SpielWelt: Mass Effect

Ich bin in Bezug auf die „Mass Effect“-Serie ein Spätstarter. 2008 ist die PC-Fassung des ersten Teils erschienen, ich habe 2016 die Trilogie gekauft und zum ersten Mal installiert. Eine lange Zeit, in der mir der Name „Mass Effect“ immer wieder untergekommen ist, es aber genug Anderes zu spielen gab. Immer wieder habe ich vergessen, dass es die Serie überhaupt gibt, bis ich die euphorischen Wertungen zu einem neuen Teil gelesen habe und mir wieder eingefallen ist, dass ich das Spiel unbedingt mal ausprobieren wollte. Und nun habe ich es endlich geschafft, Teil 1 zu spielen und zu beenden.

Gesamteindruck: 6/7


Klassiker mit kleinen Längen und Makeln.

„Mass Effect“ stammt aus dem Hause BioWare. Was das bedeutet, kann sich jeder einigermaßen erfahrene (Rollen-)Spieler einigermaßen vorstellen: Eine tolle, tiefgründige Story, gute Dialoge, in denen wirklich etwas gesagt wird, eine liebevoll und detailliert ausgestaltete Welt. Und genau das haben die Kanadier in „Mass Effect“ einmal mehr perfekt hinbekommen. Dabei ist es geradezu unglaublich, mit welcher Leichtigkeit man der Story folgen kann, wie einfach es ist, in dieses Universum einzutauchen. Wäre „Mass Effect“ ein Buch, könnte man die Story nur als „Pageturner“ beschreiben. Und das obwohl die Galaxie in diesem Spiel keineswegs ein kleiner, eindimensionaler Ort ist. Hier kämpfen nicht nur Menschen gegen einen außerirdischen Aggressor – im Gegenteil, es gibt ein komplexes Gefüge in dem verschiedene Rassen mit- und gegeneinander agieren. Und das versteckt und offensichtlich. Dass man diesem Ränkespiel mit der Zeit immer besser folgen kann, sogar ohne ständig in den allgegenwärtigen „Codex“ zu sehen, in dem alles festgehalten wird, was der Spieler über andere Rassen, über Technologie, über Planeten und worüber auch immer herausfindet, ist der wahre Verdienst von BioWare. Man muss sich den Zugang zum „Mass Effect“-Universum nicht auf anstrengende Art und Weise erarbeiten, sondern wird herangeführt. Sanft und ohne Probleme – und wer sich tiefer einlesen möchte, kann das jederzeit tun. Unglaublich, was man hier hinbekommen hat und das ist wohl auch ein Grund, warum die Serie so beliebt ist.

Die Story bleibt übrigens bis zum Schluss, der offen ist (weil die „Mass Effect“ von Beginn an als Trilogie konzipiert war), sehr spannend. Durchhänger gibt es im Laufe der Haupthandlung nicht. Auch der Wiederspielwert kommt nicht zu kurz: Verschiedene Klassen und Hintergründe der eigenen Figur, Romanzen sowie folgenschwere Entscheidungen (deren Auswirkungen z. T. erst in den späteren Spielen merkbar werden) machen es möglich. Und ein weiteres Lob muss man an dieser Stelle anbringen: Die NPCs sind großartig. Das betrifft vor allem das eigene Team, das man sich im Laufe des Spiels zusammenstellt. BioWare-typisch wachsen einem die Charaktere, die fast laufend mit dem Spieler interagieren, sehr stark ans Herz. An manchen Punkten macht das die Entscheidungen noch einmal wesentlich schwerer, vor allem, wenn man eine liebgewonnene Figur vielleicht in den Tod schicken muss. Diese Bindung an die Figuren ist ebenfalls bekannt von BioWare, in „Mass Effect“ treiben sie es meines Erachtens auf die Spitze. Übrigens sind auch die Nebencharaktere, die nicht zur eigenen Mannschaft gehören, sehr ansprechend programmiert.

Deutet also alles auf die Höchstwertung hin? Leider nicht ganz, denn es gibt doch ein paar Punkte, die ungeduldigen Spielern den Spaß verleiden könnten. Und dabei spreche ich nicht von Grafik und Bedienung, die aus heutiger Sicht sehr antiquiert wirken (vor allem die Steuerung macht am PC zu schaffen, die Grafik ist eigentlich in Ordnung; der Sound ist hingegen grandios!). Kurz gesagt: Die Programmierer scheinen so viel Arbeit und Herzblut in die Hauptmission gesteckt zu haben, dass für die Nebenaufträge keine Kapazitäten mehr übrig waren. Im Questlog hört sich vieles auch abseits der Hauptstory spannend und interessant an – in Wirklichkeit ist jede Nebenmission eintönige Standardkost. Das beginnt bei den immer gleich aussehenden Planeten, auf denen man immer das Gleiche tun soll und endet bei langen Fahrten mit dem „Mako“, einer Art bewaffnetem und gepanzertem Mondfahrzeug. All das nervt spätestens nach drei oder vier Spielstunden. Leider kommt man nicht drum herum, wenn man seinen Charakter ordentlich verbessern möchte.

Das war es aber auch schon mit der Kritik. Mehr als die Eintönigkeit bei Nebenquests kann man „Mass Effect“ kaum vorwerfen. Tatsächlich nervt diese Sache aber bereits nach kurzer Zeit so sehr, dass mir ein zweiter Durchgang vergällt wurde, zumindest bisher. Und gerade in Verbindung mit der suboptimalen Bedienung wirkt sich das Ganze noch einmal fataler aus.

Aber abgesehen davon ist bei „Mass Effect“ alles im grünen Bereich und ich kann das Spiel jedem, der auch nur etwas für Rollenspiele übrig hat (und natürlich auch dem Weltraum-Szenario nicht abgeneigt ist), nur empfehlen. Es lohnt sich wirklich, vor allem, wenn man nach „Mass Effect“ nicht aufhört und die Geschicke von Commander Shepard in Teil 2 und 3 wieder übernimmt.

Übrigens: 32 Spielstunden habe ich gebraucht, um „Mass Effect“ abzuschließen. Das weiß ich dank Zeitnehmung meines Origin-Accounts. „Account“? Ja, richtig, jedes Spiel der Trilogie ist auch heute noch online zu aktivieren. Sorgt natürlich für Kritik, mich persönlich stört daran eigentlich nur, dass es verschiedene Plattformen für verschiedene Spiele gibt und ich schon gar nicht mehr weiß, wo ich schon überall registriert bin. Aber das soll hier nicht das Thema sein – wenn, dann überhaupt nur, weil ich zunächst mit der Aktivierung Probleme hatte, bei denen mir nur das Internet weiterhelfen konnte. Wenn schon Kopierschutz und Aktivierungszwang, dann bitte auch so, dass es funktioniert – was es letztlich zwar tat, aber das geht definitiv besser.

Gesamteindruck: 6/7


Genre: Rollenspiel
Entwickler: BioWare
Jahr: 2008
Gespielt auf: PC
Gekauft bei: Gamestop als „Mass Effect-Trilogy“


 

3 Gedanken zu “SpielWelt: Mass Effect

  1. Pingback: Spiele A-Z | Weltending.
  2. Viel Spaß mit dem Rest dieser tollen Reihe! Ab dem zweiten Teil gibt es auch die langweiligen Mako-Touren nicht mehr, dafür ein – ähem – aufregendes Minispiel. Ich schätze, es war irgendwie nötig, um den schieren Maßstab der Spielwelt irgendwie zu vermitteln. Dafür werden die Nebenmissionen allgemein besser. Der coolste Teil ist aber, dass Commander Shepard nach und nach zu diesem legendären Kriegshelden wird, auf den die Welt entsprechend reagiert.

    Mass Effect wird immer einen Platz in meinem Herzen haben, da es einfach so aus dem Nix ein lebendiges und faszinierendes Space Opera-Universum erschaffen hat. Der beste Teil dieser Spiele sind nicht die großen Schlachten, sondern die kleinen Charaktermomente zwischen der Crew und die beiläufigen Gespräche auf der Citadel, in die man sich auf Wunsch einmischen kann. Gute Reise!

  3. Pingback: SpielWelt: The Witcher | Weltending.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.