BuchWelt: Das schwarze Schiff

Wolfgang Hohlbein


„Das schwarze Schiff“ ist Band 5 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Enwor“, erdacht von den deutschen Autoren Wolfgang Hohlbein und Dieter Winkler. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus.

Gesamteindruck (Band 5): 2/7


Noch schwächer als der Vorgänger.

Gleich zu Beginn des 5. Bandes des Enwor-Zyklus, „Das schwarze Schiff“, gibt es ein Déjà vu. Wieder befindet sich Skar an Bord eines Freiseglers, wieder wird das Schiff verfolgt. Das Gefühl, dass das alles schon einmal dagewesen ist, vergeht aber zum Glück recht bald, da die Vorzeichen diesmal völlig anders sind. Was dennoch ähnlich wie in den bisherigen Teilen ist, ist die seelische Situation in der sich Skar befindet und all die Probleme, die er dadurch mit seinen Gefährten hat. Trotzdem wird all das wieder auf den ersten 100 Seiten durchgekaut – Namen und Ort haben sich zwar zum Teil geändert, die Geschichte ist trotzdem gleich geblieben. Vor allem der immer wieder aufkeimende Streit mit Gowenna ist mittlerweile ein Ärgernis – für Skar, aber noch viel mehr für den Leser. Unverständlich, wieso Hohlbein sich hier immer und immer wieder wiederholt. Zu Beginn des Buches kommt einem praktisch jeder Dialog bekannt vor.

Wenn man – wie man es als treuer Enwor-Leser fast muss – darüber hinwegsehen und den mittlerweile leider traditionell langatmigen Einstieg überwinden kann, stellt sich relativ schnell und gut das typische Enwor-Gefühl ein. Leider regelmäßig durchbrochen von lästigen Gesprächen zwischen Skar und Gowenna, in denen ihre gemeinsame Vergangenheit zum Tragen kommt, in denen in immer wieder ähnlichen Worten erklärt wird, wieso sie sich eigentlich hassen müssten, es aber nicht tun. Durch diese ständigen Wiederholungen beginnt man an der Glaubwürdigkeit der Figuren zu zweifeln – in ihrem Handeln gibt es überhaupt keine Nachvollziehbarkeit mehr. Diesmal können auch die üblichen Landschaftsbeschreibungen nicht viel ändern – was man in einer Eiswüste aber auch nicht erwarten kann. Das alles erinnert trotz unterschiedlicher Grundvoraussetzungen doch sehr an „Das tote Land“.

Leider hat der Autor auf diesem Gebiet aber auch Schwierigkeiten, als sich die Landschaft endlich ändert. Ebenso wie die Beschreibung der unheimlichen Feinde, wirkt auch die uralte Stadt, auf die die Gefährten stoßen sehr verworren und entzieht sich jeglicher Vorstellungskraft. Gut, das mag an der fremden Architektur liegen, aber als gelungen (im Lovecraft’schen Sinne) empfinde ich das nicht. Kritisch betrachtet wirkt das Ganze eher wie hilfloses Gestammel. A pro pos H.P. Lovecraft: was man anhand der bisherigen Enwor-Lektüre bereits vermutete, wird nun immer konkreter, zumindest im Kopf des Lesers, der auch die Werke des Altmeisters kennt: Hohlbein scheint sich in dieser Reihe an den Mythos der „Großen Alten“ anzulehnen, den sein amerikanisches Vorbild ins Leben gerufen hat. Diese Tatsache ist durchaus als positiv zu bewerten, da Fans von Lovecraft dessen eigenen Fundus natürlich in- und auswendig kennen und sich über neuen Stoff immens freuen.

Weniger Freude werden die meisten Leser hingegen mit dem schwachen Ende haben – das erinnert an eine Kopie vom „steinernen Wolf“. Der Schluss wirkt ausgesprochen verworren, unbefriedigend und unvollständig. Es ist schön, dass Hohlbein seinen Hauptprotagonisten „plötzliche Erkenntnis“ schenkt, dem Leser bleibt diese aber großteils verwehrt, was sehr schade ist, da die Geschichte als Ganzes wirklich interessant wäre. Kurz vor der Auflösung scheint dem Autor aber regelmäßig die Kreativität auszugehen.

Ein großer Pluspunkt in der vorliegenden Ausgabe ist die Karte – endlich gibt es eine Übersicht, die besser verständlich macht, wie Enwor eigentlich aussieht und wo die einzelnen Schauplätze liegen. Nebenbei wird durch diese Karte auch klar, was bisher nur angedeutet wurde, nämlich WO Enwor liegt und wann die Geschichte spielen dürfte. Schade, dass es diese oder eine ähnliche Karte nicht schon vorher gab, dadurch wäre die Erzählung von Anfang an plastischer gewesen. Vermutlich wollte Hohlbein den Moment der Erkenntnis aber länger hinauszögern.

Durchaus Enwor-typisch sind übrigens die Illustrationen, die oft nicht zur Situation passen wollen bzw. die Helden ganz anders darstellen, als man eigentlich annimmt. Leider ist hier – was die Qualität betrifft – eine deutlich fallende Tendenz zwischen Band 1 und 5 zu bemerken, was angesichts der mangelhaften Umsetzung von Teil 5 aber keine allzu große Rolle spielt.

Die zusammenfassende Wertung der Serie ist hier zu finden.

Gesamteindruck (Band 5): 2/7


Autor: Wolfgang Hohlbein
Originaltitel: Das schwarze Schiff.
Erstveröffentlichung: 1984
Umfang: ca. 400 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

3 Gedanken zu “BuchWelt: Das schwarze Schiff

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