BuchWelt: Die Straße

Cormac McCarthy


Endzeit-Romane gibt es viele – doch nur wenige erschaffen eine derart trostlose Welt vor den Augen des Lesers wie Cormac McCarthys „Die Straße“. Der Autor lässt seine Protagonisten in einem völlig verbrannten, unfruchtbaren, sonnenlosen und immer weiter verrottenden Amerika ihren Weg gehen, verfolgt von Wind, Wetter und üblen Typen. Das klingt im ersten Moment zumindest nach ein wenig Action – in Wirklichkeit dominiert in diesem Buch aber nur eines: Hoffnungslosigkeit, durchsetzt mit einem zusehends schwächer werdenden Willen, zu überleben.

Gesamteindruck: 6/7


Trostloser kann die Endzeit kaum sein.

Dass aus solchen Zutaten nur eine höchst pessimistische Grundstimmung entstehen kann, verwundert nicht weiter. Der knappe Stil von Cormac McCarthy, der kurze Sätze und Satzfragmente aneinanderreiht, tut sein Übriges zu diesem Eindruck. Noch dazu wird in den kurzen Dialogen kaum Wesentliches gesagt, sogar die Anführungszeichen fallen weg. Auch auf ausufernde Beschreibungen der Postapokalypse und wie es überhaupt soweit kommen konnte, verzichtet der Autor im Großen und Ganzen. Kein Wunder, außer Asche und einer grauen Welt gibt es offenbar nicht viel zu sehen. Konsequenterweise wurde selbst auf Namen, Orte und eine genaue Beschreibung der zwei Hauptpersonen (Vater und Sohn, das muss reichen!) verzichtet.

Unglaublich, dass dieser auf die Spitze getriebene Minimalismus dennoch so zu fesseln vermag, wie es „Die Straße“ tut. Man fiebert ständig mit den Protagonisten mit, leidet mit ihnen, wenn es ihnen schlecht geht und freut sich, wenn ihnen etwas Gutes widerfährt. Dem Autor gelingt es sehr gut, die Spannung hochzuhalten, man will einfach wissen, was Vater und Sohn am Ende ihrer Reise erwartet. Dadurch bleibt die Motivation, trotz des trockenen Stils weiterzulesen, nahezu durchgehend erhalten.

Negativ fällt eigentlich nur ein Punkt auf: Die Erschöpfung, der Hunger und der Allgemeinzustand der Hauptpersonen schrammen oft knapp an der Grenze zur absoluten Unglaubwürdigkeit vorbei. Man fragt sich mehr als einmal, wie derartige Jammergestalten überhaupt soweit kommen konnten. Daneben gibt es noch einen gewissen Hang zu einer – aus meiner Sicht – typisch amerikanisch-religiösen Haltung, die angesichts der Postapokalypse einigermaßen aufgesetzt wirkt. Zum Glück reißt sich der Autor aber am Riemen und streut derartige Passagen nur gelegentlich ein.

Für die volle Punktezahl reicht es zwar nicht ganz, aber dennoch ist „Die Straße“ ein Werk, das Liebhaber von minimalistischer Literatur gelesen haben sollten. Dass das Buch „zu Tränen rührt“, wie einige Kritiker der Fachpresse geschrieben haben, ist meiner Ansicht nach übrigens eine Übertreibung. Dazu fehlen aufgrund des knappen Stils ganz einfach die Emotionen.

Gesamteindruck: 6/7strasse


Autor: Cormac McCarthy
Originaltitel: The Road.
Erstveröffentlichung: 2006
Umfang: ca. 260 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

2 Gedanken zu “BuchWelt: Die Straße

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