MusikWelt: In The Night

Dream Evil


Dass die Schweden Dream Evil ihre Instrumente ausgezeichnet beherrschen steht außer Frage. Auch Sänger Niklas „Nick Night“ Isfeldt ist ein guter Vertreter seiner Zunft. Leider schwankt aber die Qualität des Songwritings meiner Ansicht nach stark, sodass der ganz große Erfolg wohl nie erreicht werden wird. Gut nachzuhören ist all das auch auf ihrem bis dato letzten Album „In The Night“ (2010).

Gesamteindruck: 3/7


Technisch sauber, ansonsten mittelmäßig.

„In The Night“ bietet den gewohnt melodischen, sauber gespielten Power Metal, den man von der Band kennt. Der generelle Härtegrad wurde im Vergleich zu den Vorgänger-Alben leicht erhöht, die Judas Priest-Anteile, die immer schon da waren, weiter verstärkt. Mit „Immortal“ gelingt ein Einstieg nach Maß: Uptempo trifft auf einen griffigen Chorus und starke Gitarren-Riffs. Hier hat man alles richtig gemacht, die Nummer steht in der Tradition von Klasse-Tracks wie „The Book Of Heavy Metal“, „Chosen Twice“ oder „H.M.J.“. Auch das darauf folgende Titelstück geht in Ordnung, wenngleich man hier beim genaueren Hinhören bereits ein ungutes Gefühl bekommt, was die Texte betrifft. Übrigens fallen in diesem Song besonders stark die Judas Priest-Reminiszenzen auf, wobei ich persönlich sogar noch stärker an Primal Fear denken muss. Ebenfalls brauchbar: der lockere, Scorpions-kompatible Rocker „See The Light“ (sehr gute Gitarrenarbeit, markantes Riffing!) und das schnelle „Frostbite“ (Hommage an den gleichnamigen, schwedischen Vampir-Film?).

Der Rest des Albums klingt für mich altbacken und ist eigentlich kaum der Rede wert. Es bleibt so gut wie nichts Positives hängen. Im Gegenteil: Bereits an dritter Stelle wird mit dem Midtempo-Stampfer „Bang Your Head“ in textlicher Hinsicht die True-Metal-Keule ausgepackt, was dem musikalisch ganz guten Song extrem klischeehaft daherkommen lässt. Ähnlich geht es dem an vorletzter Stelle „versteckten“, ebenso platten „Kill, Burn, Be Evil“. Eigentlich würde auch „Mean Machine“ in diese Kategorie fallen, ist aber musikalisch deutlich schwächer als die genannten Lieder.

Der Tiefpunkt des Albums ist allerdings „The Ballad“. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass ich als Fan von Judas Priest und Manowar (ja, die gibt es noch immer!) grundsätzlich absolut nichts gegen gewisse Klischees in Texten und heroische Balladen habe. Auch HammerFall, Rhapsody Of Fire und die Regionalgrößen Majesty sagen mir durchaus zu, ebenso diverse Black Metal-Bands, die sich lyrisch ja auch gerne mal vergreifen… Aber einen dermaßen grottigen Text wie ihn Dream Evil in „The Ballad“ abliefern habe ich tatsächlich noch nie gehört – Zeilen wie „We are made of Metal, oh-oh… / Our hearts are made of steel / Even if we’re stained with blood / We got that sex appeal…“ und Ähnliches zu singen, würde sogar Eric Adams die Schamesröte ins Gesicht treiben. Auch wenn die Vermutung nahe liegt (und auch stellenweise im Internet zu lesen ist), dass das Ganze eine Parodie sein soll – ob sich Dream Evil damit einen Gefallen tun und Freunde machen werden, bleibt abzuwarten. Wobei man sich auch im Angesicht einiger anderer Texte auf diesem Album und der lustigen Pseudonyme fragen kann, wie ernst es Dream Evil insgesamt meinen… Übrigens ist „The Ballad“ auch wenn man den lyrischen Aspekt außen vor lässt, ein echter Rohrkrepierer. Auch sehr zwiespältig: „The Unchosen One“. Bereits der Titel zeigt unmissverständlich, dass sich die Nummer an den besten Song von Dream Evil (ganz nebenbei auch einer meiner Alltime-Favorites überhaupt), „The Chosen Ones“ anlehnt. Selbstredend wird dessen Qualität bei weitem nicht erreicht, das Stück ist zwar keine Katastrophe, aber durch den Namen werden Erwartungen geschürt, die einfach nicht erfüllt werden können. Dadurch bleibt ein mehr als schaler Nachgeschmack.

Musikalisch gesehen stehen also drei mehr oder minder totalen Ausfällen („The Ballad“, „Mean Machine“, „The Unchosen One“) mit „Immortal“, „In The Night“, „See The Light“ und „Frostbite“ vier sehr gute Stücke gegenüber. Einigermaßen brauchbar sind „Bang Your Head“ und „Kill, Burn, Be Evil“. Der Rest ist in meinen Ohren Mittelmaß; nicht übel, aber auch nicht zwingend. Eigentlich würde ich damit knappe 4 Punkte vergeben. Aber entweder verstehe ich die Ironie des Ganzen nicht, oder die Jungs meinen das tatsächlich alles ernst – wie auch immer, wie eine ernstzunehmende Band kommen mir Dream Evil damit nicht vor.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Immortal – 4:38 – 6/7
  2. In The Night – 3:15 – 5/7
  3. Bang Your Head – 3:51 – 4/7
  4. See The Light – 3:39 – 5/7
  5. Electric – 3:50 – 3/7
  6. Frostbite – 3:30 – 6/7
  7. On The Wind – 3:45 – 3/7
  8. The Ballad – 4:51 – 1/7
  9. In The Fires Of The Sun – 4:41 – 3/7
  10. Mean Machine – 4:05 – 2/7
  11. Kill, Burn, Be Evil – 2:51 – 4/7
  12. The Unchosen Ones – 3:35 – 2/7

Gesamteindruck: 3/7 


Dream Evil auf “In The Night” (2010):

  • Nick Night − Vocals
  • Dannee Demon − Lead Guitars
  • Ritchie Rainbow − Rhythm Guitars
  • Pete Pain – Bass
  • Pat Power – Drums

Anspieltipp: Immortal

Ein Gedanke zu “MusikWelt: In The Night

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