgesamt aber dennoch ein ganz gut geschriebenes Stück Musik.

Die restlichen drei Nummern auf „Sword & Sorcery“ sind eher solide als hochklassig. „Ride Silent“ ist hymnisch angelegt und geht gut ins Ohr. Ähnliches gilt für „Epic War“, das für meinen Geschmack aber etwas zu lang geraten ist. „Fist Of Steel“ ist schließlich die Nummer, die bei mir am wenigsten Eindruck hinterlässt. Ja, auch nicht übel gemacht, aber dann doch eher „Filler“ und kein „Killer“.

Größter Kritikpunkt an diesem Album ist meiner Ansicht nach die Länge der Songs. Natürlich nicht die Länge als solche – aber teilweise werden die Minuten dann doch mit Endloswiederholungen der jeweiligen Refrains gefüllt. Das ist übrigens ein Problem, das sich auch auf späteren Majesty-Veröffentlichungen durchzieht. Auf „Sword & Sorcery“ ist es allerdings nicht ganz so kritisch zu sehen, weil die Refrains allesamt gut bis sehr gut sind.

Letztlich darf der potentielle Hörer bei aller Begeisterung aber kein 7-Punkte-Meisterwerk erwarten, wenn er sich „Sword & Sorcery“ holt. Wie beschrieben macht das alles sehr viel Spaß, vor allem dem geneigten Manowar-Fan dürfte gefallen, was er hier zu hören bekommt. Vielleicht zerdrückt er sogar das eine oder andere Tränchen, weil Joey DeMaio & Co das in der Endphase ihrer Karriere nicht mehr derart gekonnt hingebracht haben. Andererseits ist aber klar, dass das alles sehr einfach gestrickt und mit den üblichen True Metal-Texten versehen ist. Wer genau das möchte, garniert mit exzellenter Gitarrenarbeit und dem eigenwilligen, stellenweise aber tatsächlich sehr guten Gesang von Tarek „MS“ Maghary, ist mit „Sword & Sorcery“ bestens bedient.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Sword And Sorcery – 5:31 – 7/7
  2. Fields Of War – 6:09 – 7/7
  3. Heavy Metal – 6:55 – 6/7
  4. Epic War – 7:16 – 5/7
  5. Ride Silent – 5:18 – 5/7
  6. Fist Of Steel – 5:42 – 4/7
  7. Aria Of Bravery – 9:02 – 6/7
  8. Metal To The Metalheads – 7:11 – 5/7

Gesamteindruck: 6/7 


Majesty auf “Sword & Sorcery” (2002):

  • Tarek „MS“ Maghary – Vocals, Guitar, Keyboard
  • Udo Keppner – Guitar, Backing Vocals
  • Martin Hehn – Bass, Backing Vocals
  • Michael Gräter – Drums, Backing Vocals
  • Andy Moll – Keyboard, Backing Vocals

Anspieltipp: Fields Of War