FilmWelt: The Lords Of Salem

Rob Zombie hat sich im Laufe der Zeit zu einem ganz guten Filmemacher entwickelt. Damit steigen natürlich auch die Ansprüche, die man an den Rocker stellt. Zugute halten muss man ihm in jedem Fall, dass er – eigentlich ein Amateur – in seinen Filmen eine vollkommen eigene Atmosphäre mit hohem Wiedererkennungsgrad schafft. Vornehmlich entsteht diese Atmosphäre aus einer regelrecht betörend wirkenden Kombination aus Bildern und Bildcollagen mit exzellent gewähltem Soundtrack. Das ist aller Ehren wert – rettet „The Lords Of Salem“ aber nicht in höhere Punkteregionen.

Gesamteindruck: 2/7


Atmosphäre o.k., Drehbuch k.o.

Geniale Optik und Akustik – zwei Attribute, die weitgehend auch auf Zombies 2012er Werk „The Lords Of Salem“ zutreffen. In diesem Film trifft ein ausgesprochen düsteres Ambiente auf gutklassige Filmmusik, die teilweise von Rob Zombies Haus- und Hofgitarristen John 5 komponiert wurde. Dem Effekt, den die Bilder haben, können auch die an einer Hand abzählbaren Locations, an denen gefilmt wurde, nichts anhaben. Die Ausstattung bzw. die Requisiten sind hingegen etwas steril – das hat man von Zombie definitiv schon besser gesehen. Trotzdem – optisch und akustisch macht dem Rockmusiker so leicht keiner was vor, da passt wirklich alles zusammen.

Leider gilt das für den Rest des Films nicht so ganz. „The Lords Of Salem“ leidet vor allem an einem schwachen Drehbuch mit stellenweise konfuser Handlung. Der Film kann sich offenbar nicht entscheiden, ob er eine Art „Blair Witch Project“, ein normaler Horrorfilm, eine Hommage an (schlechte, heute als „Kult“ geltende) Filme aus den 1970ern oder vielleicht doch so etwas wie ein Psychothriller sein will. Und wie immer in einem solchen Fall ist er ein bisschen was von allem, ohne irgendwo richtig gut zu sein. Die Handlung ist zum Teil ausgesprochen abstrus und – noch schlimmer – so dünn, dass man sich fragt, wie der Film auf abendfüllende Länge gestreckt werden konnte. Das wird beim Ansehen allerdings schnell klar – das Erzähltempo ist, gelinde gesagt, bedächtig. Lange Phasen, die geradezu statisch wirken, wechseln sich mit Dialogen ab, die so nichtssagend sind, dass man tatsächlich versucht ist, den Vorlauf zu aktivieren. Natürlich trifft das nicht auf alle Dialoge zu, aber stellenweise ist es schon unglaublich, wie wenig Aussage drin steckt.

Nächstes Sorgenkind ist die Schauspielerriege. Selbstverständlich darf man von einem Rob Zombie-Streifen kein Star-Ensemble aus Hollywood erwarten. Das ist grundsätzlich auch kein Problem und macht seine Filme auch zu dem, was sie sind. Aber in diesem Fall wirkt nicht nur das Drehbuch ermüdend, sondern die Darsteller scheinen das ein bisschen zu sehr verinnerlicht zu haben. Begeistern kann eigentlich nur Bruce Davison, der seine Rolle als Historiker sehr gut spielt und sich damit umso mehr vom restlichen Cast abhebt. Auch Meg Foster als alte Hexe macht ihre Sache passabel, obwohl aus meiner Sicht mehr aus dieser Rolle herauszuholen gewesen wäre. Die übrigen Darsteller bieten zwar an sich keine schlechte Leistung, leiden aber besonders am durchwachsenen Drehbuch.

Bleibt die Hauptdarstellerin: Sheri Moon Zombie liefert meines Erachtens eine ambivalente Leistung ab. Sie profitiert grundsätzlich von ihrer natürlichen Ausstrahlung, die ihr nicht abzusprechen ist. Leider ist die Rolle, die sie in „The Lords Of Salem“ spielt, beinahe wie eine Charakterrolle angelegt – und dafür reicht das schauspielerische Talent dann nicht. Frau Zombie bewegt sich auf eine Art und Weise durchs Bild, die wohl bedächtig-tiefsinnig wirken soll – leider kommt sie dem Zuschauer stattdessen müde und farblos vor. In einigen Szenen kann sie zwar durchaus zeigen, was sie kann, aber insgesamt hat man die Dame definitiv schon in besserer Verfassung gesehen. Nebenbei bemerkt: Auch wenn Sheri Moon Zombie wirklich attraktiv ist, stellt sich die Frage, wie lange man ihr die Rolle als junges Mädchen noch abkauft. Aber das sei nur am Rande erwähnt.

Was dem Film außerdem fehlt, ist, dass er tatsächlich Furcht beim Zuschauer auslöst. Die Grundstimmung mag zwar bedrohlich sein, richtig beängstigend ist sie jedoch nicht. Das war aber etwas, was – zumindest ich – mir nach den Vorschauszenen, die unter anderem auch auf der „Twins of Evil“-Tour zu sehen waren, versprochen habe. Splatter fehlt praktisch völlig, ist aber auch nicht notwendig. Trotzdem wäre etwas mehr subtiler Horror meines Erachtens angebracht gewesen.

Fazit: Leider reicht es damit nur für zwei Punkte. Eine Bewertung, die mir als Zombie-Fan schwerfällt – aber genauso schwer ist es mir gefallen, „The Lords Of Salem“ von Anfang bis Ende durchzustehen. Wenn das Kunst sein soll, wünsche ich mir, dass Rob Zombie sich künftig wieder mehr an seinem ziemlich geradlinigen, bisherigen Referenzwerk „The Devil’s Rejects“ orientiert. Klar, prinzipiell nicht zu vergleichen – aber dieser Film war in allen Belangen überdurchschnittlich, was man von „The Lords Of Salem“ beim besten Willen nicht behaupten kann.

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: The Lords Of Salem
Regie: Rob Zombie
Jahr: 2012
Land: USA/UK/CAN
Laufzeit: 101 Minuten
Besetzung (Auswahl): Sheri Moon Zombie, Bruce Davison, Jeff Daniel Phillips, Ken Foree, Patricia Quinn



 

Ein Gedanke zu “FilmWelt: The Lords Of Salem

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