BuchWelt: Das Elfte Buch

Wolfgang Hohlbein


„Das Elfte Buch“ ist Band 11 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Enwor“, erdacht von den deutschen Autoren Wolfgang Hohlbein und Dieter Winkler. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus.

Gesamteindruck (Band 11): 1/7


Erschreckend schwaches Spätwerk des Enwor-Zyklus.

Es stellt sich zu Beginn die Frage, ob man „Das Elfte Buch“, das 1999, also zehn (!) Jahre nach dem ursprünglichen Abschluss der Enwor-Saga („Die verbotenen Inseln“) erschienen und in der Handlung 300 Jahre später angesiedelt ist, überhaupt zum Original-Enwor-Zyklus zählen sollte. Dagegen spricht das doch recht eindeutige und endgültige Finale von Band 10, das zwar unbefriedigend und unausgereift wirkte, jedoch trotzdem ein recht würdiger Abschied für den großen Helden war. Im Gegenzug lässt die Bezeichnung „Enwor 11“ und das Wiederauftauchen von Skar sowie die Verbindungslinien zu dessen und Enwors Vergangenheit doch eher darauf schließen, dass wir es hier mit einer mehr oder weniger direkten Fortsetzung zu tun haben. Dass das nicht notwenig gewesen wäre (vor allem in der vorliegenden Qualität) ist die Meinung vieler Enwor-Fans, der ich mich vorbehaltlos anschließen muss. Das Buch ist (nicht nur) im Hinblick auf den Gesamtzyklus sogar so schwach, dass ich es ein Fall für die World of Shame ist.

Dabei ist der Einstieg durchaus vielversprechend. Skar erwacht, ohne zu wissen, was passiert und wie viel Zeit vergangen ist, unter dem Wasserfall, der in „Die verbotenen Inseln“ zu seinem Schicksal wurde. Dieses Erwachen und langsame Erinnern bis er schließlich zum ersten Mal auf Lebewesen trifft, wurde vom Autor – geschrieben wurde diesmal von Enwor-Miterfinder Dieter Winkler, was zu Gunsten der größeren Bekanntheit von Wolfgang Hohlbein allerdings verschwiegen wird – sehr gut und durchaus Enwor-typisch dargestellt. Die Welt nimmt den Leser sofort wieder gefangen und ehe man es sich versieht, hat man die ersten 120 Seiten bewältigt. Danach ist der erste Teil abgeschlossen und das Unheil nimmt seinen Lauf.

Ab dem zweiten Teil, der über die nächsten 200 (!) Seiten lediglich von einem Kampf in einer Höhle handelt verändert sich der Stil der gesamten Geschichte. Die Veränderung ist nicht einmal unmerklich – es ist, als ob plötzlich ein anderer Autor am Werk wäre, der die Handlung zwar kennt, aber eben einen gänzlich anderen Schreibstil hat – allein die Art und Weise auf die die Charaktere sprechen hat sich grundlegend geändert (oder hat Skar vorher schon einmal „Huch!“ gesagt?). Dafür kommen meiner Ansicht nach nur zwei Gründe in Frage: Entweder hat Hohlbein genau bis zu dieser Stelle noch selbst geschrieben und dann an seinen (ungenannten) Co Dieter Winkler übergeben – oder der erste Abschnitt wurde, von wem auch immer, gleich anschließend an „Die verbotenen Inseln“ (1989) verfasst und der Stil des Autors hat sich in den zehn Jahren dazwischen grundlegend geändert (in diesem Falle stark verschlechtert).

Egal, wie man es sieht bzw. wie es wirklich war, ein absolut inhomogenes Bild wird erzeugt, das den Leser wünschen lässt, der Autor hätte nach Band 10 Schluss gemacht. Das Verhalten der Figuren wirkt derart an den Haaren herbeigezogen, dass die lächerlichen Dialoge und die ungenügenden Ortsbeschreibungen auch keine große Rolle mehr spielen. Ein weiteres Negativbeispiel für die neue Erzählweise ist, dass Skar über ungefähr ein Drittel des Buches ohne Hose (und natürlich auch ohne Unterhose) herumläuft, was höchstens unfreiwillig komisch wirkt und keinerlei Storyrelevanz hat. Dass der Schluss des Buches noch dazu völlig offen und unbefriedigend ist, braucht wohl nicht mehr extra erwähnt werden – viele werden es ohnehin nicht bis hierher geschafft haben.

Hinzu kommt – neben einigen kleineren und größeren logischen Ungereimtheiten – dass vielfach ganze Absätze aus verschiedenen Vorgängerbüchern kopiert und eingefügt wurden. Das mag Neueinsteigern zwar das Lesen erleichtern, wirkt aber insgesamt eher wie Faulheit bzw. Angst davor, sich mit seinen eigenen Logikfehlern erneut auseinander zu setzen. Insgesamt bleibt alles völlig undurchschaubar, unnötig in die Länge gezogen und derartig oberflächlich, dass man von einem Kauf tatsächlich nur abraten kann – nur dann kann man Enwor nämlich in guter Erinnerung behalten. Inzwischen sind übrigens unter dem Titel „Neue Abenteuer“ weitere, von Dieter Winkler verfasste, Bände erschienen, die ich mir aber nicht mehr antun werde.

Die zusammenfassende Wertung der Serie ist hier zu finden.

Gesamteindruck (Band 11): 1/7


Autor: Wolfgang Hohlbein & Dieter Winkler (nicht genannt)
Originaltitel: Das Elfte Buch.
Erstveröffentlichung: 1999
Umfang: ca. 480 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

2 Gedanken zu “BuchWelt: Das Elfte Buch

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