FilmWelt: Mike Mendez‘ Killers

Man kann „Killers“ mit Fug und Recht als eine Art Hybrid aus „From Dusk Till Dawn“ und „Natural Born Killers“ bezeichnen. Interessanterweise wirkt der Film aber dennoch nicht wie eine Kopie sondern hat einen eigentümlich-eigenständigen Touch. Die genannten Vorbilder zeigen dennoch gut, wohin die Reise geht. Ist das originell? Eigentlich schon. Ist das unterhaltsam? Immer. Ist das was für Zartbesaitete? Nie.

Gesamteindruck: 6/7


Ernste Themen – Grotesk verpackt.

Es sind im Grunde zwei auch heute brandaktuelle Themen, die Mike Mendez in seinem Debüt „Killers“ (1996) anpackt. Zum einen wird die Sensationslust (wobei dieses Wort noch zu schwach ist) der amerikanischen Medien und ihres Publikums thematisiert. So avanciert ein mordendes Brüderpaar zu Kultcharakteren von Fernsehen und Bevölkerung, ihre Flucht wird zu einem Medienspektakel sondergleichen. Auf der anderen Seite zeigt der Film, dass sich hinter biederster (amerikanischer, aber wohl auch auf andere Kulturen umlegbarer), kleinbürgerlicher Vorstadtfassade eine dunkle Welt verbergen kann, die man so überhaupt nicht erwartet.

Der Regisseur beschränkt sich dabei auf einfachste Mittel, was allerdings dem Thema durchaus angemessen scheint. Bild und Ton sind trotz der Billigproduktion gelungen und passen sehr gut ins Gesamtbild. Die Gewaltdarstellungen kann man – als halbwegs reflektierter Zuseher – sofort als überzeichnet und schräg entlarven, was dem Film eine zusätzliche, schwarzhumorige Prise verleiht. Hier wurde ganze Arbeit geleistet und auch mit Seitenhieben auf das Horror- und Splattergenre nicht gespart (Stichwort: Kellerverlies – grotesker geht es eigentlich kaum). Auch die schauspielerische Leistung der – zumindest mir – vollkommen unbekannten Darsteller, ist als sehr gut einzustufen. Man nimmt sowohl den Brüdern als auch der (äußerlich absichtlich hoffnungslos klischeehaft gezeichneten) Musterfamilie ihre Rollen ab.

Über die Intention von Mendez kann man natürlich nur Vermutungen anstellen – von einer starken Anlehnung an Quentin Tarantino abgesehen. Ein Reiz des Filmes ist wohl, dass wir längst akzeptiert haben, dass es Serienmörder u. ä. auf unserer Welt gibt. Schwerer zuzugeben fällt uns hingegen die Tatsache, dass wir allesamt Voyeure sind, die die Fernsehnachrichten ebenso sensationslüstern verfolgen, wie Mendez das im Film darstellt. Auch dürfte es den meisten schwer fallen zu glauben, dass sich hinter den Wänden des Nachbarhauses ein tiefer, dunkler Abgrund verbergen könnte. Das es im wirklichen Leben so sein kann, wurde gerade in letzter Zeit leider mehr als einmal bewiesen.

Übrigens ist es Pflicht, sich eine ungeschnittene Fassung des Streifens zu besorgen. Ansonsten fehlen nämlich nicht nur Szenen, die dem Verständnis dienen, es geht auch dermaßen viel von der skurrilen Atmosphäre verloren, dass der Film nur noch die Hälfte wert wäre.

Gesamteindruck: 6/7


Originaltitel: Killers
Regie: Mike Mendez
Jahr: 1996
Land: USA
Laufzeit: 82 Minuten
Besetzung (Auswahl): Dave Larsen, David Gunn, Damian Hoffer, Nanette Bianchi, Renee Cohen, Wendy Latta



 

Ein Gedanke zu “FilmWelt: Mike Mendez‘ Killers

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