MusikWelt: I Worship Chaos

Children of Bodom


Kurz nach Start der Aufnahmearbeiten zu „I Worship Chaos“ (2016) hatte Bandchef Alexi „Wildchild“ Laiho eine bittere Pille zu schlucken: Roope Latvala, Rhythmus-Gitarrist und (allein aufgrund seines Alters) Ruhepol der finnischen Chaostruppe, stieg aus. Ersatz war – nach einigem Hin & Her – nicht bei der Hand, sodass dieses Album das bis zum Zeitpunkt dieser Rezension einzige ist, auf dem Children of Bodom als Quartett antreten.

Gesamteindruck: 4/7


Kleiner Rückschritt in Richtung Mittelmäßigkeit.

Wie der Ausstieg von Latvala menschlich zu bewerten ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Interessanter ist ohnehin die musikalische Komponente: Roope Latvala wurde 2003 bei Children of Bodom engagiert, war im Endeffekt also genau in der Zeit an Bord, in die die umstrittensten Veröffentlichungen der Bandgeschichte fallen (das letzte überwiegend wohlwollend aufgenommene Album war „Hate Crew Deathroll“, 2003, an dem er aber noch nicht beteiligt war). Insofern: So sympathisch der Mann auch sein mag, man durfte vor der Veröffentlichung von „I Worship Chaos“ gespannt sein, wie sich sein Ausstieg auf die Musik auswirken würde.

Die Antwort nach mehren Durchgängen: Gar nicht so sehr. Kein Wunder, war doch Alexi Laiho ohnehin praktisch immer der Alleinherrscher und Hauptsongwriter bei den Finnen. Zunächst einmal lebt „I Worship Chaos“ von einer extrem starken, fetten Produktion. Eine derartige Heaviness hätte ich persönlich nicht erwartet, gerade weil der Rhythmus-Gitarrist abgesprungen ist. Ein solcher Sound steht der Band natürlich gut zu Gesicht, aber was nützt das, wenn es am Songwriting hakt? Leider nicht viel, weshalb das Album seinen soliden, wenn auch nicht hervorragenden Vorgänger leider nicht übertreffen kann. Natürlich ist auch „I Worship Chaos“ weit von den bisher schwächsten CoB-Platten („Blooddrunk“, 2008 und „Relentless Reckless Forever“, 2011) entfernt, gleichzeitig ist es dennoch ein wenig enttäuschend, dass kein weiterer Aufwärtstrend notiert werden kann.

Meine persönlichen Lieblingstracks auf „I Worship Chaos“ befinden sich an der ersten und letzten Position des Albums. „I Hurt“ war – neben „Morrigan“ – bereits vorab bekannt und ist ein toller Brecher. Wenn es im Refrain heißt „I am dominant!“ nimmt man das Herrn Laiho problemlos ab, denn so brutal klangen seine Vocals lange nicht mehr. Das angesprochene „Morrigan“ zeigt im Übrigen auch, wie das Album als Ganzes bei mir persönlich einzuordnen ist. Als ich den Song zum ersten Mal hörte, war ich wenig begeistert. Nicht übel, aber auch nicht die Klasse, die man sich immer wieder erhofft, wenn eine neue Platte von Children of Bodom angekündigt ist. Bezeichnend, dass trotz dieser Bedenken „Morrigan“ tatsächlich einer der besten Songs auf „I Worship Chaos“ ist. Ansonsten gefallen mir noch „My Bodom (I Am the Only One)“ und die quasi-Ballade „Prayer for the Afflicted“. Der beste Track ist wie erwähnt allerdings der Rausschmeißer: „Widdershins“ hat nicht nur einen tollen Titel, sondern kann auch mit gutem Songwriting punkten. Von den moderner ausgerichteten Songs von Children of Bodom ist das meiner Ansicht nach einer der besten.

Die übrigen Stücke auf „I Worship Chaos“ sind – leider – einmal mehr nicht der Rede wert. Technisch ist wie üblich alles top, auch wenn mir die Keyobard-Effekte manchmal ziemlich auf die Nerven gehen, beispielsweise im Titeltrack. Aber das Songwriting ist relativ mau – oder kann sich irgendjemand auch nach mehreren Durchläufen noch erinnern, wie „Horns“ oder „Suicide Bomber“ klingen? Ich jedenfalls nicht, was immer ein schlechtes Zeichen ist. Und so ordnet sich „I Worship Chaos“ zwar klar vor den Tiefpunkten der CoB-Diskografie ein, fällt aber seinem Vorgänger gegenüber ab. Ergibt vier Punkte und die Erkenntnis, dass die große Herrlichkeit von Children of Bodom trotz der nach „Halo of Blood“ (2013) geschöpften Hoffnung wohl nicht mehr wieder kommt.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. I Hurt – 4:29 – 6/7
  2. My Bodom (I Am The Only One) – 4:19 – 5/7
  3. Morrigan – 5:06 – 6/7
  4. Horns – 3:25 – 4/7
  5. Prayer For The Afflicted – 4:55 – 5/7
  6. I Worship Chaos – 3:40 – 4/7
  7. Hold Your Tongue – 4:02 – 3/7
  8. Suicide Bomber – 3:33 – 4/7
  9. All For Nothing – 5:42 – 4/7
  10. Widdershins – 5:08 – 7/7

Gesamteindruck: 5/7 


Children of Bodom auf “I Worship Chaos” (2015):

  • Alexi Laiho – Vocals, Lead Guitar
  • Henkka Blacksmith – Bass
  • Janne Wirman – Keyboards, Backing Vocals
  • Jaska Raatikainen – Drums, Backing Vocals

Anspieltipp: Widdershins

2 Gedanken zu “MusikWelt: I Worship Chaos

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