BuchWelt: Alice im Wunderland

Lewis Carroll


Polarisierende Meinungen scheint es bei einem der bekanntesten Kinderbücher (das natürlich auch für den erwachsenen Leser reizvoll ist) hauptsächlich aus einem Grund zu geben: Eine vernünftige deutsche Übersetzung ist – egal welche Version man sich vornimmt – offenbar nicht möglich.

Gesamteindruck: 5/7


Vermutlich nicht wirklich übersetzbar.

Günther Flemming, Übersetzer der von mir gelesenen, originalgetreu mit „Alices Abenteuer im Wunderland“ betitelten Reclam-Ausgabe gibt das auch mehr oder weniger unumwunden zu und versucht die Problematik einzelner Wortspiele im Anhang zu erklären. Prinzipiell ein löblicher Versuch, jedoch wäre es hilfreich gewesen, auch direkt im Text auf den Anhang zu verweisen – völlig unverständlich, wieso das ausbleibt.

So muss man, wenn man sich nicht nur für die Geschichte selbst interessiert, sondern sich eingehender mit den Hintergründen beschäftigen will, öfter hin und her blättern, als für den Lesefluss gut ist. Dabei wird auch schnell klar, dass die Erläuterungen zu den Wortspielen sehr knapp sind und längst nicht alle davon erklären. Auch das Nachwort von Flemming, in dem versucht wird, auf die einzelnen Kapitel und deren versteckte und offene Symbolik einzugehen, ist nicht so eine Offenbarung wie wohl beabsichtigt. Es werden zwar einige der skurrilen Erlebnisse von Alice gut erläutert, viel öfter wirkt das Ganze aber wie eine – manchmal äußerst penetrante – Selbstbeweihräucherung des Übersetzers, der scheinbar meint, als einziger das Werk von Lewis Carroll verstanden zu haben. Schade, da seine Betrachtungsweisen grundsätzlich interessant sind; wobei manche Dinge sehr weit hergeholt wirken und reine Interpretation des Flemmings zu sein scheinen, was man natürlich weder als „gut“ noch als „schlecht“ bewerten kann. Das ist übrigens eine grundsätzliche Schwierigkeit, die ich persönlich mit dem ganzen „Alice-Komplex“ habe: die verschiedenen Interpretationen und Erklärungsansätze scheinen mir zum Teil maßlos übertrieben und konspirativ – aber das ist eine andere Thematik.

Größter Kritikpunkt ist für mich demzufolge auch der weitgehend fehlende Wortwitz der deutschen Ausgabe – wirklich zu lachen gibt es hier kaum etwas. Alles in allem empfinde ich „Alice im Wunderland“ als durchaus skurrile und merkwürdige Geschichte, die man auf jeden Fall gelesen haben sollte – aber wenn möglich in der Originalversion, ansonsten könnte es passieren, dass man sich die Frage stellt, wieso das Werk eigentlich so beliebt ist. Tatsächlich regt das Werk zwar die Fantasie an und lädt zum Träumen ein, Charaktere, Handlung und natürlich die Sprache bleiben dabei aber ziemlich auf der Strecke. Nun ist das bei einem Kinderbuch grundsätzlich kein allzu großes Problem, ganz im Gegensatz zur etwas holprigen Erzählweise, die mir alles andere als flüssig und stimmig erscheint. Mehr als 5 Punkte sind damit für die deutsche Übersetzung einfach nicht drin. Und die sind allein darauf begründet, dass die Originalversion sozusagen „unverwüstlich“ ist und bleibt.

Gesamteindruck: 5/7


Autor: Lewis Carroll
Originaltitel: Alice’s Adventures in Wonderland.
Erstveröffentlichung: 1865
Umfang: 200 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

4 Gedanken zu “BuchWelt: Alice im Wunderland

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