MusikWelt: Transilvanian Hunger

Darkthrone


Mit ihrem Black Metal-Debüt „A Blaze In The Northern Sky“ (1992) und dem nicht minder genialen „Under A Funeral Moon“ (1993) haben Darkthrone ein unüberhörbares Zeichen in der zweiten Generation der wohl extremsten aller Musikrichtungen gesetzt. Ihr Drittwerk in diesem Genre, „Transilvanian Hunger“ (1994), ist zwar thematisch völlig anders gelagert, nicht jedoch musikalisch. Allerdings darf auch nicht verhehlt werden, dass dieses Album nicht ganz so gelungen ist, wie seine zwei unmittelbaren Vorgänger. Kritik auf hohem Niveau, keine Frage – aber auch bei Darkthrone ist halt nicht alles Gold, was glänzt.

Gesamteindruck: 5/7


Nicht ganz so gute Platte mit herausragendem Titeltrack.

Wer sich Darkthrone ausgerechnet mit „Transilvanian Hunger“ zum ersten Mal anhört, sollte gewarnt sein: Zunächst vermutet man tatsächlich defekte Boxen als Grund für den …hmmm… außergewöhnlichen Klang dieser Platte. Sogar im Vergleich zum auch nicht gerade auf Hochglanz polierten Vorgänger „Under A Funeral Moon“ fällt die Tonqualität noch einmal deutlich ab. Allerdings waren die Norweger sowieso noch nie etwas für Schöngeister und das sollte sich auch jeder Neueinsteiger ins Genre klarmachen – speziell, bevor er eine Platte genau dieser Truppe auflegt. Denn wer sich wirklich darauf einlässt und genau zuhört, kann unzählige Feinheiten erkennen, die die Musik des infernalischen Duos so interessant macht.

Im Falle von „Transilvanian Hunger“ trifft das vor allem auf dem Titeltrack zu, der gleich an erster Stelle des Albums steht und eines der Meisterwerke von Darkthrone schlechthin ist. Kälte und Monotonie, über denen eine einfache, aber dramatische Melodie schwebt, die den Zuhörer sofort gefangen nimmt – „Transilvanian Hunger“ ist ein nur ganz selten erreichtes und erreichbares Opus Magnum des Black Metal.

Dagegen müssen die folgenden Stücke zwangsläufig ein wenig abfallen – und genau das tun sie auch. „Over Fjell Og Gjennom Torner“ bleibt vor allem durch die sehr guten und stark im Vordergrund stehenden Vocals in Erinnerung, ist ansonsten aber eher belanglos. Ähnlich ergeht es in meinen Ohren auch „Skald Av Satans Sol“. Sehr rockig und dennoch eiskalt gibt sich „I En Hall Med Flesk Og Mjød“, dass für eine Länge von über 5 Minuten für meinen Geschmack allerdings zu monoton klingt. Noch länger (knapp 6 Minuten) ist „As Flittermice As Satan Spys“, das zwar einen recht interessanten Mittelteil mit guter Gitarrenarbeit bietet, ansonsten aber lediglich Durchschnitt ist.

Wesentlich besser: „Slottet I Det Fjerne“, das mit düsterer Brachialität, die der Truppe sehr gut zu Gesicht steht, punktet. Auch “Graven Takeheimens Saler“ ist sehr gut ausgefallen und kann – wenn auch nicht im ersten Hördurchgang – überzeugen. Noch besser gefällt mir der Rausschmeißer „En Ås I Dype Skogen“, wofür vor allem die räudigen, bösartigen Vocals verantwortlich sind. Ein guter Abschluss für eine gute Platte, die ihren beiden Vorgängern insgesamt jedoch nicht das Wasser reichen kann.

Letztlich ist aber der Titeltrack dermaßen gut gelungen, dass ich von der ursprünglich geplanten 4-Punkte-Wertung auf 5 aufrunde. Was den Sound betrifft, muss man mit den üblichen Abstrichen leben; wenn man sich wirklich für Black Metal interessiert, wird man das auch können. Man kann es natürlich auch so sehen, dass gerade dieses Album, mehr noch als jedes andere von Darkthrone, eine Art Standard (oder ist es eher ein Sub-Standard?) gesetzt hat, was den Klang betrifft. Das ist, rein tontechnisch, Black Metal in seiner essentiellsten Form. Es gibt zwar noch schlechtere Produktionen, aber kaum eine andere Platte schafft es in einer solchen Erhabenheit dermaßen grottig zu klingen, wie es „Transilvanian Hunger“ tut. Damit – und mit eigentlich allen Werken, die folgten – bleiben die Norweger, was sie waren und bis heute sind: Das absolute Gegenteil jeglicher Konsensfähigkeit, mitunter sogar innerhalb des Black Metal.

Exkurs: Einen Blick auf diese Provokation-ist-alles-Attitüde der Herren Fenriz und Nocturno Culto gab es auf der umstrittenen Zweitpressung des Albums: „Norwegian Aryan Black Metal“ stand auf der Rückseite der Platte zu lesen. Das ist mittlerweile längst berichtigt zu „True Norwegian Black Metal“ und in diversen Interviews aus der Welt geschafft – es zeigt aber in der Rückschau sehr deutlich, wie man damals alles versuchte, um möglichst „böse“ zu wirken. Dass man sich eines solchen Schriftzuges nicht entblödete, obwohl die Texte keinerlei (!) politische Botschaft enthalten, lässt erahnen, wie wichtig das Image damals gewesen sein muss. Aus heutiger Sicht ist das zwar nur mehr eine Randnotiz der Geschichte, interessant ist es aber allemal, zumal wir es bei Darkthrone mit einer Band zu tun haben, die das eigentlich nicht nötig gehabt hätte – ihre Musik dürfte für Ottonormalhörer damals schon abschreckend genug gewesen sein.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Transilvanian Hunger – 6:10 – 7/7
  2. Over Fjell Og Gjennom Torner – 2:29 – 4/7
  3. Skald Av Satans Sol – 4:29 – 5/7
  4. Slottet I Det Fjerne – 4:45 – 6/7
  5. Graven Tåkeheimens Saler – 4:59 – 6/7
  6. I En Hall Med Flesk Og Mjød – 5:13 – 4/7
  7. As Flittermice As Satans Spys – 5:56 – 4/7
  8. En Ås I Dype Skogen – 5:03 – 6/7

Gesamteindruck: 5/7 


Darkthrone auf “Transilvanian Hunger” (1994):

  • Nocturno Culto − Vocals
  • Fenriz − Guitars, Bass, Drums

Anspieltipp: Transilvanian Hunger

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2 Gedanken zu “MusikWelt: Transilvanian Hunger

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