KonzertWelt: The Vision Bleak (Wien, 17.10.2016)

Datum: Montag, 17. Oktober 2016
Location: ((szene)) (Wien)
Tour: Coming Home Tour 2016
Headliner: Pain
Support: The Vision Bleak – Dynazty – Billion Dollar Babies
Ticketpreis: 26 Euro (VVK)


Horror-Montag.

Die Festival-Saison 2016 ist endgültig vorbei und damit ist es wieder Zeit für Clubshows. Mein Herbst-, Winter- und Frühlingsprogramm an harter Live-Musik wurde diesmal in der Wiener ((szene)) eröffnet – PAIN befinden sich gerade auf Promo-Tour zu ihrem aktuellen Album „Coming Home“, als Special Guests waren die deutschen Horror-Metaller von THE VISION BLEAK dabei – ein recht ambivalentes Programm also. Nun war aber auch von vornherein klar, dass ein Konzert an einem Montag irgendwie so gar nichts kann. Und da ich PAIN zwar cool finde, sie aber nicht ganz zu meinen Favoriten gehören, war ich im Endeffekt nur wegen ihren „Gästen“ da und habe weder vom Vorprogramm noch vom Headliner wirklich viel mitbekommen. Schade – aber so ist das halt, wenn der Termin so ungünstig liegt.

Bei der Ankunft in der Halle standen gerade DYNAZTY auf der Bühne. Der Zuschauerraum schien sehr gut gefüllt zu sein und bei den finalen zwei Songs, die ich mitbekommen habe, war die Stimmung im Publikum recht ausgelassen. Musikalisch konnte ich mir in der kurzen Zeit freilich kein Bild von der mir völlig unbekannten Band machen – es schien aber Hard Rock an der Grenze zu melodischem Power Metal zu dominieren. Irgendwie also recht passend zum wild durcheinander gewürfelten Genre-Mix an diesem Abend.

In der Umbaupause hatte der DJ die Lacher auf seiner Seite, als „Manic Monday“ von den BANGLES aus der PA ertönte. So kann man den Montag natürlich auch nehmen, nämlich mit Galgenhumor. Nachdem die Bühne mit den üblichen Gimmicks (Grabstein, ausgestopfte Eule…) dekoriert war, konnten THE VISION BLEAK endlich loslegen. Wieso sie das ausgerechnet mit dem in meinen Ohren zwar gefälligen, aber auch einigermaßen sperrigen „From Wolf To Peacock“ vom aktuellen Album „The Unknown“ taten, ist mir nicht ganz klar. Oder lag es am zu diesem Zeitpunkt noch etwas matschigen Sound, dass der Funke nicht so recht überspringen wollte? Ich persönlich hätte mir jedenfalls einen schmissigeren Opener gewünscht. Andererseits: Die ((szene)) gestattet den verhältnismäßig zahlreich anwesenden Fotografen, für drei Songs im engen Fotograben zu bleiben. Ein echter Stimmungskiller – ich verstehe ja, dass man gute Bilder haben möchte und auch braucht, aber drei Songs in einer solch kleinen Halle? Das ist mir dann doch ein wenig zu viel, vor allem weil ein Teil der Fotografen aus ziemlich rücksichtlosen Riesen zu bestehen scheint. So konnten die Leute in der ersten Reihe dann auch die eigentlich grandiosen, auf den Opener folgenden Nummern „The Night Of The Living Dead“ und „Carpathia“ nicht so richtig genießen. Allerdings dauerte es auch so lange, bis der Mann am Mischpult endlich merkte, dass der Sound suboptimal war. Besser spät als nie.

Als die Fotografen endlich weg waren, ging es mit einem weiteren Doppelpack von „The Unknown“ weiter. Zunächst „The Kindred Of The Sunset“, was nicht ganz so gut gefiel, dann aber der absolut großartige quasi-Titeltrack „Into The Unknown“. Darauf folgte das live in letzter Zeit sehr selten gehörte „Descend Into The Maelstrom“, das vom Publikum ganz ordentlich aufgenommen wurde. Höhepunkt waren letztlich aber doch die beiden folgenden Nummern – wobei es erwartungsgemäß bei „Kutulu!“ am lautesten wurde und die Meute sich auch erstmals richtig bewegte. Dann noch „Wolfmoon“ (sehr geil!) und als Abschluss „By Our Brotherhood With Seth“ (ein Beispiel für einen Song, den ich lieber als Opener gehört hätte). Und das war es auch schon, mehr gab es leider nicht. Ich konnte einen kurzen Blick auf den Zettel mit der Setlist erhaschen, dort war zumindest eine geplante Nummer gestrichen worden. Könnte eventuell mit der fortgeschrittenen Uhrzeit zu tun haben, denn als die letzten Klänge von THE VISION BLEAK ertönten, hätten laut Running Order bereits PAIN auf der Bühne stehen sollen.

Von besagten Schweden habe ich mir dann noch zwei Songs angesehen: Das neue „Designed To Piss You Off“ und das alte „Suicide Machine“. Gut gewähltes Eröffnungsdoppel für mein Gefühl. Der Saal war brechend voll und dass die Schweden ihren eigenen Bühnenaufbau dabei hatten, trug zusätzlich zur Stimmung bei. „Peda“, wie Peter Tägtgren in Wien lautstark vom Publikum gerufen wird, schien jedenfalls schon während der ersten Songs gehörig Spaß an seinem Job zu haben. Dazu noch seine wild bangenden Flügelmänner – war alles sehr stimmig und machte einen guten Eindruck. Leider half alles nichts und ich musste mich auf den Weg machen – das Bett rief schon. Sehr laut. Schade.

Fazit: THE VISION BLEAK sind ja irgendwo ein Phänomen. Eine Band, die es wohl nie auch nur in die zweite Reihe schaffen wird, dennoch unermüdlich auf Tour, sehr sympathisch (das durfte ich im einen oder anderen persönlichen Gespräch feststellen) und auch musikalisch immer einen Besuch wert. Ein paar Wermutstropfen gibt es aber doch: Es kommt bei THE VISION BLEAK immer wieder vor, dass man keinen Bassisten am Start hat. So auch bei dieser Show. Obwohl man das soundmäßig nicht unbedingt merkt, hat man das Gefühl, dass etwas fehlt/nicht stimmt. Zweitens war der Einstieg in die Setlist für meinen Geschmack einfach nicht gut gewählt. Der dritte Punkt betrifft das Auftreten: Ich habe das Gefühl, die Herren Konstanz und Schwadorf haben sich früher mehr bemüht, ihre ganz eigene … ähem„Vision“ umzusetzen. Man schminkte sich besser, man kleidete sich anders (das betrifft auch den Rest der Band) – all das sorgte meines Erachtens für wesentlich mehr Horrorstimmung. Natürlich ist die Band immer noch sehr, sehr gut – aber ich fand das Gesamtpaket früher einfach stimmiger. Egal, wenn die Sterne wieder richtig stehen um „… the grand representatives of Horror in this time and age“, willkomen zu heißen, werde ich da sein.



Ein Gedanke zu “KonzertWelt: The Vision Bleak (Wien, 17.10.2016)

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