BuchWelt: Der futurologische Kongress

Stanisław Lem


„Der futurologische Kongress“ ist ein skurriles Meisterwerk, voll von schwarzem Humor und düsteren Prognosen. Verschiedene Schichten der Realität mischen sich darin so stark, dass man stellenweise an seinem eigenen Verstand zu zweifeln beginnt. Nebenbei schafft Stanisław Lem eine Vielzahl an zukünftigen Begriffen, die ihresgleichen sucht und gelegentlich schon stark verwirren kann. Dem Titel zum Trotz hat das Buch allerdings nicht allzu viel mit Science Fiction zu tun – es handelt sich eher um ein Gedankenexperiment, dessen Elemente vielfach von der moderneren Science Fiction aufgegriffen wurden (Beispiele aus dem Filmbereich: „Matrix“ oder „eXistenZ“).

Gesamteindruck: 7/7


Die Zukunft wird düster.

Interessant ist vor allem, wie es dem polnischen Autor gelungen ist, neben all der Düsterkeit, die dieses Werk zweifellos umgibt, den bei ihm schon immer latent vorhandenen Humor einzubauen und auf die Spitze zu treiben. Das funktioniert nur stellenweise über Situationskomik. Der Großteil des Witzes wurzelt allein in Stil und Sprache. Es macht einfach unglaubliche viel Spaß, die Dialoge zwischen der Hauptfigur und dem nicht minder skurrilen Professor Trottelreiner zu verfolgen.

Aber auch wenn der Faktor Humor in diesem Werk um einiges höher ist, als in den anderen Büchern von Stanisław Lem, verliert man nie den ernsten Hintergrund der Geschichte aus den Augen. Gerade dieser Teil ist es nämlich, der das Buch trotz seiner geringen Seitenanzahl so wichtig macht und einen Eindruck im Leser hinterlässt, den andere Romane auf 1.000 Seiten nicht schaffen. Die ständige Frage: „Was wäre, wenn die Welt ganz anders aussieht, als wir sie wahrnehmen?“ wird hier auf eine Art und Weise beantwortet, die bei genauerer Betrachtung das Blut in den Adern gefrieren lässt. Nicht ob der Abstrusität von Lems Antwort, sondern einfach aufgrund dessen, dass die Vorstellung, es könnte so sein wie im Buch, gar nicht einmal so abwegig ist. Eine Meisterleistung des Autors, die ihresgleichen sucht und nur mit der Höchstnote belohnt werden kann. Der Begriff „Meilenstein“ wird heute geradezu inflationär verwendet – auf dieses Buch trifft er jedoch ohne Vorbehalte zu.

Gesamteindruck: 7/7


Autor: Stanisław Lem
Originaltitel: Kongres futurologiczny.
Erstveröffentlichung: 1971
Umfang: 144 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

2 Gedanken zu “BuchWelt: Der futurologische Kongress

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