MusikWelt: Are You Dead Yet?

Children Of Bodom


Grundsätzlich muss man die untenstehende Wertung ein wenig relativieren. Children Of Bodom haben meines Erachtens bis 2005 kein einziges schlechtes Album veröffentlicht. Sie gehörten bis zu diesem Zeitpunkt sogar zu den wenigen Bands, die in ihrer gesamten Diskographie kaum Songs hatten, die man wirklich als Totalausfall bezeichnen konnte, von einigen unnötigen Cover-Versionen abgesehen. Wenn man sich das vor Augen hält, ist mein Eindruck von „Are You Dead Yet?“ (2005) ins richtige Licht gerückt: Nicht gerade erstklassig, aber weit von dem Müll entfernt, den andere Bands ab und zu veröffentlichen.

Gesamteindruck: 4/7 3/7


Zwischen Stühlen und Stilen.


*** UPDATE (15. November 2019) ***

Ursprünglich hatte ich dieses Album mit einem Gesamteindruck von 4/7 bewertet. Nach einer Vielzahl an weiteren Durchgängen und Vergleichen mit anderen Platten der Band erscheint mir diese Wertung zu hoch, sodass ich auf 3/7 abwerten muss.


Trotz der wohlwollenden Einführung meinerseits muss ich zugeben, dass für „Are You Dead Yet?“ eine einigermaßen brauchbare Wertung gar nicht so leicht zu vergeben war. Ein gutes Eröffnungsdoppel und ein sehr starkes Finale retten die Scheibe, die ungewöhnlich schwer konsumierbar ist. Die beiden in meinen Ohren stärksten Tracks „verstecken“ sich an siebenter und achter Position: „Bastards Of Bodom“ glänzt wie praktisch alle Bodom-Titel („Silent Night, Bodom Night“, „Bodom After Midnight“, „Children Of Bodom“ usw.) mit allen Trademarks der Band. Vor allem die Gesangslinie und die Keyboards finde ich sehr gelungen, dazu kommt ein mörderischer Groove, der eher typisch für die neue, modernere Ausrichtung der Truppe ist. Dem steht das bereits vorab bekannte „Trashed, Lost & Strungout“ in keiner Weise nach. Hier haben wir es mit einem dynamischen Song zu tun, der stark an die klassischen, ersten Alben der Finnen erinnert – auf „Are You Dead Yet?“ ist er damit eine wohltuende Abwechslung zu den restlichen Groove-Monstern und setzt sich entsprechend im Gehörgang fest. Das tut auch der Titeltrack, vor allem die rau hervorgebellte Frage, die dem Album den Namen gibt, wird man kaum noch los. Und schließlich kann noch der Opener, „Living Dead Beat“, trotz seines gewöhnungsbedürftigen Keyboard-Einstiegs mit exzellentem Rhythmus-Geriffe und brauchbarem Gesang überzeugen.

Diese vier starken Nummern können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich auf „Are You Dead Yet?“ erstmals in der Historie der Band aus Espoo einiges an Durchschnittsware breitgemacht hat. „In Your Face“ kann noch mit gutem, rauem Gesang und düsteren Hintergrund-Keyboards punkten, aber damit hat es sich auch schon. Die übrigen Songs kommen merkwürdig belanglos, uninspiriert und einfach schwer am Stück konsumierbar aus den Boxen. Nicht leicht fassbar, woran das liegt, aber irgendein Detail im Songwriting lässt die Lieder einfach nicht richtig zünden. Vor allem „Punch Me I Bleed“ ist eine Belanglosigkeit, die man von Children Of Bodom bis dorthin gar nicht gewohnt war. Ganz in Ordnung, wenn auch nicht überragend – und damit sehr gut zum Gesamteindruck passend – ist übrigens der Rausschmeißer „We’re Not Gonna Fall“.

Moderne Inspirationen.

An dieser Stelle sei mir noch eine Anmerkung erlaubt, die sich auf etwas bezieht, das ich schon in meiner Bewertung des Vorgängeralbums „Hate Crew Deathroll“ (2003) ganz kurz angesprochen habe. Dort habe ich noch geschrieben, dass bei Children of Bodom eine ähnliche Entwicklung wie bei In Flames zu beobachten sei. Auf „Are You Dead Yet?“ ist der Versuch, es ähnlich den schwedischen Melo-Deathern mit einem moderneren Sound zu versuchen, noch eklatanter ausgefallen. Besonders auffällig ist das im von mir oben genannten „In Your Face“, das so oder so ähnlich aus der Feder der damals sehr angesagten Slipknot hätte stammen können. Fast schon absurd wird das Ganze, wenn man „Next in Line“ anhört, das von den Melodien über die Riffs bis hin zum Gesang 1:1 von In Flames stammen könnte. Ich sage jetzt nicht grundsätzlich, dass diese Inspirationsquellen schlecht sind – aber die bis zu diesem Album vorhandene, völlig eigenständige Identität von Children of Bodom geht damit in weiten Teilen verloren.

Insgesamt scheint mir „Are You Dead Yet?“ eine Art Zwischenstück in der musikalischen Neuausrichtung der Band darzustellen: die Veränderung wurde auf „Hate Crew Death Roll“ angedeutet und mit „Blooddrunk“ (2008) vollzogen. Dazwischen hat sich einiges an zähem Material, dem auch mehrere Durchläufe nichts nützen breitgemacht. Vor allem im Gitarrenbereich liegt auf „Are You Dead Yet?“ Einiges im Argen, was vielleicht an Alexi Laiho’s damaliger Verletzung lag. Die extrem kurze Spielzeit ist für eine solche Platte sicherlich nicht schlecht gewählt und stellt für mich kein Ärgernis dar. Wenn man all das zusammenzählt, bleibt eine recht knappe 4-Punkte-Wertung stehen. Leute, die nur auf die älteren Alben der Band stehen, werden vermutlich noch 1-2 Punkte abziehen, diejenigen, die mit der moderneren Ausrichtung zufrieden sind, ebenso viele dazu zählen. Eine Platte, mit der sich die Finnen wahrlich zwischen die Stühle und zwischen die Stile gesetzt haben.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Living Dead Beat – 5:18 – 5/7
  2. Are You Dead Yet? – 3:56 – 6/7
  3. If You Wanna Peace… Prepare For War – 3:57 – 3/7
  4. Punch Me I Bleed – 4:51 – 2/7
  5. In Your Face – 4:12 – 4/7
  6. Next In Line – 4:19 – 3/7
  7. Bastards Of Bodom – 3:25 – 5/7
  8. Trashed, Lost & Strungout – 4:02 – 5/7
  9. We’re Not Gonna Fall – 3:17 – 3/7

Gesamteindruck: 4/7 3/7


Children Of Bodom auf “Are You Dead Yet?” (2005):

  • Alexi „Wildchild“ Laiho – Vocals, Lead Guitar
  • Roope Latvala – Rhythm Guitar, Backing Vocals
  • Henkka T. Blacksmith – Bass, Backing Vocals
  • Janne „Warman“ Wirman – Keyboards
  • Jaska Raatikainen – Drums

Anspieltipp: Are You Dead Yet?

2 Gedanken zu “MusikWelt: Are You Dead Yet?

  1. Pingback: Musik A-Z | Weltending.
  2. Pingback: MusikWelt: Blooddrunk | Weltending.

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