FilmWelt: Jurassic World

Wovon soll ein Film des „Jurassic Park“-Franchise handeln? Das ist natürlich eine rhetorische Frage, mehr als dass das Experiment schiefgeht und die Schöpfung sich gegen ihren Schöpfer wendet, ist noch niemandem dazu eingefallen. Was für Teil 1 (1993) neu, innovativ und grandios umgesetzt wurde, flachte ab Teil 2 (1997) zusehends ab und war spätestens ab da überdeutlich als Versuch, den Fans das Geld aus der Tasche zu ziehen, erkennbar. Teil 4 der Reihe macht es leider nicht besser. Es scheint, als ob dieser Stoff mittlerweile ausgedient hat.

Gesamteindruck: 2/7


Nur ein weiterer Sargnagel für eine Legende.

Der Weg zu „Jurassic World“ war lang und steinig. Ursprünglich hätte der 4. Teil der „Jurassic Park“-Saga bereits kurz nach seinem Vorgänger (2001) erscheinen sollen. Streitigkeiten („kreative Differenzen“, wie es so schön heißt), der Tod von „DinoPark“-Autor Michael Crichton (2008) und diverse andere Unwägbarkeiten (darunter der Verlust des gesamten Original-Casts aus Teil 1, der eigentlich angefragt worden war; einzige Ausnahme: BD „Dr. Wu“ Wong) verzögerten die Arbeiten am Film immer wieder. Schließlich war es aber doch so weit und 2015 schaffte die langerwartete Fortsetzung endlich den Sprung ins Kino.

Nach Genuss des Films muss man sich jedoch fragen, ob es nicht besser gewesen wäre, die Geschichte endgültig ruhen zu lassen. Tatsächlich ist „Jurassic World“ in meiner Wahrnehmung ein Film, der zeigt, dass es heute schwierig geworden ist, gehaltvolle Blockbuster zu machen. Oder ist das so gewünscht? Ich weiß es nicht. Und damit komme ich auf meine Eingangsfrage zurück: Was soll in einem Film aus diesem Franchise eigentlich passieren? Die Story scheint fix vorgegeben zu sein, Abweichungen sind offenbar nicht möglich. Zumindest war es in keinem der vier Teile anders. Das Problem liegt bei „Jurassic World“ aber tiefer – denn auch, wenn man akzeptiert, dass die Handlung sich nur um die Frage „Wie retten wir die Menschen vor den Dinos, die sich (schon wieder) anders verhalten, als gedacht?“ dreht, haben wir es hier einfach mit keinem guten Film zu tun.

Beginnen wir mit den Charakteren: Flach, flacher, am flachsten – die Personen, die im mittlerweile eröffneten Vergnügungspark werkeln, sind eine Schande für kantige, starke und perfekt ausgearbeitete Rollen wie Dr. Ian Malcolm oder John Hammond. Das gilt sowohl für die Helden als auch für die Verwaltungsmannschaft; lediglich zwei Charaktere haben mich einigermaßen überzeugt: Der schon genannte, erneut von BD Wong gespielte Genetiker Dr. Henry Wu, der als eiskalter Wissenschaftler sehr glaubwürdig agiert (leider aber nicht allzu oft im Bild ist) und der Leiter des Sicherheitsdienstes Vic Hoskins, dargestellt von Vincent D’Onofrio. Letzterer spielt seine Rolle gut, hat allerdings das Problem, dass ihm das Drehbuch eher dümmlich dastehen lässt. Ich meine: Dinosaurier zur militärischen Nutzung abrichten? Schlaue Idee, nach allem, was in den bisherigen Filmen passiert ist. Und was gibt es noch, was in keinem der bisherigen Filme fehlen durfte? Richtig, zwei nervende Kinder. Aber Schwamm drüber, das ist wohl ein notwendiges Übel. Leider, denn so wie die Handlung sich darstellt, wäre das auch ohne die beiden Brüder locker möglich gewesen – mehr als anwesend zu sein, machen die eh nicht. Identifikationsfläche? Fehlanzeige.

Inhaltlich ist es so, dass der Film der Thematik nichts Neues hinzufügen kann. Die Dinos befreien sich aus ihren Käfigen und fressen die Besucher – hätte man sich eigentlich denken können. Noch schlimmer ist aber, dass die Park-Betreiber noch naiver agieren, als sie es im ersten Teil tun. Schlauere, schnellere und größere Dinos zu züchten, die es in freier Wildbahn so nie gegeben hat, ist grundsätzlich eine dumme Idee. Für den Film ist es geradezu fatal, weil man merkt, dass der Indominus Rex letztlich nur eingebaut wurde, um einen neuen Antagonisten zu haben. Immerhin hat das der fiktive Park mit dem Film gemein – größer und böser ist halt nicht immer besser. Dafür erhält der Tyrannosaurus Rex nun endlich seine Rolle als Held in Form des deus-ex-machina, was ein bisschen lächerlich wirkt. Und auch die bisher so furchteinflößenden Velociraptoren sind mittlerweile zu Tieren verkommen, die man mit Klicker-Training unter Kontrolle bekommen kann. Eine gute Idee? Mitnichten, es ist einfach nur unfreiwillig komisch, wenn der Held auf seinem Motorrad, eskortiert von einem Rudel der schnellen Räuber, auf die Jagd geht.

Und doch, es gibt auch bei „Jurassic World“ Positives zu vermerken. Der Film hat mit seinen Vorgängern (nämlich mit allen!) gemein, dass die Dinosaurier-Action voll und ganz stimmt. Die Urzeitwesen sind nahezu perfekt in Szene gesetzt und sehen unglaublich realistisch aus. Interessanterweise ist hier der Unterschied zu den frühen 1990ern gar nicht so groß – ein schönes Zeichen dafür, wie gut „Jurassic Park“ eigentlich gealtert ist. Und: Die eine oder andere Anspielung auf das Original hat es dann doch noch in den Film geschafft. Das ist aber leider bei weitem nicht genug, um „Jurassic World“ zu einem wenigstens mittelmäßigen Film zu machen. Sehr traurig, wie hier eine Legende demontiert wurde. Aber das war ja eigentlich schon beim katastrophalen „Jurassic Park 3“ der Fall.

PS: „Jurassic World“ soll dabei nach aktuellem Stand den Auftakt einer neuen Trilogie bilden. Entsprechende Hinweise finden sich in zumindest einem Dialog. Das kann ja heiter werden…

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: Jurassic World
Regie: Colin Teverow

Jahr: 2015
Land: USA
Laufzeit: 124 Minuten
Besetzung (Auswahl): Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Irrfan Khan, Vincent D’Onofrio, Ty Simpkins, Nick Robinson, BD Wong



 

Ein Gedanke zu “FilmWelt: Jurassic World

  1. Pingback: Filme A-Z | Weltending.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.