SpielWelt: F.E.A.R.

Eine Reihe von Auszeichnungen durch mehr oder weniger namhafte Spielemagazine ist ja oft genug tatsächlich eine gelungene Kaufempfehlung für ein Spiel. Im Falle von „F.E.A.R.“ empfinde ich den Regen an Höchstwertungen (darunter z. B. 87% bei PC Games, 89% bei GameStar und 86% bei PC PowerPlay) hingegen als kollektive Wahrnehmungstrübung. Schlecht ist das Spiel ja keineswegs, aber dass es dermaßen in den Himmel gelobt wird, kann ich tatsächlich nicht verstehen. Sogar die Dinge, die man auf der Habenseite verbuchen kann, bekommt man meines Erachtens anderswo mindestens genauso gut, wenn nicht besser.

Gesamteindruck: 4/7


Könnte weit besser sein.

„F.E.A.R.“ steht als Abkürzung für „First Encounter Assault Recon“ und ist im gleichnamigen Spiel der Name für eine US-Spezialeinheit. Dass „Fear“ gleichzeitig auch „Furcht“ bedeutet, kommt nicht von ungefähr. Der Ego-Shooter aus dem Jahr 2005 setzt auf Horror-Elemente, die den Spieler ab und an ordentlich erschrecken. Ganz ist der Name meines Erachtens aber nicht Programm, auch wenn es durchaus Szenen gibt, in denen der Puls anständig in die Höhe geht. Diese sind für mein Dafürhalten aber recht sparsam im Spiel verteilt, was zwar nichts Schlechtes sein muss, den Titel aber auch ein wenig Lügen straft. Dennoch: Die Atmosphäre, die in „F.E.A.R.“ herrscht, ist grundsätzlich gelungen, daran kann man kaum rütteln. Die Anleihen aus diversen Horrorstreifen (das kleine Mädchen aus „Ring“ kommt einem sofort in den Sinn) wurden gut eingebaut und erzeugen tatsächlich den einen oder anderen Schockmoment. Was aber nicht bedeutet, dass wir es hier mit einem richtig beängstigenden Spiel (wie z. B. „Outlast“ und Konsorten) zu tun haben. Irgendwie logisch, ist „F.E.A.R.“ letztlich nicht mehr und nicht weniger als ein reinrassiger Shooter und setzt kaum bis gar nicht aufs Schleichen, was in der Regel für einen wesentlich höheren Angst-Faktor sorgt. Immerhin sorgt die in Gefahrensituationen bedrohlich anschwellende Musik für Nervenkitzel, ist ja auch nicht schlecht.

Größter Pluspunkt am Shooter aus dem Hause Monolith ist meines Erachtens die Intelligenz der Gegner. Die laufen nämlich nicht wie stumpfe Bots direkt in das Schussfeld des Spielers, sondern gehen in Deckung und versuchen, ihn nach Möglichkeit sogar zu flankieren oder in den Rücken zu fallen. Dadurch kommt stellenweise trotz moderatem Schwierigkeitsgrad tatsächlich Stress auf. Dagegen hilft die aus „Max Payne“ oder dem Film „Matrix“ bekannte „Bullet Time“, die das Geschehen verlangsamt und es dem Spieler sogar ermöglicht, Kugeln auszuweichen (deren Zeitlupen-Bewegung durch die Luft ist übrigens ebenfalls ein sehr schöner grafischer Effekt). Ebenfalls im Haben zu verbuchen: Grafisch kommt „F.E.A.R.“ für ein zum Zeitpunkt der Rezension immerhin zwölf Jahre altes Spiel mehr als brauchbar daher. Für mein Gefühl muss die Optik zum Erscheinungszeitpunkt definitiv State of the Art gewesen sein und auch heute sieht das alles immer noch einigermaßen schick aus. Speziell Details wie Einschusslöcher in den Wänden, die nach Feuergefechten zurückbleiben, der blutige Nebel, wenn ein Gegner von einer Granate zerfetzt wird oder die schönen Wasser- und Feuereffekte trösten über die teilweise recht einfach und stellenweise auch hässlich wirkenden Gänge hinweg.

Klone? Sehen immer gleich aus!

Weniger gut ist hingegen, dass die Gegnerschaft aus Klon-Soldaten besteht. Ja, das ist wesentlicher Bestandteil der Story, wurde von den Entwicklern aber offenbar zum Anlass genommen, bei der Vielfalt der Gegner zu sparen. Mehr als vier oder fünf unterschiedliche Typen an Feinden gibt es nämlich nicht. Noch dazu treten die Gegner immer in Gruppen von drei bis vier Mann auf, was die Gefechte mit der Zeit extrem vorhersehbar und öde macht – schöne Bullet Time und gute KI hin oder her. Der einzige Ausweg aus dieser Misere war wohl, die Konfrontationen generell etwas einzuschränken, was bedeutet, dass man letztlich recht lange allein durch die Korridore stapft und es gar nicht so häufig zu Kämpfen kommt, wie man meinen könnte.

Und damit kommen wir auch schon zu meinen größten Kritikpunkten an „F.E.A.R.“: Das ganze Spielkonzept ist nicht so einfallsreich, wie man es sich erhofft. Ich musste mehr als einmal an „Half-Life“ denken – dafür sorgt die verlassene Industrieanlage im ersten Drittel des Spiels, danach der nicht ganz so verlassene Bürokomplex, dessen Sicherheitskräfte den Spieler als Feind ansehen und schließlich erneut eine Art Fabrik. Das alles kennt man bereits zur Genüge. Dazu kommt, dass es praktisch keine Alternativrouten gibt (außer wenn das Spiel einen – selten – dazu zwingt), was den Wiederspielwert gegen Null tendieren lässt. Und während man in „Half-Life“ mit ähnlich gestalteten Umgebungen kein so großes Problem hatte, weil das Spiel einen so durchführte, dass man wusste, wo man war und warum, tappt man bei „F.E.A.R.“ halt einfach stundenlang durch gleichförmige Gänge.

So etwas will – zumindest damit es mir persönlich richtig Spaß macht – storymäßig gut begleitet sein. „F.E.A.R.“ geht dabei grundsätzlich einen bewährten Weg: Funksprüche, Laptops und Anrufbeantworter bringen die Story voran (kennt man so ähnlich aus „System Shock“, „BioShock“, „Dead Space“ usw.). Leider gelingt das hier nicht so toll. Ich könnte nun gar nicht benennen, woran es genau liegt, aber es war mir nicht möglich, der Geschichte vernünftig zu folgen. Wobei eigentlich nicht das Folgen an sich das Problem war, sondern eher, dass die Handlung dermaßen belanglos daher kommt. Es fehlte mir letztlich an Emotionalität, an Details, die die Mär vom außer Kontrolle geratenen Militärexperiment von ihrer Konkurrenz, die es ja nicht gerade selten gibt, abhebt.

Damit ist „F.E.A.R.“ im Endeffekt ein brauchbares aber keineswegs überragendes Spiel. Den Grund für das sich regelrecht überschlagende Lob, das das Spiel vielerorts erhalten hat und teilweise immer noch erhält, konnte ich praktisch an keiner Stelle nachvollziehen. Solide? Ja! Ein Meisterwerk? Nein!

(c) gronkh.de

(c) gronkh.de

Gesamteindruck: 4/7


Genre: Ego-Shooter
Entwickler: Monolith Productions
Jahr: 2005
Gespielt auf: PC


 

2 Gedanken zu “SpielWelt: F.E.A.R.

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