KonzertWelt: Kampfar (Wien, 22.10.2016)

Datum: Samstag, 22. Oktober 2016
Location: Escape Metalcorner (Wien)
Tour: Profane Solstice From The North
Headliner: Kampfar
Support: Vreid – Dreamarcher
Ticketpreis: 26 Euro (VVK)


Heiß, stickig, laut – und einfach geil!

Die „Profane Solstice From The North“-Tour, veranstaltet vom feinen norwegischen Label Indie Recordings, machte am 22. Oktober in der Escape Metalcorner in Wien Station. Schön – endlich mal wieder ein Konzert an einem Wochenende, noch dazu in einer der besten Locations in Wien, was Nähe und Interaktionsmöglichkeiten zwischen Publikum und Musikern betrifft. Als ich ankam (gerade rechtzeitig um die finalen Songs von DREAMARCHER zu hören) war der Keller des Escape, wo sich die kleine Bühne befindet, allerdings noch nicht so gut gefüllt. Andererseits: So wenig war gar nicht los, wenn man bedenkt, dass es die junge Truppe erst seit Februar 2016 gibt und das Debütalbum „Dreamarcher“ gar nur knapp 2 Wochen vor der Show in Wien veröffentlicht wurde. Ob das Publikum sich nun allerdings wirklich für DREAMARCHER interessierte oder sich einfach für die beiden großen Bands des Abends warm trank, wurde nicht ganz klar – einen respektvollen Höflichkeitsapplaus durften sich die Norweger jedenfalls abholen.

Kurz bevor die etwas gesetzteren Herren von VREID die Bühne betraten, begann sich der Keller ordentlich zu füllen. Von meinem Platz in der ersten Reihe aus wirkte es jedenfalls gesteckt voll – super für die Stimmung und einen schweißtreibenden Abend. Und genauso wurde es auch. VREID haben es inzwischen – zumindest sehe ich das so – aus dem übermächtigen Schatten ihrer Vorgänger-Band WINDIR befreien können. Und so herrschte auch an diesem Abend in Wien der schmissige Black n‘ Roll, während Folk-Elemente und reiner Black Metal eher die Ausnahme blieben. Man spielte sich durch die gesamte Diskografie, vom 2004er-Debüt „Kraft“ (vertreten durch „Helvete“ und „Raped By Light“) bis hin zum aktuellen „Sólverv“, von dem der Titeltrack und „Når Byane Brenn“ zu Ehren kamen. Nicht einmal von einer gerissenen Saite am Bass von Hváll beim grandiosen und unvermeidlichen Rausschmeißer „Pitch Black“ ließ man sich irritieren. Einziger Wermutstropfen: Mein Lieblingssong „Blücher“ wurde nicht gespielt. Stattdessen gab es vom „Milorg“-Album (2009) „Speak Goddamnit“ zu hören. Auch nicht schlecht, aber die Geschichte über den Schweren Kreuzer, der 1940 im Oslo-Fjord versenkt wurde, hätte ich noch lieber gehört. Unabhängig davon: Eine großartige Show, an der auch die Band sichtlich Spaß zu haben schien.

Nach dieser Darbietung brauchten die Nackenmuskeln eine kurze Erholungspause. Lang dauerte der Umbau aber nicht, es reichte gerade für ein Bier und ein paar Lockerungsübungen. Dann standen auch schon KAMPFAR auf der Bühne, um furios mit „Gloria Ablaze“ und „Ravenheart“ loszulegen. Das, was VREID ein wenig an Charisma fehlte, machten ihre Landsmänner wieder gut – allen voran natürlich Schreihals Dolk, der seine Musik lebt wie kaum ein anderer. Hinter ihm wütete mit Drummer Ask ein wahrer Berserker, der seinen Frontmann noch dazu mit angepisstem Gesang unterstützte – absolut hörenswert! Wie schon VREID zuvor war auch KAMPFAR die Freude an ihrer Arbeit an diesem Abend deutlich anzumerken, zumindest soweit man das unter ihrem zeitweise recht exzentrischen Gebahren sehen konnte. Dolk ließ sich allerdings ein- oder zweimal dazu hinreißen, die Location zu loben – als die kleinste auf der bisherigen Tour und als „cozy place“. Die Intensität blieb die gesamte Show über erhalten, Höhepunkte waren neben dem Eröffnungsdoppel das uralte „Hymne“, das neue „Mylder“ und das finale „Our Hounds, Our Legion“. Danach entließ man das ausgepowerte Publikum in die kühle Wiener Nacht.

Fazit: Es gibt sie noch – die kleinen Club-Gigs, bei denen der Schweiß in Strömen fließt, bei denen man denkt, man erstickt an Rauch und Trockeneis-Nebel, bei denen man direkt an der Bühne steht, ohne lästigen Fotograben und aufpassen muss, dass man keine Gitarre an den Kopf bekommt. Die Escape Metalcorner ist eine tolle Location für genau solche Konzerte. Man geht danach mit dem Gefühl nach Hause, etwas großes erlebt und mit Gleichgesinnten geteilt zu haben. Und das betrifft nicht nur die anderen Fans – auch für die Bands muss es ein besonderes Erlebnis sein, in einer so kleinen Location zu spielen; zumindest wird das von den Musikern bei den Konzerten im Escape immer wieder angedeutet. Loben muss man diesmal übrigens auch den Mann am Mischpult – kommt ja selten genug vor. Diesmal war der Sound allerdings perfekt und hat damit bestens zu diesem tollen Abend gepasst. Daran hatten natürlich auch die Bands ihren Anteil. Sowohl VREID als auch KAMPFAR haben gezeigt, dass sie a) noch lange nicht zum alten Eisen gehören und b) die etwas rockigere Variante der norwegischen, schwarzen Tonkunst aktuell voll den Nerv eines kleinen, aber feinen Publikums trifft.

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