MusikWelt: Diabolical Fullmoon Mysticism

Immortal


Dass die Norweger Immortal eine der wichtigsten Bands der Black Metal-Szene waren, ist unbestritten. Das räudige 1992er-Debüt „Diabolical Fullmoon Mysticism“ (vorher gab es lediglich zwei Demos und eine EP namens „Immortal“) lässt das meiner Ansicht nach auch schon erahnen, wenngleich es aus heutiger Sicht eher die guten Ansätze sind, die überzeugen können.

Gesamteindruck: 4/7


Rumpelndes Frühwerk einer Legende.

Dabei gehen die grimmigen Norweger – zumindest was die Gitarrenarbeit betrifft – durchaus versiert zu Werke. Auch der Gesang geht in Ordnung, wenngleich Frontmann Abbath hier noch nicht seine eigene, unverwechselbare Krächz-Stimme gefunden hat, die Immortal später ein weiteres Alleinstellungsmerkmal verleihen sollte; der Bass ist sehr gut eingespielt und geht im Gegensatz zu anderen Produktionen dieser Zeit auch nicht unter. Ebenfalls sehr gut zu hören ist das recht einfach gehaltene Schlagzeug, die später gern eingesetzten Blast-Parts fehlen auf „Diabolical Fullmoon Mysticism“ allerdings fast völlig. Übrigens ist dieses Album das einzige von Immortal, auf dem Drummer Armagedda zu hören ist. Interessanterweise feierte eben jener Gerhard „Armagedda“ Herfindal viele Jahre später ein Comeback. Allerdings nicht bei Immortal, stattdessen war er auf Soloalben der Hauptprotagonisten („Between Two Worlds“, 2006, von I bzw. „March Of The Norse“, 2011, von Demonaz) zu hören.

Wichtiger als produktionstechnische Feinheiten sind für den Black Metal allerdings die durch die Musik transportierten Emotionen. An dieser Front machen es Immortal ähnlich wie ihre Landsmänner von Darkthrone und Mayhem: Die Stimmung ist misanthropisch und hasserfüllt, was zwar brauchbar, aber auf „Diabolical Fullmoon Mysticism“ längst nicht so gut wie bei der Konkurrenz umgesetzt wird. Hier fehlte es auf dem Debüt meines Erachtens noch an Eigenständigkeit, es zwar zu spüren, dass etwas ganz Großes heranwächst – jedoch nur in seltenen Momenten. Vielleicht war das auch schon ein Fingerzeig in die Zukunft – weniger Hass, mehr Kälte und Epik sollten die Trademarks werden, die Immortal später groß gemacht haben.

Zu den Songs: Neben dem gelungenem Intro gibt es vor allem zwei Songs, die das große Talent von Abbath und Demonaz bereits in dieser frühen Phase ihrer Band zeigen. Primär ist das beim legendären „Cryptic Winterstorms“ zu hören, das bereits die später oft verwendeten Akustik-Einsprengsel aufweist und bei dem das Gaspedal nicht völlig durchgetreten wird. Damit ist der Song wesentlich mächtiger und atmosphärischer als das restliche Material. Erstmals ist hier der von Immortal-Fans geliebte frostig-kalte Touch zu hören und zu fühlen. Schade übrigens, dass das kurze Intro zu dieser Nummer nicht ein wenig ausführlicher gestaltet wurde. Außerdem gelungen: „The Call Of The Wintermoon“, das mit fast greifbarer Düsterkeit, der auch das „geniale“ Video nichts anhaben kann, punktet. Neben diesen grandiosen Nummern sticht noch das bis zur Spätzeit der Band immer gern live gespielte „Unholy Forces Of Evil“ hervor.

All das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Rest der Platte eher eintönig am Hörer vorbei. Ab und zu horcht man aufgrund gelungener Gesangs- und Gitarrenlinien zwar auf, alles in allem hat mir das jedoch trotz aller hörbaren Bemühungen zu wenig Substanz. „Diabolical Fullmoon Mysticism“ mag zwar aus heutiger Sicht oft (wie so vieles) als „kultig“ bezeichnet werden, musikalisch ist es aber in der großartigen Immortal-Diskographie ein kleines …ähem… Licht. Mehr als 4 Punkte sind damit leider einfach nicht drin.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Intro – 1:35 – 5/7
  2. The Call Of The Wintermoon – 5:40 – 6/7
  3. Unholy Forces Of Evil – 4:28 – 6/7
  4. Cryptic Winterstorms – 6:08 – 7/7
  5. Cold Winds Of Funeral Dust – 3:47 – 4/7
  6. Blacker Than Darkness – 4:17 – 3/7
  7. A Perfect Vision Of The Rising Northland – 9:04 – 3/7

Gesamteindruck: 4/7 


Immortal auf “Diabolical Fullmoon Mysticism” (1992):

  • Abbath Doom Occulta − Vocals, Bass
  • Demonaz Doom Occulta − Electric & Acoustic Guitars
  • Armagedda − Drums

Anspieltipp: Cryptic Winterstorms

3 Gedanken zu “MusikWelt: Diabolical Fullmoon Mysticism

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