SpielWelt: BioShock

Mit „BioShock“hat es das Programmierteam von Irrational Games (inzwischen zu 2K Games gehörend) 2007 geschafft, dem alt-ehrwürdigen Genre des Ego-Shooters erfrischende und neuartige Elemente hinzuzufügen. Vor allem das Setting weiß vorbehaltlos zu überzeugen. Eine Unterwasserstadt, gebaut im Art-Déco-Stil der 1930er Jahre ist eine noch nie dagewesene Kulisse, die sehr gut umgesetzt wurde.

Gesamteindruck: 6/7


Nichts für Zartbesaitete.

Vor allem die Details suchen in „BioShock“ ihresgleichen: Sowohl die musikalische Untermalung (Original-Musik aus der damaligen Ära, der Sound klingt nach einem alten Grammophon) als auch die Grafik wurden sorgfältig und liebevoll gestaltet. Übrigens sind auch die grafischen und akustischen Effekte nicht von schlechten Eltern und weisen keinerlei Schwächen auf.

Positiv zu erwähnen ist auch die Handlung: Die Geschichte, die sich erst im Laufe der Zeit offenbart, ist spannend und schlüssig, wobei es allerdings zu Beginn einige Längen gibt. Der Held, von dem man am Anfang ebenfalls recht wenig weiß, kann völlig neutral betrachtet werden. Es gibt nämlich im Spielverlauf einige rudimentäre Möglichkeiten, „gute“ und „böse“ Taten zu vollbringen, die Entscheidung liegt beim Spieler und hat unmittelbare Konsequenzen (allerdings sind diese wirklich unmittelbar und wirken sich auf den Spielverlauf als Ganzes nicht aus). Ähnlich ist es mit der Charakterentwicklung: die aus Rollenspielen bekannte „Magie“ wird hier durch genetische Veränderungen in Form von „Plasmiden“ ersetzt – der Effekt ist ungefähr der gleiche: es können beispielsweise Feuerbälle oder Blitze verschossen werden, verschiedene Upgrades und Entwicklungen sind möglich. Diese Rollenspielelemente sind – neben der äußerlichen Gestaltung – der zweite Punkt, der „BioShock“ so besonders macht. Hier wird eine taktische Variante eingebracht, die vielen derartigen Spielen fehlt.

Der größte Trumpf des Spieles ist allerdings die Atmosphäre. Ein derart düsteres, bedrückendes und mit schwarzem Humor ausgestattetes Szenario wie das gescheiterte Utopia „Rapture“ hat man im Ego-Shooter-Bereich bisher selten gesehen. Ein Beispiel: man hört die Gegner (noch bevor man sieht) wirres Zeug vor sich hin brabbeln, singen oder streiten. Wenn sie dann auftauchen, erzeugt das bizarre Aussehen der Feinde, die dennoch menschlich sind, Gänsehaut. Dazu kommen eingespielte Werbebotschaften, überraschende Explosionen, Wassereinbrüche, Angriffe von hinten und unheilvolle Tonbandaufnahmen. Auch das generell sehr heruntergekommene Äußere der Stadt trägt seinen Teil zur Nervosität des Spielers bei – kurzum: Ich habe bis zu diesem Zeitpunkt selten ein Spiel mit einer derart dichten Atmosphäre gespielt.

Es gibt aber auch bei „BioShock“ einige Punkte, die zu kritisieren sind. Vor allem die Steuerung treibt den Spieler gelegentlich trotz freier Belegbarkeit zur Verzweiflung. Schwerer wiegt allerdings, dass sich die Programmierer offenbar nicht ganz einig waren, ob sie einen reinen Shooter oder eine Stealth-Variante schaffen sollten. Leider ist das Spiel dadurch weder Fisch noch Fleisch geworden: Für einen Shooter ist die Waffensteuerung nicht genau genug, es gibt lediglich die Standardwaffen und die Munitionsvorräte sind so begrenzt, dass das Geballer nicht gerade leicht von der Hand geht. Dazu kommen relativ langsame Nachlademanöver, die zwar schön anzusehen aber auch tödlich sind, wenn man gerade mitten im Kampf ist. Aus diesen Gründen würde man oft lieber den leisen Weg wählen – diese Variante wurde aber kaum bis gar nicht berücksichtigt. Wirklich schleichen kann die Spielfigur eigentlich nicht, Umgehungsmöglichkeiten gibt es ebenfalls nicht sehr viele. Alles in allem erinnert das an den Klassiker „Call Of Cthulhu: Dark Corners Of The Earth“ – auch dort hatte man es mit sehr wenig Munition und schwer zu meisternder Steuerung zu tun und konnte den Kämpfen dennoch oft nicht entgehen. Dieses Problem ist allerdings nur bedeutend, wenn man auf höheren Schwierigkeitsstufen spielt – ansonsten ist das ganze Spiel stellenweise erschreckend einfach, vor allem der finale Bossgegner ist praktisch ohne Energieverlust zu erledigen. Hier wäre ein höherer Grundschwierigkeitsgrad durchaus angebracht gewesen.

Dennoch hat mir das Spiel im Endeffekt sehr gut gefallen, sodass die genannten Mängel lediglich Anlass zu kleinen Abzügen geben. Atmosphäre, Story und Effekte stimmen, sodass alle Fans von düsteren Shootern bedenkenlos zugreifen können.

Gesamteindruck: 6/7


Genre: Survival Horror/Third-Person-Shooter
Entwickler: 2K Games
Jahr: 2007
Gespielt auf: PC


 

5 Gedanken zu “SpielWelt: BioShock

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