MusikWelt: The Triumph Of Steel

Manowar


Für „The Triumph Of Steel“ (1992) kann es aus meiner Sicht nur die Höchstpunktezahl geben – egal, was man vom sperrigen Opener hält. An keinem der anderen Stücke gibt es meiner Ansicht nach etwas auszusetzen. Ich denke, man kann bei diesem Album mit Fug und Recht von einer der besten Manowar-Platten überhaupt sprechen. Diese geballte Meisterschaft, speziell in den kürzeren, Band-typischen Nummern, sollte die Truppe später nur noch in einzelnen Songs erreichen.

Gesamteindruck: 7/7


Manowar auf dem Höhepunkt ihres Schaffens.

Auf „Gods Of War“, dem 2007er Werk der True Metal-Legende Manowar ging die Kombination aus Klassik, Hörspiel und Metal nicht so richtig auf. Da half auch die ganze Schönfärberei eines immer exzentrischer werdenden Joey DeMaio nichts. Dabei hatte der Bassist mit seiner Truppe bereits anno 1992 auf „The Triumph Of Steel“ gezeigt, dass er es eigentlich besser beherrscht, eine Art Hörspiel zu schaffen.

Denn gleich der Opener von „The Triumph Of Steel“ lässt die Münder offen stehen: „Achilles, Agony And Ecstasy (In Eight Parts)“, von DeMaio im Alleingang komponiert, ist eine über 28 Minuten (!) dauernde Achterbahnfahrt durch Teile von Homers „Ilias“. Das Stück ist insgesamt wesentlich metallischer umgesetzt, als das pseudo-klassische Material auf „Gods Of War“, und damit potentiell besser hörbar. Die Songstruktur ist sehr komplex – was zwangsläufig nicht jedem Metaller gefallen wird, auch wenn der berühmte rote Faden gut erkennbar ist. Zwischendurch gibt es (zur Auflockerung?) immer wieder Parts, die auch Anhänger des True Metal begeistern können.

Generell ist ein solcher Start ins Album natürlich gewöhnungsbedürftig – wer mit der außergewöhnlichen Länge und komplexen Struktur nicht klarkommt oder einfach gerade nicht in der richtigen Stimmung ist, kann zumindest gleich anfangs zur Skip-Taste greifen und die restliche Platte genießen. Gelegentlich kann man sich „Achilles…“ ganz gut anhören – ich persönlich gebe aber zu, das Ding meist zu überspringen, einfach weil ich zu selten die Geduld habe, 28 Minuten am Stück zu hören. Ob man den Song nun als gut oder schlecht ansieht, ist eine Frage, die nicht erschöpfend zu beantworten ist. Zu sehr hängt das Gefallen von den persönlichen Vorlieben ab. Mein (sehr subjektiver) Eindruck als Klassik-Laie ist, dass die Nummer recht gut komponiert ist. Ob Klassik-Fans das auch so sehen, würde mich in jedem Fall interessieren.

Auf diesen umstrittenen Koloss folgt ausgezeichneter Manowar-Stoff mit allen Trademarks, die man von dieser Band erwartet und schätzt. Den Anfang macht „Metal Warriors (Brothers Of Metal Pt. I)“, die ultimative Kampfansage an alle „Whimps and Posers“, wer auch immer die sein mögen (man ist ja versucht zu sagen, dass es keine größeren Poser als Manowar selbst gibt, aber das gehört hier nicht hin). Der Text ist ein einziges Klischee, Eric Adams brüllt sich die Seele aus dem Leib – was will man mehr? Darauf folgt eines der schnellsten Manowar-Stücke überhaupt. „Ride The Dragon“ wird eingeleitet von leider etwas zu langem Drachengebrüll, danach folgt der „gedoppelte“ Gesang, der auf diesem Album öfters eingesetzt wird. Gefällt mir ausgezeichnet, trotz oder gerade wegen der Einfachheit der Nummer.

Düsterer geht es in den beiden darauf folgenden Stücken zu. „Spirit Horse Of The Cherokee“ erzählt – wie der Titel schon vermuten lässt – eine Geschichte über die Indianer eben dieses Stammes. Musikalisch wird das als Midtempo-Stampfer sehr effektiv umgesetzt. Ähnlich ist es bei „Burning“, das durch einen gewissen Mystery-Touch zu überzeugen weiß. Danach kommt mit „The Power Of Thy Sword“ wieder eine typische, schnelle Manowar-Hymne mit allerlei „Blood“, „Battle“ und „Honor“ im Text. Für mich eine der besten Nummern der „Kings Of Metal“ überhaupt. Insbesondere der Refrain und der aggressiven Gesangseinsatz nach dem leisen Zwischenteil verursachen Gänsehaut. Nach diesem schnellen Stück wird es zum Schluss nochmals bedächtiger. Wobei „bedächtig“ ein falsches Wort für „The Demon’s Whip“ ist – das Stück lebt von seiner düsteren Atmosphäer und den immer wieder aggressiv einsetzenden Instrumenten, am Ende klingt das Ganze mit einem wilden Doublebass-Ritt aus.

Das einzig wirklich ruhige Stück haben Manowar ganz ans Ende der Platte gestellt: „Master Of The Wind“ ist wohl die leiseste aller Balladen der Truppe – und allen neueren Versuchen dieser Art deutlich überlegen. Lediglich „Heart Of Steel“ von der Vorgängerscheibe „Kings Of Metal“ (1988) kann hier mithalten. „Master Of The Wind“ ist ein wunderschöner Titel, der vor allem durch den herausragenden Gesang von Eric Adams noch mal aufgewertet wird. Klebriger Kitsch und übertriebener Pathos fehlen hier völlig, dafür ist Gänsehautstimmung garantiert.

Für „The Triumph Of Steel“ (1992) kann es aus meiner Sicht nur die Höchstpunktezahl geben – egal, was man vom sperrigen Opener hält. An keinem der anderen Stücke gibt es meiner Ansicht nach etwas auszusetzen. Ich denke, man kann bei diesem Album mit Fug und Recht von einer der besten Manowar-Platten überhaupt sprechen. Diese geballte Meisterschaft, speziell auch in den kürzeren, Band-typischen Nummern, sollte die Truppe später nur noch in einzelnen Songs erreichen.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Achilles, Agony and Ecstasy in Eight Parts – 28:37 – 5/7
  2. Metal Warriors – 3:59 – 7/7
  3. Ride The Dragon – 4:30 – 7/7
  4. Spirit Horse Of The Cherokee – 6:00 – 7/7
  5. Burning – 5:08 – 6/7
  6. The Power Of Thy Sword – 7:49 – 7/7
  7. The Demon’s Whip – 7:44 – 6/7
  8. Master Of The Wind – 5:27 – 7/7

Gesamteindruck: 7/7 


Manowar auf “The Triumph Of Steel” (1992):

  • Eric Adams − Vocals
  • David Shankle − Guitar
  • Joey DeMaio − Bass
  • Rhino − Drums

Anspieltipp: The Power Of Thy Sword

Ein Gedanke zu “MusikWelt: The Triumph Of Steel

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