BuchWelt: Der Steppenwolf

Hermann Hesse


Wer, wie ich, vor dem „Steppenwolf“ andere Bücher von Hermann Hesse gelesen hat (speziell „Demian“ oder „Peter Camenzind“), wird zunächst ein wenig verwundert sein. Die Geschichte um den Protagonisten „Harry Haller“ liest sich bei weitem nicht so locker und flüssig wie die genannten Werke und stellt durchaus eine Herausforderung dar. Das liegt weniger an Hesses Stil, der natürlich auch in diesem (oft als Referenzwerk genannten) Band hervorragend ist, sondern vielmehr an der eigenwilligen Handlung.

Gesamteindruck: 6/7


Herausfordernd.

Auf den ersten Blick präsentiert sich „Der Steppenwolf“ als unzugänglich und schwierig. Erst bei genauerer Betrachtung offenbart sich die Kraft der Geschichte. Diese liegt im (bei Hesse in verschiedenen Formen immer wiederkehrenden) Thema des eigenbrötlerischen Schöngeists, der die alten Meister bewundert und mit dem modernen Leben nicht gut zurecht kommt.

Neben diesem Hintergrund ist aber vor allem interessant, wie Hesse seinen Anti-Helden (und damit wohl auch sich selbst, wobei nach wie vor gestritten wird, ob Hesse=Haller eine gültige Formel ist) in eine menschliche und eine animalische Hälfte teilt. Diese Teilung wird zwar später im Buch ein wenig aufgeweicht, dennoch führt gerade die Widersprüchlichkeit der beiden Hälften zu einer starken Identifikationsmöglichkeit mit der Hauptfigur. Es wird kaum Anhänger Hesses geben, die nicht zumindest ein bisschen von Harry Haller in sich finden. Daraus lässt sich wohl ein Großteil des Erfolges des Buches ableiten – es ruft zwar nicht direkt zur Revolution auf, trägt diese aber stets unterschwellig mit sich.

Thematisiert wird dabei vor allem der Nonkonformismus, der – und hier kann man durchaus aktuelle Bezüge herstellen – letztlich zu nichts weiter führt als Einsamkeit. Grund dafür ist, wenn man dem „Steppenwolf“ folgt, dass es praktisch unmöglich ist, sich den aktuellen Moden zu verweigern, ohne dabei als Außenseiter abgestempelt zu werden. Ein Ansatz, der gerade in der heutigen Zeit wieder sehr aktuell ist.

Dennoch kann ich mich trotz aller Vorzüge des Werkes nicht zur Höchstwertung durchringen – zu trocken und holprig liest sich das Ganze, vor allem wenn man andere Romane von Hermann Hesse im Hinterkopf hat. Hier wäre sicher mehr möglich gewesen, wobei ich fast überzeugt bin, dass „Der Steppenwolf“ genauso geworden ist, wie sein Autor das wollte.

Gesamteindruck: 6/7


Autor: Hermann Hesse
Originaltitel: Der Steppenwolf.
Erstveröffentlichung: 1927
Umfang: ca. 290 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

Ein Gedanke zu “BuchWelt: Der Steppenwolf

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