FilmWelt: Bad Fucking

Harald Sicheritz porträtiert die österreichische Provinz – und gleichzeitig auch die Seele der dortigen Bevölkerung. Das ist nicht ungewöhnlich, sondern durchaus erwartungsgemäß. Überraschender ist, dass der Regisseur seine guten Zutaten längst nicht so gekonnt einsetzt, wie man es sich erhofft hätte. Das macht „Bad Fucking“ zwar nicht zu einem schlechten Film, eine kleine Enttäuschung bleibt aber dennoch zurück.

Gesamteindruck: 4/7


Provinzielle Apokalypse.

Wer in einem Ort lebt, dessen Name im Englischen ein Synonym für schlechten Geschlechtsverkehr ist, muss erfinderisch sein. Die Einwohner von Bad Fucking (das übrigens eine Anspielung auf den real existierenden Ort Fucking in Oberösterreich ist) haben sich im gleichnamigen Film mit dieser Situation arrangiert. Die Touristen, die busweise im Provinznest einfallen, werden nach allen Regeln der Kunst ausgenommen, die Wirtschaft boomt und es herrscht generelle Zufriedenheit. Bis die Idylle schließlich von einer Naturkatastrophe unterbrochen wird und kein Fremder mehr den Weg in die Ortschaft findet. Dass das nicht gut enden kann ist klar – und irgendwie auch typisch österreichisch.

Kult-Regisseur Harald Sicheritz verfilmte 2013 mit „Bad Fucking“ das gleichnamige, nicht minder groteske Buch von Kurt Palm. Sicheritz’schen Meisterleistungen wie „Muttertag“, „Freispiel“ und „Wanted“ kann dieser Film allerdings nicht das Wasser reichen, soviel sei vorweg gesagt. Dabei stimmen die Zutaten: Die Figuren sind herrlich skurril, richtige Sympathieträger sind kaum auszumachen, was in einem solchen Streifen gerne so sein darf. Die österreichischen Provinz wird in Bild und Ton geradezu perfekt dargestellt (als jemand, der vom Land kommt, darf ich das wohl so sagen). Die Gags zünden (großteils), die Schauspieler (man kann durchaus von einem österreichischen Star-Ensemble sprechen) machen ihre Sache ausgezeichnet. Sogar die Kritik an der hinterwäldlerischen Dorfgemeinschaft passt und ist ausreichend bissig formuliert.

Woran fehlt es also? Es ist wie so oft: Der Regisseur vermag diese Einzelaspekten in kein durchgehend stimmiges Ganzes zu gießen. Im Grunde ist „Bad Fucking“ eine Aneinanderreihung von mal mehr, mal weniger lustigen Szenen. Die verbindende Geschichte ist nicht der Rede wert und macht meines Erachtens auch relativ wenig Sinn. Eigentlich hat der Versuch, dem Film eine krimi-mäßige Rahmenhandlung zu geben, sogar einen negativen Effekt: Als Zuschauer springt man natürlich auf die Jagd nach einem Mörder an, versucht, die Puzzlesteine aneinander zu fügen. Wenn das dann nicht funktioniert, weil der Film gar nicht an einer Lösung interessiert scheint, sorgt das für Enttäuschung. Letztlich ist man sich als Zuseher nie sicher, ob „Bad Fucking“ sich nun selbst ernst nimmt oder nicht. Und in einer solchen Grauzone ist das Sehvergnügen – zumindest für mich – einfach nicht so hoch, wie man es sich erhofft hätte.

Ein zweiter Punkt, der auf der negativen Seite ins Feld geführt werden kann: Wie beschrieben ist der Humor großteils durchaus brauchbar. Es gibt intelligente Satire, meist muss man sich aber eher auf Tiefschläge einstellen. Durchaus passabel, möchte ich anmerken. Allerdings stehen den durchaus witzigen Szenen auch (zum Glück wenige) diverse Ausfälle entgegen, die komplett an meinem Humor vorbeigehen. Dieser Kontrast fällt in „Bad Fucking“ extrem aus. Glücklicherweise überwiegen aber die echten Schenkelklopfer, sodass dieser Kritikpunkt zwar da, aber nicht allzu groß ist.

Fazit: Der Film ist natürlich kein kompletter Ausfall wie „3faltig“. „Bad Fucking“ weiß schon zu unterhalten. Dennoch hat man ständig das Gefühl, dass wesentlich mehr Tiefgang und Klasse möglich gewesen wären.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Bad Fucking
Regie: Harald Sicheritz
Jahr: 2013
Land: Österreich
Laufzeit: 108 Minuten
Besetzung (Auswahl): Martina Ebm, Proschat Madani, Thomas Mraz, Wolfgang Böck, Michael Ostrowski, Bettina Redlich, Adele Neuhauser, Johannes Silberschneider



 

2 Gedanken zu “FilmWelt: Bad Fucking

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