FilmWelt: Trollhunter

Wer nach dem Genuss von „Trollhunter“ durch Norwegen fährt, wird die Hochspannungsleitungen, die man immer wieder in der kargen Landschaft sieht, mit anderen Augen betrachten… Tatsächlich ist der Film weit besser und weniger trashig, als der Beschreibungstext vermuten lässt – wenngleich man natürlich nicht von einem Meisterwerk sprechen kann. Mich hat die Trolljagd in der Wildnis Norwegens jedenfalls gut unterhalten, daher gibt es auch eine passable Wertung.

Gesamteindruck: 4/7


Einigermaßen unterhaltsame Mockumentary.

Der Inhalt von „Trollhunter“ in Kurzform: Drei norwegische Studenten möchten eine Dokumentation über einen mutmaßlichen Wilderer drehen. Nach einigem Hin & Her stellt sich heraus, dass der Mann, dem sie dafür folgen, definitiv keine Bären jagt. Erst ab diesem Zeitpunkt kommt der Film richtig in Fahrt, das Geplänkel davor ist eher langatmig und nicht sonderlich originell. Ob tatsächlich jeder Zuseher das erste Drittel übersteht, ist damit ein wenig fraglich. Wer so lange durchhält, wird dafür mit einem durchaus launigen Mittelteil und einem ganz gut gemachten Finale belohnt.

„Trollhunter“ ist eine Art „Blair Witch Project“ meets „Men In Black“. Der damals sensationell innovativen Hexenjagd wurde das Mockumentary-Format nachempfunden: Auch in „Trollhunter“ machen sich ein paar Studenten mit der Handkamera auf den Weg – und der dem Publikum präsentierte Film soll aus Material bestehen, das sozusagen gefunden und veröffentlicht wurde. Mit „Men In Black“ hat der Film gemein, dass die norwegische Regierung wie ihr US-Pendant eine geheime Organisation geschaffen und beauftragt hat, die ein großes Geheimnis, das eigentlich vor den Augen von jedermann präsent ist, schützen soll. Klingt zunächst nach einer abenteuerlichen Mischung, erfreulicherweise ist „Trollhunter“ jedoch wesentlich unterhaltsamer und besser, als man zunächst befürchtet.

Was gut funktioniert ist die Rolle des Trolljägers Hans, gespielt von Otto Jespersen. Dessen Darstellung des griesgrämigen, von seiner Arbeit und dem Geheimnis, das er stets bewahren muss, gezeichneten Eigenbrötlers ist meines Erachtens bemerkenswert. Durch diese Leistung stimmt im Endeffekt dann auch die Chemie zwischen Hans und der etwas blassen Studentengruppe. Letztere ist befriedigend besetzt (eine Nervensäge á lá Blair-Witch-Heather fehlt glücklicherweise), hat aber keinen großen Wiedererkennungswert. Das liegt wohl auch in der Art des Films begründet, der die Menschen, hinter der Handkamera naturgemäß kaum portraitieren kann. Unabhängig davon bringt das Schauspieler-Ensemble „Trollhunter“ tatsächlich auf ein höheres Niveau, als es die etwas magere Story und das durchschnittliche Drehbuch allein geschafft hätten.

Ein weiterer Faktor, der neben den Darstellern für eine passable Wertung sorgt, sind die Effekte. Für einen Film, der nicht aus Hollywood kommt, sieht das Gezeigte schon sehr, sehr gut aus. Natürlich hilft es, dass die Aufnahmen praktisch mit der Handkamera gemacht wurden, wodurch Dinge wie perfekte Ausleuchtung, Bildschärfe u. ä. eine untergeordnete Rolle spielen. Dennoch: Die Trolle sehen sehr gut aus, die Landschaftsaufnahmen sind in Ordnung und die ganze Stimmung, die über die Bilder transportiert wird, ist durchaus angemessen und macht „Trollhunter“ sogar ein wenig ernsthafter, als man bei einem solchen Thema meinen möchte. Ein sehr guter Kniff ist dem Regisseur meines Erachtens übrigens mit der finalen Pressekonferenz gelungen, in der zweifache norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg quasi zugibt, dass es Norwegen Trolle gäbe. Den entsprechenden Ausschnitt aus dem Film kann man sich auch auf YouTube ansehen – die Geister streiten sich, ob Stoltenberg das tatsächlich so gesagt hat. Von daher: Mission erfüllt.

Eine bessere Bewertung bleibt „Trollhunter“ aber dennoch verwehrt. Denn auch wenn der Film seine Momente hat und weit davon entfernt ist, schlecht zu sein, muss man die Kirche im Dorf lassen. Zunächst sind die Längen im ersten Abschnitt nicht wegzudiskutieren, hinzu kommt, dass der Streifen insgesamt relativ vorhersehbar ist. Positiv sind hingegen die dargestellte norwegische Natur (und deren Störung durch den Menschen), die Idee an sich und die gute schauspielerische Leistung hervorzuheben. Macht unterm Strich gute 4 Punkte.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Trolljegeren
Regie: André Øvredal
Jahr: 2010
Land: Norwegen
Laufzeit: 104 Minuten
Besetzung (Auswahl): Otto Jespersen, Hans Morten Hansen, Tomas Alf Larsen, Johanna Mørck



 

2 Gedanken zu “FilmWelt: Trollhunter

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