FilmWelt: Die Insel der besonderen Kinder

Eine Gruppe von jungen Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten versteckt sich vor der Welt – und vor bösen, ebenfalls „besonderen“ Wissenschaftlern. Das wird dem einen oder anderen aufgrund einer sehr bekannten Reihe von Marvel-Comic-Verfilmungen natürlich bekannt vorkommen. Glücklicherweise kann „Die Insel der besonderen Kinder“ problemlos für sich bestehen und hebt sich vom mutmaßlichen Vorbild wohltuend ab. 

Gesamteindruck: 5/7


Die „X-Jugend“.

Auch wenn „Die Insel der besonderen Kinder“ stilistisch – glücklicherweise – völlig anders gelagert ist, kann man die thematische Verwandtschaft zu den „X-Men“ nicht übersehen. Noch dazu stammt das Drehbuch von Jane Goldman, jener Autorin, die diese Position bereits für zwei X-Men-Filme bekleidet hat. Allerdings basiert „Die Insel der besonderen Kinder“ nicht auf einer Comicvorlage, sondern auf dem gleichnamigen Roman (im Original: „Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children“, 2011) des 1980 geborenen Schriftstellers Ransom Riggs. Inwiefern sich der junge Riggs bei den alten X-Men bedient hat, entzieht sich meiner Kenntnis, weil ich bis zum Zeitpunkt dieser Rezension das Buch nicht gelesen habe.

Unabhängig von diesen Gedankengängen weiß der Film über weite Strecken zu gefallen. Zwischendurch gibt es zwar einige Längen, die sind aber zu verschmerzen. Einzige Ausnahme bildet die Darstellung der Beziehung zwischen Emma (Ella Purnell) und Jake (Asa Butterfield), die sich meines Erachtens zu klischeehaft und gleichzeitig recht zäh entwickelt. Insgesamt ist in Bezug auf Charaktere und Besetzung aber alles in Ordnung, auch wenn man beim eigentlich sehr geschätzten Samuel L. Jackson mittlerweile das Gefühl hat, dass er a) praktisch in jedem Film aus Hollywood mitspielt und b) seine Rollen immer sehr, sehr ähnlich sind (speziell wenn er als Bösewicht agiert). Letztlich spielt Jackson den bösen Mr. Barron dennoch passabel, allerdings hätte das Drehbuch ruhig etwas mehr Wert auf den Charakter des Schurken legen können (der in der Romanvorlage übrigens gar nicht vorkommt, vielleicht ist das das Problem).

Und noch ein Wort zur Besetzung: Die Rolle der Miss Peregrine hat Tim Burton meines Erachtens ganz klar für seine ehemalige Lebensgefährtin Helena Bonham Carter, die man ja aus diversen Burton-Filmen (zuletzt „Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“, 2016) kennt, angelegt. Eva Green (bekannt u. a. aus der Serie „Penny Dreadful“) sieht in „Die Insel der besonderen Kinder“ nicht nur wie eine junge Ausgabe von Bonham Carter aus – sie agiert auch sehr ähnlich. Ich würde das weder als positiv noch als negativ bewerten, es ist einfach ein Punkt, der auffällt.

Ansonsten sieht man die Handschrift von Tim Burton vornehmlich in der Optik der „Hollowgasts“. Deren unheimliches Aussehen und ihre Art, Opfer zu verfolgen und zu töten zeigt, dass der Film für Kinder nicht geeignet ist. Dafür sorgt auch der eine oder andere Splatter-Effekt. A pro pos Effekte: Optisch ist „Die Insel der besonderen Kinder“ ausgesprochen gut gelungen – auch, weil man es mit dem Einsatz von Special Effects und CGI nicht übertreibt (bzw. sehr geschickt agiert), was heutzutage eine wohltuende Ausnahme ist.

Allerdings ist nicht alles Gold, was glänzt. Auch wenn die Geschichte sehr solide erzählt wird und Drehbuch sowie Schauspieler ihre Sache großteils sehr gut machen, hat der Film meiner Meinung nach ein wenig mit der Logik zu kämpfen. Das ist beim Thema „Zeitschleifen“ nicht ungewöhnlich – in diesem Fall ist mir aber ein bisschen zu viel „timey-wimey“ dabei, sodass man sich vor allem zum Schluss hin sehr schwer tut, überhaupt folgen zu können. Und das sage ich als Fan von Science Fiction im Allgemeinen und Zeitreise-Geschichten im Speziellen. Leider wirkt das Finale dadurch überhastet und zu wenig ausgearbeitet – wobei ich nicht verhehlen möchte, dass ich vielleicht ein wenig zu kritisch bin, was die Logik betrifft.

Alles in allem macht das gute 5 Punkte für einen unterhaltsamen Film, der kleine Längen hat und gelegentlich vielleicht etwas zu viel will, ohne sich richtig zu erklären.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children
Regie: Tim Burton
Jahr: 2016
Land: USA/UK/Belgien
Laufzeit: 127 Minuten
Besetzung (Auswahl): Asa Butterfield, Ella Purnell, Eva Green, Samuel L. Jackson, Judi Dench