FilmWelt: Schlacht um Midway

„Schlacht um Midway“ ist top besetzt (u. a. am Start: Fonda, Heston, Coburn, Mitchum) und eigentlich auch ganz gut gespielt. Zumindest, wenn man die Maßstäbe für einen linientreuen, patriotisch angehauchten US-Kriegsfilm aus den 1970er Jahren ansetzt, die nun nicht allzu hoch sind. Auch technisch ist das, was Regisseur Jack Smight (†  2003) auf die Beine stellt, gut gemacht und ausreichend spektakulär. Und historisch scheint mir das Ganze wesentlich akkurater zu sein als die „Pearl Harbor“-Katastrophe von Michael Bay. Eine hohe Wertung muss dem Film aber trotzdem versagt bleiben, vor allem, weil er aus heutiger Sicht nicht das erfüllt, was man sich erhofft: Ein Statement gegen den Krieg.

Gesamteindruck: 4/7


Krieg als strategisches Abenteuer.

Die historische Schlacht um Midway, die dem gleichnamigen Film als Hintergrund dient, war ein Wendepunkt am Pazifik-Schauplatz des 2. Weltkrieges. Den Amerikanern gelang es, der bis dahin weitgehend überlegenen Flotte der Japaner eine Niederlage beizubringen und damit die Initiative an sich zu reißen, die bis Kriegsende nicht mehr verloren ging. Der Film nimmt sich dieses Themas an, vorwiegend (natürlich) aus US-amerikanischer Sicht. Die japanische Seite wird zwar ebenfalls beleuchtet, jedoch weit weniger prominent. Diese Herangehensweise entspricht durchaus den Erwartungen an einen Kriegsfilm aus den 1970ern, letztlich ist es löblich, dass überhaupt versucht wird, auch ein bisschen vom Pech, das die Japanaer in bzw. vor dieser Schlacht eben auch hatten, darzustellen.

Wenn man sich die Fakten über „Schlacht um Midway“ zu Gemüte führt, ist man zunächst geradezu erschlagen von der Star-Power, die Regisseur Jack Smight auffährt: Henry „Admiral Nimitz“ Fonda (zwei Oscars) steht an der Seite von Charlton „Captain Garth“ Heston, Cliff „Commander Jessop“ Robertson und James „Captain Maddox“ Coburn (jeweils ein Oscar), dazu diverse Golden Globe-Preisträger und der sehr bekannte Robert „Admiral Halsey“ Mitchum, dem eine größere Auszeichnung in seiner Karriere verwehrt blieb. Dass mit einer solchen Besetzung schauspielerisch alles im Grünen Bereich ist, sollte also nicht überraschen. Im Übrigen machen auch die großteils von asiatisch-stämmigen Amerikanern gespielten Japaner eine sehr gute Figur, was oft genug übersehen wird. Und auch hinter der Kamera werkeln diverse Preisträger, darunter Komponist John Williams, x-facher Oscar- und Golden Globe-Gewinner.

Die Schauspieler und ihre Leistung sind meiner Ansicht nach also nicht für die durchwachsene Bewertung des Films verantwortlich, ebensowenig sind es Technik und Ausstattung, die sich auf der Höhe der Zeit bewegen und auch heute noch einen sehr guten Eindruck machen. Wobei es schon ein wenig auffällt, dass für die Dreharbeiten nur amerikanische Schiffe zur Verfügung standen, die auch der japanischen Seite als Kulisse dienten, aber sei’s drum. „Schlacht um Midway“ krankt auch nicht an der Handlung, die, soweit man das als Laie sagen kann, durchaus den realen Begebenheiten Rechnung trägt. Das Problem ist aus meiner Sicht einzig und allein im Drehbuch zu suchen.

Kurz gesagt: Der Film ist im Endeffekt zu oberflächlich, er konzentriert sich zu sehr auf die technischen und strategischen Seiten des Geschehens. Was der Film nicht zeigt (und wodurch er heutigen Sehgewohnheiten einfach zuwider läuft), ist die Auswirkung des Krieges auf die Soldaten, auf den Einzelnen. Der Krieg wird in „Schlacht um Midway“ zu einer Materialschlacht; die Perspektive konzentriert sich im Großen und Ganzen auf die Admiralität, die ihre Flieger und Schiffe mal hierhin, mal dorthin schiebt, ohne sich groß um die Verluste, die daraus entstehen, zu kümmern. Das mag sogar realistisch sein, leider wird es aber nicht genutzt, um gerade an diesen Zuständen Kritik zu üben. Die kleine Liebesgeschichte, die vorkommt, hätte es für mein Dafürhalten sowieso nicht gebraucht, sie ist aber glücklicherweise nicht entscheidend für die Handlung.

Es mag durchaus sein, dass all das für einen Kriegsfilm aus den 1970ern gereicht hat und vielleicht sogar gewünscht war. Das ändert aber nichts daran, dass es mir persönlich als Zuseher im Jahr 2017 zu wenig ist. Dennoch: Wenn man ohne Erwartung von tieferen Einblicken in die Soldaten-Seele rangeht, kann der Film durchaus unterhalten. Nicht mehr und nicht weniger.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Midway
Regie: Jack Smight
Jahr: 1976
Land: USA
Laufzeit: 132 Minuten
Besetzung (Auswahl): Henry Fonda, Charlton Heston, James Coburn, Robert Mitchum, Robert Wagner, Glenn Ford, Toshirō Mifune