BuchWelt: Das schweigende Netz

Wolfgang Hohlbein


„Das schweigende Netz“ ist Band 7 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Enwor“, erdacht von den deutschen Autoren Wolfgang Hohlbein und Dieter Winkler. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus.

Gesamteindruck (Band 7): 4/7


Gute Action – schwache Erklärungen.

Ein wenig verwirrend ist der Beginn von „Das schweigende Netz“, Band 7 der Enwor-Saga von Wolfgang Hohlbein, schon. Vor allem, wenn man ihn gleich nach dem Vorgänger („Die Rückkehr der Götter“) liest. Der Zeitsprung, der die Ereignisse trennt ist zwar nicht allzu lang, aber anscheinend ist inzwischen doch sehr viel passiert, das man erst nach und nach erfährt (oder auch gar nicht). Die nahezu uneinnehmbare Burg aus Teil 6 ist erobert – wie das zustande gekommen ist, erfährt man ebenso wenig, wie beschrieben wird, wie Skar zum Hohen Satai wurde.

Gerade diese Lücken sind es, die dem Enwor-Zyklus extrem viel von seinem durchaus vorhandenen Potential nehmen. Problematisch dabei ist vor allem, dass sich die fehlenden Handlungsstränge und kaum nachvollziehbaren Erklärungen derart häufen. Wirklich schade, da auch der 7. Band, wie schon sein unmittelbarer Vorgänger, grundsätzlich gut gelungen ist. Der überwiegende Teil der Handlung spielt wieder in der Festung, die man schon aus „Die Rückkehr der Götter“ kennt. Nach deren Eroberung handelt das Buch hauptsächlich von den Reibereien, die langsam aber sicher zwischen den Satai und ihren Verbündeten entstehen. Hohlbein gelingt es recht gut, eine sich langsam aber stetig entwickelnde Zersetzung der Armee zu beschreiben, die in der ultimativen Schlacht gipfelt. All das ist sehr spannend und flüssig geschrieben, sodass man das knapp über 300 Seiten starke Werk sehr schnell beendet hat.

Soweit so gut – der Autor schafft es aber leider (wieder einmal) nicht, schlüssige Erklärungen für das Handeln der Gegner unserer Helden zu liefern. Es bleibt alles mehr oder weniger unklar und unscharf. Dabei scheint es so, dass Hohlbein zwar Ideen hat, wie er die Handlungsfäden zusammenführen könnte, aber den entscheidenden Schritt, die Vermittlung an den Leser, nicht schafft. Dass er seinen Hauptprotagonisten Skar anscheinend alles verstehen lässt, was dem Publikum verborgen bleibt, macht die Sache noch unangenehmer. So fragt man sich an manchen Stellen, wie klug ein Satai eigentlich sein muss, um alle Geschehnisse so aneinander zu fügen, dass sie wirklichen Sinn ergeben.

Die Wortgruppenwiederholung des Buches ist diesmal der Nebensatz „…, weißt du?“, der vor allem in der Mitte des Werkes beinahe in jedem zweiten Dialog vorkommt. Durch die angenehme und flüssige Schreibweise stört das allerdings nicht allzu sehr. Scheinbar wurde auch ein neuer Illustrator beauftragt – das sorgt zwar für Abwechslung, doch leider sind die Bilder bei weitem nicht so gelungen wie in den Vorgängerwerken und passen sogar noch schlechter auf die jeweiligen Situationen als in diesen.

Alles in allem kein schlechter, aber auch kein sehr guter Band der Enwor-Reihe. Spätestens an dieser Stelle darf man sich langsam fragen, wann es Wolfgang Hohlbein endlich schafft, auf den Punkt zu kommen und wirklich schlüssige Erklärungen zu liefern. Dass man durch Verzögerung Spannung schaffen kann, bestreitet keiner, aber hier ist es doch langsam zu viel des Guten. Vor allem wird man immer wieder vom Nachfolger enttäuscht, wenn man darauf hofft, das einige offene Fragen endlich beantwortet werden. 4 Punkte im Hinblick auf das Vorgängerbuch, das ähnlich gut geschrieben war und ähnlich schlechte Lösungsvarianten bot.

Die zusammenfassende Wertung der Serie ist hier zu finden.

Gesamteindruck (Band 7): 4/7


Autor: Wolfgang Hohlbein
Originaltitel: Das schweigende Netz.
Erstveröffentlichung: 1988
Umfang: ca. 300 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch