MusikWelt: Hymns In The Key Of 666

Hellsongs


„Hymns In The Key Of 666“ (2008) ist nach „Reborn“ (2007, Northern Kings) die zweite reine Cover-Platte, die auf WeltenDing rezensiert wird. Und tatsächlich haben die Schweden Hellsongs gegenüber ihrer finnischen Konkurrenz die Nase vorn. Das heißt freilich nicht, dass dieses Album ein Meisterwerk wäre. Aber hörenswert ist es allemal, was die 3-Personen-Combo aus den alten Metal-Gassenhauern macht. Mal mehr, mal weniger.

Gesamteindruck: 4/7


Metal in neuem Gewand mit Licht und Schatten.

Auf „Hymns In The Key Of 666“ (ein sehr gewöhnungsbedürftiger Titel mit noch gewöhnungsbedürftigerem Album-Cover) spielen die Schweden Harriet Ohlsson (Gesang), Johann Bringhed (Keyboard, Gesang) und Kalle Karlson (Gitarre, Gesang, Banjo) 11 Klassiker des Heavy Metal bzw. Hard Rock nach. So weit nichts Außergewöhnliches, aber die Art der Darbietung ist dann doch ausgesprochen speziell. Hört sich der geneigte Metalhead die Platte an, sind erstmal Fragezeichen angesagt. Beim ersten Durchlauf gilt die volle Konzentration dem Versuch, die geliebten Songs überhaupt zu identifizieren – zumindest war es bei mir so. Pauschal kann man sagen, dass das Erkennen praktisch nur über die Text funktioniert. Und selbst da kann es durchaus zu Problemen kommen, weil man die Lyrik im Original teilweise wesentlich schlechter versteht. Erst wenn man diese Schwierigkeiten überwunden hat, kann man sich in Ruhe eine Meinung zu diesem Album bilden.

Zunächst gilt es, die Frage zu klären, ob den Stücken, die im Original großteils ordentlich „Wumms“ haben, durch die minimalistische Instrumentierung etwas fehlt. Das muss man eigentlich verneinen – es ist eher so, dass die Songs dermaßen entkernt und verfremdet klingen, dass man gar nicht mehr von Cover-Versionen im klassischen Sinn sprechen kann. Entsprechend hat man es eigentlich mit völlig anderen Stücken zu tun, die musikalisch maximal über rudimentäre Melodieansätze erkennbar sind. Nicht einmal die Gesangslinien kann man – von wenigen Ausnahmen abgesehen – als originalgetreu betrachten. Lediglich die Texte wurden nicht verändert und bieten so mehr oder weniger den einzigen Anhaltspunkt für den Fan der gecoverten Bands. Es ist also eine große Prise Toleranz gefordert, wenn man dieses Album wirklich schätzen will. Musikalisch wird es von den Hellsongs selbst als „Lounge Metal“ bezeichnet. Ich persönlich würde den Begriff Metal aus dieser Bezeichnung ersatzlos streichen. Diese Musik hat mit Metal nicht einmal entfernt etwas zu tun, weder mit der Art, die Instrumente einzusetzen, noch mit der Dynamik. Stattdessen gibt es Pop-, Folk- und Chill-out-artige Stücke zu hören. Wer damit klar kommt, bekommt definitiv einen interessanten Ansatz geboten – auch wenn meines Erachtens nicht jeder Song ein Treffer ist.

Beginnen wir mit den Problemkindern. Da wäre zunächst „Blackened“ (Metallica), bei dem die chillige Klavierbegleitung ganz und gar nicht mit dem ernsten Thema des Liedes zusammengeht. Auch der Gesang passt in meinen Ohren kaum zum Text. Genau mit dem umgekehrten Problem kämpft „We’re Not Gonna Take It“ (Twisted Sister). Aus einem Partykracher wird ein extrem nachdenkliches Stück – auch hier gehen Text und Musik weiter auseinander, als mir persönlich lieb ist. Ein weiterer Fall von „passt nicht“ ist schließlich „Thunderstruck“ (AC/DC), das in der Hellsongs-Version einfach mehr Dynamik gebraucht hätte. So bleibt jedenfalls nicht viel hängen. Zusätzlich zu diesen drei schwachen Stücken gibt es noch zwei mittelprächtige Songs. Zum einen wäre das „Symphony Of Destruction“ (Megadeth), in der Hellsongs-Variante zu einem fröhlich swingenden Stück verwurstet, das zwar am ehesten der Originalversion entspricht, mir aber vollkommen belanglos erscheint. Gleiches gilt für „Princess Of The Night“ (Saxon) das ganz gut gemacht, im Endeffekt aber langweilig ist. Zwiegespalten bin ich auch bei „Jump“ (Van Halen) – ist das nun große Kunst oder gar nix? Für mein Gefühl ist die Nummer genau zwischen diesen Polen angesiedelt.

Richtig gut machen die Schweden ihre Sache dafür bei zwei Stücken von Iron Maiden. Vor allem das bereits auf der Vorgänger-EP enthaltene „Run To The Hills“ ist ein echtes Juwel. Hier passt alles, vor allem der grandiose Gesang weiß zu überzeugen und macht einem die absurde Tragik des Themas erst so richtig bewusst. Ähnliches gilt für die super-minimalistische Version von „The Trooper“, deren Text in dieser Darbietung fast zu Tränen rührt. Außerdem sehr stark: „Seasons In The Abyss“ (Slayer), bei dem in dieser Version erst merkt, dass der Text sich durchaus auch für eine andersartige Darbietung eignet – und, wie viele Silben Tom Araya eigentlich „verschluckt“. Bei „Paranoid“ (Black Sabbath) kann man sogar so weit gehen, zu sagen, dass die hier dargebotene, nachdenkliche Version fast (!) besser zum Text passt, als das schnelle Original. Ähnliches gilt auch für „Rock The Night“ (Europe), dem die Hellsongs-Darbietung eine Tiefe verleiht, die man dieser einfachen Nummer gar nicht zugetraut hätte.

Fazit: Hellsongs bieten auf „Hymns In The Key Of 666“ neben gelungenem Stoff auch einiges an Mittelmaß. Gemeinsam ist allen Stücken, dass sie von gestandenen Metalheads mehr als nur ein bisschen Toleranz erfordern. Wer die aufbringen kann, wird mit der einen oder anderen Nummer sicher seinen Spaß haben und vielleicht sogar einige neue Facetten an den alten Klassikern entdecken. Weil das Hörerlebnis insgesamt nicht ganz rund ist, gebe ich vier Punkte, womit man jedenfalls die finnische Konkurrenz Northern Kings schlägt, die 2007 auf „Reborn“ etwas Ähnliches versuchte.


Track – Titel – Originalinterpret – Wertung*

  1. The Trooper (Original: Iron Maiden) – 7/7
  2. Symphony Of Destruction (Original: Megadeth) – 4/7
  3. Rock The Night (Original: Europe) – 5/7
  4. Seasons In The Abyss (Original: Slayer) – 5/7
  5. We’re Not Gonna Take It (Original: Twisted Sister) – 3/7
  6. Blackened (Original: Metallica) – 3/7
  7. Thunderstruck (Original: AC/DC) – 4/7
  8. Run To The Hills (Original: Iron Maiden) – 6/7
  9. Paranoid (Original: Black Sabbath) – 6/7
  10. Princess Of The Night (Original: Saxon) – 4/7
  11. Jump (Original: Van Halen) – 4/7

Gesamteindruck: 4/7 

* Bei Live-, Tribute- und Best of-Alben verzichte ich meist auf eine Einzelbewertung der Songs. In diesem Fall mache ich eine Ausnahme, weil der Unterschied derart groß ist, dass man nicht mehr von klassischen Cover-Versionen sprechen kann.


Hellsongs auf “Hymns In The Key Of 666” (2008):

  • Harriet Ohlsson − Vocals
  • Johan Bringhed − Piano
  • Kalle Karlsson − Guitar

Anspieltipp: The Trooper

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Ein Gedanke zu “MusikWelt: Hymns In The Key Of 666

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