MusikWelt: Warriors Of The World

Manowar


Manowar waren bis zur Veröffentlichung von „Warriors Of The World“ (2002) relativ unumstritten, was ihre Studioalben betrifft. Ja, der eine oder andere Ausfall war immer mal wieder zu beklagen, aber im Prinzip hatten alle Platten ihre Momente. Daran konnte auch die Attitüde des exzentrischen Band-Chefs nichts ändern. 2002 wurde dann aber doch Kritik laut. Nicht zu unrecht – hatten sich Manowar doch vor „Warriors Of The World“ eine lange Studiopause gegönnt und die Erwartungen selbst ins unermessliche Höhen geschraubt. Das wäre nicht notwendig gewesen, denn das Album ist in meinen Ohren auch ohne übertriebene Lobhudelei wesentlich besser, als oft behauptet wird.

Gesamteindruck: 5/7


Wesentlich besser als oft behauptet.

Das neunte Studioalbum der selbsternannten „Kings Of Metal“ erschien 2002, ganze sechs Jahre nach dem überwiegend positiv aufgenommenen „Louder Than Hell“ (1996). Genau in diesem Zeitraum begann sich erstmals Kritik an Manowar aufzubauen, die – im Gegensatz zu vorangegangenen Jahrzehnten – weder die Texte noch das Auftreten der Band betraf. Der Grund: Zwischendurch gab es Live-Alben und Compilations, die im Prinzip zwar gute Kost boten, allerdings auch den Geruch der Fan-Abzocke mit sich brachten. Außerdem wurden beim sowieso schon schwierigen Band-Boss Joey DeMaio immer stärkere Anzeichen von Größenwahn und Selbstüberschätzung sichtbar. Der Bassist sorgte letztlich selbst dafür, dass die Erwartungshaltung an „Warriors Of The World“ ins Unermessliche stieg – und natürlich nicht so richtig erfüllt wurde.

Das nur zur Erklärung, warum diese Platte damals bereits mit einem merkbaren Malus ins Rennen ging. Das mag auch ein Mitgrund für die teils übertriebenen Verisse sein, mit denen „Warriors Of The World“ bedacht wurde. Dabei stehen auf dem Album durchaus einige Songs, die man heute, fast 15 Jahre später, als Klassiker bezeichnen kann. Bereits der Opener, „Call To Arms“ bietet einen sehr starken Auftakt, typisches Manowar-Feeling und macht sofort Lust auf mehr. Genauso will man das von Manowar hören! Noch um eine Spur besser sind die ganz hinten platzierten „Hand Of Doom“ (saustarker Refrain, Eric Adams in Hochform), „House Of Death“ (ähnlich wie „Hand Of Doom“, ziemlich hymnisch und mit passenden „Die! Die!“-Schreien unterlegt) sowie der Höhepunkt des Albums, „Fight Until We Die“. Dieser Track ist eingängig, schnell und unglaublich aggressiv (inklusive Text mit „Swords“, „Thunder“, „Metal“, „Blood“ usw.). Insbesondere diese drei Stücke sind allesamt Kracher vor dem Herrn, an denen es absolut nichts auszusetzen gibt und die mit zum Besten gehören, was Manowar jemals fabriziert haben.

Nicht ganz so gelungen, aber immer noch in Ordnung: Der quasi-Tteltrack „Warriors Of The World United“. Ein Midtempo-Stampfer, ultra-eingängig und mal wieder mit Pathos an der Grenze des guten Geschmacks – „Tell my family how I died…“? Wirklich? Auf jeden Fall ist das Stück bestens zum Mitsingen geeignet – und auch das ist etwas, was man von Manowar erwartet. A pro pos Erwartungen: Natürlich darf auch eine dramatische Power-Ballade nicht fehlen. Auf „Warriors Of The World“ haben es sogar gleich zwei davon geschafft, nämlich „The Fight For Freedom“ und „Swords In The Wind“. Zweitere ist ausgezeichnet gelungen, wenn auch nicht so gut, wie andere Manowar-Epen dieser Art. Erstere erinnert vom Klaviergeklimper her stark an „Courage“ (auf „Louder Than Hell“) und ist von ziemlich viel 9/11-Pathos durchzogen. Ein kompletter Reinfall ist das Stück zwar nicht, aber im Endeffekt lediglich Durchschnittskost und mit den patriotischen Anwandlungen muss man halt klar kommen.

Damit haben wir von elf Songs auf „Warriors Of The World“ sieben genannt, die entweder großartig sind, oder die Erwartungen zumindest erfüllen. Ausfall gibt es darunter mit „The Fight For Freedom“ einen halben, also keine schlechte Quote. Ganz im Gegensatz zum Rest der Platte, der praktisch den gesamten Mittelteil einnimmt und sich in der Rückschau wie ein erster Fingerzeig Richtung „Gods Of War“ (2007) anhört. Zunächst mal ist bei „Nessun Dorma“ nachzuhören, dass Eric Adams nicht nur einer der besten Metal-Shouter ist, sondern auch in der Oper keine schlechte Figur gemacht hätte. Das Stück ist eine Arie aus der Oper „Turandot“ von Giacomo Puccini. Spätestens an dieser Stelle darf man sich fragen, was das auf einer Metalscheibe zu suchen hat? Noch dazu, weil es keine der gar nicht so seltenen „Metal meets Klassik“-Fusionen ist, sondern einfach eine Opernarie mit einzelnen Gitarrenleads. Für Fans dieses Genres vielleicht interessant, der Metaller wird nach einmaligem Hören achselzuckend die Skip-Taste betätigen. Auf dieser Taste kann man den Finger anschließend gleich lassen – mit „Valhalla“ folgt eine Art wagnereske Overtüre, die wohl kein Mensch außer Joey DeMaio braucht. Gleiches gilt übrigens für „The March“.

Damit fehlt nur noch der absolute Totalausfall auf „Warriors Of The World“ und für den muss kein geringerer als der „King“ selbst herhalten. Nein, nicht „Metal-King“ DeMaio… „An American Trilogy“ stammt ursprünglich von Elvis Presley und wird von Manowar mit leichtem Country-Einschlag vorgetragen. Ich kann damit einfach überhaupt nichts anfangen – das Ding eignet sich, wenn überhaupt, als Bonus für irgendeine Best Of oder Special Edition. Auf einem regulären Album hat sowas meiner Ansicht nach noch weniger verloren, als eine Puccini-Arie. Aber sei’s drum, gibt ja die Skip-Taste.

Damit ist alles geklärt. Auf „Warriors Of The World“ stehen vier brettharte True Metal-Stücke, die allesamt ausgezeichnet sind. Es gibt zusätzlich eine gute Singleauskopplung und eine Ballade, die in Ordnung ist. Also sechs von elf Stücken, die im Haben verbucht werden können. „Fight For Freedom“ gefällt nicht so sehr, noch weniger aber alle übrigen Tracks auf der Platte. Aufgrund der oberen Güteklasse der übrigen Songs reicht das trotz aller Mängel für sehr knappe fünf Punkte. Größtes Problem meiner Ansicht nach: Die Songreihenfolge ist denkbar ungünstig. Nach der fulminanten Eröffnung „Call To Arms“ gibt es bis Nummer acht kaum etwas, was man von Manowar öfter als eimmal hören möchte. Einen so dichten Block an schwachen Songs sieht man eigentlich recht selten. Aber ich denke, fünf Punkte gehen trotzdem in Ordnung – wer mit den Experimenten auf diesem Album gar nicht leben kann, muss wohl mindestens zwei abziehen.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Call To Arms – 5:31 – 7/7
  2. The Fight For Freedom – 4:31 – 4/7
  3. Nessun Dorma – 3:29 – 3/7
  4. Valhalla – 0:36 – 2/7
  5. Swords In The Wind – 5:20 – 5/7
  6. An American Trilogy – 4:20 – 1/7
  7. The March – 4:02 – 2/7
  8. Warriors Of The World United – 5:51 – 6/7
  9. Hand Of Doom – 5:50 – 7/7
  10. House Of Death – 4:25 – 7/7
  11. Fight Until We Die – 4:03 – 7/7

Gesamteindruck: 5/7 


Manowar auf “Warriors Of The World” (2002):

  • Eric Adams − Vocals
  • Karl Logan − Guitar, Keyboard
  • Joey DeMaio − Bass, Keyboard
  • Scott Columbus († 2011) − Drums

Anspieltipp: Fight Until We Die

Ein Gedanke zu “MusikWelt: Warriors Of The World

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