BuchWelt: The Stand – Das letzte Gefecht

Stephen King


„The Stand“ wird immer mal wieder als Stephen Kings bestes Werk beschrieben. Dieser Ansicht kann ich nicht so recht zustimmen, was natürlich eine Frage des persönlichen Geschmacks ist. Mir gefällt beispielsweise „Es“ wesentlich besser. Dennoch ist es so, dass dem Amerikaner hier ein Epos über den Kampf zwischen Gut und Böse gelungen ist, das eine unheimliche Kraft entfaltet, die ich persönlich so nicht erwartet hätte.

Gesamteindruck: 5/7


Mächtiges Epos mit einigen Längen.

Im Großen und Ganzen lebt Stephen Kings 1978er-Roman „The Stand“ von zwei Elementen: Zum einen ist die Beschreibung einer quasi-postapolkalyptischen Welt ausgezeichnet gelungen. Dieses Thema ist zwar an sich nicht neu, aber der Autor setzt es auf völlig eigene Art um – ein nahezu völlig entvölkerter Kontinent, auf dem aber die gesamte Technik noch da ist und funktioniert, regt die Fantasie entsprechend stark an. Der zweite wichtige Punkt sind Kings Charaktere. Wer bereits Werke des Amerikaners kennt, weiß, was ihn hier erwartet: Klug und behutsam aufgebaute Figuren, die aus ihrem Alltag direkt in eine immer chaotischer werdende Welt geworfen werden und damit umzugehen lernen. Was das betrifft ist tatsächlich alles im grünen Bereich, auch wenn dem erfahrenen King-Leser einige Personen recht bekannt vorkommen werden.

Was allerdings nicht verschwiegen werden darf: Die vorliegende Fassung enthält durchaus einige Längen, die zwar gerade noch erträglich sind, aber dennoch nicht wegdiskutiert werden können. Ob das an der „erweiterten“ Fassung liegt weiß ich nicht, da ich die Original-Ausgabe nicht kenne. Denn ursprünglich wurde „The Stand“ als einzelner Band veröffentlicht. Ich selbst habe eine zweibändige Edition, herausgegeben vom Verlag Bastei-Lübbe gelesen. Dort steht im Vorwort, dass die Originalausgabe gekürzt war – vorwiegend, weil es der damalige Verlag so wollte. Wie auch immer: King geht ab und an mit seiner – immer schon recht ausgeprägten – Art, sich in Details zu verlieren, einen Schritt zu weit. An diesen Stellen wünscht man sich eine Straffung der Handlung, wobei es aber kein einziges Mal so weit kommt, dass man quer liest.

Wesentlich problematischer als diese Ausschweifungen ist meines Erachtens jedoch der Schluss, der im Vergleich zum Gesamtwerk wenig ausgearbeitet wirkt. Im Kontrast zum insgesamt eher gemächlichen Aufbau geht gegen Ende plötzlich alles sehr schnell und auch nicht ganz nachvollziehbar vonstatten. Schade ist auch, dass der Autor zwar die „Guten“ und ihre Bemühungen sehr ausführlich beleuchtet, die Gegenseite aber ziemlich vernachlässigt. Dabei sollte es auch dort durchaus interessante Charaktere geben, über die man wesentlich mehr erfahren möchte. Grund dafür ist auch, dass King bei der Gruppe um „Mutter Abagail“ (deren Rolle sich mir übrigens auch nicht so wirklich erschließt) zeitweise viel zu tief in den Klischee-Topf greift. Wenn beispielsweise die amerikanische Nationalhymne voller Inbrunst abgesungen wird und dabei kein Auge trocken bleibt, hat das für mich schon etwas von unfreiwilligem Humor. Wobei ich mir vorstellen könnte, dass amerikanische Leser gerade solche Anwandlungen lieben.

Trotz der angesprochenen Kritikpunkte halte ich „The Stand“ für durchaus lesenswert. Fans des amerikanischen Kult-Autors wissen ohnehin was sie erwartet, King-Hasser werden sich auch mit diesem Werk nicht bekehren lassen. Neulingen sei vielleicht ein etwas leichter verdaulicher Einstieg wie „Friedhof der Kuscheltiere“ empfohlen. 5 Punkte jedenfalls für einen Roman, der nicht Kings allerbester ist, seine wirklich schwachen Bücher aber locker hinter sich lässt.

Gesamteindruck: 5/7


Autor: Stephen King
Originaltitel: The Stand.
Erstveröffentlichung: 1978
Umfang: ca. 1.400 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

Ein Gedanke zu “BuchWelt: The Stand – Das letzte Gefecht

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