MusikWelt: Hell Yeah!!! – The Awesome Foursome

 Gamma Ray


„Hell Yeah!!! – The Awesome Foursome (And The Finnish Keyboarder Who Didn’t Want To Wear His Donald Duck Costume) Live In Montreal“ lautet der Gesamttitel dieses Konzert-Mitschnitts. Daran kann man bereits den speziellen Humor erkennen, der die Jungs um den legendären Kai Hansen auszeichnet. Nach „Alive ’95“ (1996) und „Skeletons In The Closet“ (2003) war „Hell Yeah!!!“ aus dem Jahre 2008 das dritte offizielle Live-Album der Hanseaten – so gesehen sollte eine Steigerung zu erwarten sein, was leider nicht so wirklich gelingt.

Gesamteindruck: 4/7


Gute Songs ohne richtige Live-Atmosphäre.

„Hell Yeah!!!“ war eine schwere Geburt. Aufgenommen wurde 2006 bei einem Konzert in Montreal, diverse Probleme führten immer wieder zu einer Verschiebung der Veröffentlichung, die letztlich erst 2008 realisiert wurde. Fanfreundlich wie Gamma Ray aber sind, wurde den Fans als kleine Entschuldigung für die Verspätung ein Paket an Bonussongs spendiert. Die vier zusätzlichen Nummern, ebenfalls als Live-Version enthalten, stammen von „Land Of The Free II„, also einem Album, das erst ein Jahr nach der Tour, auf der „Hell Yeah!!!“ aufgenommen wurde, erscheinen sollte. Ein Kuriosum, das es nicht so häufig gibt und man hier daher nicht unerwähnt lassen sollte.

Doch nun zu vorliegendem Doppel-Live-Album. Die Grundvoraussetzungen stimmen natürlich: die Qualität des Backkataloges von Gamma Ray ist dermaßen groß, dass auch eine Doppel-CD kaum ausreicht, um die besten Tracks aufzunehmen. Dennoch wurde die Songauswahl sehr gut und stimmig getroffen, es ist eigentlich aus jeder Schaffensphase etwas dabei, wobei die drei Nummern von „Majestic“ wohl eher der damaligen Aktualität dieses Albums als ihrem eigenen Klassikerstatus geschuldet sind. Jedenfalls ist die Tracklist völlig anders als „Skeletons In The Closet“, das nur selten gespielte Stücke beinhaltete und ein Vorteil gegenüber „Alive ’95“, bei dem die Auswahl noch wesentlich kleiner war. Auch spieltechnisch ist alles im grünen Bereich, wenngleich Sänger/Gitarrist/Mastermind Kai Hansen nicht ganz perfekt bei Stimme zu sein scheint. Aber gerade das und die kleinen Verspieler, die man ab und zu hört, sorgen für authentische Live-Atmosphäre und machen ein solches Album erst richtig sympathisch.

Was mir persönlich hingegen überhaupt nicht gefällt: der Sound. Nicht, was die Instrumente selbst betrifft, die großteils gut und transparent aus den Boxen kommen. Es klingt für mich aber leider so, als ob beim Konzert in Montreal die Stimmung des Publikums nicht gerade euphorisch war. Vermutlich liegt das aber eher an der Aufnahme selbst, bei der offenbar mehr Ohrenmerk auf den perfekten Klang der Instrumente und weniger auf dem Einfangen der Live-Stimmung lag. Jedenfalls ist von grandioser Live-Atmosphäre von seiten der Fans relativ wenig zu merken.  Kai Hansen bietet dem Publikum auch genügend Möglichkeiten, selbst mitzusingen – ob das wirklich funktioniert oder nicht, ist schwer zu beurteilen, da so wenige Reaktionen zu hören sind. Schade, hier wurde meiner Ansicht nach viel Potential, das so ein Live-Doppelschlag bieten kann, verschenkt. Im Übrigen fehlt es beim Drum-Sound und ab und an bei den Vocals ein wenig an Druck, was aber eher nebensächlich ist.

Abschließend möchte ich noch bemerken, dass bei den Bonus-Tracks deutlich zu hören ist, wie viel eigentlich möglich gewesen wäre. Dort passt das Verhältnis zwischen Lautstärke des Publikums und der Band besser und man fühlt sich tatsächlich mittendrin. Aber das ist nur Bonus – und so reicht es bei mir leider nur zu einer Durchschnittswertung, was im Angesicht der Qualität der einzelnen Songs an sich schon fast katastrophal ist. Anzumerken ist noch, dass „Hell Yeah!!!“ auch auf DVD erhältlich ist, was vermutlich die bessere Variante ist, da ein solches Konzert immer auch sehr stark von der Bühnenshow lebt (gesehen habe ich die DVD allerdings nicht).


Track – Titel – Album*

CD 1

  1. Welcome (von „Heading For Tomorrow“, 1990)
  2. Gardens Of The Sinner (von „Power Plant“, 1999)
  3. New World Order (von „No World Order!“, 2001)
  4. Man On A Mission (von „Land Of The Free“, 1995)
  5. Fight (von „Majestic“, 2005)
  6. Blood Religion (von „Majestic“, 2005)
  7. Heavy Metal Universe (von „Power Plant“, 1999)
  8. Dream Healer (von „Sigh No More“, 1991)
  9. The Heart Of The Unicorn (von „No World Order!“, 2001)
  10. Fairytale (von „Land Of The Free“, 1995)
  11. The Silence (von „Heading For Tomorrow“, 1990)

CD 2

  1. Beyond The Black Hole (von „Somewhere Out In Space“, 1997)
  2. Valley Of The Kings (von „Somewhere Out In Space“, 1997)
  3. Somewhere Out In Space (von „Somewhere Out In Space“, 1997)
  4. Land Of The Free (von „Land Of The Free“, 1995)
  5. Rebellion In Dreamland (von „Land Of The Free“, 1995)
  6. I Want Out (Helloween-Cover, von „Keeper Of The Seven Keys, Pt. 2“, 1988)
  7. Send Me A Sign (von „Power Plant“, 1999)

Bonus Tracks

  1. Into The Storm (von „Land Of The Free II“, 2007)
  2. Empress (von „Land Of The Free II“, 2007)
  3. From The Ashes (von „Land Of The Free II“, 2007)
  4. Real World (von „Land Of The Free II“, 2007)

 Gesamteindruck: 4/7 

* Bei Live- und Best of-Alben verzichte ich auf eine Einzelbewertung der Songs.


Gamma Ray auf “Hell Yeah!!! – The Awesome Foursome” (2008):

  • Kai Hansen − Vocals, Guitar
  • Henjo Richter − Guitar, Backing Vocals
  • Dirk Schlächter – Bass, Backing Vocals
  • Dan Zimmermann − Drums, Backing Vocals
  • Eero Kaukomies [Guest] – Keyboards, Backing Vocals

Anspieltipp: Send Me A Sign


 

 

SpielWelt: ArcaniA – Gothic 4

Der Meinung vieler Spieler, „Risen“ wäre eigentlich das viel bessere, weil authentischere „Gothic 4“ gewesen, muss man sich nach dem Genuss von „ArcaniA“ leider vorbehaltlos anschließen. Aber auch ohne die Veteranenbrille sind die Mängel meiner Ansicht nach einfach zu groß, um mehr als drei Punkte zu vergeben. Eventuell können Spieler mit emotionaler Bindung an die Vorgänger sogar noch einen Punkt abziehen, absolute „Gothic“-Neulinge einen addieren. Aber auch für letztere dürfte das Spielerlebnis maximal durchwachsen sein.

Gesamteindruck: 3/7


Unausgegoren und im Endeffekt überflüssig.

Die Gesamttendenz der Rezensionen zu „ArcaniA – Gothic 4“ sprach schon beim Erscheinen des Spiels eine deutliche Sprache und kann und konnte meiner Ansicht nach von potentiellen Käufern guten Gewissens beachtet werden. Ich selbst habe „ArcaniA“ damals trotz einigen Unbehagens nach den vorangegangenen Teilen der Reihe vorbestellt (!) und vor Spielbeginn keine Rezensionen, auch nicht von Fachzeitschriften, gelesen, um möglichst unbeeinflusst berichten zu können. Um das Fazit vorwegzunehmen: Fairerweise hätte Publisher JoWooD den Namen „Gothic“ tatsächlich aus dem Titel streichen sollen. Das wäre zwar schon beim katastrophalen Add-On „Götterdämmerung“ zum bestenfalls durchschnittlichen „Gothic 3“ angebracht gewesen. Bei „ArcaniA“ erinnern hingegen nur mehr winzige Spurenelemente an einen der größten Klassiker der deutschsprachigen Rollenspielgeschichte.

Dabei hat sich das Programmierteam des mittlerweile insolventen Studios Spellbound merklich bemüht. Zwar verlief die Installation bei mir ein wenig holprig (zwischendurch dachte man mehrfach, das Programm wäre abgestürzt), danach gibt es aber einiges zu bewundern. Das beginnt beim wie immer grandiosen Soundtrack, der im Spiel durch eine fantastische Geräuschkulisse und großteils sehr gute Synchronsprecher ergänzt wird. Auch die Grafik ist wunderbar gelungen und wirkt wie aus einem Guss, sehr gute Wetterwechsel inklusive. Technisch war bereits bei Veröffentlichung – leider keine Selbstverständlichkeit – ebenfalls alles im grünen Bereich. Auf meinem System waren keinerlei Abstürze und Performance-Probleme zu verzeichnen. Vereinzelt gibt es zwar Grafik- und Clippingfehler, die sind aber zu verschmerzen. Auch die eingeblendeten Texte sind weitgehend fehlerfrei, lediglich auf den Ladebildschirmen passen sie bei mir zeitweise nicht ganz ins Bild. Sagenhaft sind übrigens die kurzen Ladezeiten – Respekt dafür an die Programmierer. Die Hintergrundgeschichte selbst kommt nach etwas zähem Tutorial ganz gut in Fahrt, wird zwischenzeitig allerdings ziemlich wirr. Ein Wermutstropfen ist die relativ kurze Spielzeit. Der neue Held (natürlich wieder namenlos) ist zwar ganz gelungen, besitzt aber nicht die sympathisch-kauzige Art seines Vorgängers (zumindest in Teil 1-3). Das Treffen mit alten Bekannten wirkt etwas zu gezwungen und aufgesetzt, sorgt aber für einen großen Nostalgiebonus. Eine sinnvolle Erweiterung wurde mit Minimap inklusive Quest-Anzeige zwar integriert, leider aber ziemlich halbherzig umgesetzt.

Viel mehr Positives ist leider nicht anzumerken. Hauptgrund dafür ist sicherlich für viele (so auch für mich), dass das Spiel eben den Namen „Gothic“ im Titel trägt und sich damit mit den legendären Vorgängern messen muss. Problematisch ist dabei, dass gerade einige der größten Tugenden der ersten beiden Teile gestrichen wurden, während aus Kritikpunkten von Teil 3 offensichtlich wenig gelernt wurde.

Das gilt vor allem für das neuerlich ziemlich misslungene Kampfsystem, das in stupides Dauergeklicke ausartet. Dennoch sind die Kämpfe sehr leicht gehalten, zudem wird der Held rasend schnell mächtiger, sodass ein Ausflug in eine Höhle keine große Herausforderung ist. Letztlich ist auch die Spielwelt trotz ihrer Einteilung in relativ überschaubare Gebiete wieder ein wenig zu groß ausgefallen – es gibt daher einige Längen, die aber nicht allzu sehr stören, da die Gegend zumindest optisch sehr schön umgesetzt wurde. Weniger elegant sind dafür die vielen unsichtbaren Grenzen – man kann nicht nur erst für später vorgesehene Gebiete nicht betreten, auch ein kleiner See ist mangels Schwimmkenntnissen ein unüberwindliches Hindernis, ebenso kniehohe Felsen. Eine Rückkehr in bereits besuchtes Terrain ist übrigens möglich, aber kaum jemals nötig. Extrem vereinfacht wurde die Charakterentwicklung. Lehrer gibt es keine mehr, Erfahrungspunkte werden nach einem Stufenaufstieg auf diverse Skills verteilt. Erinnert an andere Rollenspiel-Serien, ist aber längst nicht so elegant und umfassend gelöst, wie man sich das gewünscht hätte. Eine zu geringe Auswahl an NPC-Designs und fehlende Mimik bei manchen Figuren kann man zwar verschmerzen, zeugen jedoch deutlich davon, dass die Spielentwicklung vermutlich ein wenig überambitioniert angegangen wurde.

Die erwähnten Punkte sind zwar keinesfalls zu vernachlässigen, aber in meinen Augen nicht so dramatisch wie drei andere Änderungen, bei denen ich einfach nicht verstehe, was sich das Team dabei gedacht hat. Das größte Manko davon ist – zumindest für mich – der im Vergleich zu früher wesentlich zurückgeschraubte Realismus. So ist es jetzt ohne Probleme möglich, die Truhe des Besitzers in dessen Anwesenheit zu plündern. Geradezu absurd ist es, wenn man einem Händler auf diese Weise die vor seinen Augen gestohlenen Waren zurückverkauft. So etwas sollte es in einem Rollenspiel einfach nicht geben. Auch können im Optionsmenü Rollenspiel-Aktivitäten aktiviert werden. So kann man sich aussuchen, ob man sich in Betten legen, Kessel benutzen oder Schwerter schleifen will. Leider hat die Aktivierung aber keine praktische Funktion, zwar kann man sich danach an ein Lagerfeuer setzen, Fleisch braten kann man allerdings nicht. Wozu diese Option überhaupt nötig ist, wissen wohl nur die Programmierer. Damit geht ein weiterer Realismusverlust einher: das Crafting-System wurde so weit wie nur irgend möglich vereinfacht. Um das erwähnte Fleisch zu braten braucht man also kein Lagerfeuer mehr, sondern nur das entsprechende Rezept und die passenden Zutaten, dann reichen zwei Klicks. Gleiches gilt fürs Schmieden und die Alchemie. Hier ist es wohl wirklich besser, „Rollenspiel-Aktivitäten“ zu deaktivieren, dann braucht man sich wenigstens nicht immer zu fragen, wozu im Dorf ein Amboss herumsteht, den man zwar benutzen, aber nicht gebrauchen kann, weil man sich sein neues Schwert quasi im Hosensack schmiedet. Ein Tag-Nacht-Wechsel ist zwar integriert, hat aber keinerlei Auswirkungen auf das Spiel. Alle NPCs sind Tag und Nacht ansprechbar und an ihrem Arbeitsplatz, dazu kommt, dass man selbst auch zur „Nachtarbeit“ verdammt ist, da beim Schlafen in Betten die Zeit nicht schneller vergeht. Auch ein Ruf-System oder ähnliches ist nicht vorhanden, noch dazu ist es nicht möglich, Charaktere anzugreifen, wenn das Programm das nicht vorsieht. Wozu wird man beispielsweise in der Kneipe mit einem knackigen „Mach ja keinen Ärger!“ gewarnt, wenn das sowieso nicht möglich ist? Stehlen aus Truhen hat keine Konsequenzen, Taschendiebstal wurde gestrichen und Angriffe auf NPCs richten ja keinen Schaden an.

Die zweite, eigentlich ebenso schwerwiegende Veränderung ist das gestrichene Fraktionssystem. Man kann sich keiner der im Spiel für die NPCs vorhandenen Gilden anschließen. Dadurch fällt es schwer, sich mit einer Seite zu identifizieren und es geht sehr viel an Tiefgang verloren. In Verbindung mit dem an einzelne Schlauch-Levels erinnernden Aufbau der Spielwelt führt das auch zu einem praktisch nicht vorhandenen Wiederspielwert.

Auf diesen Wiederspielwert wirkt sich auch der dritte Punkt dieser Aufzählung negativ aus. Handlungen in der „Gothic“-Welt haben keinerlei Auswirkungen mehr. So ist es im Rahmen der Haupt-Quest zwar gelegentlich möglich, sich eines Problems auf die eine oder andere Art aufzunehmen, spürbare Konsequenzen gibt es aber nicht. Auch die Questgeber erwähnen die Lösung des Spielers maximal in einem Nebensatz. Eine Rückkehr zum Questgeber ist übrigens nicht wirklich nötig, da man für die Vollzugsmeldung keine Erfahrungspunkte mehr erhält.

Mit diesen Ungereimtheiten und Schwachpunkten hätte es das „ArcaniA“ wohl auch ohne „Gothic“ im Namen sehr schwer. Was neben dem fehlenden, berühmt-berüchtigten „Gothic-Feeling“ noch auffällt: An vielen Ecken und Ende wirkt das Spiel trotz weitgehender Bug-Freiheit einfach unfertig. Hinweise darauf sind die beschriebene „Rollenspielelemente-Funktion“, die kurze Spielzeit, die stellenweise vorkommenden doppelten Charaktermodelle, das hastig zusammengeschustert wirkende Aufstiegssystem, der Mangel an alternativen Lösungsmöglichkeiten und eine oft unangenehm störende Abwesenheit von Logik und Schlüssigkeit. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das alles genauso geplant war – eventuell hatte es JoWooD (inzwischen ebenfalls insolvent) mal wieder eiliger als gut für das Spiel war.

Gesamteindruck: 3/7


Genre: Rollenspiel
Entwickler: Spellbound Entertainment
Jahr: 2010
Gespielt auf: PC


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MusikWelt: Battle Beast

Battle Beast


Das Gefühl, dass Battle Beast sich jemals für höhere Weihen empfehlen werden, hat man nicht. Das macht aber nichts – auf „Battle Beast“ stehen einige Nummern, die so richtig viel Spaß machen. Zwar gibt es auch ein paar Filler – das tut der Unterhaltung aber keinen allzu großen Abbruch. Macht schon Laune, was man hier zu hören bekommt.

Gesamteindruck: 4/7


Erfrischend altmodisch – „Just let it roaaaaaaaar!“

Ganz an die Spitze ihres Genres schaffen es die Finnen Battle Beast mit dem selbstbetitelten Zweitwerk „Battle Beast“ (2013) nicht. Jedoch geht das Ganze schon in die richtige Richtung. Das hat viel mit dem Songwriting zu tun, das großteils sehr gelungen ist. Klassischer Heavy Metal mit starken Anleihen aus den 1980ern geht halt (fast) immer, noch dazu, wenn er so erfrischend und kraftvoll umgesetzt wird. Um die Genre-Referenzen Accept bzw. U.D.O. oder auch die aktuell angesagten Sabaton und Powerwolf zu erreichen, fehlt in meinen Ohren allerdings ein wenig die Konstanz. Dennoch sollte jeder, der mit den genannten Gruppen etwas anfangen kann und auch nichts gegen Doro, Gamma Ray, HammerFall und Stratovarius hat, mal bei Battle Beast reinhören. So schön wird die gute, alte Zeit nicht mehr allzu oft vertont, mit so viel Power werden die genannten Gruppen selten vermischt.

Der aggressive und harte Einstieg „Let It Roar“ zeigt gleich von Anfang an, wo bei Battle Beast der Hammer hängt: Hohes Tempo, eingängige Riffs und – als größtes Markenzeichen – der eigenwillige Gesang, besser das „Roaring“ vom damaligen Neuzugang Noora Louhimo. Wer mit dem „German Tank“ Udo Dirkschneider als Sänger etwas anfangen kann, wird sich also auch seinem weiblichen Pendant kaum entziehen können. Neben dem Opener fallen gleich bei den ersten Durchläufen weitere Stücke positiv auf: die kurzen, knackigen „Out Of Control“ und „Raven“ lassen keine Wünsche offen, noch besser macht es das auf Platz 9 „versteckte“ „Kingdom“, das sich als wahre Hymne entpuppt. Zwar sind die Gitarren- und Keyboard-Soli ein wenig zu ausufernd, ob der songwriterischen Klasse ist das aber zu verschmerzen. Von den eher im Midtempo gehaltenen Songs stechen vor allem das Dio-affine „Into The Heart Of Danger“ sowie das superbe „Black Ninja“, zu dem es auch ein Video gibt, hervor.

Der Rest der Tracks fällt leider ein wenig ab bzw. hat das Problem, immer nach dem selben Muster aufgebaut zu sein. Immerhin noch im oberen Durchschnitt ist das fast schon AOR-mäßige „Out On The Streets“. Aber „Neuromancer“, „Machine Revolution“, „Over The Top“, „Fight, Kill, Die“ (gibt’s das nicht von Manowar?) sowie der Rausschmeißer „Rain Man“? Bestenfalls kann man der Band hier gute technische Fähigkeiten attestieren, das ändert aber nichts an der Beliebigkeit dieser Stücke. Von keinem der genannten Tracks bleiben mehr als kleine Häppchen in den Gehirnwindungen hängen. Ein eklatanter Qualitätsunterschied zu den weiter oben genannten, exzellenten Stücken.

Nimmt man das Instrumental „Golden Age“, das als Einleitung für „Kingdom“ dient, heraus, sind von den 13 Songs auf „Battle Beast“ also fünf nicht gerade das Gelbe vom Ei, während sieben gut bis sehr gut sind. Klingt erstmal nicht so toll, dennoch wären ganz knappe fünf Punkte möglich gewesen. Leider spielt die Produktion nicht ganz mit. Die Drums wirken sehr klinisch und haben bei „Raven“ sogar einen gefährlichenFlippers-Gedächtnissound“. Schauderhaft. „Angelo Sasso“ lässt meines Erachtens zwar nicht grüßen, aber viel fehlt nicht zu dieser zweifelhaften „Auszeichnung“. Auch der Keyboard-Sound ist für meinen Geschmack etwas zu „quietschig“ ausgefallen, ist aber noch in einem tolerierbaren Bereich. Insgesamt hätte wohl ein etwas „trockenerer“ Mix der Platte sehr gut getan. Achja, das Cover lädt meiner Ansicht eher zum Fremdschämen ein, aber das soll jetzt niemanden vom Kauf abhalten. Im Endeffekt gibt es gute vier Punkte und den Hinweis, dass die starken Songs auf diesem Album wirklich ausgesprochen viel Spaß machen – und das ist ja immer noch das Wichtigste.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Let It Roar – 3:40 – 7/7
  2. Out Of Control – 3:47 – 5/7
  3. Out On The Streets – 2:55 – 5/7
  4. Neuromancer – 4:04 – 2/7
  5. Raven – 2:52 – 3/7
  6. Into The Heart Of Danger – 5:26 – 3/7
  7. Machine Revolution – 4:05 – 2/7
  8. Golden Age – 1:57 – 1/7
  9. Kingdom – 5:00 – 7/7
  10. Over The Top – 2:37 – 3/7
  11. Fight, Kill, Die – 2:44 – 2/7
  12. Black Ninja – 3:54 – 2/7
  13. Rain Man – 5:12 – 2/7

Gesamteindruck: 4/7 


Battle Beast auf “Battle Beast” (2013):

  • Noora Louhimo  – Vocals
  • Anton Kabanen – Guitar, Vocals
  • Juuso Soinio – Guitar
  • Eero Sipilä – Bass, Backing Vocals
  • Janne Björkroth – Keyboards, Backing Vocals
  • Pyry Vikki – Drums

Anspieltipp: Let It Roar