BuchWelt: About A Boy

Nick Hornby


Glücklicherweise wurde der englische Titel „About A Boy“ für die deutsche Ausgabe des zweiten Romans von Nick Hornby nicht übersetzt. Das hätte nur nach hinten losgehen können und man muss dem Verlag dankbar sein, dass dieses Fettnäpfchen vermieden wurde. Der Untertitel „Der Tag der toten Ente“, der zumindest der Post-Film-Ausgabe des Buches untergeschoben wurde, ist hingegen in Ordnung, auch wenn ich persönlich ihn überflüssig finde.

Gesamteindruck: 6/7


Angenehm leichte Lektüre im besten Sinne.

Wie schon im grandiosen Vorgänger „High Fidelity“ (1995) schimmert auch in „About A Boy“ ein in die Handlung verpacktes Lebensgefühl durch, das für Nick Hornbys Romane, zumindest für den mir bekannten Teil davon, typisch ist. Geprägt wird das Ganze von einem tiefen Verständnis für skurril-liebenswürdige Außenseiter und Lebenskünstler. Auch in vorliegendem Buch ist der Mittdreißiger („Will“) enthalten, der eigentlich ohne jegliches Talent auskommt, dafür aber mit gutem Geschmack hinsichtlich Zeitgeist, Mode und Musik gesegnet ist. Gerade die Musik ist dabei ein recht wichtiges Thema (merkt man schon am Titel des Buches, der an den fast gleichnamigen Song von Nirvana angelehnt ist), wenngleich auch nicht so allgegenwärtig wie in „High Fidelity“. Sie schafft eher einen Teil der Rahmenbedingung unter der die Figuren näher zueinander finden können.

Die zweite Hauptperson („Marcus“) zeugt hingegen vom Einfühlungs- und Erinnerungsvermögen des Autors an den Übergang von der Kindheit zur Jugend. Offenbar ist Hornby ein Mann, der sich gut an die Prägungen dieses Alters erinnern kann – oder zumindest eine Fantasie besitzt, die ihm eine derart faszinierende Beschreibung der Zustände seiner Figuren ermöglicht. Es ist erstaunlich, wie gut ihm das gelingt, und wie oft man sich in den beschriebenen Personen wiederzufinden meint.

Die Handlung selbst kann wohl am ehesten als Selbstfindungstrip zweier Menschen, die langsam erwachsen werden (müssen) bezeichnet werden. Dass einer davon mit 36 zumindest körperlich seit geraumer Zeit die Teenager-Jahre hinter sich hat, macht den besonderen Reiz der Geschichte aus. Der Autor schafft es mit viel Witz, aber auch der nötigen Portion Ernsthaftigkeit und Dramatik, von der ersten Seite an, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Die Sprache ist leicht verständlich und spiegelt den Zeitgeist sehr gut wieder, ohne dabei so aufgesetzt zu wirken, wie es beispielsweise in Teilen von „A Long Way Down“  (2005) der Fall ist. Der Stil ist gewohnt sehr locker und gut lesbar – es ist einfach eine Beschreibung des Besonderen, das auch in scheinbar alltäglichen Szenen zu finden ist.

Im Prinzip erweitert „About A Boy“ den Grundgedanken, der auch schon in „High Fidelity“ das tragende Element ist: Ein körperlich Erwachsener wird durch äußere Umstände (vorerst gegen seinen Willen) gezwungen, auch geistig nachzuziehen. Hier kommt aber noch eine zweite Person und damit eine weitere Sichtweise hinzu, was für interessante Perspektivenwechsel und wirklich kurzweiliges Lesevergnügen sorgt; dabei soll nicht verhehlt werden, dass es durchaus einige Längen in der Handlung gibt; wirklich störend sind diese aber nicht. Ich halte allerdings „High Fidelity“ nach wie vor für das gelungenste Buch von Nick Hornby – daher „nur“ 6 Punkte.

Gesamteindruck: 6/7


Autor: Nick Hornby
Originaltitel: About A Boy.
Erstveröffentlichung: 1998
Umfang: 320 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

4 Gedanken zu “BuchWelt: About A Boy

  1. Pingback: Autoren A-Z | Weltending.
  2. Ich kenne nur Serie und Film. Wobei mir die Serie besser gefällt als der Film. Marcus ist in der Serie wirklich toll. Der Film ist zu lange her, da kann ich mich nur noch an das Gefühl erinnern. Cool dass Du das Buch gelesen hast…:-)

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