BuchWelt: Die Rückkehr der Götter

Wolfgang Hohlbein


„Die Rückkehr der Götter“ ist Band 6 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Enwor“, erdacht von den deutschen Autoren Wolfgang Hohlbein und Dieter Winkler. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus.

Gesamteindruck (Band 6): 4/7


Um Welten besser als Band 4 und 5.

Beim Leser macht sich am Anfang von „Die Rückkehr der Götter“, Teil 6 von Wolfgang Hohlbeins großer Enwor-Saga, zunächst Enttäuschung breit. Das hat jedoch einen anderen Grund, als in den vorangegangenen Bänden mit ihren zahlreichen Wiederholungen: Der Vorgänger „Das schwarze Schiff“ bzw. dessen unbefriedigendes Ende ist schuld. Man hofft natürlich, dass eine klarere Auflösung der Ereignisse um den Dronte erfolgt, als das im „schwarzen Schiff“ der Fall war. Stattdessen befindet man sich sofort wieder mitten in einer neuen Geschichte, die nur mehr über lose Fäden mit den letzten Geschehnissen verbunden ist.

Soviel zur zum ersten Wermutstropfen, auf den sich potentielle Leser einstellen können. Davon abgesehen gibt es an Teil 6 nicht viel auszusetzen. Im Gegenteil – dieses Buch ist das erste, das es seit den Bänden 1 („Der wandernde Wald“) und 2 („Die brennende Stadt“) schafft, die Spannung durchgängig aufrechtzuerhalten. Es gibt diesmal weder einen mühsamen Einstieg noch Längen in der Erzählweise. Wahrscheinlich hat das Buch aus diesem Grund auch nur knapp 250 Seiten – schade eigentlich, man ist damit viel zu schnell durch. Der Autor schafft es durch den geschickten Aufbau endlich wieder, dass der Leser das Buch kaum aus der Hand legen will. Mit diesem Band merkt man erst, was man in den letzten Teilen so vermisst hat und wieso man überhaupt begonnen hat, Enwor zu lesen.

Die Geschichte selbst ist durchsetzt von kleinen Überraschungen und großen Wendungen, wobei die Ungeduld des Lesers, endlich hinter das Geheimnis zu kommen, von Seite zu Seite wächst. Leider setzt Hohlbein – offenbar ganz im Stile eines Steven Erikson – stillschweigend voraus, dass man die Ereignisse im Vorgänger vollkommen verstanden hat. Erklärungen in diese Richtung gibt es nicht wirklich, was zu Eriksons insgesamt tiefergehendem „Malazan Book of the Fallen“ wesentlich besser passt, als zur insgesamt recht leichtfüßigen Enwor-Saga.

Das führt zum eigentlichen Schwachpunkt der „Rückkehr der Götter“: Genau die Erläuterungen, die bisher fehlten, werden zu Beginn des letzten Drittels und zum Ende des Buches gegeben. Das wäre an sich Grund zur Freude, nur leider gelingt es dem Autor überhaupt nicht, ein stimmiges Gesamtbild zu zeichnen. Schön zu wissen, dass sich für Skar nach dem Gespräch mit Drask Eines ins Andere fügt und alle bisherigen Ereignisse Sinn ergeben – nur erschließt sich mir als Leser dieser Sinn bei weitem nicht. Der Kreis scheint sich nur in der Gedankenwelt Skars (respektive Hohlbeins) zu schließen, das Publikum wird ratlos zurückgelassen und versucht verkrampft, einen Sinn zu erkennen. Am Schluss tröstet man sich – wie immer – mit der Hoffnung, dass der nächste Band einige Erklärungen bieten wird.

Leider fehlt diesmal wieder eine Karte (wie auch bei allen Folgebänden – zumindest bei den Versionen, die ich zu Hause stehen habe). Auch auf Illustrationen wurde verzichtet, was trotz deren zum Teil unterschiedlicher Qualität recht schade ist. An sich hätte es 5 Punkte für das Buch geben können, allerdings wird nie klar, wieso Skar sich eigentlich in den langen Schlaf versetzen lässt. Das klingt irgendwie nach einer schlecht ausgearbeiteten Idee, mit der Wolfgang Hohlbein seinen Hauptcharakter ein paar Jahre in die Zukunft schicken wollte. Daraus hätte man mehr machen können/müssen, ebenso aus dem Ende, dass zwar recht überraschend ist, aber wiederum mehr Fragen offen lässt, als es beantwortet.

Die zusammenfassende Wertung der Serie ist hier zu finden.

Gesamteindruck (Band 6): 4/7


Autor: Wolfgang Hohlbein
Originaltitel: Die Rückkehr der Götter.
Erstveröffentlichung: 1987
Umfang: ca. 250 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Das schwarze Schiff

Wolfgang Hohlbein


„Das schwarze Schiff“ ist Band 5 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Enwor“, erdacht von den deutschen Autoren Wolfgang Hohlbein und Dieter Winkler. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus.

Gesamteindruck (Band 5): 2/7


Noch schwächer als der Vorgänger.

Gleich zu Beginn des 5. Bandes des Enwor-Zyklus, „Das schwarze Schiff“, gibt es ein Déjà vu. Wieder befindet sich Skar an Bord eines Freiseglers, wieder wird das Schiff verfolgt. Das Gefühl, dass das alles schon einmal dagewesen ist, vergeht aber zum Glück recht bald, da die Vorzeichen diesmal völlig anders sind. Was dennoch ähnlich wie in den bisherigen Teilen ist, ist die seelische Situation in der sich Skar befindet und all die Probleme, die er dadurch mit seinen Gefährten hat. Trotzdem wird all das wieder auf den ersten 100 Seiten durchgekaut – Namen und Ort haben sich zwar zum Teil geändert, die Geschichte ist trotzdem gleich geblieben. Vor allem der immer wieder aufkeimende Streit mit Gowenna ist mittlerweile ein Ärgernis – für Skar, aber noch viel mehr für den Leser. Unverständlich, wieso Hohlbein sich hier immer und immer wieder wiederholt. Zu Beginn des Buches kommt einem praktisch jeder Dialog bekannt vor.

Wenn man – wie man es als treuer Enwor-Leser fast muss – darüber hinwegsehen und den mittlerweile leider traditionell langatmigen Einstieg überwinden kann, stellt sich relativ schnell und gut das typische Enwor-Gefühl ein. Leider regelmäßig durchbrochen von lästigen Gesprächen zwischen Skar und Gowenna, in denen ihre gemeinsame Vergangenheit zum Tragen kommt, in denen in immer wieder ähnlichen Worten erklärt wird, wieso sie sich eigentlich hassen müssten, es aber nicht tun. Durch diese ständigen Wiederholungen beginnt man an der Glaubwürdigkeit der Figuren zu zweifeln – in ihrem Handeln gibt es überhaupt keine Nachvollziehbarkeit mehr. Diesmal können auch die üblichen Landschaftsbeschreibungen nicht viel ändern – was man in einer Eiswüste aber auch nicht erwarten kann. Das alles erinnert trotz unterschiedlicher Grundvoraussetzungen doch sehr an „Das tote Land“.

Leider hat der Autor auf diesem Gebiet aber auch Schwierigkeiten, als sich die Landschaft endlich ändert. Ebenso wie die Beschreibung der unheimlichen Feinde, wirkt auch die uralte Stadt, auf die die Gefährten stoßen sehr verworren und entzieht sich jeglicher Vorstellungskraft. Gut, das mag an der fremden Architektur liegen, aber als gelungen (im Lovecraft’schen Sinne) empfinde ich das nicht. Kritisch betrachtet wirkt das Ganze eher wie hilfloses Gestammel. A pro pos H.P. Lovecraft: was man anhand der bisherigen Enwor-Lektüre bereits vermutete, wird nun immer konkreter, zumindest im Kopf des Lesers, der auch die Werke des Altmeisters kennt: Hohlbein scheint sich in dieser Reihe an den Mythos der „Großen Alten“ anzulehnen, den sein amerikanisches Vorbild ins Leben gerufen hat. Diese Tatsache ist durchaus als positiv zu bewerten, da Fans von Lovecraft dessen eigenen Fundus natürlich in- und auswendig kennen und sich über neuen Stoff immens freuen.

Weniger Freude werden die meisten Leser hingegen mit dem schwachen Ende haben – das erinnert an eine Kopie vom „steinernen Wolf“. Der Schluss wirkt ausgesprochen verworren, unbefriedigend und unvollständig. Es ist schön, dass Hohlbein seinen Hauptprotagonisten „plötzliche Erkenntnis“ schenkt, dem Leser bleibt diese aber großteils verwehrt, was sehr schade ist, da die Geschichte als Ganzes wirklich interessant wäre. Kurz vor der Auflösung scheint dem Autor aber regelmäßig die Kreativität auszugehen.

Ein großer Pluspunkt in der vorliegenden Ausgabe ist die Karte – endlich gibt es eine Übersicht, die besser verständlich macht, wie Enwor eigentlich aussieht und wo die einzelnen Schauplätze liegen. Nebenbei wird durch diese Karte auch klar, was bisher nur angedeutet wurde, nämlich WO Enwor liegt und wann die Geschichte spielen dürfte. Schade, dass es diese oder eine ähnliche Karte nicht schon vorher gab, dadurch wäre die Erzählung von Anfang an plastischer gewesen. Vermutlich wollte Hohlbein den Moment der Erkenntnis aber länger hinauszögern.

Durchaus Enwor-typisch sind übrigens die Illustrationen, die oft nicht zur Situation passen wollen bzw. die Helden ganz anders darstellen, als man eigentlich annimmt. Leider ist hier – was die Qualität betrifft – eine deutlich fallende Tendenz zwischen Band 1 und 5 zu bemerken, was angesichts der mangelhaften Umsetzung von Teil 5 aber keine allzu große Rolle spielt.

Die zusammenfassende Wertung der Serie ist hier zu finden.

Gesamteindruck (Band 5): 2/7


Autor: Wolfgang Hohlbein
Originaltitel: Das schwarze Schiff.
Erstveröffentlichung: 1984
Umfang: ca. 400 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

MusikWelt: The Jester Race

In Flames


In Flames streckten sich 1996 mit ihrem zweiten Longplayer „The Jester Race“ nach der Decke. Ganz nach oben schaffen sie es mit diesem Album – im Gegensatz zu den unmittelbaren Nachfolgern – allerdings noch nicht, auch wenn die Kritik grundsätzlich auf hohem Niveau angesiedelt ist.

Gesamteindruck: 5/7


Düster und mächtig.

Die außergewöhnliche Klasse der Schweden In Flames schimmerte schon auf dem vorhergehenden Release „Lunar Strain“ (1994) mehr als deutlich durch. Mit dem 1996er Werk „The Jester Race“ war dann aber endgültig klar, was die Stunde geschlagen hat. Wir haben es hier mit einem tollen Album zu tun, auf dem es wenige kleine Kritikpunkte gibt. So hätte die Produktion zwar ein bisschen besser, vor allem der Gesang etwas lauter abgemischt sein können, aber für eine doch recht früh in der Bandkarriere erschienene Platte ist der Sound mehr als ausreichend. Die messerscharfen Melodien und Riffs, die bei In Flames in früheren Jahren die Hauptrolle spielten, wurden fett und dennoch ursprünglich in Szene gesetzt.

Dabei beginnt die Platte mit „Moonshield“ relativ unspektakulär. Der Song bietet gute Gitarrenarbeit, die stellenweise stark an Iron Maiden erinnert und eine schöne Melodieführung hat, aber fast ein wenig zu „soft“ für eine Eröffnungsnummer ist. Beileibe nicht schlecht, aber ein brachialeres Stück wäre an dieser Stelle vielleicht besser gewesen. Vor allem, da an zweiter Stelle mit „The Jesters Dance“ ein Instrumental folgt, das dem Opener stellenweise stark ähnelt. Richtig los geht es aber danach mit „Artifacts Of The Black Rain“, das mit tollem Gesang und fulminanter Gitarrenarbeit aufwartet, dem dunklen und atmosphärischen „Graveland“ und meinem persönlichen Favorit „The Jester Race“. Dieses Stück weist einen super Einstieg mit perfekten Leads auf, hat eine interessante Gesangslinie, ist atmosphärisch und eingängig, nichtsdestotrotz bretthart. Tatsächlich eines der besten Lieder aus der Feder dieser Band. Aber auch die restlichen Tracks schenken sich nichts, vor allem das sehr gut inszenierte „Dead Eternity“ weiß zu überzeugen.

Nicht ganz begeistern kann mich das harte und schnelle „December Flower“, das mir einfach zu beliebig und austauschbar klingt. Sperrig und langwierig wirkt auch der Rausschmeißer „Dead God In Me“, der nach einigen Durchläufen aber doch einigermaßen versöhnt. Das zweite Instrumental, „Wayfaerer“, ist schließlich beinahe etwas zu „fröhlich“, wenn man so will und nimmt der Platte in meinen Ohren ein wenig von der vorher aufgebauten, düsteren Gesamtatmosphäre.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Moonshield – 4:58 – 5/7
  2. The Jester’s Dance – 2:09 – 5/7
  3. Artifacts Of The Black Rain – 3:17 – 6/7
  4. Graveland – 2:46 – 6/7
  5. Lord Hypnos – 4:01 – 6/7
  6. Dead Eternity – 5:01 – 6/7
  7. The Jester Race – 4:51 – 7/7
  8. December Flower – 4:10 – 4/7
  9. Wayfaerer – 4:41 – 4/7
  10. Dead God In Me – 4:15 – 5/7

Gesamteindruck: 5/7 


In Flames auf “The Jester Race” (1996):

  • Anders Fridén – Vocals
  • Björn Gelotte – Lead Guitar, Drums
  • Jesper Strömblad – Lead & Acoustic Guitars, Keyboards
  • Glenn Ljungström – Lead Guitar
  • Johan Larsson – Bass, Backing Vocals

Anspieltipp: The Jester Race

BuchWelt: Der steinerne Wolf

Wolfgang Hohlbein


„Der steinerne Wolf“ ist Band 4 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Enwor“, erdacht von den deutschen Autoren Wolfgang Hohlbein und Dieter Winkler. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus.

Gesamteindruck (Band 4): 3/7


Sehr durchwachsen.

Band 4 der großen Enwor-Saga von Wolfgang Hohlbein beginnt – vom Lesegefühl her – als exakte Kopie seines Vorgängers. Wie in „Das tote Land“ ziehen sich die ersten rund 90 Seiten wie Kaugummi. Im 3. Teil der serien-internen Trilogie um den „Stein der Macht“ schließen die Ereignisse nicht unmittelbar an den vorangegangenen Band an, sondern spielen einige Zeit später. Wie genau Skar auf das Schiff, auf dem er sich zu Beginn befindet gekommen ist, wird nicht ganz klar, ebenso wie es das Buch bei ein paar Andeutungen belässt, was inzwischen mit den Gefährten des Satai passiert ist. Als Einstieg ist das nach dem hochspannenden Finale von Band 3 einigermaßen unglücklich gewählt, weil das Lesevergnügen dadurch stark gedämpft wird – eigentlich unnötig. Sicher, man muss Skar irgendwie an den Ort seiner neuen Abenteuer bringen, aber das hätte sicherlich spannender und vor allem ein wenig kürzer gelöst werden können.

Auch die weitere Geschichte will nicht so recht zünden – immer wieder gilt es, langwierige Reiseszenen zu überstehen, die die Dialogschwäche Hohlbeins offenbaren. Die Problematik liegt wohl darin, dass sich (wie in Enwor immer wieder) zwei völlig unterschiedliche Charaktere auf den Weg machen, die sich einfach nichts zu sagen haben. Man sollte meinen, dass gerade in diesem Gegensatz die Spannung liegt – leider schafft es Wolfgang Hohlbein aber nicht, daraus tatsächlich etwas zu machen, was den Leser bewegen oder aufwühlen könnte. So entstehen immer wieder ärgerliche Unterbrechungen im Erzählfluss, die auch noch durch viele Wort- und Szenenwiederholungen verstärkt werden.

Ab dem letzten Drittel, also praktisch dem Zeitpunkt wo die Hauptfigur nicht mehr mit einem einzigen Gefährten unterwegs ist, nimmt das Buch wieder an Fahrt auf. Leider ein wenig spät, ungeduldige Leser dürften sich bis dahin längst verabschiedet haben. Bis zum Finale bleibt es danach spannend, aber auf den letzten zwei Seiten gibt es dann leider einen Dämpfer. Das Ende selbst ist unbefriedigend ausgefallen – die Erklärung, was es genau mit dem Stein der Macht und dem steinernen Wolf auf sich hat, ist mehr als nur dürftig. Hier habe ich persönlich nach dem zum Großteil recht spannenden Aufbau der bisherigen Enwor-Reihe deutlich mehr erwartet.

„Der steinerne Wolf“ ist für mich somit das bisher schwächste Buch der Saga – mit Abstand. Grund dafür sind die Längen in der Geschichte und das absolut unwürdige Ende der Trilogie um den Stein der Macht.

Die zusammenfassende Wertung der Serie ist hier zu finden.

Gesamteindruck (Band 4): 3/7


Autor: Wolfgang Hohlbein
Originaltitel: Der steinerne Wolf/Der Stein der Macht 3.
Erstveröffentlichung: 1984
Umfang: ca. 300 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Das tote Land

Wolfgang Hohlbein


„Das tote Land“ ist Band 3 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Enwor“, erdacht von den deutschen Autoren Wolfgang Hohlbein und Dieter Winkler. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus.

Gesamteindruck (Band 3): 5/7


Fulminante Steigerung nach zähem Einstieg.

Auch Enwor-Fans, die Wolfgang Hohlbeins Ausflüge in Schachtelsatz-Ungetüme nicht allzu sehr stören, werden von Band 3 (gleichzeitig Teil 2 der Enwor-internen Trilogie „Der Stein der Macht“) auf eine harte Probe gestellt. Die ersten 80 Seiten erzeugen ein Gefühl, als ob der Autor unbedingt eine bestimmte Seitenanzahl erreichen musste, koste es was es wolle. Um es direkt zu sagen: Es herrscht pure Langeweile, geschürt durch zahlreiche Wiederholungen, einen immer wieder auf gleiche Weise ausgetragenen Streit zwischen den Hauptfiguren und wiederkehrende Beschreibungen des toten Landes. Ähnliche Dinge kommen auch in den anderen Teilen der Saga vor, jedoch nie derart gehäuft (traurige Ausnahme ist die Eisinsel in „Das schwarze Schiff“). Der Beginn zieht sich dadurch wie Kaugummi und es wäre kein Wunder, wenn viele Leser es nicht schaffen, diese Hürde zu überwinden. Man könnte Hohlbein zugute halten, dass er genau damit die Eintönigkeit des Schauplatzes einfangen wollte – dieser Versuch ist aber gescheitert und stört die ansonsten tolle Enwor-Atmosphäre deutlich.

Nach fast 100 Seiten nimmt das Buch jedoch gehörig an Fahrt auf und steht den Vorgängern an Spannung in nichts mehr nach. Die typischen Enwor-Markenzeichen, die mittlerweile jeder Leser kennen dürft, also die nervigen Wortwiederholungen, die etwas zu moderne Sprache, die ewige körperliche Schwäche und Ausgelaugtheit der Protagonisten (mit ständig neuen Superlativen an Schmerzen) und die teils sehr schwachen Dialoge fallen ab diesem Zeitpunkt nicht mehr so stark ins Gewicht wie noch am Anfang des Werkes. Im Gegenteil, im Zusammenhang mit der immer spannender werdenden Geschichte begrüßt man diese Mängel wie alte Freunde und sieht leichter darüber hinweg, als in den insgesamt etwas besseren Vorgängerbüchern.

Was – wie bei den Vorgängern – ebenfalls sehr negativ auffällt, ist die unzureichende, schlecht bzw. falsch gezeichnete Karte, die sich einfach nicht mit den Beschreibungen im Buch deckt. Auch gibt es wieder einige Illustrationen, von denen manche so gar nicht zum Geschehen passen wollen.

Alles in allem funktioniert das Kopfkino aber einmal mehr bestens, man leidet mit den Figuren mit. Vermutlich „begünstigt“ durch den zähen Einstieg, schafft es der Autor sogar, dass man trotz der relativ geringen Seitenzahl das Gefühl hat, auch zeitmäßig mitten im Geschehen zu sein – wenn man an vorhergehende Kapitel zurückdenkt, scheint es wirklich Wochen her zu sein, als man eine bestimmte Szene „erlebte“, während sie im Buch erst einige Seiten zurückliegt. Allein diese Tatsache zeigt, welch außergewöhnlicher Autor Wolfgang Hohlbein sein kann.

Die zusammenfassende Wertung der Serie ist hier zu finden.

Gesamteindruck (Band 3): 5/7


Autor: Wolfgang Hohlbein
Originaltitel: Das tote Land/Der Stein der Macht 2.
Erstveröffentlichung: 1984
Umfang: ca. 280 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Die brennende Stadt

Wolfgang Hohlbein


„Die brennende Stadt“ ist Band 2 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Enwor“, erdacht von den deutschen Autoren Wolfgang Hohlbein und Dieter Winkler. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus.

Gesamteindruck (Band 2): 6/7


Schrammt nur knapp an der Höchstwertung vorbei.

Gleich zu Beginn des 2. Teiles der großen Enwor-Saga (gleichzeitig Teil 1 der serien-internen Trilogie „Der Stein der Macht“) von Wolfgang Hohlbein fällt auf, dass vorerst kein Zusammenhang mit Band 1  („Der wandernde Wald“) besteht. Die Geschichte beginnt sozusagen mittendrin – das war auch im Auftakt schon so, wirkt hier aber zunächst sehr verwirrend, da man eigentlich mit einer nahtlosen Fortsetzung rechnet. Ein schwieriger Einstieg also, dessen Nebel sich aber allmählich lichten. Die anfängliche Verwirrung liegt nämlich am Aufbau des Buches: Zwischen den normalen, chronologischen Kapiteln gibt es immer wieder Sprünge, in denen zeitlich davor liegende Ereignisse erklärt werden. Diese Erzählweise mag auf manche zu fordernd, sogar den Lesefluss einschränkend wirken, mir persönlich hat sie jedoch keine Schwierigkeiten bereitet. Dennoch ist es etwas gewöhnungsbedürftig, erst nach und nach zu erfahren, was man eigentlich von Anfang an wissen müsste, um sämtliche Ereignisse und Handlungen der Charaktere zu verstehen.

Sehr gut gelungen ist die Entwicklung, die Hauptprotagonist Skar nimmt. Der etwas glatte Satai aus Band 1 wird durch die Ereignisse langsam zu einer Figur, die innerlich immer zerrissener zwischen Gut und Böse wirkt. Die Beschreibung dieser Wandlung, die natürlich mit diesem Buch nicht abgeschlossen ist, sondern erst ihren Anfang nimmt, ist Hohlbein grandios geglückt. Die anderen Figuren lassen dagegen zwangsläufig etwas an Tiefe vermissen (ausgenommen Gowenna), was aber auch kein Wunder ist, immerhin tauchen sie in „Die brennende Stadt“ zum ersten Mal auf. Ebenfalls meisterhaft ist Hohlbein in der Beschreibung seiner Landschaften, die nahezu sofort vor dem inneren Auge zum Leben erwachen. Genauso verhält es sich mit den Personen, die man sich – durch einige Illustrationen unterstützt – sehr schön vorstellen kann.

Negatives gibt es allerdings auch von Teil 2 zu vermelden. So ist die Anzahl der Wort- und Wortgruppenwiederholungen nach wie vor viel zu groß, um übersehen zu werden – bereits ein Fingerzeig auf die späteren Copy-and-Paste-Unarten des Autors? Auch gibt es wieder einige Längen in den Dialogen. Was jedoch am meisten stört ist, wie viel extremen Schmerz, Erschöpfung und Verletzungen die Protagonisten aushalten. Natürlich handelt es sich bei ihnen um wahre Helden und außerdem ist das – wie man im späteren Verlauf der Serie sieht – eine Art Markenzeichen, aber hier hätten es ein paar Superlative weniger getan, um das Ganze glaubwürdiger zu machen.

Nebenbei bemerkt hätte dem Enwor-Zyklus eine einzige, dafür große, detaillierte und vor allem korrekte Landkarte sehr gut getan. Das Stückwerk, das sich in jedem einzelnen Teil findet, trägt eher zur Verwirrung als zu einer besseren Vorstellung der Welt bei. Vielleicht hat Hohlbein das aber absichtlich gemacht, um durch die Umrisse von Enwor nicht gleich zu Beginn zu verraten, wo die Handlung eigentlich spielt.

Ganz reicht es für die spannende Geschichte, die sich hier langsam entspinnt und immer mehr Fahrt aufnimmt, nicht für die Höchstwertung. Nahe dran ist sie aber – vor allem, weil sie es schafft, die Spannung über praktisch jede Seite so extrem hoch zu halten.

Die zusammenfassende Wertung der Serie ist hier zu finden.

Gesamteindruck (Band 2): 6/7


Autor: Wolfgang Hohlbein
Originaltitel: Die brennende Stadt/Der Stein der Macht 1.
Erstveröffentlichung: 1983
Umfang: ca. 250 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Der wandernde Wald

Wolfgang Hohlbein


„Der wandernde Wald“ ist Band 1 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Enwor“, erdacht von den deutschen Autoren Wolfgang Hohlbein und Dieter Winkler. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus.

Gesamteindruck (Band 1): 5/7


Sehr guter Auftakt zum Enwor-Zyklus.

„Der wandernde Wald“ ist eine spannende, flüssig geschriebene Geschichte mit einem außergewöhnlichen Hauptmotiv. Dass ein Wald wandern kann und wieso er das tut, ist eine originelle Idee, die ich so noch nirgends gesehen habe – im Gegensatz zum aktuellen Vielschreiber-Hohlbein wirkte der Autor in seinen Frühwerken Anfang der 1980er Jahre tatsächlich noch kreativ und unverbraucht. Die beiden Enwor-Hauptprotagonisten Skar und Del werden gut eingeführt, auch wenn sie noch ein wenig blass bleiben, was sich aber im Laufe des Zyklus aber grundlegend ändert. Die restlichen Charaktere des Buches sind ebenfalls gut umgesetzt. Die Spannung bewegt sich auf durchgängig hohem Niveau, sodass man das Buch kaum aus der Hand legen will und die über 300 Seiten sehr schnell durch hat. Es gibt innerhalb des Buches zwar einige überraschende Wendungen, an sich ist es aber gerade die Einfachheit des Werkes, die in diesem Fall das Lesevergnügen ausmacht.

In einem Frühwerk gibt es natürlich auch einige Schwachpunkte zu vermelden. So findet man zahlreiche Wort- und Wortgruppenwiederholungen (auf nahezu jeder zweiten Seite liest man die Zeitangabe „einen Herzschlag lang“). Man fragt sich auch, ob Skar bald ein Magengeschwür bekommt, weil er so oft eine „spitze Bemerkung, die ihm auf der Zunge liegt“ hinunterschluckt. Auch wird schnell klar, dass Wolfgang Hohlbein kein Meister der Dialoge ist. Gerade auf dieser Ebene gibt es große qualitative Schwankungen. Manchmal glänzen die Protagonisten mit erstaunlichem Wortwitz und interessanten Äußerungen, viel öfter geben sie aber nahezu belanglose Sätze von sich. Außerdem stört die ständige Ansprache mit dem Namen des Gegenübers (oft bis zu vier Mal im selben Dialog). Die Orts- und Landschaftsbeschreibungen sind hingegen bereits sehr ausgefeilt, wenn auch noch nicht so perfekt wie in späteren Büchern. Was allerdings mehr als diese Kleinigkeiten stört: Der Autor „vergisst“ oft, Handlungsstränge und Details näher zu erklären. Es gibt beispielsweise keine befriedigende Erklärung, was die „Hoger“ nun eigentlich sind, woher sie kommen etc. Auch andere Dinge, die mehr als nur beiläufig erwähnt werden, lässt Hohlbein später einfach unter den Tisch fallen. Wer Bücher, wie „The Malazan Book of the Fallen“ von Steven Erikson gelesen hat, kann sich ungefähr vorstellen, wie ärgerlich das sein kann. Zumal man bei Hohlbein nicht ganz dieses Gefühl von Tiefe hat, wie es sein kanadischer Kollege zu erzeugen vermag.

Insgesamt bleibt „Der wandernde Wald“ jedoch trotz dieser Mängel ein absolut gelungener Auftakt zur großen Enwor-Saga, wobei man Band 1 durchaus auch für sich lesen kann. Er ist im Gegensatz zum Rest der Serie in sich geschlossen und seine Lektüre ist daher auch nicht unbedingt notwendig, um die Folgeromane zu verstehen.

Die Welt von Enwor wurde übrigens von Wolfgang Hohlbein gemeinsam mit Dieter Winkler entworfen. Letzterer beteiligte sich aufgrund anderweitiger Beschäftigungen dann allerdings nicht mehr an den ersten 10 Bänden der Reihe und sollte erst später wieder einsteigen. Daher liste ich nur Wolfgang Hohlbein als Autor.

Die zusammenfassende Wertung der Serie ist hier zu finden.

Gesamteindruck (Band 1): 5/7


Autor: Wolfgang Hohlbein
Originaltitel: Der wandernde Wald.
Erstveröffentlichung: 1983
Umfang: ca. 300 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

FilmWelt: Tideland

„Tideland“ verlangt hauptsächlich eines: Einfühlungsvermögen. Auf diese Tatsache wird vom Regisseur vor Beginn der „Vorstellung“ hingewiesen – wahrscheinlich ein absolutes Novum in der Filmgeschichte. Allerdings dürften es die wenigsten Zuschauer schaffen, sich so auf das Werk einzulassen, wie sich Monty Python-Mitbegründer Terry Gilliam das wohl gewünscht hat.

Gesamteindruck: 3/7


Liefert dem Zuseher zu wenig Kontext.

Die Welt der Hauptfigur Jeliza-Rose (Jodelle Ferland) ist düster und abgedreht, was durch gute Kameraführung und Farbgebung sehr wirkungsvoll unterstrichen wird. Das im Großen und Ganzen auf musikalische Untermalung verzichtet wird, tut ein Übriges dazu, die bedrückende Atmosphäre zu verstärken. Ebenfalls stark sind die schauspielerischen Leistungen; wobei es letztlich auf die persönliche Stimmung ankommt, ob man Jeliza-Rose als nervig oder als passend empfindet.

Woran es dem Film mangelt, ist eine spannende Erzählweise. Während man zusieht, wartet man ständig darauf, dass etwas passiert. Das tritt aber nur in einigen wenigen Momenten ein, ansonsten plätschert alles vor sich hin und setzt zum Teil auf Ekeleffekte, zum Teil auf Selbstgespräche der Hauptdarstellerin, die seltsam inhaltsleer wirken. Auch ist der Streifen – so seltsam das klingen mag – zu „realistisch“. Es sind zwar durchaus surreale Passagen enthalten, es gibt jedoch keine „Fantasy-Elemente“, die man nach Ansehen des Covers und Lesen der Inhaltsangabe eigentlich erwartet. Die beste Figur im Film (neben dem von Jeff Bridges wie üblich grandios gespielten Noah) ist der geistig zurückgebliebene Dickens, dargestellt von Brendan Fletcher. Ab dessen ersten Auftritt sehnt man sich nach weiteren Szenen mit ihm, die zum Teil aber nicht unumstritten sind – vor allem die Ausschnitte, zwischen ihm und Jeliza-Rose, die sexuelle konnotiert zu sein scheinen. Diese Szenen gehen allerdings nicht über die Andeutung hinaus.

Die Bewertung des Filmes ergibt sich aus einem großen Plus bei Darstellern, Farben und Kulissen (obwohl man ähnliche schon in vielen Horrorfilmen gesehen hat). Negativ fällt die Erzählweise auf, bei der man völlig auf sich allein gestellt ist. Es gibt keine Hinweise, nicht einmal Andeutungen, welchen Zweck das Ganze überhaupt hat. So kann der Film weder schockieren noch zu einer tiefergehenden Auseinandersetzung anregen.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: Tideland
Regie: Terry Gilliam
Jahr: 2005
Land: Kanada/UK
Laufzeit: 122 Minuten
Besetzung (Auswahl): Jodelle Ferland, Janet McTeer, Brendan Fletcher, Jennifer Tilly, Jeff Bridges


SpielWelt: Guitar Hero: World Tour

Alles in allem kann man „Guitar Hero: World Tour“ aufgeschlossenen Musikfans nur empfehlen – sie werden lange Freude daran haben, auch wenn ihnen wohl nicht jeder Song gefallen wird. Denn sobald einen einmal der Ehrgeiz gepackt hat, kann man sich kaum noch vom Spiel lösen. Und allein bis man den Profi-Modus (die höchste Schwierigkeitsstufe) beherrscht, werden viele Spielstunden vergehen. Ein Paket, das sich lohnt. 

Gesamteindruck: 6/7


Gitarrenriffs im Wohnzimmer.

Der 2008er Streich der „Guitar Hero“-Serie aus dem Hause Activision ist allein schon aus gitarrentechnischer Sicht sehr gelungen. Der Controller ist stilvoll gearbeitet, sieht mit seiner einem „Sunburst“-Korpus nachempfundenen Farbe sehr gut aus und liegt optimal ausbalanciert in der Hand. Sowohl die Schalter am Griffbrett als auch die Anschlagtaste und das Tremolo („Jammerhaken“) sind bestens zu bedienen und erinnern – zumindest rudimentär – an eine echte Gitarre. Lediglich die „Starpower“-Taste bzw. Slide-Leiste zu aktivieren fällt ein wenig schwer, was aber lediglich an der mangelnden Übung meinerseits liegen dürfte. Bei mir fiel allerdings ein deutlich hörbares Quietschen (klingt nach mangelnder Schmierung) bei Betätigung des Tremolo auf, das einigermaßen die Atmosphäre stört, wenn man bei moderater Lautstärke spielt. Ansonsten ist das Gerät ausgezeichnet verarbeitet und lässt (die entsprechende Fingerfertigkeit vorausgesetzt) schnelles und präzises Spielen zu. Der Controller ist natürlich 2-in-1 und dient – je nach Geschmack – als Gitarre oder als Bass.

Das Spiel selbst ist mit rund 80 Songs einigermaßen umfangreich ausgefallen. Dazu kommt eine große Anzahl von Optionen, Schwierigkeitsstufen und Möglichkeiten, deren Auslotung viel Zeit in Anspruch nimmt. Beispielsweise kann man – ähnlich einem Rollenspiel – seinen eigenen Charakter zusammenbasteln und Aussehen, Kleidung, Instrument, Posen usw. nach eigenem Gutdünken einstellen. Erfolgreiche Konzerte bringen Geld und damit weitere Möglichkeiten zur „Aufrüstung“ des Alter Ego. Durch diese Features können sich auch Einzelspieler recht lang mit „Guitar Hero“ beschäftigen. Auch die verschiedenen Auftrittsorte wurden sehr gut in Szene gesetzt. Mit dabei sind zum Beispiel ein Flugzeugträger, die „Knochenkirche“ (die sich in Wirklichkeit allerdings in Tschechien und nicht, wie im Spiel behauptet, in Polen befindet) und das Dach eines Wolkenkratzers. Die beliebten Koop- und Battle-Modi für mehrere Spieler sind natürlich ebenfalls wieder enthalten und dürften, gerade wenn man auch Schlagzeug und Mikro besitzt, sehr viel Spaß machen.

Soweit ist alles im Grünen Bereich und wirklich empfehlenswert. Bleibt zuguterletzt noch ein Wort über die Songauswahl zu verlieren. Dass bei 80 Songs für Abwechslung gesorgt ist, braucht nicht extra betont zu werden. Es gibt Balladen, Hard Rock und Kuschelrock, Blues und Country zu hören. Der Großteil der Auswahl ist recht gut gelungen und es ist wohl für jeden etwas dabei. Allerdings wäre es meiner Ansicht nach besser gewesen, ein paar mehr wirkliche Hits mitzuliefern. Einige Songs dürften dem Publikum nicht sehr geläufig sein – zumindest ging es mir so. Dass es schwer ist, mit einem solchen Spiel alle Musikgeschmäcker zu befriedigen ist mir natürlich klar. Für mich hätten beispielsweise ruhig ein paar mehr Tracks aus dem Metal-Bereich dabei sein können, diese sind nämlich rar gesät und teils noch dazu solche, die man nicht gerade als die besten einer Band bezeichnen kann (wieso ist zum Beispiel ausgerechnet „Trapped Under Ice“ von Metallica dabei?). Für den Rocker ist natürlich auch so manche Ballade ein kleines Ärgernis, aber allzu viele sind es ja zum Glück nicht. Lediglich auf Tokio Hotel („Monsoon“) hätte man komplett verzichten sollen, da dieses Stück wohl eher für eine Schlager-Version von „Guitar Hero“ passend gewesen wäre.

Gesamteindruck: 6/7


Genre: Musik, Geschicklichkeit
Entwickler: Activision
Jahr: 2008
Gespielt auf: Nintendo Wii


 

BuchWelt: Robin Hood

Howard Pyle


Die Legende von „Robin Hood“ kennt man aus zahllosen Filmen und Fernsehserien zur Genüge. Wenn man sich die hier rezensierte, aus dem Ende des 19. Jahrhundert stammende Version des US-Autors und Illustrators Howard Pyle zu Gemüte führt und mit aktuelleren Varianten vergleicht, wird schnell klar, dass im Laufe der Jahre sehr viel interpretiert und hinzugedichtet wurde. Eventuell auch, um die Handlung ein wenig aufzuwerten? Notwendig dürfte dies geworden sein, um ein modernes und erwachseneres Publikum zu bedienen.

Gesamteindruck: 4/7


Spannend und lustig für Kinder.

In der vorliegenden Fassung ist „Robin Hood“ nicht mehr und nicht weniger als ein schönes, angenehm zu lesendes Märchen. Abgefasst ist es in Kurzgeschichten – einzelne Episoden aus dem Leben eines Geächteten und seiner Anhänger. Altmodisch und für die heutige Zeit sehr ungewohnt ist dabei die Zeichnung der Charaktere: Sie passen perfekt und ohne Nuancen in das triviale Schema von Gut und Böse. Gelegentlich necken sich die Helden zwar mit kleinen, harmlosen Späßen, insgesamt sind sie jedoch keines bösen Gedankens fähig. Auch der Grad der Brutalität entspricht heute am ehesten einer Kindergeschichte. Mehr als ein paar Prügeleien mit Eichenknüppeln gibt es kaum, wobei diese an sich natürlich auch nicht gerade harmlos sind. Lediglich gegen Ende des Buches wird es ein wenig härter, aber alles bleibt in einem erträglichen Maß. Als erwachsener Leser ist man anderes gewohnt, für Kinder könnte das wiederum einen unerwünschten Nachahm-Effekt zur Folge haben. Allerdings dürfte man, wenn es danach geht, Kindern ohnehin keine Märchen vorlesen.

Alles in allem haben wir es hier mit einer netten, harmlosen, zeitweise spannenden und lustigen Geschichte zu tun, die niemandem weh tut und für Kinder sicherlich ansprechend ist. Als seit geraumer Zeit Erwachsener, der sich vorwiegend mit Literatur für Erwachsene beschäftigt (übrigens hielt ich „Robin Hood“ vor der Lektüre für ebensolche), würde ich dem Buch aufgrund der flachen und einseitigen Charaktere wahrscheinlich maximal 2 Punkte geben. Da ich aber nach heutigen Maßstäben kaum zur Zielgruppe gehöre und mich durchaus um einige Jahre in der Zeit zurückversetzen kann, gibt es 4 Punkte für eine zumindest ab der zweiten Hälfte abwechslungsreiche Geschichte. Übrigens finde ich das Eindeutschen der Namen, das bei meiner Ausgabe erfolgt ist, durchaus in Ordnung, auch wenn man nicht gleich weiß, wer beispielsweise „Will Rotwams“ ist.

Gesamteindruck: 4/7


Autor: Howard Pyle
Originaltitel: The Merry Adventures of Robin Hood of Great Renown in Nottinghamshire.
Erstveröffentlichung: 1883
Umfang: ca. 200 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch